Folge 04: Wenn Kinder beißen – zwischen kindlicher Not, Kita-Alltag und elterlicher Ohnmacht

Shownotes

Eine Mutter schreibt mir über ihre Tochter, die im Alltag immer wieder andere Kinder verletzt. Sie schreibt über viele Gespräche, Hilfsangebote und über das Gefühl, trotzdem nicht wirklich gehört zu werden. Zwischen Kita-Strukturen, wechselnden Bezugspersonen und der eigenen Hilflosigkeit bleibt vor allem eine Frage:

Wie können wir unser Kind gut begleiten, wenn wir selbst kaum Einfluss auf die Situation haben?
In dieser Folge sprechen ich über Aggressionen und insbesondere darüber,
• was Beißen mit Nähe, Abgrenzung und einem überlasteten Nervensystem zu tun haben kann
• weshalb Kontext und Zusammenhänge des Verhaltens so wichtig sind
• wie wir kindliche Bedürfnisse hinter aggressivem Verhalten von Kindern lesen lernen
• und wie Eltern auch im System Kita wieder mehr handlungsfähig werden können
Es geht, wie immer, nicht um schnelle Lösungen.

Sondern um Entschleunigung, Verstehen, Einordnen und kleine nächste Schritte – für mehr Sicherheit, Verbindung und Orientierung.


In dieser Folge erwähnte Angebote und Informationen:

Jesper Juul: Aggression: Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist

Als Grundlage für die bindungs- und beziehungorientierten Pädagogik und für Impulse für deinen Familienalltag lege ich dir meine Online-Akademie ans Herz: Sommerakademie Kinder Besser Verstehen (von der Erziehung zur Beziehung)

Wenn du dich von mir persönlich aus- und weiterbilden lassen möchtest, kannst du dich hier informieren: Kinder Besser Verstehen-Kurse (Pädagogische Grundausbildung für Eltern und Fachleute, Modul 1 - 3 Kleinkind/Schulkind/Pubertät)

Alle von mir ausgebildeten zertifizierten bindungs- und beziehungsorientierten Eltern- und Familienberater:innen findest du hier: kinderbesserverstehen.net

Weitere Angebote:

Wenn du mit mir in einer persönlichen Beratung oder einem pädagogischen Coaching online oder in meiner Praxis vertraulich sprechen möchtest, kannst du dich hier informieren: Video- oder Praxisberatung von Katia

Exklusive Ausbildung für Fachleute von Katia zum/zur bindungs- und beziehungsorientierten Eltern- und Familienberater:in

Ergänze deine Perspektive gern mit meinen Büchern, die du hier findest:

DiE REiSE zu einer glücklichen Eltern-Kind-Beziehung - Dein Kind und dich besser verstehen

Kindheit ohne Strafen - Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen

In meinem Onlineshop findest du exklusiv Affirmations- und Verbindungskarten für einen bindungs- und beziehungsorientierten Familienalltag mit Kindern: Affirmations- und Verbindungskarten

Stöbere gern hier für weiteres pädagogisches Material für einen bindungs- und beziehungsorientierten Alltag mit Kindern: Mein Onlineshop

Lade dir gern auch meine App für tägliche Impulse auf dein Smartphone: App "Kinder Besser Verstehen"

Transkript anzeigen

00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung, um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katja Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.

00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungsund beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Ich freue mich sehr, dass ihr mit dabei seid. Ich hoffe, ihr seid wohlauf. Ich möchte mich heute in der Vorrede, bevor wir zur Frage kommen, bei euch bedanken.

00:01:01: Sprecher 1 Möchte mich bedanken, dass ihr weiter mit dabei seid und dass ihr das neue Format so aufmerksam hört und auch für eure wertschätzenden Rückmeldungen. Das ist wirklich wunderbar und ich freue mich sehr darüber, denn ich weiß das ja jetzt dieses neue Format sehr viel dichter und sehr viel intensiver ist als das, was vielleicht dann auch in einem Gespräch entsteht.

00:01:25: Sprecher 1 Wir sind hier nicht mehr nur am drüber fliegen, sondern wir tauchen ja wirklich auch in die Zusammenhänge ein, die geschildert werden. Und vielleicht braucht es doch mehr Konzentration und man kann es gar nicht mehr so nebenbei hören. Also ich weiß gar nicht, wie das für euch ist, aber was ich registriere und was mich einfach sehr freut ist, dass ihr weiter mit dabei seid.

00:01:46: Sprecher 1 Und das macht mir große Freude, dass auch für euch hier so zu gestalten und auch intensiver in alles reinzugehen und ab und zu auch noch einen eher allgemeinen Impuls zu mitnehmen in die Themen mit rein zu geben. Denn mein Ziel ist ja, dass jeder und jede von euch etwas mitnehmen kann, unabhängig davon, wie alt euer Kind ist und vor welchen Herausforderungen ihr vielleicht selbst in euren Familien, in euren Beziehungen gerade steht.

00:02:13: Sprecher 1 Und Beziehung ist eben ja auch vielfältig. Und die entsprechende Frage bietet dann eben ganz häufig auch Möglichkeiten für Tiefe und für andere Dimensionen und Perspektiven, so dass wir das auch immer so auf unsere eigenen Beziehungen, auf unser Leben, auf unsere Zusammenhänge abstrahieren können und auch anderweitig verknüpfen können. Also vielen Dank für euer Interesse, für eure Offenheit und für eure Zeit und eure Ruhe, die ihr auch mitbringt, um euch von mir mitnehmen zu lassen.

00:02:43: Sprecher 1 Das bewegt mich und berührt mich sehr. Also vielen Dank für euer Vertrauen. Es geht wieder um eine komplexere Situation von Sophie, die mir an Podcastminus, Familiensprechstunde etc.. Katja Saalfrank Punkte geschrieben hat und eigentlich natürlich anders heißt. Und gerne könnt ihr mir eure Fragen auch dorthin schicken. Übrigens auch das möchte ich noch mal sagen, Wenn ihr als pädagogische oder psychologische Fachperson tätig seid, also Lehrerinnen oder Lehrer oder auch Erzieherinnen und Erzieher seid oder in irgendeinem sozialpädagogischen oder sonderpädagogischen Setting arbeitet, auch in einem psychologischen Setting arbeitet.

00:03:24: Sprecher 1 Ihr seid herzlich eingeladen, auch hier eure Gedanken, eure Fragen mit rein zu geben. Jetzt aber zur heutigen Frage. Sophie schreibt.

