Folge 08: Medienkonsum und Rückzug: Wenn alles zum Machtkampf wird

Shownotes


Ein 12-jähriger Junge zieht sich zurück, verbringt viele Stunden am Handy und an der Konsole, beteiligt sich kaum noch am Familienleben. Versuche, den Medienkonsum zu begrenzen, führen zu massiven Konflikten. Grenzen werden zu Machtkämpfen. Gespräche verhärten sich.
Und als zusätzliche Herausforderung steht eine chronische Erkrankung im Raum, die jede Eskalation besonders heikel macht.
In dieser Folge spreche ich darüber,
• warum die Beziehungsatmosphäre auf einmal Bedeutung bekommt, wenn es um die Regelung von Medienkonsum geht
• wie Machtkämpfe entstehen und welche Mechanismen in Folge dazu führen, dass Beziehung nachhaltig belastet wird
• warum Kinder grundsätzlich kooperativ sind und wann sie innerlich aussteigen
• wie Erwachsene aus Machtkämpfe aussteigen können.
Diese Folge lädt dazu ein, einen Schritt zurückzutreten, Dynamiken besser zu verstehen und den Blick wieder mehr auf Beziehung, Verantwortung und Verbindung zu richten – statt auf Kontrolle und machtvolle Durchsetzung.

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In dieser Folge erwähnte Angebote und Informationen:

Mein Buch Kindheit ohne Strafen - Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen

Der Gedanke der Woche stammt aus den 52 Affirmations- und Verbindungskarten von Katia Saalfrank – Das stärkende Kartenset für eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung

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Transkript anzeigen

00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung, um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katia Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.

00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungs- und beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. Ich freue mich sehr, dass ihr mit dabei seid. Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr seid wohlauf.

00:00:55: Sprecher 1 Jetzt so in der Frühlingszeit. Ein bisschen wärmer ist es geworden. Hier und da gibt es ja schon ein paar Vorboten für den Frühling. Und das tut uns ja auch immer alles ganz gut, wenn das Wetter wieder ein bisschen heller ist, wieder ein bisschen leichter, sich alles anfühlt. Und bevor wir gleich zur Frage von heute kommen hier in dem Podcast lade ich dich wieder zu einem Gedanken für diese Woche ein.

00:01:22: Sprecher 1 Vielleicht kann dieser Gedanke einer sein, den du mit in deine gesamte Woche nimmst. Immer mal wieder so als Reminder, als Erinnerung für die innere Haltung, für deine Gelassenheit, für die Freude. Und der Gedanke für diese Woche kommt wieder aus meinen Affirmations- und Verbindungskarten und lautet Ich bin freundlich zu allen Wesen, auch zu mir selbst. Und ich möchte dich einladen mit diesem Satz Dein Fokus für diese Woche für heute auf Freundlichkeit und ein wertschätzendes Miteinander zu legen.

00:02:00: Sprecher 1 Voraussetzung dafür ist nämlich ein Wohlwollen und eine innere Weichheit. Und wenn du magst, kannst du mal die Augen für einen Moment schließen und einatmen und ausatmen und bei der Ausatmung alle innere Spannung erst mal loslassen. Und du darfst dir dann ein ganz liebevolles, warmes Lächeln in deine innere Welt schicken und mal spüren, was passiert. Schau mal, ob du wahrnehmen kannst, dass hier und da sich etwas löst und das Anspannung schwindet.

00:02:39: Sprecher 1 Und jetzt kannst du dieses Gefühl mit ins Hier und Jetzt nehmen.

00:02:45: Sprecher 1 Und ich habe noch einen Gedanken, der diesen ersten ein wenig abrundet. Nämlich Du kannst in dieser Haltung dein Kind immer wieder an allen Ecken und Enden im Alltag signalisieren und auch sagen Schön, dass es dich gibt. Schön, dass wir zusammen sind. Ich freue mich über dich und uns. Also wenn du magst, probiere das mal für dich aus und schau mal, ob sich was verändert.

00:03:16: Sprecher 1 Und wenn du interessiert bist, die Karten für dich auch im Alltag zu nutzen Du findest sie in meinem Shop auf der Website. Katia Saalfrank Punkte. Und warum mache ich das? Weil ich immer wieder ein bisschen Einstimmung für das, was wir gleich besprechen wollen, bringen möchte. Und ja, hier immer wieder auch noch mal die Grundlage, den Gedanken für die Haltung, um die es geht.

00:03:42: Sprecher 1 In den Mittelpunkt stellen möchte. Denn erinnerte ich an den Gedanken Unsere innere Welt hat einfach einen großen Einfluss darauf, wie wir die äußere Welt gestalten und deshalb wie wir in unserem Inneren Gedanken und Zusammenhänge verändern, manifestieren. Das verändert vor allen Dingen erst mal ganz viel im Außen, obwohl wir erst mal aktiv vielleicht gar nichts tun, gar nichts anders machen im Alltag.

00:04:11: Sprecher 1 Ich bin freundlich zu allen Wesen, auch zu mir selbst. Das ist der Gedanke. Ich freue mich, wenn du da ein bisschen Rückmeldung gibst, ob das was mit dir macht, ob du was damit anfangen kannst. Und jetzt kommen wir zur Frage, die ich heute von Philipp, der natürlich anders heiß bekommen habe und der auch. Vielleicht habt ihr es euch schon gedacht auch ein bisschen zu diesem Fokus passt.

00:04:35: Sprecher 1 Vorher aber noch wieder der Hinweis Philipp hat mir seine Frage an Podcast minus Familiensprechstunde etc. Katia Saalfrank p.de gesendet und das kannst du auch gerne tun. Ich freue mich auf eure Mails. Und jetzt zur Frage Philipp schreibt.

00:04:55: Sprecher 1 Hallo Katia, erst einmal viel Erfolg für den neuen Podcast. Heute springe ich mal aus meiner Zuhörerrolle und wende mich als Vater an dich. Wir haben zwei Kinder. Unser Sohn ist zwölf Jahre und unsere Tochter ist neun. Heute soll es um den Sohnemann gehen. Abgesehen von Handy und Konsole hat er keinerlei Interessen und kann sich nur schwer für etwas begeistern.

00:05:16: Sprecher 1 Kein Bock. Doof, will ich nicht, ist seine Attitüde, wenn wir Vorschläge machen. Er beteiligt sich nur noch sehr sporadisch an Aktivitäten mit der Familie. Wenn wir fragen, was er machen möchte, kommen immer die drei gleichen Antworten. Kino, Kletterwald, Freizeitpark, Kino ist zusätzlicher Medienkonsum, Freizeitpark sehr teuer und Kletterwald in Herbst Winter geschlossen. Abgesehen davon haben wir auch keine Lust, 52 Wochenenden dasselbe zu erleben.

