Folge 06: Kontrolle und Zwänge bei Kindern – was dahinter liegt und wie elterliche Begleitung aussehen kann.
Shownotes
In dieser Folge greife ich die Nachricht von *Elena auf: Ihre 8-jährige Tochter scheint dauerhaft unter Druck zu stehen, kontrolliert alles und gerät besonders im Kontakt mit der 4-jährigen Schwester immer wieder in Konflikte. Gerade das Thema Kontrolle wirkt belastend auf die gesamte Familienatmosphäre.
Wir schauen gemeinsam darauf,
• was starke Kontrolle mit innerer Sicherheit und Selbstregulation zu tun haben kann
• warum Übergänge (zum Beispiel nach der Schule) oft der Eingang in eine „Kontrolle-Spirale sein können
• weshalb Geschwisterkonflikte häufig stellvertretend zur „Fläche“ werden, auf der sich innerer Stress zeigt
• wie präzise Co-Regulation aussehen kann – ohne das Muster zu verstärken
• und welche ersten Schritte im Alltag entlasten können, bevor es kippt und so Ruhe einkehren kann
(Hinweis: Dieser Podcast ersetzt keine Diagnostik oder Therapie. Wenn du dir Sorgen machst, hol dir bitte fachliche Unterstützung z.B. in Form einer bindungs- und beziehungsorientierten Eltern- und Familienberatung: Familiensprechstunde-saalfrank.de / kinderbesserverstehen.net.)
In dieser Folge erwähnte Angebote und Informationen:
Der Gedanke der Woche stammt aus den 52 Affirmations- und Verbindungskarten von Katia Saalfrank – Das stärkende Kartenset für eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung
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Transkript anzeigen
00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung, um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katja Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.
00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungsund beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Ich freue mich sehr, dass ihr wieder mit dabei seid. Ich hoffe, es geht euch allen gut. Ich hoffe, ihr seid wohlauf und ich habe heute, bevor wir zur Frage kommen, noch eine kleine Einladung für dich.
00:01:03: Sprecher 1 Und zwar möchte ich gerne einen Gedanken mit dir teilen. Vielleicht sogar einen Gedanken, den du die gesamte Woche über mitnimmst. In deinen Tag. Und ja, dieser Gedanke für diese Woche kommt aus meinen Affirmations und Verbindungskarten und lautet Mein Kind ist eine Bereicherung für mein Leben. Gedacht ist dabei, dass du dir vielleicht heute und die nächsten Tage jedes Mal, wenn du diesen Satz sagst, einen Moment nimmst und den Fokus weniger auf das richtest, was schwieriger ist, sondern mehr auf die Qualität eurer Beziehung.
00:01:42: Sprecher 1 Also so was wie ein Blick, eine Berührung, ein kleines Ich freue mich über dich. Und dafür macht es Sinn, dass wir diesen Satz ein bisschen wirken lassen. Mein Kind ist eine Bereicherung für mein Leben. Woran merkt dein Kind, dass eine Berührung, wie schon gesagt habe? Oder ein Blick oder auch Sätze zwischendurch, zum Beispiel Wie schön, dass du da bist.
00:02:10: Sprecher 1 Oder Ich freue mich über dich. Oder Wie schön, dass wir das gerade zusammen machen. Wie schön, dass wir zusammen sind. In diesem Moment. Mein Kind ist eine Bereicherung für mein Leben. Und wie wär das, wenn du in dieser Woche jeden Tag diesen Gedanken hast und verankast? Direkt nach dem Aufwachen zum Beispiel, bevor du in den Tag startest oder wenn du rein gestartet bist als eine Perspektive zum Start in den Tag mit deinem Kind.
00:02:41: Sprecher 1 Mein Kind ist eine Bereicherung für mein Leben. Wenn du magst, probiere das mal für dich aus und schau mal, was und ob sich etwas verändert. Und wenn du mehr Karten für dich nutzen möchtest mit solchen Gedanken, mit solchen Affirmationen, dann findest du sie auf meiner Website. Katja Saalfrank Punkte dort im Shop. Dich dabei auch noch mal an den Gedanken, den ich schon ab und zu hier mit reingebracht habe, nämlich Unsere innere Welt hat großen Einfluss auf die äußere.
00:03:11: Sprecher 1 Wenn wir also in unseren inneren Gedanken und Zusammenhänge verändern, dann verändert sich sofort auch ganz viel im Außen.
00:03:21: Sprecher 1 In diesem Sinne Mein Kind ist eine Bereicherung für mein Leben. Und dann gehen wir zur Frage, die ich heute von Elena, die natürlich anders heißt, bekommen habe und die heute tatsächlich auch wieder etwas länger ist und irgendwie auch ganz gut zu diesem Fokus passt. Vorher aber noch. Elena hat mir ihre Frage an Podcastminus Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank p.de gesendet und das kannst du auch gerne tun.
00:03:49: Sprecher 1 Ich freue mich auf deine Mail. Ich freue mich, wenn ihr mir schreibt. Und jetzt zur Frage. Elena schreibt.
00:04:02: Sprecher 1 Liebe Katja, wie schön, dass du die Familiensprechstunde ins Leben gerufen hast. Gerne möchte ich hiermit eine Frage loswerden. Es geht um unsere 8-jährige Tochter. Wir haben insgesamt drei Töchter. Acht, vier und ein Jahr. Mein Eindruck ist, dass meine 8-jährige dauerhaft unter Druck steht und sich daraus viele Konflikte ergeben. Wenn sie nach der Schule nach Hause kommt, passiert es häufig, dass sie ihre 4-jährige Schwester herum Kommandiert oder zumindest unfreundlich anpöbelt.
00:04:31: Sprecher 1 Das Verhalten ihrer Schwester wird grundsätzlich bewertet. Ob es die Art und Weise ist, wie sie die Gabel hält, wie sie die Wörter ausspricht, wie sie dies und jenes macht. Permanent wird sie kritisiert. Mir fällt es schwer damit umzugehen. Bzw. Ich frage mich, wie ich in den Situationen reagieren soll, außer auf der kognitiven Ebene zu sagen, dass ich das nicht möchte, dass sie so spricht.
00:04:54: Sprecher 1 Ebenso beunruhigt mich das ausgeprägte Bestreben nach Kontrolle und ihre starke Empfindsamkeit. Sie kontrolliert beispielsweise, ob ihre Schwester ihre Hände gewaschen hat und wird richtig wütend, wenn sie das nicht tut. Neulich hat sie auf ein frisch gemaltes Bild ihrer Schwester gemalt, weil sie der Meinung war, dass man die weißen Stellen auch noch bunt machen solle. Neulich beim Abendbrot fragte sie, ob die Salami verschimmelt und ob der Käse noch gut sei.