00:03:39: Sprecher 1 Liebe Katja, ich freue mich sehr über Dein neues Podcastformat und darüber, dass Du dort Raum für unsere Fragen öffnest. Schon jetzt spüre ich, wie viele Gedanken und Impulse das wieder in mir anstößt. Und ich danke dir von Herzen für diese Möglichkeit und für deine wertvolle Arbeit. Danke. Ich möchte dir gerne eine Situation schildern, bei der ich sehr auf deine Perspektive hoffe, um mehr Klarheit und Unterstützung zu bekommen.

00:04:05: Sprecher 1 Ich habe zwei Kinder. Meine Tochter Lisa ist vier Jahre und mein Sohn ist zwei Jahre bereits in der Krippenzeit, als Lisa etwa zweieinhalb Jahre alt war, kam es zu Situationen, in denen sie andere Kinder gebissen hat. Auf Empfehlung der Erzieherin haben wir damals die frühen Hilfen in Anspruch genommen, welche auch den Erzieherinnen wertvolle Impulse gab. Das Thema legte sich zunächst wieder, bis es im letzten Jahr erneut aufkam.

00:04:32: Sprecher 1 Auch hier haben wir bewusst das Gespräch mit der Bezugserzieherin gesucht und wieder die externe Unterstützung durch eine ausgebildete Pädagogin in Anspruch genommen, um nicht nur in unserer eigenen Eltern sich zu bleiben. Gemeinsam waren wir im Gespräch und die externe Pädagogin hat konkrete Situation analysiert und sehr klar auf Lisas Bedürfnisse geschaut und Impulse gegeben. Leider hatten und habe ich den Eindruck, dass diese Impulse im Kitaalltag kaum angenommen oder umgesetzt wurden.

00:05:02: Sprecher 1 Seit September gibt es nun erneut eine neue Bezugserzieherin. Insgesamt ist es bereits die vierte. Durch Personalwechsel. Ich erlebe sie als wenig empathisch, wenig einfühlsam und teilweise mit einem rauen Umgangston den Kindern gegenüber. Aktuell ist es nun wieder so, dass Lisa fast täglich unterschiedliche Kinder körperlich verletzt. Heute kam es sogar dazu, dass eine Mutter meinen Partner ansprach und sagte, ihre Tochter habe Angst und wolle deshalb nicht mehr in die Kita gehen.

00:05:30: Sprecher 1 Das hat meinen Partner sehr verunsichert. Er hat das Gefühl, wir müssten dringend etwas unternehmen in Anführungsstrichen. Ich selbst fühle mich oft ohnmächtig, da wir in den konkreten Situationen nicht dabei sind und ich die Verantwortung in solchen Situationen bei den Erzieherinnen sehe. In Gesprächen stoße ich jedoch immer wieder auf wenig Verständnis dafür, dass hinter jedem Verhalten ein Bedürfnis steckt und Kinder nicht böswillig handeln.

00:05:54: Sprecher 1 Auch dein Eisbergmodell habe ich angesprochen, fühle mich damit aber nicht wirklich gehört. Nun stehe ich ehrlich gesagt an einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter weiß, wie ich weitermachen soll. Ich habe externe Hilfe gesucht, Gespräche geführt und versucht, Brücken zu bauen, erlebe jedoch wenig Bereitschaft auf der anderen Seite. Gleichzeitig möchte Lisa selbst weiterhin in der Kita bleiben.

00:06:17: Sprecher 1 Durch das offene Konzept gibt es dort auch andere Erzieherinnen, die deutlich bindungsund beziehungsorientierter arbeiten. Was mir Hoffnung gibt. Meine Frage an dich daher Hast du aus deiner langjährigen Erfahrung Impulse, wie man grundsätzlich mit einem solchen Thema umgehen kann? Insbesondere im kontext und vielleicht auch mit Blick darauf, dass solche Themen ja nicht einfach verschwinden in Anführungsstrichen, sondern möglicherweise auch später in der Schule uns wieder begegnen werden.

00:06:44: Sprecher 1 Zum Schluss möchte ich dir einfach Danke sagen. Danke für deine Arbeit, danke für deine Zeit und für all das, was du in mir bewegt hast. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich zufällig eure erste Podcastfolge damals mit Matze gehört habe und wie sehr das der Beginn einer inneren Reise für mich war. Deine Arbeit gibt so vielen Eltern halt, Orientierung und das Gefühl nicht alleine zu sein.

00:07:06: Sprecher 1 Danke von Herzen dafür. Alles Liebe Sophie.

00:07:12: Sprecher 1 Ja, also vielen Dank Sophie, erst mal für deine Frage, auch für deine Rückmeldung. Das freut mich sehr und ja, ich würde gerne auch mir hier ein bisschen Zeit nehmen, ein bisschen entschleunigt darauf schauen und es erscheint mir sehr komplex und auch ein bisschen Verfahren. Und ich würde gerne erst mal die unterschiedlichen Bereiche, die ich heraushöre, gerne mit dir anschauen wollen, damit wir erst mal wissen, worum geht es eigentlich?

00:07:47: Sprecher 1 Und im Grunde geht es um drei Ebenen, die gleichzeitig laufen und auch aufeinander Bezug nehmen. Also wir haben hier einmal deine Tochter. Ja, wir haben das Kind, was sozusagen ein Verhalten zeigt, was beißt, was verletzt. Und da taucht bei mir in der Assoziation erst mal das Thema Bindung auf. Das Thema Stress, das Thema Überforderung, Regulationsversuch. Ja, wir haben dann den Ort, wo das passiert, nämlich im Kita System.

00:08:20: Sprecher 1 Da habe ich dann die Assoziation es ist relativ instabil, es gibt viel Personalwechsel. Du schreibst von wenig Feinfühligkeit, Du schreibst auch schon von einer Geschichte, die es in diesem Kita System gibt. Und dann haben wir als dritte Ebene die Eltern Ebene, die mitläuft, von der du beschreibst, dass dein Partner unsicher wird und vielleicht auch an einer anderen Stelle steht als du.

00:08:45: Sprecher 1 Was ihr gemeinsam habt, ist die Hilflosigkeit, die Ohnmacht, die Verantwortung. Das taucht so in meinem Hinterkopf auf. Und ja, auch vielleicht so dieser Druck, der von außen kommt oder vielleicht den ihr jetzt auch wechselseitig, sozusagen immer wieder austauscht. Wir müssen etwas tun, es muss was passieren, es muss sich was verändern. Also das sind diese drei Bereiche, die drei Ebenen, die gleichzeitig laufen.