00:05:41: Sprecher 1 Dies stellt uns immer häufiger vor Herausforderungen, da wir quasi keinerlei Familienleben außerhalb der vier Wände haben. Er macht keinerlei Sport und Freunde trifft er auch nicht. Generell ist er nicht unbeliebt und ist auch ein guter Schüler. Jedoch stört es uns, dass er nur im Zimmer liegt und aufs Handy oder die Konsole starrt. Teilweise 678 Stunden am Tag. Klar haben wir versucht, den Medienkonsum einzuschränken und zu erklären, dass das nicht gesund ist.

00:06:05: Sprecher 1 Aber die Argumente, die wir bringen, überzeugen ihn nicht, da er ja gut in der Schule sei und gut schlafen könne etc.. Das Handy wegzunehmen führt dazu, dass er unsere Handys inklusive Diensthandys etc. versteckt, bis er seins wieder hat oder ähnliches. Leider leidet unser Sohn an Diabetes Typ eins und nutzt dies auch regelmäßig dazu, uns zu erpressen, wenn wir seinen Medienkonsum einschränken wollen.

00:06:28: Sprecher 1 Zum Beispiel lässt er sich sein Insulin nicht spritzen oder verschanzt sich in seinem Zimmer. Sein Handy dient auch dazu, seine Werte auszulesen, so dass er dieses eigentlich in der Nähe benötigt. Die ganze Situation triggert unheimlich und führt täglich zu teilweise großen Konflikten, da die ganze Familie darunter leidet. Ich wünsche mir weniger Medienzeit und mehr Familienzeit. Was können wir tun?

00:06:49: Sprecher 1 Selbstverständlich ist mir auch bewusst, dass mein Sohn auf direktem Wege in die Pubertät bzw schon in der Vorpubertät ist. Aber das bedeutet in der Regel ja noch mehr Konflikte und Kämpfe, als wir sowieso schon weit seit über einem Jahr haben. Wir würden uns sehr freuen, wenn du dich unserer Frage annehmen würdest, damit endlich wieder etwas mehr Ruhe und Familienzeit einkehren kann.

00:07:10: Sprecher 1 Vielen Dank und liebe Grüße, Philipp.

00:07:17: Sprecher 1 Ja, puh, also erst mal vielen Dank, lieber Philipp, dass du geschrieben hast und die Situation beschrieben hast. Das klingt in der Tat anstrengend und auch ziemlich festgefahren. Eine Sache, die mir erst mal auffällt ist ja, es geht auf dem Weg in die Pubertät. Bzw. Du schreibst jetzt von der Vorpubertät die Wackelzahn Pubertät. Genau die ist sozusagen die fängt so an mit dem Schuleintritt, da beginnt das langsam und man hat dann so zwischen fünf und sechs, wenn die Kinder fünf sechs sind bis 101112, so die Möglichkeit sozusagen bevor wir Eltern von Pubertierenden werden auch schon Voreltern zu werden für das was dann dem ich kommt.

00:08:01: Sprecher 1 Dein Sohn ist jetzt schon sozusagen auf der Grenze, auf der Schwelle. Und natürlich ist da so ein bisschen auch die Frage Wie habt ihr euch denn jetzt in der Zeit, in der Schulzeit darauf vorbereitet? Das können wir uns noch mal genauer angucken. Das ist so eine Sache, die mir auffällt gleich. Und das zweite ist, dass ihr als Konsequenz, als Strafe, wie auch immer das Handy wegnehmen wollt und da aber eigentlich lebensnotwendige Daten für euren Sohn drauf gespeichert sind und er dann das Handy braucht, also da ist dann sozusagen eurer euer eigenes System, was ihr als Familie irgendwie euch geschaffen habt für diese Erkrankung, die euer Sohn hat es so ein bisschen ad absurdum geführt.

00:08:41: Sprecher 1 So, das fällt mir so auf beim ersten Drüberfliegen und es fällt mir auf, der Begriff oder der der Bereich der Autonomie eures Sohnes, also die ganze Zeit der Wackelzahn Pubertät, bis auch dann über die Pubertät und ins Erwachsenenalter. Rein geht es ja darum, eine neue Autonomie zu finden, eine Autonomie, die zwischen Verbindung und eben dem ich will es selbst machen, ich will Selbstverantwortung übernehmen.

00:09:09: Sprecher 1 So hin und her geht. Und auch das könnte ein Aspekt sein, der eben ein bisschen nachjustiert werden kann. Jetzt in dieser Zeit nämlich. Also mir fällt das deshalb auf, weil es so auseinanderklafft, dass er dieses Handy um seine eigenen Werte für die Erkrankung ablesen zu können und gut für sich sorgen zu können, bei sich haben muss, andererseits das Handy aber etwas ist, was ihr ihm wegnehmen.

00:09:34: Sprecher 1 Das heißt, da ist so wer hat denn jetzt Verantwortung für das Handy, für das Instrument, also für das Gerät? Wer hat denn aber Verantwortung dafür, dass man die Werte abliest? Das scheint ja eher zu haben. Und dann schreibst du, dass ihr aber ihm die Spritze setzt. Also auch da die Frage Wann macht er das selbst? Will er das nicht, kann er das nicht.

00:09:55: Sprecher 1 Wollt ihr das nicht? Also das sind jetzt schon sehr feinsinnige Bereiche, aber so an dieser Stelle könntet ihr schon noch mal gucken, wer hat da welche Verantwortung, Wer darf da selbst für sich auch oder wie viel darf da euer Sohn auch selbst für sich übernehmen? Und wie stringent und konsistent seid ihr da? Also ihm ein Gerät zu schenken oder zu geben, wo er für sich sorgen kann oder was dafür da ist, dass er auch für sich sorgen kann und Verantwortung übernehmen kann und gleichzeitig dann aber das als eine, ja als ein Instrument zu nehmen, was ihr ihm wegnimmt, also einen Mechanismus, wo ihr dann sagt Ja, aber wenn du dich.

