Folge 30: „Wo gehöre ich dann hin?“ – Wenn Umzug und Pubertät zusammenfallen

Shownotes


In dieser Folge sprechen Bob und ich über die Frage einer Mutter, die mit ihren Kindern perspektivisch umziehen möchte — und sich sorgt, ob sie ihnen damit in der nahenden Pubertät schadet.

Wir sprechen darüber:
• welche Dynamiken bei einem Umzug emotional bedeutend sein können
• weshalb Zugehörigkeit in der Pubertät besonders wichtig wird
• wodurch Kinder beteiligt werden können, ohne die Entscheidung tragen zu müssen
• wie Abschied und Neubeginn gut begleitet werden können

Es geht nicht darum, jede Veränderung zu vermeiden. Sondern darum, Sicherheit und Orientierung zu geben. Wie das gelingen kann besprechen Bob und ich zusammen.


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In dieser Folge erwähnte Angebote und Informationen:

Bobs neue Bücher findet ihr u.a. hier:

"Wie kommt mein Kind gut durch die Schule" und

"Lesen. Schreiben. Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander"

Mehr zu Bob findet ihr auf seiner Webseite bobblume.de


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Transkript anzeigen

00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung. Um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katja Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.

00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungs und beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zur Familiensprechstunde mit Bobblume und mir. Katja Saalfrank Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass ihr da seid. Schön, dass du da bist.

00:00:55: Sprecher 2 Hallo. Ich stell mir das immer so vor, dass jemand den Podcast anmacht. Und dann gibt es bestimmt welche, die denken. So, jetzt bin ich gespannt, ob sie sagt Hallo Bob oder ob sie nicht sagt Hallo Bob. Und dann gibt es die einen, die sagen Endlich mal wieder ein Monolog und die anderen sagen Oh, endlich ist wieder dabei.

00:01:10: Sprecher 1 Endlich ist Bob wieder dabei. Also ich glaube, überwiegend ist es schon sehr, sehr schön, dass du wieder mit dabei bist. Und manche schreiben auch, sie hätten gerne auch mal wieder solo Folgen. Schauen wir mal!

00:01:19: Sprecher 2 Schreibt bitte an dieser Stelle nicht in die Kommentare. Ich bin gerade sensibel drauf. Also schreibt es gerne in die Kommentare, wenn es schön ist.

00:01:26: Sprecher 1 Aber das ist doch keine Ablehnung gegen dich.

00:01:30: Sprecher 2 Nein, das meine ich nicht. Nein, dass Sie sich über Monologfolgen freuen, ist ja super. Freut euch auf alles. Ist doch schön, dass es hier so viel Abwechslung gibt.

00:01:38: Sprecher 1 Und was ich? Aber ich merke in der Vorbereitung immer, wenn ich hier die Fragen raussuche für uns, dass es eben manchmal Folgen sind, die noch aus einer Zeit sind, wo ich die Solo Folgen gemacht habe und du dann gar nicht mit angesprochen bist. Und ich merke dann schon so in der in der Vorbereitung habe ich dann schon so das Gefühl, nein, ist gar nicht mit angesprochen.

00:01:55: Sprecher 1 Aber wir haben heute wieder eine Frage, wo du mit angesprochen bist.

00:01:58: Sprecher 2 Genau.

00:01:59: Sprecher 1 Und ich möchte gerne auch wieder dir eine kleine Frage stellen, die auch mit der Fragestellung vielleicht zu tun hat. Und ich wollte dich fragen, wie das mit Umzügen es bei dir, ob du schon mal umgezogen bist, wie viele Umzüge du hattest, wann das war, auch als Kind und so, weil Umzug klingt ja immer so sachlich. Man packt Möbel zusammen an einem Ort, sieht sozusagen um zum nächsten und packt sie wieder aus.

00:02:25: Sprecher 1 Aber da geht ja so viel mit einher noch. Wie ist das bei dir? Jetzt sehe ich dich gerade ganz nachdenklich.

00:02:32: Sprecher 2 Ja, weil ich im Hinterkopf hatte, dass ich habe im Hinterkopf so eine Zahl elf, elf Mal bin ich umgezogen. Das ist viel. Klingt wie das nicht durch Exerzieren, sondern eine Sache ist ganz klar bei mir das nämlich ein Umzug der wirklich gravierendste war. Und zwar von Hagen nach Bochum. Diejenigen, die das Ruhrgebiet nicht kennen. Hagen ist eine Stadt.