00:09:13: Sprecher 1 Es gibt ja schon einiges an Genese zu allem und es wirkt alles schon sehr komplex, auch weil eben das Kita System betroffen ist und das was dort passiert. Was in der Kita passiert, kannst du ja nur bedingt bis kaum beeinflussen. Das hast du auch sehr klar benannt und das macht natürlich hilflos und das macht ohnmächtig. Und du hast auch schon alle Dinge getan aus aus deiner Sicht und ehrlich gesagt auch aus meiner, die wir Eltern tun können, wenn solche Dinge eben in der Kita passieren.

00:09:46: Sprecher 1 Du hast Gespräche geführt, du hast Unterstützung in Anspruch genommen, Du hast die Sicht deines Kindes dort formuliert. Ja, und es tut mir erst mal sehr leid, wenn ich das lese, wie es dir geht. Und es ist für mich auch sehr nachvollziehbar, wie es dir geht und ich kann dich da gut fühlen über all das, was du schreibst. Und ich will erst mal sagen, was mir auffällt, wenn ich sozusagen eine Dimension dahinter mir anschaue oder so rein spüre, was dieses Thema gesamt durchzieht, nämlich Hilflosigkeit und Ohnmacht.

00:10:21: Sprecher 1 Ja, und das sind ja immer erst mal Hinweise auf eine Unsicherheit. Also Sicherheit geht weg und im Grunde ist das bei allen beteiligten Personen der Fall. Also im Kita System geht Sicherheit weg, weil die Strategien, die die Kita, die die Erzieherinnen haben, nicht greifen, es sich nichts verändert. Und in eurem Familiengeflecht passiert das eben auch sozusagen mit deiner, mit mit deiner Partnerschaft.

00:10:49: Sprecher 1 Ja, ihr habt da unterschiedliche Strategien auch. Und natürlich sind auch Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühle bei deiner Tochter, um die sich ja alles dreht. Und jetzt könnte es um Strategien gehen wie ihr alle, also wie alle Systeme, wie alle Personen jeweils mit ihrer Hilflosigkeit, mit den Unsicherheiten und auch dem daraus resultierenden Gefühl, Angst und vielleicht auch mit ihrer Wut darüber, dass alles so ist, wie es ist, umgehen können.

00:11:20: Sprecher 1 Also Wut deshalb, weil wenn man Angst bekommt und Strategien anwendet, diese Angst zu regulieren. Und man führt Gespräche, man baut Brücken, man nimmt Unterstützung in Anspruch und dann greift das alles vielleicht nur vorläufig, aber eben nicht langfristig. Dann kommt die Angst, dann kommt die Unsicherheit und dann kann auch eine Unruhe kommen. Ein Ärger, eine Wut darüber, dass man nicht weiterkommt.

00:11:46: Sprecher 1 Das wird vielleicht auch bei deiner Tochter der Fall sein. Da schauen wir jetzt auch noch mal genauer hin, denn deine Tochter ist ja, wenn wir die uns erst mal anschauen und das Verhalten noch mal besser verstehen. Die ist ja diejenige, die am wenigsten alleine und selbst damit umgehen kann und ist ja total abhängig von den Bezugsund Bindungsperson. Abhängig um Halt und konstruktive Strategien für mehr Sicherheit zu erfahren.

00:12:12: Sprecher 1 Deswegen fange ich mal mit dem Verhalten an, also beißen in dem von dir beschriebenen Alter deiner Tochter, wie du das beschrieben hast. Nun, mit den zweieinhalb Jahren ist erst mal gar nichts ungewöhnliches, im Gegenteil. Also mir begegnet das tatsächlich öfter in der Praxis und ich habe auch hier und da schon mal was dazu gesagt und auch schon mal was geschrieben dazu.

00:12:36: Sprecher 1 Aber wir können uns das noch mal genauer angucken. Auch in diesem Kontext. Es ist eben auch eine Abgrenzung, ein Stopp bis hierhin und nicht weiter. Deine Tochter geriet in Stress und Überforderung und es sind Regulationsversuche. Ja, das ist das eine. Also Abgrenzung oder eben auch ein Hey, ich will Kontakt. Ja, ich finde da dieses Bild. Ich habe dich zum Fressen gern.

00:12:59: Sprecher 1 Eigentlich ein ganz starkes Bild. So dieses ich will Kontakt haben und ich will dich spüren. Und die Impulse sind noch nicht kontrollierbar. Ja, das ist sozusagen das, was an der Stelle ganz wichtig ist zu verstehen, weil eben Kinder, das sage ich ja immer mal wieder mit ihren Gefühlen noch direkt verschmolzen sind und direkt aus der Emotion heraus agieren.

00:13:25: Sprecher 1 Und diese Emotion ist ja oft gespeist oder ist gespeist von dem darunter liegen dahinterliegenden Basis Grundbedürfnissen. Das Grundbedürfnis, was ich jetzt hier dahinter liegend spüre, ist eben also Verbindung. Hey, ich will Kontakt und ich habe noch keine adäquaten Strategien dafür. Und hier würde es sich lohnen, auch noch mal genau auf die Situation zu gucken, um eben zu schauen, ist es einer Abgrenzung oder ist es eher ein Kontaktaufnahme Versuch?

00:13:55: Sprecher 1 Wir können uns das Beißen auch noch mal als Verhalten, als Strategie konkret angucken. Beißen ist ein sehr frühes sprachliches Ausdrucks und Regulationsverhalten, also eine frühe Strategie. Ja, entwicklungsbiologisch gehört das zu den allerersten Möglichkeiten eines Kindes, mit der Welt in Kontakt zu treten. Und der Mund ist erstes Sinnesorgan, sozusagen auch erstes Verbindungsorgan, Beziehungsorgan, erstes Regulationsorgan. Ja, wir stillen unsere Kinder in der Regel.

00:14:30: Sprecher 1 Oder wir, Wir füttern es also auch, da wird ja gesaugt, es wird genuckelt und das läuft alles über Nähe, Regulation, Spannung abbauen, Entspannung erzielen wollen. Also das heißt, der Mund ist ganz ursprünglich Bindung und eben nicht ich sage das jetzt mal so in Anführungsstrichen nicht gewalt oder bösartig. Das hast du ja auch schon sehr gut interpretiert, auch für dich und das weißt du, wenn du die allererste Folge in diesem Podcast schon mitgehört hast und auf deiner inneren Reise bist.