00:10:33: Sprecher 1 Ich überspitzt jetzt mal, wenn du dich nicht so verhält, wie wir das wollen, nehmen wir dir das weg. Das scheint mir doch eine Situation zu sein, die einfach sehr verfahren ist. Und da könntet ihr noch mal so ein bisschen hingucken. Also ich habe eben schon gesagt, dass ich das auch in deiner Beschreibung gut nachfühlen kann, dass sich das anstrengend anfühlt und es fühlt sich eben auch ja sehr festgefahren an, es dreht sich so ein bisschen im Kreis über die Mechanismen, die ich auch gerade beschrieben habe.

00:10:58: Sprecher 1 Und da habe ich ja auch schon so ein paar Aspekte für euch zur Reflektion sozusagen hochgeholt. Und das, was ich aber eben auch spüre, ist, dass ihr in so einer Art Hilflosigkeit und Ohnmacht euch fühlt. Und das kann ich wie gesagt gut verstehen im Kopf, wenn ich mir das so durchlese und und kann es aber auch gut fühlen, gut nachfühlen.

00:11:20: Sprecher 1 Ich glaube, dass es immer mal wieder ein Punkt, an den wir Eltern kommen, dass wir uns irgendwie hilflos fühlen. Und jetzt kommt bei euch aber auch eine Form von Ohnmacht dazu und du hast auch schon beschrieben, dass es ja auch kämpfe. Also du nimmst es auch als ein Kampf wahr und vielleicht auch hier noch mal gleich ein erster Perspekt oder ein zweiter Perspektivwechsel.

00:11:40: Sprecher 1 Ein zweiter Aspekt Die Frage gab es vielleicht im Perspektivwechsel. Wenn ihr euch in euren Sohn hineinversetzt, Eine Zeit in seinen zwölf Jahren, die jetzt da vorgelagert ist, wo sich euer Sohn umgekehrt hilflos und ohnmächtig und vielleicht auch klein und hilflos gemacht gefühlt hat oder auch gefühlt hat durch die Einflüsse, die es eben links und rechts gab, auch durch seine Erkrankung.

00:12:04: Sprecher 1 Seit wann ist die klar? Was ist denn genau vor einem Jahr, wenn du sagst Seit, seit knapp einem Jahr oder gut einem Jahr? Seit ihr in diesen Kämpfen drin? Was ist da genau anders geworden? Ja und vielleicht ist das schon auch ein weiterer Impuls, wo ihr im Perspektivwechsel noch mal spüren könnt und reflektieren könnt mit dem Hinweis darauf, So wie ihr euch jetzt gerade fühlt in dieser festgefahrenen Situation, so hat oder so hat sich vielleicht auch euer Sohn gefühlt und jetzt ist er erstarkt sozusagen und ist in den Kampf mit eingestiegen, den er sozusagen oder das Kämpferische, was er vorgefunden hat.

00:12:44: Sprecher 1 Wenn du, ja wenn du es nicht tust, dann nehme ich dir was weg. Und so ist er jetzt im Grunde auch aufgestellt. Wenn du nicht mir, also wenn du mir das Handy wegnimmst, dann mache ich das oder das. Also es ist eigentlich ein großes Gegeneinander, was ihr im Augenblick lebt. So hört sich jedenfalls für mich an aus der Ferne Ja, aber erst mal eins nach dem anderen.

00:13:04: Sprecher 1 Eure Fragen verstehe ich jetzt so, also wie reduziert ihr Medienzeit, ohne dass es eskaliert? So, das könnte so eine Frage sein Wie kriegt ihr wieder eine gemeinsame Familienzeit hin, Wie kann die aussehen? Und ja, vielleicht auch die Frage wie geht ihr mit dem Diabetes als Druckmittel um, ohne Gesundheitsrisiko bzw so? Das würde ich jetzt noch dranhängen, dass er da auch weiterhin selbstständig Verantwortung für sich übernehmen kann.

00:13:32: Sprecher 1 Ja, und das sind für mich aber alles Fragen, die irgendwie erst mal nachgelagert sind, weil vorgelagert und total entscheidend ist für mich erst mal die Frage wie kommt ihr aus dem Machtkampf raus? Ja, das ist für mich eigentlich die erste Frage. Vielleicht auch die Frage Wie seid ihr da eigentlich reingeraten? Seit wann seid ihr da drin? Das könnt ihr für euch noch mal reflektieren.

00:13:57: Sprecher 1 Zum Machtkampf erstmal Machtkampf beginnt immer dort, wo im Grunde Verbindung und Beziehung irgendwie verlassen wird. Also wir Erwachsenen fühlen uns machtlos, Nicht mehr gehört, nicht mehr gesehen, ohnmächtig. Wir kriegen irgendwie gefühlt die Verbindung zu unserem Kind auf die Art und Weise, wie wir sie gestalten, nicht mehr hin. Und dann nehmen wir das Verhalten des Kindes persönlich und aus einem Ich begleite dich wird dann ein ziemlich hartes auf Du musst jetzt funktionieren, so wie ich das will.

00:14:32: Sprecher 1 Das heißt, in der Regel ist der Machtkampf erst mal kein Startpunkt, sondern ein Folge Zustand von Verlust von Beziehung. Und da wäre für euch jetzt noch mal die Frage wie ist das bei euch entstanden? Vielleicht könnt ihr euch als Eltern auch noch mal gemeinsam hinsetzen und schauen, was war in den letzten zwölf Jahren? Wo seid ihr abgebogen, wann seid ihr abgebogen?

00:14:55: Sprecher 1 Der Mechanismus, der bei eurem Sohn jetzt den du beschreibst, zu sehen ist, den beschreibst du mit Erpressung. Also er sagt im Grunde Wenn ihr nicht wollt, dann will ich auch nicht. Ja, das könnte darauf hindeuten, dass er diese Atmosphäre, diesen Beziehungsmechanismus bereits erlebt hat. So. Verstehe mich nicht falsch, klingt das jetzt erst mal aus der Entfernung, weil ihr seid da in einen Machtkampf geraten miteinander.

00:15:21: Sprecher 1 Und auch noch mal ganz konkret die Frage Wie habt ihr euren Sohn als 2-jährigen zu einem Verhalten gebracht, was er vielleicht nicht wollte? Ja, weil ich sage deshalb 2-jährige, weil es oft so ist, dass wir diese Mechanismen, diese Beziehungskultur, diese Atmosphäre von etwas Kämpferischem, von etwas Machtvollen einsetzen. Wenn die Kinder anfangen, in die Autonomie zu kommen, in die eigene, also wenn die eben nicht mehr auf dem Arm nur sind und sozusagen lächeln und wir sie aufmuntern können oder ablenken können, sondern wenn sie anfangen, ihren eigenen Willen zu entwickeln, wenn die sich drehen, krabbeln, aufstehen und dann auch in entgegengesetzte Richtungen laufen oder eben auch in eine Richtung laufen, die wir nicht haben wollen.