00:02:59: Sprecher 2 Jetzt hätte ich meiner gesagt, die muss man sich schönsaufen. Ich versuche es noch mal anders. Hagen ist eine Stadt, die, wo man die Schönheit nicht sofort sieht. Und der eine oder andere könnte jetzt denken Ja, das ist ja schrecklich, wenn man da aufwächst. Ich bin sehr oft mit dem Zug nach Hagen reingefahren und die Leute, die dann Hagen zum Ersten Mal sahen, die haben wie so eine Art Schockstarre gehabt.

00:03:21: Sprecher 2 Das hatte für mich aber immer einen unglaublichen Vorteil, denn ich habe dann später gemerkt Menschen, die aus Freiburg kommen, haben das große Problem, dass sie denken, die Welt wäre wie Freiburg zum Beispiel beim Austausch nach Sheffield eine Partnerstadt von Bochum. Und wenn man als Hagener, als Bochumer nach Sheffield kommt, merkt man so euer Industriestadt und checkt direkt okay, hier gibt es Stellen, da möchte ich nicht sein, ist nicht so schön, aber es gibt auch Schönheiten und die Freiburger haben dann eher so ein bisschen rumgejammert.

00:03:50: Sprecher 2 Ist alles so hässlich. Warum erzähle ich das? Aber Weil ich damals eben von Hagen nach Bochum gezogen bin und ich war ja da auf einer Reform Schule in Hagen. Und das wiederum hat bedeutet, ich wollte partout nicht die Schule wechseln.

00:04:05: Sprecher 1 Aber redest du jetzt von dir als Erwachsene, als Lehrer oder als kleines Kind.

00:04:09: Sprecher 2 Als Kind? So, also in der achten Klasse, Wie alt ist man? 13, 14 Und das hat bedeutet, dass ich jeden Tag aus dem Haus gegangen bin. Zur Ubahn mit der Ubahn zum Bochumer Bahnhof, von dort zum Hagener Bahnhof, mit dem Zug, von dort zum Busbahnhof und dann in den Bus rein. Das heißt, ich habe jeden Tag länger als eine Stunde in die Schule gebraucht und bin übrigens fünf Jahre meines Lebens auch zehn Minuten zu spät gekommen.

00:04:38: Sprecher 2 Ging halt nicht anders, weil sonst hätte ich eben, sonst hätte ich sozusagen ab 7:00 vor der Schule gehockt. Und das alles soll nur sagen, dass ich diese Umzüge selber andere Wohnung gar nicht als so krass in Erinnerung hatte, sondern eher so dieses dieser Wechsel von Städten. Und ich will aber auf jeden Fall mit meinen Klassenkameraden in einer Klasse bleiben.

00:05:02: Sprecher 1 Ja, das verstehe ich ja. Also das war dann wichtig für dich. Ich weiß noch, ich habe einen Umzug. Also ich bin auch mehrfach umgezogen, aber auch dann später mit mit Kindern. Wenn da immer eins dazukam, braucht man immer mehr Platz. Aber dann auch in einer Stadt Oder auch dann eben der Umzug von Wiesbaden nach Berlin 2000. Das war so einer der bewussten und klarsten und besten Entscheidung aus meiner Sicht jetzt rückblickend.

00:05:28: Sprecher 1 Aber ich habe als Kind einen Umzug, der mich wirklich in eine tiefe Krise gestürzt hat. Und zwar war ich gerade in der ersten Klasse angekommen und musste zur zweiten Klasse wechseln und habe alle meine Bezugspunkte und Menschen und Freunde verloren. Und das war für mich, also das erinnere ich heute noch, auch wenn ich mit meiner Schwester darüber spreche, dass wir wirklich orientierungslos waren und ganz, ganz unglücklich und verzweifelt und den Ort auch nicht mochten.

00:05:56: Sprecher 1 Also wir konnten das gar nicht so einordnen, wie du das jetzt machst. Ist das jetzt eine schöne Stadt oder nicht? Sondern das war einfach für uns kein guter Ort, weil wir uns emotional einfach nicht wohlgefühlt haben. Ja. Insofern gebe ich jetzt mal an dich ab. Wir haben nämlich heute eine Frage zum Thema Umzug. Und zwar hat Julika mir geschrieben an Podcast, Familiensprechstunde etc. hat ja sei frank.de und ich finde das wirklich sehr schön, sozusagen im Vorfeld schon etwas dazu zu fragen.