00:15:04: Sprecher 1 Ich sage es nur noch mal und wenn jetzt Kinder später beißen, also in einem, in einem späteren Zeitpunkt ihrer Entwicklung trotzdem noch in dem Kleinkindalter, dann greifen sie eben auf dieses frühe System zurück. Nicht weil sie Schaden wollen, sondern weil reifere Strategien noch nicht zur Verfügung stehen. Ja, es sucht Kontakt und nimmt so Verbindung auf. Wir können uns auch noch mal angucken.

00:15:35: Sprecher 1 Im Nervensystem passiert nämlich folgendes Das Nervensystem fährt hoch und gerät in Stress oder in Überforderung und die Sprache ist sozusagen in Anführungszeichen offline bzw noch nicht vorhanden oder in diesem Stress nicht vorhanden oder geht weg. Man kann nicht darauf zurückgreifen. Das heißt die Impulskontrolle ist reduziert. Der präfrontale Cortex ist kaum aktiv und der Körper übernimmt dann das Kind fällt sozusagen zurück auf diese archaische, körpernahe Notfallstrategie.

00:16:13: Sprecher 1 Und das beschreibst du auch sehr schön, denn dazu gehören dann auch, wie wir das jetzt sehen können Schubsen, hauen, Schlagen und eben auch das Beißen. Also sehr direkte, sehr körperliche Grenz und Kontaktformen, Kontaktaufnahme, Versuche oder eben Abgrenzung. Also nicht böse bösartig, sondern in innerer Not Raum sich nehmen zu müssen. Impulse zum Mitnehmen. Wenn ihr ähnliche Situationen mit euren Kindern erlebt, ganz egal in welchem Alter.

00:16:47: Sprecher 1 Dann lohnt es sich so sehr, nicht nur am Verhalten selbst hängen zu bleiben. Schaut also nicht nur auf das Verhalten was, sondern vor allem auf das Wo. Wie genau, wann und mit wem. Also die Situationen im Nachhinein innerlich noch einmal zurück. Wann genau ist das passiert? Gab es einen Auslöser im Außen? In welcher Entwicklungsphase steckt euer Kind gerade und was bewegt sich vielleicht gerade gleichzeitig in eurer Familie?

00:17:16: Sprecher 1 Verhalten in diesen Zusammenhängen zu lesen, besser zu verstehen und im Perspektivwechsel zu interpretieren, ist vor allem nur dann möglich, wenn wir einen Schritt zurücktreten und den Kontext mit anschauen und in Verbindung setzen. Und dann könnt ihr euch in einem nächsten Schritt fragen Geht es hier gerade um mehr Sicherheit, um Verbindung oder um Autonomie und Selbstwirksamkeit? Also diese drei Basisk grundbedürfnisse mit berücksichtigen, Wenn wir verhalten präziser und konkret in diesem größeren Zusammenhang und Kontext lesen, wird es verständlicher und sogar nachvollziehbarer aus der Sicht des Kindes.

00:17:53: Sprecher 1 Und genau dort entsteht dann oft ein Handlungsspielraum für den nächsten, manchmal nur ganz kleinen konstruktiven Schritt in Richtung neuer oder anderer Weg und neuen Lösungsmöglichkeiten. Mehr von all dem dazu findet ihr in meinem Onlinekurs Sommerakademie Kinder besser verstehen. Eine sechswöchige Reise, in der er jeden Tag ein Video von mir bekommt zu einem bestimmten Thema. Übungen und Reflexionen in einem wunderschönen Workbook gestaltet.

00:18:21: Sprecher 1 Informiert euch gerne über die Seite Sommerakademie minus Kinder besser verstehen Punkte.

00:18:30: Sprecher 1 Okay, wir können also festhalten Beißen ist im Grunde ein körperlich gewordener Regulationsversuch, vielleicht auch ein Hilferuf, eine sprachliche Grenzsetzung oder eben auch ein dysregulierter. Und trotzdem eben dadurch, dass er dysreguliert ist, auch alters angemessener, aber irgendwie doch misslungener Kontakt. Aufnahmeversuch und vielleicht noch mal ein schöner Perspektivwechsel. Es ist nicht gegen den anderen, sondern im Grunde für sich selbst, für Sicherheit, für Regulation, für Selbstschutz, für eigenen Raum und auch für Verbindung.

00:19:12: Sprecher 1 Nur eben mit mit unreifen Strategien. Das heißt, wenn wir das wissen, können wir letztlich auch noch mal die innere Haltung überprüfen. Auch wenn natürlich bei Schmerz bei uns selbst, wenn wir betroffen sind oder auch wenn wir das sehen, kommt ja auch schnell ein Impuls nach oben. Also wenn man von seinem Kind gehauen wird, plötzlich oder wenn plötzlich ein Beißen kommt, dann hört man ja auch erst mal ein Schmerz und den wehren wir auch oft ab.

00:19:40: Sprecher 1 Deswegen werden wir dann schnell grob. Die Haltung sieht dann oft so aus, dass wir sagen So, warum tut mein Kind mir wie oder warum tut mein Kind anderen weh? Und diese Haltung bringt uns nicht weiter, sondern es müsste eigentlich oder wir dürfen eigentlich in die innere Haltung kommen, was es gerade zu viel. Es ist vielleicht zu viel Nähe oder auch die Frage wo fehlt gerade Sicherheit, Wo könnte ich mehr Sicherheit geben?

00:20:07: Sprecher 1 Wie kann ich dem Kind helfen, sich anders auszudrücken, wenn ich gerade merke, es will sich abgrenzen oder es sucht Kontakt. Also dass ich den Kontakt anbiete, anders. Oder dass ich eben auch versuche, meine reifen Strategien anzuwenden für ein Abgrenzen. Also du möchtest gerade nicht oder Das war dir jetzt zu viel und das würde eben von der inneren Haltung her dann eben von der Moral sozusagen.

00:20:35: Sprecher 1 Warum tut mein Kind anderen weh? Hin zum Bedürfnis hin auf die Bedürfnisebene? Mein Kind sucht Verbindung und auch von Schuld weg. Und wenn wir das alles so ein bisschen uns angucken und in die Kognition nehmen und dann auch eine Etage tiefer in unsere Haltung mit reinnehmen und das ein Stück verinnerlichen und verkörpern, wirklich dann würde auch noch mal klarer, was können wir als Bezugs Erzieherin zum Beispiel tun?