00:16:05: Sprecher 1 Und wie seid ihr damit umgegangen? Konntet ihr da gute Lösungen finden? Kompromisse? Wart ihr im Perspektivwechsel, im Verständnis oder habt ihr da Mechanismen bedient, Instrumente bedient, die ihnen sozusagen an ein von euch gewolltes Verhalten irgendwie anpassen? Und Strafen oder Konsequenzen sind? Um das noch mal deutlich zu sagen absichtlich herbeigeführte Ereignisse von uns Erwachsenen, die beim Kind unangenehme emotionale Zustände auslösen sollen, um dessen Verhalten an die Wünsche der Erwachsenen anzupassen.

00:16:40: Sprecher 1 Und dabei nutzen wir im Grunde unsere elterliche Autorität. Wir sind nicht mehr in der persönlichen Autorität. Wir sind nicht mehr im persönlichen Kontakt, sondern wir nutzen unsere Rolle, um Macht auszuüben und Kontrolle zu erlangen. Über die Situation, über das Verhalten Und das Ziel dieser Form der Pädagogik ist dann eben eine reine Verhaltensanpassung. Ich spitze jetzt hoffentlich sage ich mal, ich will nur den Mechanismus deutlich machen.

00:17:06: Sprecher 1 Gutes Verhalten wird belohnt, Schlechtes wird sanktioniert, Schlechtes in Anführungsstrichen. Ja, und dieser Mechanismus, der ist eben oft verführerisch für uns Eltern, weil er häufig eben kurzfristig Erfolg zeigt, in denen das Kind eben gehorcht. Und warum gehorcht das Kind? Eben weil wir mit Macht und mit der emotionalen Abhängigkeit unserer Kinder spielen. Wir machen entweder Konsequenzen oder Strafen, die das Bindungsband aktivieren.

00:17:38: Sprecher 1 Oder wir nehmen den Kindern was weg und erzeugen damit Schmerz. Und um diesem Schmerz zu entgehen, passen die Kinder sich an und das hat aber eben auch noch weitere Folgen oder noch tiefere Folgen für die emotionale Ebene. Wenn man das so durchzieht, nämlich dass durch Konsequenzen oder einen solchen Umgang miteinander eher Gefühle wie Schuld und Scham gesät werden im Inneren.

00:18:03: Sprecher 1 Und die zentrale Botschaft eben, die bei dem Kind ankommt, ist eine Ablehnung. Und es erfährt, dass es so wie es ist, nicht okay ist. Du bist nicht okay so wie du bist, statt Du bist okay, so wie du bist und damit ist eben auch dann der Punkt da, dass die Kinder sich wieder anpassen wollen. Ja, sie wollen geliebt sein.

00:18:21: Sprecher 1 Sie sind abhängig davon, dass wir gut mit ihnen sind. Und wenn das eben die Atmosphäre prägt, dann entsteht auch eine Angst statt Vertrauen, dass die ganze Beziehung im Grunde ja nicht darauf ausgerichtet ist. Wenn ich ein Thema habe, wenn ich einen Konflikt habe, wenn ich Fragen habe, gehe ich zu meinen Eltern und vertraue mich denen an, sondern ich muss misstrauisch sein.

00:18:46: Sprecher 1 Ich habe also Angst, ist jetzt vielleicht auch hochgegriffen, also als Gefühl. Aber letztlich ist es eine Unsicherheit anstatt eine Sicherheit in der Beziehung. Und es kann eben auch dann tatsächlich zur Einschränkung der Entwicklung kommen, denn Kinder sind müssen ja, um diesen Zustand auszuhalten, ich bekommen was weggenommen, müssen sie ja ihre eigene Verbindung zu den eigenen Gefühlen ein Stück kappen und sie lernen gar nicht.

00:19:13: Sprecher 1 Ich habe ein Gefühl und dieses Gefühl stimmt. Und warum habe ich denn dieses Gefühl? Ja, weil ich Verbindung haben will. Oder weil ich in meine Autonomie kommen will. Oder weil ich Sicherheit brauche. Und damit können Sie letztlich gar nicht eine gesunde Selbstregulation erfahren. Sie werden nicht reguliert, sondern die Gefühle werden im Grunde ja weggedrückt. Und dann entsteht eben auch der Kampf.

00:19:36: Sprecher 1 Dann sagen Kinder auch manchmal aus Mir doch egal, wenn du das oder das machst. Das heißt, sie spüren schon den Schmerz im Grunde gar nicht mehr, weil sie da so ein Stück inneren Abstand hergestellt haben zu dem das fühlt sich nicht gut an, wenn Mama so mit mir ist oder Papa. Also das sind jetzt nur ein paar Mechanismen und Folgen von der Gestaltung der Atmosphäre in dieser Form.

00:19:57: Sprecher 1 Wer da weiterlesen will oder ihr kennt das vielleicht auch schon. Das Buch Kindheit ohne Strafen ist ein Buch, wo ich mich wirklich sehr intensiv mit den ganzen Mechanismen auseinandergesetzt habe und versucht habe, auch Herleitungen zu finden, um deutlich zu machen, erst mal vor allen Dingen im ersten Schritt zu verstehen Was tun wir da eigentlich? Warum tun wir diese Dinge?

00:20:18: Sprecher 1 Und auch noch mal deutlich zu machen, dass Strafen nicht unbedingt heißt wie vor weiß ich nicht. 30405060 Jahren, dass wir Kinder wegsperren oder dass wir Kinder schlagen, sondern dass eben diese Mechanismen und diese Machtausübung oder Macht dieser Machtmissbrauch auch heute oft eben noch stattfindet, wir in viel weicheren Mechanismen eben. Da es aber eben immer noch da ist und das ist eben auch was mit uns zu tun hat ja mit uns zu tun im Sinne von wo kommen wir her, wie haben wir das erfahren?

00:20:49: Sprecher 1 Weil wir unter Stress geraten. Und wenn wir unter Stress geraten, dann kommen wir in alte Muster zurück. Und dann ist die Frage sind das Muster, die die Möglichkeit für Verbindung uns geben, also mit Stress gut umzugehen, ein Stück runter zu fahren, noch mal zu überlegen wo liegt meine Verantwortung, Was kann ich tun? Das ist mein Kind. Er ist zwölf, der ist acht, der ist drei.