00:05:21: Sprecher 1 Sie achtet penibel darauf, wie die Lebensmittel aussehen, die auf ihrem Teller landen, und ist nur sehr ausgewählt. Flecken auf ihrer Kleidung stören sie sehr. Vor circa einem halben Jahr war das Verhalten noch so stark ausgeprägt, dass ich mir Rat bei einer Heilpraktikerin für Kinder und Jugendpsychiatrie gesucht habe. Dem vorausging außerdem, dass sie voller Angst und Panik nicht mehr in die Schule gehen wollte.
00:05:44: Sprecher 1 Bisher hatten wir nur ein Erstgespräch, in dem sie mir vor allem verdeutlicht hat, wie wichtig es sei, nicht auf die extremen, teilweise zwanghaften Äußerungen und Wünsche meiner Tochter einzugehen. Ein Beispiel beim Mittagessen Beide Schwestern sitzen nebeneinander und es passiert, dass der 4-jährigen die Gabel wegrutscht und die Tomatensoße einen Fleck auf der Kleidung der 8-jährigen verursacht. Starke Emotionen. Der Fleck sollte sofort weggemacht werden.
00:06:10: Sprecher 1 Vorwäsche mit der Hand und anschließend in die Waschmaschine war nicht ausreichend. Sie brüllte los und wurde sogar richtig körperlich. Ich habe mich erinnert, nicht darauf einzugehen, bin ruhig geblieben und habe die Situation ausgesessen, ihr Körperkontakt angeboten. Solche Situationen kommen in dem Ausmaß mittlerweile nicht mehr vor. Sie geht auch wieder ohne Angst zur Schule. Allerdings steckt in ihr immer noch das starke Bedürfnis nach Kontrolle.
00:06:36: Sprecher 1 Sie scannt förmlich das Außen nach Gefahr und ich würde ihr gerne helfen, eine kindliche Unbekümmertheit zu erfahren und einfach darauf zu vertrauen, dass alles gut ist. Wahrscheinlich ist meine Nachricht zu komplex, um alle Themen zu beleuchten. Aber vielleicht hast du, liebe Katja, ein paar Impulse, wie ich meine Tochter besser verstehen kann. Ich danke dir von Herzen. Liebe Grüße, Elena.
00:07:03: Sprecher 1 Ja, also du hast recht. Es klingt tatsächlich ziemlich komplex. Und schauen wir mal, welche Themen wir beleuchten können. Also ein paar Impulse, wie du deine Tochter besser verstehen kannst, können wir vielleicht doch entwickeln, auch aus dem, was du geschrieben hast. Und du hast das ja auch ziemlich präzise auch beschrieben, auch mit einzelnen Situationen. Und was ich jetzt erst mal verstehe ist, dass es dir vor allen Dingen schwer fällt, damit umzugehen und eben nicht im Erklären zu landen.
00:07:32: Sprecher 1 Also auf der kognitiven Ebene dich zu positionieren und das Verhalten zu unterbinden. Also zu sagen, dass du das nicht möchtest, dass sie so spricht, dass sie das macht usw, sondern irgendwie eine Möglichkeit zu finden, damit umzugehen. Und zwar eben weniger auf der kognitiven Ebene und dafür Fragezeichen. Vermutlich mehr auf der emotionalen Ebene. Und ich verstehe erst mal, dass du in diese kognitive Ebene reinrutscht, denn du willst dann vermutlich Grenzen und Räume deiner 4-jährigen schützen und gehst dann erst mal über das Erklären.
00:08:06: Sprecher 1 Und ja, wahrscheinlich ist es wirklich noch mal gut. Auch deine Frage, die du ja auch gestellt hast, oder der Frage noch mal mehr nachzugehen und noch mal besser zu verstehen, was eigentlich in deiner Tochter vorgeht. Ja, und wenn wir da jetzt mal uns den Eisberg. Ich denke, dass du den kennst und die anderen kennt, den ja auch vor Augen führen.
00:08:29: Sprecher 1 Also dieses symbolische Bild, das wir auf der Spitze über der Wasseroberfläche das Verhalten sehen, die Worte hören also alles das, was sichtbar ist, wahrnehmen. Und unten drunter eben die Gefühle liegen, die das Verhalten motivieren und ganz unten drunter die Basis. Grundbedürfnisse sind, die diese diese Gefühle speisen, die dann eben als Impulse oft durchbrechen und dann eben auch oft verrücktes Verhalten.
00:08:57: Sprecher 1 Ich sage das ganz bewusst so betont, also weil es im Sinne nicht von von sage ich jetzt mal bewerten doof oder dämlich oder so als verrückt. Wir benutzen das ja häufig als so ein Wort, was dann? Ja, was das jemand anderen abwertet, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ver rückt. Also es hat etwas, wo Dinge verrückt werden. Also im Sinne von Ein Stuhl steht an einer anderen Stelle Ja, es wird verrückt.
00:09:25: Sprecher 1 Und das was du beschreibst, sind ja auch Verhaltensweisen. Also es wird ganz deutlich, dass zum Beispiel es dann unter Umständen gar nicht um den Fleck geht, weil Waschmaschine reicht nicht aus, Waschen reicht nicht vor Wäsche reicht nicht, Ausziehen reicht nicht. Und da liegt etwas Tieferes dahinter. Und wenn wir jetzt dieses Verhalten uns mal vom Eisberg her leiten, dann könnten wir vielleicht mal von der anderen Seite aus anfangen und mal gucken, welches Grundbedürfnis und wir haben ja gar nicht so viele Bereiche.
00:09:58: Sprecher 1 Wir haben viele Bedürfnisse, aber die fallen alle in diese Grundbereiche rein. Wenn wir das von unten mal uns anschauen, wird es vielleicht noch mal klarer und es wird vielleicht auch gar nicht so schwer. Also es ist ein Ich finde, das ist relativ plakativ, auch du hast schon von Gefahr auch gesprochen. Du hast von Scannen gesprochen. Das heißt, es gibt uns ja schon ein Hinweis auf ein Gefühl, nämlich auf die Angst möglicherweise.
00:10:25: Sprecher 1 Und wenn Angst im Spiel ist, geht es ja immer um das Basis Grundbedürfnis, Sicherheit. Und wenn die Sicherheit innerlich nicht stabil verfügbar ist oder auch keine konstruktiven Strategien da sind, sich sicher zu machen, dann entsteht Unsicherheit und Unsicherheit. Fühlt sich eben dann vor allen Dingen auch im kindlichen Nervensystem schnell wie eine Gefahr an und ich denke, das ist schon mal ein erster.