00:06:25: Sprecher 1 Und ich übergebe mal an dich, lieber Bob.

00:06:28: Sprecher 2 Liebe Katja. Zunächst möchte ich mich ganz herzlich für Deine wunderbare Arbeit bedanken, der ich auf vielen Ebenen folge und die mich in der Erziehung meiner beiden Söhne, sechs und acht Jahre alt, schon unheimlich weitergebracht hat. Schön, dass es dich gibt und Bob, falls du heute auch mit dabei bist, Schön, dass du da bist. Ich schätze deine Expertise sehr, auch als Vater und in der Art, wie du dich ein fühlst.

00:06:48: Sprecher 2 Das freut mich. Danke, Julika. Nun zu meiner Frage. Vor circa einem Jahr habe ich mich vom Vater meiner beiden Söhne getrennt. Nach der Trennung ist er ausgezogen. Über kurz oder lang möchte auch ich mit meinen Söhnen unser bisheriges Wohnumfeld verlassen, da ich gerne in ein Mehrgenerationenhaus mit meinen Eltern ziehen möchte. Durch häufige Besuche bei meinen Eltern kennen die Kinder sowohl das Haus als auch die Wohngegend sehr gut.

00:07:11: Sprecher 2 Das Verhältnis der Kinder zu Oma und Opa ist von großer Nähe und Innigkeit geprägt. Um diesen Traum verwirklichen zu können, muss zunächst ein größerer Umbau geplant und anschließend vorgenommen werden. Das wird aller Voraussicht nach bis zu vier Jahre in Anspruch nehmen. Mein jüngerer Sohn stünde dann vor dem Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule. Mein älterer Sohn würde bis dahin von der sechsten in die siebte Klasse wechseln.

00:07:34: Sprecher 2 Immer wieder beschäftigt mich die Frage, ob ich meinen Kindern durch diesen Wohnortwechsel, der auch einen Schulwechsel nach sich ziehen würde, schade, Kinder gerade in der nahenden Pubertät mit einem Umzug zu belasten, löst in mir große Zweifel aus. Da ich dies als Kind selbst nie erlebt habe und immer beständig an einem Ort gelebt habe. Mir würde es ja weiterhelfen, wenn ihr einmal zum Thema Umzug mit pubertierenden Kindern Stellung nehmen könntet.

00:07:58: Sprecher 2 Fühlt euch herzlich gegrüßt von Julika, die natürlich auch anders heißt.

00:08:03: Sprecher 1 Ja, da haben wir es. Also während ich dir jetzt zugehört habe, habe ich gedacht, es geht gar nicht hier nur um Umzug, sondern es geht ja hier auch um Planungen, die relativ weit in der Zukunft erst mal liegen und um viele Unbekannte, die. Also wir haben zwar so Referenzpunkte, der eine wechselt dann von von der Grundschule in die weiterführende Schule usw und gleichzeitig, wenn ich es richtig verstanden habe, liegt es ja noch sehr weit in der Zukunft.

00:08:29: Sprecher 1 Vier Jahre, also es kann bis zu vier Jahre dauern. Und das ist jetzt so ein bisschen in der Antizipation schon mal die Frage wie wäre das? Also sehr im Konjunktiv. Und was auch immer das heißt, wir wissen ja auch nicht genau, wo dann der der neue Ort ist, wie weit er entfernt ist. Aber was ich erst mal sagen möchte, ist, dass es eben hier jetzt gerade auch um Übergänge geht.

00:08:54: Sprecher 1 Also Umzug auch als ein Übergang. Und es geht auch um Trennung. Also der der Vater ist ausgezogen und das bisherige Zuhause verändert sich ja jetzt schon auch innerlich. Das ist vielleicht so ein bisschen das, was ich auch vorhin noch mal meinte, als ich gesagt habe Emotional habe ich mich nicht wohlgefühlt an dem Ort. Und wir haben ja auch immer eine innere Wahrnehmung, da geht es ja nicht darum, Ich lebe jetzt noch hier in meinem Zimmer, ich bin noch in der Wohnung, sondern da fehlt ja vielleicht auch etwas.