00:21:11: Sprecher 1 Oder gerate ich so in Stress, dass ich denke Wie du mir, so ich dir. Pass mal auf, jetzt erzähle ich dir mal was. Jetzt nehme ich dir was weg. Jetzt tue ich dir weh. Ich bin hier der Stärkere. Und der Stärkere hat recht. Impulse zum Mitnehmen. Ich werde immer wieder gefragt, wo der Unterschied zwischen Strafen und Konsequenzen liegt.

00:21:30: Sprecher 1 Und ehrlich gesagt, es gibt oft kein. Ich lade euch ein, genauer hinzuschauen und selbst mal die Mechanismen zu erkennen. Wir sagen heute gerne Konsequenz statt Strafe. Das klingt moderner, weicher, pädagogischer. Doch in vielen Fällen bleibt der Mechanismus derselbe. Der Begriff hat sich verändert, die Wirkung oft nicht. Ob wir sagen dann gibt es heute kein Fernsehen oder du musst auf dein Zimmer gehen, Das ist jetzt die Konsequenz deines Handelns.

00:21:58: Sprecher 1 Für das Kind bleibt die Botschaft gleich Der Erwachsene nutzt seine Macht, um Verhalten zu steuern, um Verhalten anzupassen. Das ist Manipulation. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Hilflosigkeit, Überforderung, Verunsicherung. Ein wichtiger Unterschied liegt deshalb nicht im Wort, sondern in der Art der Folge. Es gibt einen klaren Unterschied zwischen künstlich herbeigeführten Konsequenzen und natürlichen Folgen. Natürliche Folgen entstehen ohne Eingreifen der Erwachsenen.

00:22:26: Sprecher 1 Ein Kind zieht im Winter keinen Mantel an, es friert, ein Glas kippt um, die Tischdecke ist nass. Diese Erfahrungen sind oft unangenehm. Aber dann darüber zu sprechen, wie wir mit dem umgekippten Glas und dem Wasser auf dem Tisch umgehen, greift die Würde des Kindes nicht an! Strafen und künstliche Konsequenzen hingegen senden eine andere Botschaft. So wie du bist, bist du nicht okay.

00:22:48: Sprecher 1 Sie erzeugen Schuld, Scham und innere Abwertung. Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied nicht im Verhalten, sondern darin, wie das Kind sich selbst erlebt. Strafen, egal wie wir sie nennen, wirken trennend. Sie schaffen Distanz, bauen Beziehung auf Angst statt Vertrauen und öffnen das Tor für Machtkämpfe und ein belastetes Miteinander. Wenn wir nur auf das Verhalten reagieren, erfahren wir nichts über den Menschen dahinter, nichts über seine Beweggründe, seine Überforderung, seine Gefühle.

00:23:16: Sprecher 1 Statt nährenden Erfahrungen, Verbindung und Beziehung entsteht Kontrolle. Statt Dialog entsteht ein Monolog und ein Machtmissbrauch. Denn wir können nur so handeln, weil wir größer und stärker sind. Und ja, das ist für Eltern unglaublich schwer, weil wir selbst verunsichert sind, weil wir selbst auch funktionieren müssen. Und weil wir gelernt haben, dass Erziehung eben so geht.

00:23:44: Sprecher 1 Ja, noch. Also das funktioniert eben nur über eine gewisse Zeit. Phillip Deswegen reflektiert doch mal, von was, von dem, was ich gerade gesagt habe. Würdet ihr wiedererkennen oder ist es tatsächlich ganz anders? Und dann auch noch mal die Frage Wie ist denn dann der Kampf entstanden? Und für mich hört es sich so an, als ob zumindest hier und da einige Mechanismen bei euch rein gerutscht sind.

00:24:09: Sprecher 1 Und jetzt so ein bisschen dieser die Folge davon da ist nämlich es hat kurzfristig funktioniert, unter Umständen aber eben jetzt nicht mehr, weil es funktioniert nur bis zur Pubertät, Dann sind die Mechanismen im Grunde wirkungslos oder wirkungsloser und die Beziehungsatmosphäre ist aber auch sozusagen eingestellt und aus der Machtausübung, die vorher einigermaßen gut funktioniert hat Ich nehme dir was weg, ich mach dir eine Ansage wird nun ein Kampf eben im Sinne von Wie du mir, so ich dir.

00:24:43: Sprecher 1 Und der Stärkere hat recht bzw der Stärkere hat die Macht und der setzt sich durch und euer Sohn lässt sich jetzt oder so scheint es zu sein, lässt sich jetzt eben mit seinen zwölf nichts mehr sagen, sondern setzt seine Interessen durch. In Klammern vielleicht so wie ihr früher eure Interessen durchgesetzt habt. Fragezeichen? Ja, und man könnte ja über Medienzeiten sprechen und auch darüber, was man als Familie unternehmen könnte.

00:25:11: Sprecher 1 Allerdings scheint etwas Entscheidendes passiert zu sein, nämlich warum auch immer. Das ist etwas, was ich aus der Entfernung jetzt nicht erfragen kann. Und was ihr aber noch mal für euch gucken könnt, dass er aus der Kooperation ausgestiegen ist. Ja, die Kooperation eures Sohnes scheint fast bei null zu sein. Er greift ja zu relativ drastischen Mitteln und droht euch oder entzieht sich, also droht euch, dann könnt ihr mich nicht mehr gesundheitlich versorgen.

00:25:40: Sprecher 1 Hat es ja fast schon auch ein bisschen selbst schädigen. Und ich weiß jetzt auch nicht, wie die Konflikte dann ausgehen. Also wie ihr das dann doch wieder schafft, dann, dass er sich darauf einlässt. Aber es ist jetzt vielleicht auch nicht so entscheidend. Auf jeden Fall ist wichtig der Punkt, dass die Kooperation bei eurem Sohn nicht mehr gegeben zu sein scheint.

00:26:00: Sprecher 1 Und auch das ist eben eine Folge von einer Beziehungsatmosphäre in dieser Form. Und ein ganz wichtiger Punkt, dass die Kooperationsbereitschaft sinkt. Und das hat damit zu tun, dass eben Konsequenzen und und die Art und Weise, wie wir die durchsetzen, die Integrität des Kindes verletzen und Kränkung verursachen und dann eben langfristig die Bereitschaft des Kindes sinkt, mit den Eltern zusammenzuarbeiten.