00:10:53: Sprecher 1 Ein erstes Verstehen, vielleicht noch mal oder auch nachfühlen, dass wenn wir uns in Gefahr in einer echten oder auch in einer antizipierten, in einer gedachten Gefahr wähnen, dann reagiert unser Körper auch darauf. Ja, und dann entsteht ein Druck, dann kommt dieser Druck zustande. Und das war der Eingangssatz in deiner Mail so gesagt hast. Du hast das Gefühl, deine Tochter steht dauerhaft unter Druck.
00:11:18: Sprecher 1 Ja, und diese dieser Druck entsteht, weil sie sich nicht sicher fühlt, weil sie Gefahr antizipiert und Gefahr aktiviert. Dann eben auch Stress mit dieser Angst. Und du hast auch beschrieben, dass sie dann eben auch manchmal in die Wut reinfällt. Das heißt, das ist eben dann auch noch mal einen Cocktail, das heißt, die die Angst ist zwar das, was dahinter liegt, aber sie geht eben nicht in einen Rückzug oder in eine Vermeidung rein, sondern sie geht in den Angriff sozusagen und geht in die Kontrolle rein.
00:11:51: Sprecher 1 Und das ist dann sozusagen der entscheidende Schritt. Das ist die Strategie deiner Tochter, dass sie versucht, Sicherheit herzustellen und das eben nicht aus sich heraus generieren kann. Bzw auch offensichtlich erst mal nicht über die Beziehungen im Außen, die für sie gerade nicht erreichbar scheinen, sondern über die Gestaltung ihrer Umwelt. Ja, und in dem Sinne, das weißt du auch.
00:12:14: Sprecher 1 Ich sage es nur trotzdem noch mal ist Kontrolle dann nicht böse oder etwas eine Bosheit, sondern es ist ein Versuch, eine Strategie, den Körper zu beruhigen und im Außen die Dinge wieder zu ordnen. Also was mir dazu einfällt, was du schon mal machen kannst, sich fast das nachher auch noch mal zusammen. Aber was du jetzt schon mal an den Stellen machen kannst, ist, dass du noch mal schon mal schauen kannst, was im Leben deiner Tochter könnte sich denn gerade so unsicher anfühlen?
00:12:47: Sprecher 1 Ja, also alles das, was sie verunsichern könnte. Habt ihr das Thema schon länger? Du hast von vor einem halben Jahr gesprochen. Ja. Wann ist es denn zum Ersten Mal aufgetreten? Also sie ist ja jetzt schon acht. Auch erst acht, aber auch schon acht. Das heißt, da gibt es eine Biografie schon. Ja, wie war das im Vorschulalter, wie war das im Kleinkindalter, wie war das vielleicht auch als Säugling?
00:13:10: Sprecher 1 Wann ist das zum Ersten Mal aufgetreten und wie ist heute die Situation? Du kannst noch mal schauen, wie. Es sind die Übergänge gelaufen, Übergänge in die Kita, aus der Kita, in die Schule. Wie sind die Übergänge zu den Geschwisterkindern gelaufen? Also gelaufen im Sinne wie habt ihr das gestaltet, welche Signale hat sie da vielleicht auch gezeigt? Also ihre Schwester ist ihr und dann gibt es noch ein einjähriges Kind, das heißt, da ist ja, es sind ja auch Veränderungen eingetreten, also welche Veränderungen in Ihrem Leben, in eurem Leben könnten sozusagen eine Unsicherheit ausgelöst haben, die vielleicht zusätzlich jetzt dazukommt und sie sozusagen wackeln lässt In ihrem Leben.
00:13:53: Sprecher 1 Ja, und das können kleine und große Veränderungen sein. Und dafür ist es wichtig, dass du in den Perspektivwechsel gehst und das wirklich mal fühlst, ohne dass du sozusagen dich als Mutter gleich. Ja, in einem Gefühl von AS hätte ich besser machen können oder in so ein Schuldgefühl rein kommst, sondern wirklich in ganz offenen, unvoreingenommenen Perspektivwechsel. Wie fühlt sich das aus Sicht deiner Tochter gerade an?
00:14:20: Sprecher 1 Und vielleicht auch die Vergangenheit an, einfach erst mal nur zu reflektieren? Wenn wir uns jetzt noch mal das Signal angucken oder den Hinweis das, was wir auf der Eisbergspitze sehen, dann könnte man sich schon noch mal die Frage auch stellen. Also klar, wir sehen sozusagen Folgen von Wut, Folgen von Angst, ja, aber das, was ja eigentlich daraus folgt, ist ja eine Kontrolle.
00:14:44: Sprecher 1 Ja, also die Frage, warum ist eigentlich Kontrolle in dieser emotionalen Kette in sich irgendwie auch nachvollziehbar, logisch, in sich logisch? Ja, und da wird noch mal deutlich, dass diese Art der Kontrolle, die deine Tochter für sich im Außen gestaltet, erst mal einen großen Vorteil hat, weil sie ist sofort verfügbar. Ja, also wenn sich im Innen alles unsicher anfühlt, kann sie im Außen Regeln aufstellen.
00:15:13: Sprecher 1 Sie kann korrigieren, sie kann prüfen. Sie kann Dinge richtig machen, richtig stellen. Sie kann Ordnung herstellen. Ja, und letztlich ist das so was wie eine Pseudo Sicherheit, weil sie kurz beruhigt, kurz Ordnung macht. Sozusagen eine Struktur, die kurz Regeln aufstellt, aber langfristig macht sie das eben nicht ruhiger, sondern sie ist sozusagen irgendwann abhängig von dieser Kontrolle, weil die nächste Aktivierung eben schnell wieder kommt und dieses alarmiert sein im System sich nicht beruhigt hat.
00:15:47: Sprecher 1 Und genau deshalb spitzt sich das oft zu und es wird dann sehr eng, sehr streng, sehr penibel. Und ja, wir sagen dann eben auch so ein bisschen was wie zwanghaft. Also der Druck, der im System ist, der führt dazu, dass dann im Außen eben auch sich das so anfühlt wie ich muss das jetzt tun, also etwas Zwanghaftes und auch so unversöhnlich ist.