00:21:05: Sprecher 1 Ja, wo könnten wir mehr Sicherheit geben? Und es muss ja nicht in der Situation sein, sondern vielleicht grundsätzlich. Ich höre, das ist ein offenes Konzept. Das heißt, die Kinder, also es ist natürlich immer unterschiedlich, aber ich kenne das dann so, dass die Kinder zwar einer Gruppe zugehörig sind, aber dass alle Türen offen sind und die Kinder sich frei bewegen können und das ja auf der einen Seite eine große Selbstwirksamkeit ermöglicht, aber eben auch dazu führt, dass vielleicht schneller Sicherheit kippt.

00:21:35: Sprecher 1 Das heißt, wo könnten wir mehr oder noch mal anders für Sicherheit sorgen, wenn wir dieses kleine Wesen im Blick haben? Also wo könnten wir mehr oder anders Sicherheit geben und auch vielleicht bei der Kontaktaufnahme behilflich sein? Wo könnten wir noch mal CO regulieren? Wo könnten wir moderieren, Wo könnten wir Sprache finden, wo eben noch keine Sprache vorhanden ist?

00:21:58: Sprecher 1 Und dann eben Abgrenzung auch in Konflikten oder eben auch in der Kontaktaufnahme. Ich will Verbindung unterstützen. Impulse zum Mitnehmen. Ich möchte an dieser Stelle noch etwas Grundsätzliches zu Aggression sagen. Oft wird aggressives Verhalten im Alltag nämlich ablehnend behandelt. Es wird negativ bewertet und in unserer Gesellschaft vor allem in Bezug auf unsere Kinder, häufig sehr kritisch gesehen und damit auch missverstanden.

00:22:26: Sprecher 1 Aggression an sich ist erst mal nichts Schlechtes. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie herangehen, angreifen, be greifen, nach vorne gehen. Aggression im Kern ist also erst mal Lebensenergie, Kraft, Vorwärtsbewegung. Wenn wir Sportlerinnen beobachten, zum Beispiel bei den Olympischen Spielen, sehen wir das ganz deutlich. Diese Spannung im Gesicht, diese Kraft im Körper. Aggression wird zu Energie und Kinder senden mit aggressivem Verhalten.

00:22:57: Sprecher 1 Was übrigens zur Entwicklung mit dazu gehört Folgende Botschaften hier mit mir und oder meiner Umgebung stimmt etwas nicht. Ich weiß nicht, was es ist und ich habe keine Worte dafür. Ich bitte dich, schau mich an, wende dich mir zu. Frag mich, was mich so wütend macht. Erforsche mit mir gemeinsam die Ursachen und hilf mir. Diese Botschaften werden oft nicht erkannt und aggressives Verhalten von Kindern oft missverstanden.

00:23:24: Sprecher 1 Das hängt auch damit zusammen, dass viele glauben, Aggression in der Kindheit führt automatisch zu Gewalt im Erwachsenenalter. Und genau deshalb drängen wir Kinder oft darauf, dass sie möglichst früh alles verbal und vernünftig klären. Dabei überfordert das Kinder völlig. Denn für so eine Konfliktlösung bräuchten sie kognitive Fähigkeiten, die sie ja gerade erst entwickeln und die selbst uns Erwachsenen, obwohl wir voll ausgereifte Nervensystem haben, manchmal schwer fallen.

00:23:52: Sprecher 1 Nochmal die Angst, aus einem wütenden 4-jährigen würde automatisch ein gewalttätiger Jugendlicher oder Erwachsener. Stimmt so nicht. Studien zeigen etwas anderes. Erwachsene, die gewalttätig werden, haben immer selbst Gewalt erlebt in ihrer eigenen Kindheit. Und diese Erfahrung gemacht. Nicht Aggression an sich ist also das Thema, sondern fehlende Sicherheit, fehlende Begleitung in einer frühen kindlichen Phase, verletzende frühe Erfahrungen und fehlende konstruktive Strategien, um mit der Energie sinnvoll umzugehen.

00:24:25: Sprecher 1 Jesper Juul hat dazu ein sehr berührendes Buch geschrieben Aggression. Warum sich für uns und unsere Kinder notwendig ist. Schaut mal rein, wenn es euch interessiert. Und natürlich in all meinen KBV Kursen gehört das Thema Aggression und Umgang damit auch dazu.

00:24:46: Sprecher 1 Und jetzt schreibst du so viel auch bereits in der Krippenzeit. Als Lisa etwa zweieinhalb Jahre alt war, kam es zu Situationen, in denen sie andere Kinder gebissen hat. Und du schreibst, dass ihr frühe Hilfen in Anspruch genommen habt, dass ihr im Gespräch wart. Dass es da auch wertvolle Impulse gab und dass sich das Thema erst mal wieder gelegt hat.

00:25:03: Sprecher 1 Und das klingt erst mal sehr konstruktiv, dass es frühe Hilfen gibt und gab. Allerdings, und so verstehe ich dich, ist das ja auch Teil der Genese. Das heißt, dein Kind ist mit diesem Verhalten schon mal aufgefallen und vielleicht ist das dann auch so bewertet, als deine Tochter als schwierig. Ihr hat vielleicht ein Aggressionsproblem oder da muss man ein besonderes Auge drauf haben.

00:25:30: Sprecher 1 Die hatte schon mal frühe Hilfen und vielleicht ist auch deshalb da jetzt so in der Umgebung schon so was wie ein Alarmmodus mit so einem Fokus auf deiner Tochter. Und ich finde immer wichtig, dass wir da auch noch mal das Kind im Blick haben und auch im Blick haben. Was macht das mit dem Kind? Also welche Botschaften transportieren wir an das Kind?

00:25:53: Sprecher 1 Auch wenn du mit deinem Partner sprichst und diskutierst und so, wann tut ihr das in welcher Art und Weise tut ihr das? Wie schaut ihr euer Kind an? Ist da weiterhin Zuversicht es da? Du bist okay so wie du bist mit im Blick oder rutscht da auch was dazwischen? Wie wünscht, es wäre anders. Ich wünschte, du könntest dich anders verhalten.

00:26:13: Sprecher 1 So, denn du schreibst ja dann. Das Thema kam jetzt erneut auf und damit kommen wir dann eben auch zum Kita System und du beschreibst da relativ ungünstige Voraussetzungen. Ja, ich habe schon gesagt, also Instabilität, Personalwechsel, Du nimmst wahr, dass da wenig Feinfühligkeit ist und dass es ja, das ist einfach erstmal sehr schwierig und ich kann nur aus meiner Praxis sagen, dass das für mich auch keine Seltenheit ist.