00:26:29: Sprecher 1 Und das scheint jetzt hier an dieser Stelle sehr deutlich zu sein oder zu werden, dass er langfristig ausgestiegen ist aus der Kooperation mit euch. Und er antwortet in der Beziehung zu euch mit der Beziehungsatmosphäre, die er kennt, die er beantwortet jetzt und die er bisher erlebt zu haben scheint, sage ich ganz vorsichtig mit Fragezeichen. Also hier könnt ihr auf jeden Fall noch mal Vergrößerungsglas drauflegen und noch mal schauen, wann und wie ist das eigentlich passiert?

00:27:01: Sprecher 1 Ja, also Philipp, deshalb. Ich hoffe, dass ihr auch etwas anfangen könnt mit meiner Beobachtung, mit dem, was ich jetzt hier reingegeben habe, ohne dass ihr aussteigt oder euch ärgert. Weil ich jetzt erst mal gar nicht so sehr auf die Frage eingegangen bin oder die Fragen, die ihr gestellt habt. Denn für mich ist diese Frage Wie könnt ihr die Medienzeit reduzieren und mehr Familienzeit bekommen?

00:27:26: Sprecher 1 Auch eine wichtige Frage. Und gleichzeitig ist für mich erst mal die Frage Wie könnt ihr überhaupt erst mal wieder in ein Miteinander kommen? Weil das ist das, was ich aus der Entfernung herauslese, dass dieses Miteinander jetzt im Augenblick gerade schwierig ist. Und wie kommt ihr wieder zueinander, sodass ein Aushandeln überhaupt erst mal wieder möglich wird oder auch eine Lust aufeinander wieder möglich wird?

00:27:50: Sprecher 1 Impulse zum Mitnehmen. Kinder sind von Natur aus Teamwork. Sie sind innerlich bindungsund beziehungsorientiert angelegt. Sie suchen Nähe, Verbindung, Kooperation. Das ist kein Erziehungsziel, das ist schlicht überlebensnotwendig. Evolutions und bindungstheoretisch macht es Sinn. Ein Menschenkind hätte ohne Bindung und Zusammenarbeit mit den Bindungsund Bezugspersonen keine Chance. Wenn Kinder also aus der Kooperation aussteigen und uns die Zusammenarbeit aufkündigen, ist das kein Angriff und keine Böswilligkeit.

00:28:22: Sprecher 1 Es ist ein Signal. Und es gibt dafür nur zwei Gründe Überforderung und oder Kränkung. Überforderung. Der Vertrauensspeicher ist leer, Stress übernimmt. Vernunft ist nicht mehr verfügbar. Kränkung. Das Kind fühlt sich verletzt, abgewertet, machtvoll behandelt und schützt sich durch Rückzug oder Widerstand. Mehr ist es nicht. Und ihr könnt ja mal bei euch selbst schauen, wann ihr auf der Paarebene nicht mehr zur Kooperation bereit seid.

00:28:49: Sprecher 1 Es sind die gleichen Gründe. Nur wir können reflektieren und reifer Beziehung gestalten. Kinder wollen also mit uns zusammenwirken, wenn sie aussteigen aus der Kooperation. Sag das nicht Ich bin gegen dich, sondern ich kann nicht mehr und oder ich fühle mich nicht mehr sicher. Ich bin in innerer Not.

00:29:12: Sprecher 1 Ja, und hier kommt jetzt gleich noch eine. So nicht, Soll ich sagen. Gute Nachricht. Denn die Kinder können nicht aus dem Machtkampf aussteigen. Das können nur wir Erwachsene. Und insofern ist jetzt so ein bisschen die Frage Wie könnt ihr wirklich den Druck rausnehmen? Wie könnt ihr wieder erst mal einen Schritt zurücktreten? Also eigentlich geht es um die Möglichkeit und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen für die Qualität der Beziehung und einen Schritt zurückzutreten, den echten Dialog zu suchen, Druck rauszunehmen und es im Grunde noch mal ganz neu zu versuchen.

00:29:53: Sprecher 1 Ich weiß, dass das nicht so einfach ist. Also ich erlebe das auch immer wieder in meiner Praxis, dass Eltern genau an diesem Punkt auch Begleitung suchen und vielleicht ist das auch was für euch, dann noch mal zu gucken. Könnt ihr da Worte finden? Könnt ihr die Perspektive, die Haltung einnehmen und eben dann auch in diesem Sinne mit den Worten und der Perspektive, mit der Haltung, dann auch einen Dialog mit eurem Kind zu führen?

00:30:21: Sprecher 1 Ja, also das darum wird es gehen, weil er ist jetzt zwölf und wir brauchen die Möglichkeit, einen Dialog zu führen und zu hören, was der andere denkt und fühlt und die die wichtigen Botschaften für unsere Kinder. Wenn wir einen Schritt zurücktreten aus diesem Machtkampf, können eben auch sein Ich oder wir haben das nicht gut gemacht oder haben etwas nicht gut gemacht.

00:30:44: Sprecher 1 Und zwar ohne Wenn und Aber und vielleicht auch ein Es tut mir leid, es tut uns leid. Können wir es noch mal neu versuchen? Wir wollen es gerne anders machen. Das heißt, im Grunde darf sich die elterliche Führung noch mal verändern. Also ich will auch noch mal konkrete Zusammenhänge beleuchten, die mir aufgefallen sind, denn du schreibst, er beteiligt sich nur noch sehr sporadisch an Aktivitäten mit der Familie.

00:31:12: Sprecher 1 Wenn wir fragen, was er machen möchte, kommen immer die drei gleichen Antworten Kino, Kletterwand, Freizeitpark. Und natürlich ist das ein wichtiger Punkt, denn du hast es zwar so auch schon gesagt, trotzdem kann ich dir noch mal rückspiegeln. Es gehört mit zur Ablösung dazu, dass er nicht mehr so viel mit dabei sein will und mehr seinen Interessen folgen will.

00:31:35: Sprecher 1 Und natürlich geht es nicht darum, dass er acht Stunden am Tag spielt, aber trotzdem braucht er ja auch einen Raum. Und braucht er jemanden, der das mit ihm auch in irgendeiner Form bespricht? Ja, und die Frage ist eben schon auch was versteht ihr unter Familienzeit? Wie habt ihr das früher gelebt, Wie stellt ihr euch das heute vor? Was sind das für Erwartungen?

00:31:54: Sprecher 1 Vielleicht passen diese Erwartungen nicht mehr zu einem 12-jährigen. Ja, das kann ich dir nur als vierfache Mutter sagen, dass das eine stetige Veränderung ist. Erst ist der Älteste nicht mehr dabei, nicht mehr so, dann der zweite. Ja, und am Schluss sitzt man dann mit allem noch da und gestaltet irgendwie etwas, was Familie und Gruppe miteinander bedeutet und das ist ein stetiger Wandel.