00:16:09: Sprecher 1 Ja, also es geht nicht um die Gabel, es geht nicht um den Fleck, es geht nicht um die Salami, sondern es geht eher darum. Ich halte dieses Gefühl von Gefahr und von Hilflosigkeit in mir gerade nicht aus und versuche sozusagen eine Ordnung im Außen herzustellen, um mich auch in eine Form von Selbstwirksamkeit zu bringen. Und da diese Selbstwirksamkeit eben keine, ja ich sage mal keine Selbstwirksamkeit ist, die aus sich selbst heraus erlebt wird oder keine konstruktive ist, wird es alles sehr eng, weil sie sich im Grunde ständig über den Mechanismus von Kontrolle im Außen und der Gestaltung ihrer Umgebung innen eine kleine vorläufige Sicherheit verschafft, verschaffen muss, weil sie offensichtlich keine anderen Strategien zur Verfügung
00:17:02: Sprecher 1 hat. Und dann wird aus der vielen Kontrolle und dann eben auch unter diesem Druck, den sie erlebt, so was wie ein Zwang, das alles zu kontrollieren. Und das ist das, was ihr eben erlebt und was dann eben auch sehr anstrengend sein kann im Alltag. Und ich verstehe gut, wenn du sagst, das ist ja, es fühlt sich irgendwie an wie eine Spirale, aus der wir irgendwie nicht mehr rauskommen und du bist im Grunde nur noch am Reagieren und würdest gerne mehr ins Agieren kommen.
00:17:31: Sprecher 1 Also mehr was vorbereiten, mehr dich darauf einlassen können und mehr sozusagen diese, ja, diese Sicherheit, die sie im Außen über die Kontrolle sucht, ihr geben in Form von. Ja, wie Jesus gesagt eine unbekümmerte Kindheit. Also wie kommst du an diese Angst ran? Wie kannst du sie beruhigen? Das ist eigentlich ein bisschen die Frage. Ja, und dieser Frage wollen wir auch nachgehen.
00:17:58: Sprecher 1 Ich würde nur gerne noch ein bisschen mehr auch zu dem sagen, was du auch beschrieben hast. Man könnte sich ja auch fragen, Warum eskaliert das eigentlich nach der Schule oft? So, und da hast du nämlich auch schon einen Hinweis darauf, dass es um Übergänge gehen wird. Ja, also der Übergang von Schule nach Hause, das ist übrigens was, was viele Familien auch kennen.
00:18:18: Sprecher 1 Ja, da ist der Kooperationstank von den Kindern ganz häufig auch ja leer und aufgebraucht. Die Kinder haben sich sozial angepasst, die haben sich dort Regeln unterworfen. Die haben für sich selbst eingestanden, da gab es Anforderungen, da gibt es Lärm, da gibt es Reize, da ist auch das System Bewertung, Leistung, Verhalten, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Also da ist eine ganze Menge an außen und Innen zu regulieren und das eben auch selbst und alleine.
00:18:52: Sprecher 1 Das ist ja nicht mehr so wie in der Kita, dass da im besten Falle eben eine eins zu eins Betreuung oder jemand ist, der eben zu dem man gehen kann, wenn es einem zu viel wird, sondern man ist die ganze Zeit in dieser Atmosphäre und dann zu Hause. Wenn jetzt genau deine 8-jährige nach Hause kommt, dann kippt dieser Zustand und dann, ja dann braucht es Beruhigung und das Nervensystem sucht irgendwie etwas, woran es sich festhalten kann.
00:19:18: Sprecher 1 Und du beschreibst jetzt eben, dass das häufig das Geschwisterkind ist, weil es eben in der Nähe ist. So einfach das jetzt klingt, weil es verfügbar ist, also es wird quasi so Mittel zum Zweck und es ist auch ein Stück beeinflussbar. Also sie hat da das Gefühl, sie kann etwas gestalten in einer Beziehung, dann gibt es das Essen. Das, was du beschreibst also oder Unreinheiten, die Sorge davor ist es noch gut.
00:19:46: Sprecher 1 Das heißt, man kann das prüfen. Auch da ist zwar die Angst, aber sie kann das sozusagen prüfen und kontrollieren. Und Fleckenordnung, ja, das sieht man sofort, das will sie auch gleich wieder herstellen. Und da sehen wir wieder es ist eben nicht nur ein Streben nach Sicherheit, sondern unter Umständen auch ein Streben nach Selbstwirksamkeit. Ich will etwas bewirken, ich will die Ordnung herstellen.
00:20:12: Sprecher 1 Vielleicht so dieses Bild. Die innere Ordnung ist durcheinander, und da ist viel hohe Erregung drin. Und im Außen muss ich jetzt meine Welt ordnen. Das bringt sie ganz kurz eigentlich nur aus dieser erlebten Hilflosigkeit. Also so was eigentlich auch so was wie eine Pseudo Selbstwirksamkeit, weil es ist ja nicht konstruktiv, zumal es auch an manchen Stellen nicht mehr ausreicht oder auszureichen scheint.
00:20:38: Sprecher 1 Wobei du ja jetzt gesagt hast, dass diese ganz zugespitzten Situationen mit dem Fleck usw nicht mehr vorkommen. Aber trotzdem noch mal für dein Verständnis, dass es eine ein kurzfristiger Schritt ist, sich Selbstwirksamkeit und Bewegung zu verschaffen, um aus dieser erlebten Hilflosigkeit rauszukommen. Was hier jetzt noch mal für mich grundsätzlich ein paar Fragen wären, Wenn ihr mir jetzt gegenübersitzen würdet oder du mir gegenübersitzen würdest, dann würde es sich, glaube ich, lohnen, da noch mal auch hinzugucken Wie erlebt sich Schule, Was ist das für ein Lebensraum für Sie?
00:21:14: Sprecher 1 Was bedeutet der für Sie? Was war denn vor einem halben Jahr das, was Angst und Panik vor der Schule ausgelöst hat? Ja, oder auch die Frage Habt ihr, Seid ihr dem nachgegangen? Wovor hatte sie denn konkret Angst? Was für Sorgen haben sie da bewegt? Welche Befürchtungen hatte sie? Ja, habt ihr das wirklich auch noch mal präzise, sozusagen auseinandergenommen?
00:21:37: Sprecher 1 Und konntet ihr das regulieren? Also, wie hat es sich denn verändert? Weil du beschreibst nur, dass sich das jetzt verändert hat? Oder hat sich in der Schule was verändert? Also wie ist es passiert, dass sie jetzt wieder ohne Angst und Panik gehen kann? Das ist auch immer gut, noch mal hin zu gucken, wie hat sich denn etwas verändert, weil man dann eben auch noch mal Informationen bekommt, unter Umständen, wenn sich das wieder mal verändert.
00:22:01: Sprecher 1 Und da auch unter Umständen Ressourcen mit dabei sind. Also was ist da genau passiert und was hat zu einer Beruhigung geführt? Oder kompensiert sie jetzt vielleicht auch mit dieser starken Kontrolle zu Hause das, was sie an Regulationsenergie in der Schule verbraucht, in Anführungsstrichen? Ja, also ist sozusagen etwas verschoben worden, Also hat sie in sich noch Angst und Panik, weiß aber sie muss gehen.