00:26:43: Sprecher 1 Also ich höre ganz viel positive Erfahrungen in den Kitas und es steht und fällt natürlich immer mit den Menschen, die dort auch arbeiten. Und mir geht es jetzt gar nicht um Kritik, sondern darum, das noch mal besser zu verstehen. Denn wenn ich mit Erzieherinnen und Erziehern spreche und arbeite, dann bekomme ich eine Ahnung davon, was da für ein Druck herrscht.

00:27:04: Sprecher 1 Also es ist viel Druck im System, es ist viel Administration, es ist viel Papier und dann bleiben auch wenig Kapazitäten. Und das ist ein Dilemma. Das muss man einfach auch mal benennen. Und ich habe oft erlebt, dass im Kontakt mit den Einrichtungen dann ein großes Interesse daran besteht, auch gut in Verbindung mit den Kindern zu sein und damit auch gut umzugehen.

00:27:27: Sprecher 1 Ich habe aber auch erlebt, dass oft auch da Strategien einfach fehlen und manchmal auch, dass das Wissen auch um die konkrete Entwicklung, um Bindung und Beziehung gerade in der phase gibt es da ganz oft dann auch Missverständnisse. Und auch beim Thema Aggressionen und natürlich hängt Veränderung in in der Kita immer von der konkreten Person ab. Und du berichtest.

00:27:52: Sprecher 1 Seit September gibt es jetzt eine neue Bezugserzieherin und das ist insgesamt jetzt die vierte. Durch den Personalwechsel. Und ja, also alle, die jetzt zuhören, werden wahrscheinlich den gleichen Gedanken haben, weil natürlich eine eine vierte Bezugsperson durch Personalwechsel heißt ja erst mal Bindungsund Beziehungsabbrüche. Ja, und da könntest du auch noch mal hingucken. Gab es da eine Verabschiedung? Wie ist der Kontakt zur neuen Person hergestellt worden?

00:28:25: Sprecher 1 Zur neuen Bezugserzieherin? Wurde das begleitet? Wie wurde das begleitet? Also es klingt jedenfalls einfach erst mal ungünstig, dass deine kleine Tochter, dass Lisa da sehr viele Abbrüche oder ungen auch erlebt hat und sich ja immer wieder neu binden muss. Also Kinder brauchen sozusagen die Verbindung zu ihren Bezugserzieherin Erziehern, weil sie niemand anderen haben dort und weil sie, wenn sie aus der Sicherheit kippen, jemanden brauchen, der sie beruhigt und der ihnen wieder Sicherheit gibt.

00:28:58: Sprecher 1 Jetzt schreibst du das noch, was ungünstiger ist, nämlich dass du sie als wenig empathisch, wenig einfühlsam und teilweise mit Raum Umgangston den Kindern gegenüber erlebst. Und das ist natürlich wirklich schwierig und eine der schlechtesten Voraussetzungen für diese Arbeit natürlich insgesamt. Und ja, oft ist es ja bei uns im Alltag auch so als Eltern, dass wir manchmal rauwerden im Umgangston, wenn wir im Stress sind, wenn wir unseren Alltag nur betreiben.

00:29:26: Sprecher 1 Und es kann eben helfen, diesen dieses Betreiben zu unterbrechen, wenn man im Kontakt ist, wenn man sich noch mal klar macht worum geht es hier eigentlich? Was braucht jetzt dieses kleine Wesen? Und ich finde es auch für dich wirklich schwierig, Sophie, Denn wenn wir unsere Kinder nicht gut aufgehoben wissen und die Kinder sind ja dort die Hälfte oder mehrere mehr als die Hälfte ihres Tages, dann in einer Atmosphäre, die du jetzt gerade als wenig einfühlsam und mit rauem Ton durchzogen beschreibst, dann ist das natürlich auch schwer.

00:29:59: Sprecher 1 Und es ist auch insofern schwierig, als dass sich dann eben das Verhalten deiner Tochter dieses abgrenzen und diese Unruhe, die sie ja dann auch hat und auch der Stress, der im System ist eben dann unter Umständen eher verstärkt und dann die Notfallstrategien sozusagen noch stärker werden, weil sie noch mehr Sicherheit braucht und sucht und Verbindung braucht und sucht und dann eben diese besprochenen Strategien anwendet.

00:30:24: Sprecher 1 Also ich nehme auch an, dass das etwas ist, was du weißt, dass sich das eher dann potenziert. Nicht nur, dass wir da nicht weiterkommen oder du nicht weiterkommst und dann verzweifelt zurück bleibst, sondern dass es sich eben auch potenziert. Und ich verstehe das sehr gut und es tut mir sehr leid. Und aus der Ferne ist es jetzt natürlich auch schwierig, sozusagen mit dir jetzt konkrete Schritte zu erarbeiten.

00:30:45: Sprecher 1 Aber natürlich können wir drüber fliegen, weiter drüber fliegen und noch mal gucken, was könnte nächster konstruktiver Schritt sein? Impulse zum Mitnehmen. Hier eine kleine Ermutigung für euch, wenn ihr ebenfalls mit Institutionen zu tun habt und merkt, dass ihr mit dem, was euer Kind gerade braucht, nicht wirklich durchdringt und ihr das Gefühl habe, damit alleine zu stehen oder nicht gehört zu werden.

00:31:09: Sprecher 1 Du kannst immer eine bindungs und beziehungsorientierte Eltern und Familienberatung aufsuchen, direkt oder auch online. Schon ein oder zwei Gespräche können da hilfreich sein. Die Kollegen, die ich ausbilde, bieten auch alle eine sogenannte fachliche Vernetzung an, Das bedeutet, dass im Rahmen deiner Beratung auch das System Kita mit einbezogen wird und Gespräche stattfinden. Ich etze mich häufig fachlich mit Einrichtungen in meiner Arbeit und erlebe es als sehr konstruktiv.

00:31:37: Sprecher 1 Die Einrichtungen, mit denen ich zu tun habe, sind in der Regel offen für einen fachlichen Austausch und auch dankbar. Und es kommt häufig Bewegung in alles. Der Blick auf das kindliche Verhalten wird geschärft und auch der Kontakt zwischen den Einrichtungen und den Eltern verändert sich häufig noch mal. Die Folge kann sein, dass das Kind aus einem negativen Fokus herauskommt und alle insgesamt auch wertschätzend auf das Kind schauen.

00:32:00: Sprecher 1 Und das Wichtigste dabei Du musst mit deinen Fragen und deiner elterlichen Not nicht alleine bleiben. Du darfst dir auch in dieser Form Unterstützung holen. Wenn du dich dafür interessierst, kannst du auf der Website Kinder besser verstehen. Nett konkret schauen. Dort sind alle zertifizierten, bindungs und beziehungsorientierten Eltern und Familienberaterin aufgelistet.