00:32:17: Sprecher 1 Und das Entscheidende ist, dass wir in Verbindung mit den Kindern bleiben und immer wieder auch gucken, ob unsere Erwartungen stimmt und ob wir vielleicht dann auch die Familienzeiten so gestalten können, wie sie angemessen sozusagen für das Alter dann auch sind. Also da müssten wir wahrscheinlich noch mal tiefer einsteigen, Das würde jetzt hier zu weit führen. Dann ist mir an dieser Stelle aufgefallen, Philipp, dass du schreibst Irgendwie ja, kommen immer die gleichen drei Antworten Kino, Kletterwand, Freizeitpark, Kino, zusätzlicher Medienkonsum, Freizeitpark sehr teuer, Kletterwald geschlossen im Herbst und Winter.

00:32:52: Sprecher 1 Und abgesehen davon haben wir auch keine Lust 52 Wochenenden dasselbe zu erleben. Also ich Teil des MA. Erstens Kino, sage ich dir jetzt, aber das bin vielleicht. Ich persönlich ist für mich kein zusätzlicher Medienkonsum. Erstmal, sondern Kino kann eine wunderbare Familienzeit sein, das keine gemeinsame Unternehmung sein. Ihr teilt Zeit und habt ein gemeinsames emotionales Erleben. Das ist für mich sozusagen der Referenzpunkt oder der Raum, der entscheidend ist.

00:33:21: Sprecher 1 Und das ist für mich tatsächlich ein Unterschied, ob wir gemeinsam eine Geschichte, einen Film uns angucken, vor die Tür gehen, gemeinsam Zeit teilen, das Erleben teilen und vielleicht auch einen Film sehen, der uns anregt, danach noch miteinander zu sprechen und eine Unternehmung zu haben. Oder ob ein Kind alleine stundenlang sozusagen zu Hause in seinem Zimmer sich verschanzt und Medien konsumiert.

00:33:44: Sprecher 1 In der Form. Was jetzt natürlich nicht heißt, dass ihr das jedes Wochenende machen könnt und gleichzeitig ist es offensichtlich ein großes Interesse von ihm. Was ich jetzt wiederum gut verstehen kann, weil ich das auch sehr liebe. Aber das bin jetzt ich. Aber mir geht es eigentlich eher um diese Beziehungsaspekte da drin. Das, dass es wirklich um eine Differenzierung geht und auch darum geht, ihm zuzuhören, was denn sein Interesse ist.

00:34:09: Sprecher 1 Welcher Film läuft denn gerade? Weiß er das denn gerade? Und gibt es vielleicht ein gemeinsames Interesse an einem gemeinsamen Film? So wie auch immer. Natürlich hat es ja 52 Wochenenden und man kann schon aus Kostengründen nicht jedes Wochenende ins Kino gehen. Und trotzdem kann man vielleicht auch an der Stelle ja nicht sofort sagen irgendwie ist zusätzlicher Medienkonsum kommt nicht in Frage.

00:34:29: Sprecher 1 So, das wollte ich eigentlich nur damit sagen, dass es für mich nicht so richtig abgehakt ist. Ja, und dann Natürlich verstehe ich auch, dass die Dinge, die du jetzt genannt hast, aufwendig erscheinen, Geld kosten und so und auf der anderen Seite scheint es ja trotzdem eine ehrliche Antwort von deinem Sohn zu sein und auch der Beginn eines eventuellen Dialogs, der womöglich folgen könnte.

00:34:53: Sprecher 1 Und ich bin zusätzlich so ein bisschen über deine Formulierung gestolpert. Zum einen eben, wie eben schon gesagt, so ein bisschen so einen Haken dran zu setzen, das so ein bisschen abzutun. Zu teuer, zu langweilig und dann keine Lust. Ja, also ihr habt keine Lust, so dieses oder jenes zu machen. Das ist ja auch ehrlich gesagt seine Haltung. Also das spiegelt ihr euch ja irgendwie.

00:35:13: Sprecher 1 Und dann ist das Gespräch zu Ende und vielleicht kannst du auch noch mal gucken. Klar, man hat es jetzt geschrieben und so, aber vielleicht. Also auf mich wirkt es nicht so sehr wohlwollend und einladend, sich wirklich auf was Gemeinsames zu verständigen. Und vielleicht ist das, was bei mir ankommt, auch deine Ungeduld oder dein Ärger. Ja oder ich weiß ja ganz wenig darüber, was ihr schon probiert habt oder wie auch eure Geschichte ist.

00:35:38: Sprecher 1 Aber das, was für mich wichtig wäre, würden wir uns gegenübersitzen, ist schon ein Ansatz zu finden, wirklich mit eurem Sohn in einen ernsthaften Dialog zu gehen, zumal er ja auch mit seiner Erkrankung sicher auch einiges an Einschränkungen hinnehmen muss, ganz selbstverständlich und damit aufgewachsen ist. Und er scheint aus meiner Sicht auch irgendwie ein Punkt zu haben. Wenn ich jetzt so ein Perspektivwechsel bei ihm bin.

00:36:04: Sprecher 1 Nur wenn er sagt, dass er ein guter Schüler ist. Dass du schreibst, auch er ist beliebt und er sagt auch ich habe genügend Schlaf bzw ich schlafe gut. Also das sind ja schon tatsächlich auch sehr wesentliche Dinge. Und ich habe mich jetzt gefragt, das wäre eine Rückfrage, die ich hätte, würden wir uns gegenübersitzen. Ja, wann genau sind denn noch acht Stunden übrig für einen Medienkonsum, den du beschreibst, wenn er in die Schule geht?

00:36:28: Sprecher 1 Und wie ist da der restliche Tagesablauf? Wann kommst du nach Hause, Wann ist deine Frau zu Hause? Wie gestaltet ihr die Nachmittage? Wie, ja wie ist euer Familienleben sozusagen unabhängig von denen Unternehmungen, über die wir jetzt gerade sprechen? Also vielleicht wäre eine ganz wichtige emotionale Botschaft entscheidend, die ich bei deinen Beschreibungen schon raus höre auf der Erwachsenenebene, so zwischen uns beiden.