00:22:31: Sprecher 1 Ich sag mal, reißt sich jetzt zusammen, ja, und kommt dann eben nach Hause mit diesem ganz starken Druck, alles kontrollieren zu müssen. Ja, das sind so Gedanken, die ich dir gerne noch mal mit gebe und grundsätzlich vielleicht auch noch mal die Entwicklungsphase, in der deine Tochter mit acht Jahren jetzt ist. Das ist ja die Wackelzahn Pubertät. Und da gibt es so eine Überschrift, die ich da gerne nutze, die einfach auch schon ganz viel sagt, ohne dass es jetzt viele Worte sind.
00:23:01: Sprecher 1 Also wackeln die Zähne, wackelt die Seele. Das heißt, das ist eine so fragile Zeit, wo so viele Entwicklungen stattfinden und da könntest du auch noch mal hingucken. Ja, ist das vielleicht so ein Übergangsmoment gewesen, wo Sie in diesem fragilen Moment so was wie hängen geblieben sein könnte und Unsicherheiten sich verankert haben könnten? Impulse zum Mitnehmen. Die Wackelzahn Pubertät ist die Zeit, in der Kinder sich vom Klein zum Schulkind entwickeln.
00:23:36: Sprecher 1 Körperlich, emotional und seelisch. Auf allen diesen Ebenen findet vielfältige Entwicklung statt. Der Körper streckt sich, Arme und Beine werden länger, das Gesicht verliert etwas vom Kindchenschema. Gleichzeitig fallen die ersten Zähne aus. Zähne zu verlieren ist immer das tiefe Gefühl von Vergänglichkeit. Etwas ist zu Ende, etwas geht zu Ende. Und ja, manche Kinder erschreckt das auch richtig. Als würde etwas an und in ihnen auseinanderfallen.
00:24:06: Sprecher 1 Auch im Außen verändert sich viel. Die Ansprüche steigen mit der Schule kommt ein neuer Lebensraum dazu und spätestens dort begegnet das Kind der Leistungsgesellschaft sich behaupten, mitmachen, funktionieren, vergleichen, etwas leisten und bewertet werden. In dieser Phase werden Zugehörigkeit und Anerkennung besonders wichtig, weil sie eben die Basis Grundbedürfnisse von Sicherheit und Verbindung nähren. Viele Kinder haben für diesen inneren Druck, für diese Erfüllung noch keine passenden Strategien.
00:24:38: Sprecher 1 Darum brauchen sie uns Eltern als Begleitung in diesem Spannungsfeld zwischen Verbindung und Autonomie. Und ja, das Kind muss auch ein neues Selbstbild entwickeln. Es wackelt innerlich auf allen Ebenen. Deshalb wackeln die Zähne und manchmal auch die Seele. Veränderung bedeutet immer auch Unsicherheit. Kein Wunder, wenn Kinder in dieser Zeit launischer wirken, empfindsamer werden oder auch wieder anhänglicher wahrgenommen werden von uns und mehr Verständnis, Zuwendung und Nähe brauchen.
00:25:14: Sprecher 1 Wenn du ein Kind zwischen fünf, sechs und elf, zwölf Jahren begleitest, interessierst du dich vielleicht für meinen Kurs. Kinder besser verstehen. Das Schulkind in der Wackelzahn Pubertät. Dort geht es ausführlich um die Entwicklung in dieser Phase und um bindungs und beziehungsorientierte Handlungsstrategien für den Alltag. Alle Infos findest du auf Katja Saalfrank. Punkte unter bildungs und beziehungsorientierte Weiterbildungen. Eine neue Runde startet bald.
00:25:44: Sprecher 1 Wichtig ist auch noch mal, weil ich vorhin das Geschwisterkind erwähnt habe, sich wirklich zu vergegenwärtigen, dass das Verhalten nicht gegen die Schwester gemeint ist. Nicht explizit, sondern dass die sozusagen genutzt wird für sich, also für die Strategie, sich selbst sicher zu machen. Und wenn du dir das noch mal klar machst, dann, ja dann ist es ja so, als hätte ich eben gesagt, sie wird genutzt.
00:26:08: Sprecher 1 Es ist tatsächlich oder es wirkt so, dass deine ältere Tochter, die jüngere Tochter, ihre Geschwister Geschwisterkind als eine Regulations, als eine Form von Regulationsfläche nutzt. Also die Kleine macht etwas in Anführungsstrichen vermeintlich falsch und die große kann korrigieren kurzfristige Beruhigung, Autonomie, Selbstwirksamkeit, Sicherheit. Alles Pseudo ist keine wirkliche es nur ganz kurzfristig. Die Kleine oder die Jüngere ist ja auch noch mal sehr viel weniger berechenbar.
00:26:42: Sprecher 1 Und das, was deine Große versucht in der Not, in der sie ist, nämlich sie berechenbar zu machen, um sich Sicherheit zu verschaffen. Mir ist dabei auch noch mal der Gedanke wichtig, es könnte. Kannst du noch mal für dich hinschauen? Auch so was wie eine Rollenumkehr in Miniatur sein? Also wenn ich sage Miniatur, meine ich. Also die Große übernimmt Führung, weil sie innerlich eine bestimmte Form von Führung eigentlich gerade braucht.
00:27:11: Sprecher 1 Beziehungsweise, weil sie sich lost fühlt. Da könntest du auch noch mal schauen. So wie führt ihr denn? Wie klar ist deine Führung? Weil wenn wir Erwachsenen an bestimmten Stellen die Führung loslassen, dann übernehmen die Kinder. Und vielleicht ist das so auch so ein Druck, den sie verspürt. Ja, es ist eine kindliche Strategie bzw eine ganz unregulierte Strategie und es ist nicht bewusst, Aber das wäre vielleicht auch noch mal ein Aspekt, bei dir noch mal hinzugucken Wie führt ihr, wie klar seid ihr in der Kommunikation, in dem, was als nächstes passiert?
00:27:48: Sprecher 1 Und ja, dieses innere Gefühl was sie hat los zu sein, agiert sie jetzt im Augenblick an der 4-jährigen viel aus. Und du kannst da noch mal hinschauen für dich. Wie kannst du noch mal mehr in Führung kommen? Also ich glaube, das ist auch ein wichtiger Gedanke. Auch deshalb, weil ich mich noch mal auch gefragt habe, was das eigentlich bedeutet, wenn du das Gefühl hast, du darfst nicht auf das Verhalten eingehen oder du sollst nicht darauf eingehen.