00:32:24: Sprecher 1 Ja, jetzt sind wir wirklich sehr entschleunigt. Erst mal über alles drüber geflogen und du schreibst jetzt weiter, Sophie, Dass es aktuell jetzt wieder so ist, also dass das alte Thema wieder nach oben kommt und dass deine Tochter jetzt fast täglich unterschiedliche Kinder körperlich Du schreibst jetzt verletzt. Also das ist die Folge. Also dass es immer wieder zu Situationen kommt, wo deine Tochter offensichtlich mit einem Kontaktaufnahme versuch oder mit einer Abgrenzung in einem Konflikt oder auch im Vorbeigehen, das weiß ich nicht.

00:32:57: Sprecher 1 Körperlich wird. Und du hast ja auch beschrieben, dass eben offensichtlich wenig konstruktive Begleitung da ist und auch noch mal deutlich mehr Druck entsteht. Und dieser Druck kommt natürlich auch über das, was du als nächstes schreibst, nämlich dass eine Mutter deinen Partner angesprochen hat und das jetzt dabei der Tochter dieser Mutter eine Angst entstanden ist und sie deshalb nicht mehr in die Kita gehen möchte.

00:33:23: Sprecher 1 Und das ist natürlich was, was dein Partner verunsichert. Das verstehe ich auch. Und jetzt kommt ihr aber miteinander irgendwie in Konflikt und noch mal über dieses Thema in eine andere Form von Verbindung, Denn er hat jetzt das Gefühl, er müsste dringend was unternehmen, was auch immer das bedeutet. Und ich verstehe das auch, dass da sozusagen dieses Gefühl entsteht, dass es eben jetzt nicht mehr nur um die Erzieherinnen und Erzieher geht, die auf euch zukommen, sondern dass eben auch die Kinder selbst sich beschweren oder die Eltern das mitbekommen.

00:33:55: Sprecher 1 Und dadurch erhöht sich natürlich noch mal der Druck. Und jetzt kommen wir zu dem dritten Bereich, nämlich zu euch Eltern, zu eurem Paarsystem Elternpaar System. Und du schreibst, dass du sozusagen dich jetzt noch ohnmächtiger fühlst und das du natürlich in den konkreten Situation nicht dabei sein kannst und auf wenig Verständnis stößt. Du hast auch schon alles, was du weißt mit rein gegeben und hast auch das Eisbergmodell benannt und du fühlst dich nicht wirklich gehört.

00:34:27: Sprecher 1 Erst mal fühlt sich das natürlich alles schwer an und dein Satz Ich fühle mich damit nicht wirklich gehört, den finde ich insofern noch mal interessant, als dass das eine kleine Parallele ja auch bildet, nämlich Du fühlst dich ohnmächtig und nicht gehört und deine Tochter ist letztlich ja in der gleichen Situation. Sie ist ohnmächtig, kann sich nicht gut abgrenzen oder nicht gut in Kontakt kommen und fällt in die Unsicherheit und hat keine Strategien.

00:34:55: Sprecher 1 Ist angewiesen auf Bezugspersonen, die mit ihrem Verhalten eben dann konstruktiv umgehen. Und du sozusagen fühlst dich parallel auch ohnmächtig. Also es ist irgendwie so ein ein klein, eine Wechselwirkung sozusagen und du fühlst dich auch nicht gehört mit dem, was dir wichtig ist. Als deine Tochter ist nicht gehört und du fühlst dich nicht gehört und jetzt ist es ja so, dass du im Grunde als erwachsene Person, wir als Eltern mit unserem reifen Nervensystem schon die Möglichkeit haben, verschiedene Strategien anzuwenden.

00:35:29: Sprecher 1 Und es wird jetzt hier deutlich, dass du ebenfalls letztlich auf das Bezugssystem deines Kindes angewiesen bist, um das Gefühl zu entwickeln, gehört zu sein. Also die müssen dich anhören. Und wenn sie das nicht tun, dann bleibst du ungehör zurück. Ja, und ich finde es an diesen Stellen immer wieder ganz spannend, auch bei uns selbst noch mal zu gucken, Wie stark ist dieses Gefühl von Hilflosigkeit und wie?

00:35:55: Sprecher 1 Ja, gibt es. Gibt es Situationen, wo du das her kennst? Vielleicht auch aus einem früheren Erleben? Also du darfst da auch noch mal für dich sortieren, noch mal für dich reflektieren. Wie reagierst du in anderen Situationen? Und zwar nicht mit dem Ziel, das jetzt zu lösen oder in der Vergangenheit hängen zu bleiben, sondern eher noch mal in die Kraft zu kommen und heute noch mal zu schauen, welche Möglichkeiten gibt es noch, um dir zumindest Gehör zu verschaffen?

00:36:28: Sprecher 1 Und ich finde den zweiten Punkt auch noch sehr wichtig, dass ihr beide euch nicht durch diesen Druck von außen und diesem Gefühl nicht gehört zu sein, nicht entzweien lasst, sondern dass ihr versucht, wirklich eine gemeinsame Perspektive zu finden. Die Frage wäre auch was braucht dein Mann? Was braucht ihr, damit ihr beide berührbar füreinander bleibt? Dass ihr nicht an Stellen stehenbleibt, wo ihr dann in Streit geratet, wo es dann vielleicht Vorwürfe wird, sondern dass ihr eure Perspektiven erst mal abgleicht und dass ihr euch gegenseitig im Kontakt, den ihr miteinander habt, gehört und verstanden fühlt mit eurem Anliegen.

00:37:09: Sprecher 1 Ja, die Mutter, die deinen Partner angesprochen hat, die hat auch Druck und hat ihn sozusagen diesen Druck ungefiltert an deinen Mann weitergegeben und damit auch ihre eigene Unsicherheit ein Stück reguliert. Und nun hängt der Druck sozusagen bei euch zu Hause. Also noch mal Lasst euch da nicht auseinander bringen, sondern sprecht miteinander, Hört euch zu, bleibt zugewandt, einfühlsam und im Perspektivwechsel auch in Bezug auf eure Tochter.

00:37:38: Sprecher 1 Also insgesamt es einfach gut, wenn so viel Druck wie möglich erst mal aus der Situation kommt. Ja, du schreibst, dass du an einem Punkt ist, wo du nicht genau weißt, wie du weitermachen sollst und gleichzeitig auch schon offensichtlich überlegt hast. Gibt es eine andere Möglichkeit, einen anderen Ort für deine Tochter und sagst aber sie möchte da gerne bleiben und du hast Hoffnung, weil es eben auch ein offenes Konzept ist mit mehreren Bezugspersonen.