00:36:55: Sprecher 1 Aber euer Sohn vermutlich nicht so sehr. Ja, und zwar wirklich. Diese Botschaft. Schön, dass du da bist. Schön, dass es dich gibt. Und ich. Und wir wollen Zeit mit dir verbringen. Das ist ja das Entscheidende erstmal. Ja, und er scheint vor allem zu hören Du darfst dieses und jenes nicht. Du bist nicht okay mit allem, was du tust oder mit dem auch, was du eben nicht tust, was du uns versagst.

00:37:20: Sprecher 1 Ja, und hier braucht es vielleicht einen Perspektivwechsel, um noch mal genauer zu schauen, wie ihr die Botschaften deutlicher setzen könnt. Weil es geht ja nicht darum. Also auch vielleicht raus an die frische Luft. Aber eigentlich geht es doch um die emotionale Botschaft. Und die berührt mich auch, dass du sagst Hey, mein Sohn ist jetzt zwölf und ich weiß, dass der in der Ablösung ist, aber eigentlich möchte ich gerne meine Familie spüren.

00:37:45: Sprecher 1 Eigentlich möchte ich gerne Zeit mit ihm haben und vielleicht heißt es auch gar nicht mehr, dass ihr nur Zeit zu viert habt, sondern dass er eben sagt In diesem Raum, den du vielleicht dann noch mal gestaltest und ihm sagst, wie wichtig er dir ist, dass es vielleicht dann auch Unternehmungen zu zweit gibt, die noch mal ganz anders gelagert sind.

00:38:05: Sprecher 1 Ja, also zusammenfassend möchte ich gern festhalten Raus aus dem Machtkampf, das ist das Allerwichtigste. Das könnt nur ihr machen. Das kann er nicht. Er nimmt nur sozusagen den Kampf an und wir Erwachsenen müssen erst mal ein Schritt zurücktreten und aufhören zu kämpfen und sagen Wir wollen das nicht mehr. Verantwortung übernehmen für das, was wir als Eltern vielleicht auch nicht so gut gemacht haben.

00:38:28: Sprecher 1 Wo wir vielleicht auch Grenzen übertreten haben, wo wir die Kooperationsfähigkeit unserer Kinder ja überstrapaziert haben. Und apropo Verantwortung auch da könnt ihr noch mal reflektieren, fällt mir gerade ein, denn das Thema Medien Zeit wird ja nicht seit gestern erst zwischen euch sein. Also seit wann habt ihr die Medien? Wie waren die Verabredungen früher? Wie seid ihr in diesen Medien Kampfgeraten und auch immer wieder.

00:38:55: Sprecher 1 Ich bin ja ein großer Freund auch von Selbstreflektion, also den Fokus auf sich selbst, das ist mein Anteil. Wie nutzt ihr selbst die Medien, Handys, Smartphones? Gibt es auch für euch Regelungen einer handyfreien Zone zum Beispiel? Also ist jetzt alles blind und aus der Ferne. Aber hier hören ja noch andere zu. Deswegen ist für mich das auch immer noch mal ein Punkt zu sagen.

00:39:16: Sprecher 1 Lasst uns, wenn wir über Medien und Mediennutzung und Medienkompetenz sprechen, auch darüber sprechen. Wie nutzen wir das eigentlich? Ja, und für euch wirklich geht es erst mal um den echten Dialog, um aus dem Machtkampf zu kommen. Und dann kann man auch wieder über anderes sprechen. Also wieder in Klammern, weil vielleicht habt ihr das ja früher auch gut gekonnt und das ist jetzt so ein Knotenpunkt und vielleicht will ich einfach auch noch mal sagen, hilft hier tatsächlich noch mal eine Form von Familienberatung missbraucht oft gar nicht so viele Sessions.

00:39:52: Sprecher 1 Ihr könnt das ja mal überlegen. Manchmal hilft das einfach wirklich, um sich neu zu sortieren, noch mal die Perspektive zu vertiefen und wieder einen Neuanfang zu machen. Lieber Philipp, ich danke dir sehr für deine Frage. Vielleicht kannst du. Könnt ihr mit den Gedanken, mit den Impulsen was anfangen? Und gerne möchte ich den Kreis schließen und auch noch mal den Gedanken vom Anfang mitgeben.

00:40:16: Sprecher 1 Ich bin freundlich zu allen Wesen, auch zu mir selbst. Diese Einstellung kann vielleicht auch noch mal helfen, um ins Gespräch zu kommen, um ins Experimentieren zu kommen. Für Dich, Philipp, und vielleicht auch für alle, die jetzt hier zugehört haben und die Impulse für sich mitgenommen oder zumindest gehört haben Ihr dürft sie auch einfach hier lassen. Und auch noch mal dieser Gedanke, den wir, indem wir unsere Kinder anschauen und es vielleicht auch wirklich sagen und ausdrücken und Worte dafür finden.

00:40:49: Sprecher 1 Schön, dass du da bist. Ich freue mich über dich. Ich freue mich, dass wir hier Zeit miteinander haben und wir machen es uns besonders schön. Ja, ihr Lieben, das war die Familiensprechstunde für heute. Schreibt doch gerne mal in den Kommentaren bei Spotify zum Beispiel, wie ihr aus Machtkämpfen aussteigt. Wie gestaltet ihr das? Weil in Machtkämpfe geraten wir leider, das weiß ich aus eigener Erfahrung immer mal wieder und es würde mich sehr interessieren.

00:41:19: Sprecher 1 Und ihr könnt natürlich auch eure Fragen an die Familiensprechstunde hier an Podcast minus sprechstunde etc. Katia Saalfrank Punkte senden. Und ich freue mich auch, wenn ihr viele Sterne da lasst, wenn es euch gefällt und ihr abonniert und anderen von der Familiensprechstunde erzählt. Das hilft dem Podcast für mehr Sichtbarkeit. Vielen Dank! Wenn ihr da mitgestaltet und ich so auch noch mal Resonanz erhalte.

00:41:45: Sprecher 1 Das bedeutet mir viel Für heute, sage ich Auf Wiedersehen. Ich danke euch sehr für euer Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst und euren Kindern und bis zur nächsten Woche eure Katia. Das war die Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt.

00:42:13: Sprecher 1 Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich. Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt, eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spür gerne nach und entschleunigen. Noch mal Wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest, schreib mir gerne an Podcastminus, Familiensprechstunde etc..

00:42:39: Sprecher 1 Katia Saalfrank, .de. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert. Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehungserfahrungen und Verbindungsmomente. Und nicht vergessen es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen.

00:43:08: Sprecher 1 Bleibt nicht damit. Alleine schon ein Gespräch kann Veränderung bringen. Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katia.

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