00:28:18: Sprecher 1 Aus meiner Sicht heißt das dennoch nicht, dass du es dann aus sitzen solltest. Ja. Sondern letztlich heißt das also, dem Gefühl eher zu folgen im Sinne von Ich sehe deine Not ja, aber ich folge nicht zwangsläufig sozusagen deinem Muster. Also ich gehe nicht in das Kontrollritual bis ins Detail mit, weil in Klammern, weil wir wissen, es ist nicht konstruktiv und das ist ein Unterschied, ob du das aussetzt.
00:28:49: Sprecher 1 Und ich sage jetzt mal, Körperkontakt ist ja auch schon eine Form von Koregulation. Die Frage ist, wie reagiert sie darauf? Also dieser dieses Ich folge dem Muster oder ich folge diesem Zwang ist ja ein Folgen der Fast Food Strategie sozusagen. Also es ist ein bisschen wie Fast Food Sicherheit, wie Fast Food Autonomie und es führt irgendwie nicht zu einer Sättigung, nicht zu einer langfristigen, guten Sättigung.
00:29:15: Sprecher 1 Also bei dem Fleckbeispiel wäre also das innere Ziel, Beziehung anzubieten, Regulation anzubieten, gleichzeitig den Raum zu halten, Grenzen zu halten. Und als Nebenprodukt ist dann natürlich auch. Ja, ich sag jetzt mal einen Schutz auch für die 4-jährige mit dabei, aber eben nicht in der Hauptsache, sondern es ist ein Nebenprodukt, in dem du dich der Großen zu wendest, weil sonst eben, wenn du diesem Muster folgst.
00:29:41: Sprecher 1 Das ist für mich auch total nachvollziehbar, also sozusagen unreflektiert folgst, dann ist das eben hat es keine sättigende, tiefere Sicherheit, sondern es ist eben ein ein Unterstützen sozusagen der jetzigen Pseudostrategien. Und das ist ja etwas, was wir im Grunde ändern wollen, verändern wollen. Und da braucht es Veränderung. Und da ist eben die Frage, wie kann diese Veränderung eben auch im Halt deiner Tochter stattfinden?
00:30:12: Sprecher 1 Also nicht indem du das verbietest und sagst, das willst du nicht mehr und das soll sie nicht machen? Ja, weil wenn wir eine Notfallstrategie haben und jemand sagt uns macht es bitte nicht oder Ich will nicht, dass du das machst, dann fallen wir in die Hilflosigkeit zurück, wenn wir keine anderen Strategien haben. Und vielleicht waren ja jetzt schon ein paar Impulse mit dabei.
00:30:31: Sprecher 1 Ich will gerne noch mal das ein bisschen vertiefen, was ich gerade so in den Mechanismen angesprochen habe, also Beziehung und curriculation anzubieten. Denn ich finde tatsächlich, dass es gar nicht so wie soll ich sagen, Also man kann es nicht. Ich kann dir jetzt keine Verhaltensanweisungen geben, sondern im Kontakt mit diesen Zuständen ist tatsächlich eine Form von ich sage jetzt mal Fingerspitzengefühl auch gefragt.
00:30:58: Sprecher 1 Ja, und es ist auch ein bisschen eine eine Gratwanderung. Wie viel von der bisherigen Notfallstrategie gehst du mit, damit einem Mini Sicherheit und eine Ersatzautonomie gelebt werden kann? Im Sinne Ich bin gesehen ja und ich bin gehört und ich werde hier nicht belehrt. Und du trotzdem als Coregulatoren sozusagen eine Chance hast, andere Möglichkeiten zu finden. Also bei dem Fleckbeispiel wäre jetzt es aus meiner Sicht zum Beispiel nur um das Beispiel mit der Gratwanderung deutlicher zu machen kein Problem, denn Pulli auszuziehen und dann später auszuwaschen und so den Fleck und das Störgefühl zwar zu berücksichtigen, aber eben nicht das gesamte Ritual sozusagen mit durchzulaufen, sondern eben so weit, dass wir versuchen, nicht mehr Öl ins Feuer
00:31:49: Sprecher 1 zu gießen, indem ich die gesamte Handlung in meine Verantwortung nehme und damit die gesamte Sicherheitsstrategie des Kindes unwirksam mache. Ja, wenn ich jetzt sage, der Fleck bleibt drauf und du wäscht das erst nachher. Ja, das würde ich zu groß strittig empfinden und auch ein bisschen zu wenig differenziert. Aber eben zu gucken, wie weit kannst du mitgehen. Also dieses Störgefühl ernst zu nehmen und dann aber auch gleichzeitig, wenn der Pulli zum Beispiel dann aus ist, zu sagen Schau, es passiert jetzt nichts, ja, der Fleck ist da und es passiert nichts.
00:32:23: Sprecher 1 Und das ist ja in Ihrer Wahrnehmung dieser Alarmzustand, der für Sie ganz schwer aushaltbar ist. Und da wäre es jetzt eben wichtig, dass du nichts nicht nur erklärst, sondern dass du die Kognition eben in der Form nutzt, dass du nicht die Situation erklärst und was sie nicht tun soll, sondern dass du ihr tatsächlich sagst, da passiert gerade nichts und dass dein Ton weich und ruhig ist.
00:32:47: Sprecher 1 Also nicht weichgespült, sondern sozusagen, dass da eine Resonanz kommt. Auch wenig Worte, nicht so viel reden. Ja, dein Körper, den hast du schon eingesetzt, den kannst du ihr anbieten. Also nicht, dass sie so zu dir kommt, sondern dass du zu ihr gehst, dass du so was wie ne Ruhe hast und auch geerdet bist. Also dass du dich auch ierst und deine innere Haltung eben auch noch mal einstellst im Sinne von Ich sehe deine Not, ich halte das in Klammern mit dir aus und wir orientieren uns das gerade nicht.
00:33:22: Sprecher 1 So viel passiert, nicht das, was du gerade denkst. Die Welt stürzt nicht ein. Ja, was du eben auch noch mal machen kannst. Wenn ich vom Halten, vom Aushalten oder Also ein Aushalten nicht im Sinne von mit geduckten Schultern, sondern wirklich Raum halten spreche, dann wär es eben wichtig, an der Stelle unter Umständen auch zu deiner jüngeren Tochter zu sagen Ich bin da, ich kümmer mich gleich, aber nicht mehr zu sagen und zur großen Ich sehe dich, warte, ich bin da und dann könntest du eben, wie gesagt einen deinen Körper anbieten.