00:38:06: Sprecher 1 Und das gibt dir ein bisschen Hoffnung? Ja, und ich kann natürlich jetzt hier aus der Entfernung gar nicht sagen, ob und unter welchen Bedingungen hier ein Wechsel sinnvoll wäre. Also ein Wechsel macht natürlich nur Sinn, wenn dort eben eine gute und sichere Eingewöhnung stattfinden kann. Wenn dort im Sinne von bindungsund beziehungsorientiert gearbeitet wird. So, das wäre so der eine Punkt und der andere wäre natürlich die Frage bringt ein Wechsel vielleicht noch mehr Unsicherheit in alles rein?

00:38:35: Sprecher 1 Und du hast jetzt gefragt konkret, ob ich aus der Erfahrung heraus Impulse reingeben kann. Und es wird ja vielleicht auch weitergehen bei eurem Thema und deswegen so diese ja, dieses allgemeine drüber fliegen und jetzt noch mal aber konkret also das erste wäre wirklich Druck rausnehmen und wirklich zu schauen, dass ihr beide jeweils mit euren Energien, mit dem einfühlsamen und auch mit der Energie etwas zu tun, sich noch mal Gehör zu verschaffen, unter Umständen gemeinsam an einem Strang zieht.

00:39:11: Sprecher 1 Und dass ihr dann vielleicht auch noch mal überlegt, wer in der Kita ist. Denn jemand, wo ihr euch vorstellen könnt, dass ihr Gehör findet mit dem, was euch jetzt wichtig ist? Das, finde ich, sind eigentlich die zwei Punkte, um die es gehen könnte, was Bewegung reinbringen könnte und was vielleicht auch noch mal hilft. Soviel wäre, dass ihr noch mal gemeinsam reflektiert Wie ist das eigentlich bei euch zu Hause?

00:39:36: Sprecher 1 Wie kommt Lisa dort mit euch in Verbindung? Wie ist es mit dem Bruder? Wie ist es mit euch jeweils einzeln? Wie reguliert ihr denn die Gefühle? Wie machst du das? Wie macht das dein Mann? Das sind ja die Strategien, die deine Tochter dann eben auch braucht. Und dass du eben auch mit deiner Tochter, die ja jetzt hier ist und bald fünf wird, auch ein Stück die Dinge bespricht, wenn Konflikte da waren.

00:40:02: Sprecher 1 Ja, dass du dir erzählen lässt, was bewegt sie? Mit wem wollte sie spielen? Wie ist vielleicht das entstanden, Wie nimmt sie das wahr? Also davon weiß ich jetzt gar nichts. Und vielleicht tust du das auch schon. Aber auch das wäre ja noch mal eine Perspektive, dass wir nicht nur über deine Tochter sprechen, sondern dass ihr auch mit eurer Tochter sprecht und ihr die Möglichkeit gebt, eben auch das auszudrücken, was sie erlebt.

00:40:28: Sprecher 1 Also ich finde, dass es wirklich eine, eine, ja eine verfahrene Situation ist und mein Impuls, es auch noch mal zu sagen, dass ihr nicht alleine bleiben solltet mit allem. Ja, gerade weil du auch denkst, dass das Thema weiterhin begleitet wird, dass ihr genau hinschaut bei euch zu Hause, in den Konflikten, die vielleicht dort entstehen, mit der Kita im Gespräch zu bleiben und eventuell dort eben auch noch mal eine entsprechende Begleitung suchen, wenn ihr nicht weiterkommt.

00:40:58: Sprecher 1 Also eine Unterstützung, die euch auch in der Kommunikation mit der Kita unterstützt, so dass ihr zumindest Gehör findet. Also das finde ich auch ein ganz ungutes und und unbefriedigendes Gefühl, was ein Ja so in dieser Hilflosigkeit hält, wenn man das Gefühl hat, ich werde nicht mal gehört. Ja, ich hoffe, liebe Sophie, du kannst mit dem, was ich jetzt hier verknüpft habe, besprochen habe, irgendwie etwas anfangen.

00:41:24: Sprecher 1 Vielleicht hat es auch nur und ausschließlich zum Sortieren noch mal beigetragen. Ich wünsche dir erst mal alles Gute und ich bedanke mich sehr für dein Vertrauen, dass du geschrieben hast, dass du dich hier gezeigt hast mit deiner Sorge, mit deiner Hilflosigkeit, mit deiner Verletzlichkeit. Und ja, ich hoffe, dass erst mal ein Stück Bewegung reinkommt und dass das erste, was jetzt passiert, tatsächlich ein bisschen Druck rausgehen kann.

00:41:49: Sprecher 1 Aus allem. Ihr Lieben. Das war die Familiensprechstunde für heute. Schreibt mir gerne eure Fragen an Podcastminus sprechstunde Katja Saalfrank Punkte e. Ich freue mich auf eure Zuschriften und ich freue mich immer sehr, wenn ihr bei Insta oder auch bei Spotify kommentiert. Zum Beispiel die Frage Kennt ihr denn diese Themen? Wie geht ihr damit um, wenn Druck entsteht? Wie nehmt ihr Druck raus?

00:42:16: Sprecher 1 Wie seid ihr mit Kita und Schule in Kontakt? Wie ist es zwischen dir und deinem Partner oder deiner Partnerin? Wie schafft ihr es, immer wieder zueinander zu kommen? Ich finde, das sind so viele wichtige Aspekte und ich freue mich natürlich auch, wenn es euch gefällt hier, was ich mit diesem Podcast mache. Wenn ihr Sterne da lasst und abonniert und anderen auch davon weiter erzählt.

00:42:40: Sprecher 1 Ja und ich muss sagen, das war jetzt sehr intensiv und wenn du jetzt bis hierhin gehört hast, bedanke ich mich sehr für heute sage ich auf Wiedersehen. Ich danke euch allen sehr fürs Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst und euren Kindern und bis nächste Woche.

00:43:04: Sprecher 1 Das war die Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich. Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt, eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spür gerne nach und entschleunige noch mal, wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest.

00:43:35: Sprecher 1 Schreib mir gerne an Podcastminus, Familiensprechstunde etc.. Katja Saalfrank, .de. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert. Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehungserfahrungen und Verbindungsmomente. Und nicht vergessen es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen.

00:44:07: Sprecher 1 Bleibt nicht damit. Alleine schon ein Gespräch kann Veränderung bringen. Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katja.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.