00:33:56: Sprecher 1 Eher so als einen liebevollen Puffer dazwischen. Nicht als Türsteher, der irgendwas will und der ihr was verbietet, sondern eben als als ein ja, als ein Körper, der sozusagen eine eine Grenze hält und das Ganze auch ein Stück entschleunigen dadurch. Und du gehst vielleicht noch mal mehr weg von dem benennen, was sie gerade nicht tun soll, sondern eher ihren inneren Zustand zu benennen.
00:34:26: Sprecher 1 Ja, da ist ganz viel Spannung in dir. Ja, das fühlt sich gerade nicht gut an, das fühlt sich nicht sicher an, Ja, es ist dir jetzt ganz wichtig, dass du das und das machen willst. Das sehe ich. Du willst, dass es sofort richtig wird. Das ist dir ganz wichtig, Das merke ich. Und damit bist du eben nicht in dieser kognitiven Belehrung, in die du reinrutscht.
00:34:46: Sprecher 1 Was ich wie gesagt auch gut nachvollziehen kann, weil das ja auch eine Sicherheit für uns ist, wenn wir uns orientieren und in unsere Kognition gehen. Aber du darfst da mehr im Emotionalen spiegeln. Noch mal bleiben. Ja, ich bin bei dir. Ich ich sehe dich, Ich verstehe dich, ich halte dich. Das ist sozusagen die Regulation des Nervensystems. Impulse zum Mitnehmen.
00:35:09: Sprecher 1 Hier noch ein Gedanke zu Aggression in der Geschwisterdynamik. Dieser Geschwisterkonflikt ist einer der häufigsten Anlässe für langanhaltende und intensive Spannungen in der Familienatmosphäre. Wenn weitere Kinder in eine Familie geboren werden, verändert dies die gesamte Konstellation und alle Familienmitglieder sortieren sich neu. Gerade ältere Geschwister erleben auf der emotionalen Ebene eine extreme emotionale Erschütterung, die nicht nur wenige Wochen oder Monate, sondern prozesshaft über Jahre andauern und mal mehr, mal weniger spürbar für die Eltern werden kann.
00:35:45: Sprecher 1 So empfinden Geschwisterkinder immer wieder schmerzhafte Verlustgefühle. Wut, Angst, Trauer, Schmerz. Ein bitterer Gefühlscocktail. Während sich alle anderen über das neue Baby freuen und diese schnell in die Familie integriert haben, spürt das ältere Kind vor allem den Verlust von exklusiven Beziehungen, insbesondere zu seiner Mutter, aber auch zum Vater. In Geschwisterkonflikten geht es also selten um die Gabel, den Platz oder den Stift, um den gestritten wird.
00:36:14: Sprecher 1 Meist geht es um die dahinterliegenden Bedürfnisse und um die Frage Wie wichtig und wertvoll bin ich für dich? Bin ich gesehen und gehört und anerkannt in meinen Anliegen? Bin ich sicher geborgen? Wenn du dich damit mehr beschäftigen möchtest, interessiert dich vielleicht mein Kurs. Kinder besser verstehen. Das Kleinkind in der Autonomiephase. Dort beschäftigen wir uns ausführlich mit den Entwicklungen in dieser Phase und um bindungs und beziehungsorientierte Handlungsstrategien für den Alltag.
00:36:46: Sprecher 1 Alle Infos findest du auf Katja Saalfrank. Punkte unter bindungs und beziehungsorientierte Weiterbildung. Wir starten demnächst eine neue Runde.
00:37:00: Sprecher 1 Ja, was mir auch noch mal einfällt dazu ist, dass du noch mal schauen kannst, wo du noch mal mehr antizipieren kannst. Also wenn Sie schon hochgefahren, sozusagen aus der Schulschule kommt oder ihr am Nachmittag zusammen seid und du eben sozusagen siehst, wie sie, ja wie sie gerade in diesen Gefahrbereich kommt, also dass du sie noch mal genauer liest, weil unter Umständen dann eben auch die Nähe zum Geschwisterkind einfach oft zu viel ist.
00:37:28: Sprecher 1 Das kann dann schon Unsicherheit auslösen und da könnte ja eben auch das könnt ihr auch noch mal schauen ein Geschwisterkonflikt irgendwie mit dabei sein. Und du könntest sozusagen in diesem Antizipieren dann auch bei einem Wechsel helfen, also bei dem Übergang helfen, aber auch bei dem bei dem Wechsel wieder von dem Alarmmodus, dem inneren hin zu mehr Ruhe. Komm, wir gehen kurz rüber oder ich bleib hier bei dir.
00:37:56: Sprecher 1 Lass mal gucken, ob wir deinen Körper beruhigen können. Also solche Dinge. Und du kannst auch mal gucken, wie machst du Körperkontakt? Körperkontakt ist ja sehr vielfältig. Also man kann eine Hand auf den Rücken legen, man kann die Hand auf die Schultern legen, man kann umarmen, man kann nur die Hand nehmen. Es kann ganz unterschiedlich wirken. Und ich glaube, auch da ist es immer wichtig, Nähe und Distanz eben auch auszuhandeln und zu gucken, dass man eben nicht zu nahe kommt und auch guckt, was braucht eigentlich der andere gerade für einen Raum, um auch Nähe annehmen zu können?
00:38:32: Sprecher 1 Ja, und was ich noch ganz wichtig finde Jeder der mich kennt, weiß, dass es sozusagen auch nach dem Konflikt ist, vor dem Konflikt. Und die Frage ist wie sprecht ihr das denn? Also das heißt, es wäre auch gut, wenn ihr da noch mal so was wie ein ein Gespräch führt oder noch mal drauf guckt. Das muss nicht lange sein, aber so was wie eine Reparatur hilft da noch mal?
00:38:58: Sprecher 1 Ja, also. Und wenn man nur benennt Wow, das war jetzt heftig. Ja, ich bin aber da oder Da war ganz schön viel Angst und Stress in dir. Ja, wir finden einen Weg. Und manchmal ist ja auch noch mal wieder etwas gutzumachen. Auch das ist etwas, was Kinder sehr entlasten kann, wenn sie in ihrem ja, in ihrem unregulierten Sein etwas tun, wo sie dann später merken Oh, ich habe gerade der kleinen Schwester was kaputt gemacht oder ihr aufs Bild gemalt.
00:39:27: Sprecher 1 Ja, dann auch zu gucken, wie kann man da wieder in eine in Anführungsstrichen Wiedergutmachung kommen. Was kann man dem anderen Gutes tun? Dabei geht es mir nicht um eine förmliche Entschuldigung, sondern es geht mir darum, auch wieder in eine Autonomie zu kommen, weil sonst unter Umständen Beschämung hängenbleibt oder Scham auch eigene Scham hängen bleibt und Scham an der Stelle ist ja eigentlich ein wichtiges Signal, weil es keine Beschämung ist, sondern eine Scham, die da heißt Ich habe da eine Grenze übertreten und aber auch die Erfahrung zu machen, ich kann das wieder gut machen, ich kann die Grenze wieder reparieren.
00:40:03: Sprecher 1 Ja, also ich fasse noch mal so ein bisschen zusammen. Wir hatten gesagt, Schau mal im Perspektivwechsel, wie es deiner 8-jährigen grundsätzlich gehen könnte. Wie fühlt sie sich? Und dabei gebe ich noch mal einen weiteren Gedanken rein, weil wir über die Kontrolle ja auch gesprochen haben und weil du auch erzählt hast, dass sie viel kritisiert. Wie erlebt sie denn aus Ihrer Sicht ihre Umgebung?
00:40:28: Sprecher 1 Erlebt sie da vielleicht Kritik oder ständiges Kritisieren? Hat sie das Gefühl, sie ist nicht richtig in Anführungsstrichen, so wie ihr sie vielleicht hättet? Ja vielleicht auch durch die ständigen Versuche, dann auch das alles zu zu ordnen, für euch als Eltern, also die Schwester zu schützen usw, weil wenn so viele Konflikte aus ihrem Verhalten regulieren, weil sie unter Druck steht, dann könnte ja sein, das sozusagen jetzt auch so was wie eine Spirale losgegangen ist in eurer Reaktion, das vielleicht maßregeln, das erklären und so und dass sie das dann unter Umständen mittlerweile selbst auch mit ihrem Verhalten spiegelt.
00:41:07: Sprecher 1 Also deswegen noch mal wirklich Wie ist das Erleben deines emotionalen Kindes oder auch in der Schule, Was erlebt sie da? Wo könnte sich ihr Leben eng anfühlen? Wo? Und das wäre noch mal eine weitere Frage Gebt ihr Räume für Autonomie und Selbstwirksamkeit? Ja, schaut euch diesen Aspekt noch mal genauer an und wenn Sicherheit das ist, worum es geht, wo könntest du grundsätzlich oder auch in den Situationen konkret konstruktiv Sicherheit und Führung geben?
00:41:38: Sprecher 1 Ja, also es geht um eine grundsätzliche Unsicherheit in Ihrem Leben. Was könnte sie da verunsichern? Übergänge usw aber eben auch in den Momenten, in der Situation und das noch mal mehr zu antizipieren. Also beim Übergang von der Schule nach Hause am Nachmittag beim Spielen kannst du da noch mal dich beobachten? Wie führst du das, dass sie, wenn sie in Unsicherheit fällt, wo bist du dann?
00:42:05: Sprecher 1 Wo kannst du vielleicht auch Sicherheit wiederherstellen, ohne dass sie sich dann diese icherheit verschaffen muss? Also wie viel kannst du da noch konkret gestalten? Also langfristig Alles, was Sicherheit schafft, räumlich emotional ist gut und wichtig. Safety first. Ihr kennt es. Orientierung halt. Kontakt anbieten in den Situationen, Ruhe reinbringen. Koregulation am Gefühl, Angst. Ja, sie ist in Not. Es passiert gerade nichts Schlimmes, alles ist gut so, das ist so die Haltung.
00:42:40: Sprecher 1 Und noch ein Impuls an dich, Elena. Ich würde dich gerne noch mal einladen, auch bei dir selbst zu schauen. Was sind deine Strategien, um dir selbst Sicherheit zu verschaffen? Wie ist dein Verhältnis zu Angst? Wie regulierst du Ängste, Sorgen, Befürchtungen? Ja, das kann es auch noch mal weiter bringen. Also ich finde, das sind alles sehr spannende Fragen und wir können da immer noch mal auch bei uns selbst schauen.
00:43:08: Sprecher 1 Also ich erinnere mich sehr gut an meinen inneren Impuls und meinen Druck, dann doch lieber in die Kontrolle zu gehen und in das Zimmer meines Kindes. Um schnell zu kontrollieren, ist der Ranzen ausgeräumt. Anstatt in Kontakt zu gehen und in einen Dialog und darauf zu vertrauen, dass wir gut ins Gespräch kommen über meine Sorgen und ob alles in Anführungsstrichen in Ordnung ist.
00:43:29: Sprecher 1 Und mir hat das dann immer sehr geholfen, mich daran zu erinnern. An diesen Wert, den ich ja auch immer wieder auf der Wertetafel mit Familien oder auch mit in den Kursen vertrauen statt Kontrolle und den Dialog dazu zu nehmen. Also Kontrolle, loslassen und mehr ins Vertrauen zu gehen. Und ich sag immer, weil es für mich heute noch so ist.
00:43:51: Sprecher 1 Es fühlt sich ein wenig an wie Fliegen lernen, ganz unsicher, zögerlich, wackelig und gleichzeitig irgendwie auch ganz schön, wenn man dann den Wind der Beziehung sozusagen und der Verbindung unter den Flügeln des Vertrauens spüren kann und merkt, dass es tragfähig. Ja. Vielen Dank, liebe Elena. Das ist das, was ich erst mal aus der Ferne dazu sagen kann. Vielleicht waren ein paar Impulse zum besser verstehen mit dabei und vielleicht auch ein paar Impulse zur Veränderung.
00:44:25: Sprecher 1 Danke, Danke sehr, dass du geschrieben hast und für dein Vertrauen. Ihr Lieben, das war für heute die Familiensprechstunde. Schreibt mir gerne eure Fragen an Podcast, Familiensprechstunde etc.. Katja Saalfrank Punkte und kommentiert gerne bei Insta oder auch bei Spotify. Wie es euch mit dieser Folge geht. Und ich freue mich natürlich auch, wenn es euch gefällt, wenn ihr Sterne da lasst und den Podcast abonniert und anderen davon erzählt.
00:44:51: Sprecher 1 Für heute sage ich auf Wiedersehen. Ich danke euch sehr für euer Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst und euren Kindern und bis nächste Woche eure Katja. Das war die Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich.
00:45:20: Sprecher 1 Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt, eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spür gerne nach und entschleunige noch mal, wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest. Schreib mir gerne an Podcastminus, Familiensprechstunde etc.. Katja Saalfrank Punkte. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert.
00:45:46: Sprecher 1 Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehungserfahrungen und Verbindungsmomente. Und nicht vergessen es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen. Bleibt nicht damit alleine schon ein Gespräch kann Veränderung bringen.
00:46:15: Sprecher 1 Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katja.
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