00:09:21: Sprecher 1 Ja, also das fände ich zum Beispiel auch wichtig, dass diese Veränderung Julika auch mit einbezieht, auch wenn sie jetzt schon sozusagen in der Assoziation und Antizipation irgendwie in den in den vier Jahren plant, jetzt auch ein Stück zu gucken. Das wäre so ein bisschen mein erster Impuls, jetzt zu gucken, wie geht es denn jetzt den Kindern und die Veränderung jetzt?

00:09:45: Sprecher 1 Wie kann sie die sozusagen ein bisschen begleiten, so dass natürlich dann auch wieder eine Stabilität eintreten kann für die nächste Veränderung, unter Umständen nämlich, wenn man dann umzieht.

00:09:57: Sprecher 2 Mhm. Also ich habe ich habe ein paar Gedanken, die schließen vielleicht daran an, sind aber vielleicht schon ein bisschen zu konkret. Aber ich sage es einfach mal. Du kannst ja dann dazwischen kommen. Ich habe ja gerade gesagt, dass ich weiterhin an meine Schule gegangen bin, als wir umgezogen haben und das war genau in der Pubertät, hatte aber auch dann Freunde dort, wo ich gelebt habe, in Bochum damals.

00:10:25: Sprecher 2 Das möchte ich einfach nur mal sagen. Also, dass das sozusagen nicht nur da war. Jetzt ist es trotzdem so, dass es ganz schwierig ist zu sagen Ist das so bei Kindern? Da Kinder sind ja total unterschiedlich. Als ich vier, fünf Jahre alt war, bin ich auf Langeoog. Da erzählt mir meine Mutter heute noch von oder bzw meine Oma.

00:10:44: Sprecher 2 Mit der war ich da auch mit vier fünf zu anderen Kindern gegangen und habe gesagt Willst du mit mir spielen? Und die haben mich total verdutzt angeguckt, haben entweder ja oder nein gesagt und beides war für mich okay. Also ich hatte nie das Problem, dass ich niemanden finde. Also damit will ich nur sagen, dass das ist ein bisschen schwer natürlich allgemein zu sein.

00:11:00: Sprecher 2 Was ich aber sagen kann aus meiner Sicht und da könntest du dann gerne widersprechen ist. Ich finde das den Begriff Schaden schwierig. Also ich bin in meiner Pubertät mit 16 nach Amerika gegangen. Die ersten zwei Monate waren echt krass schwierig für mich, weil ich hatte keinen Anschluss. Ich war nirgendswo angekoppelt. Ich wusste nicht, was ich machen soll. Aber das war für mich rückwirkend von größtem Wert.

00:11:27: Sprecher 2 Genau das, diese Orientierungslosigkeit, diese Orientierungslosigkeit hat man im Leben nämlich immer mal wieder. Im Studium zum Beispiel. So eine gemeinsam erlebte Orientierungslosigkeit ist wahnsinnig gut und wichtig. Deshalb verstehe ich zwar die Frage Wie können wir damit umgehen? Aber ich würde sagen, so oder so würde ich nicht sagen, Entweder wir ziehen nicht um, oder es besteht die Gefahr, dass ich den Kindern schade.

00:11:51: Sprecher 1 Ja, das finde ich ganz, ganz schön, dass du das noch mal so sagst. Weil ich sehe auch eben diese Frage nach dem Schaden sehr eng. Es ist eine sehr eng eng gefasste Frage. Und ich würde vielleicht eher es umwandeln in die Frage wie können wir Übergänge oder auch genau dann diesen Übergang so gestalten, dass er für Kinder verstehbar, mit gestaltbar und emotional fassbar und begleitbar wird?

00:12:18: Sprecher 1 Ja, das glaube ich, wäre noch mal eine eher eine offenere Frage, weil es ist ein größerer Übergang und Übergang braucht Verbindung, Orientierung und eben auch auch ein Raum. Das finde ich auch noch mal wichtig. Einen Raum für eine Form von Ambivalenz. Weil die Kinder sind ja nicht diejenigen, die sagen Ich will hier weg, ich habe eine andere Idee, wo ich hin will, sondern die Kinder folgen uns ja.

00:12:44: Sprecher 1 Und das heißt, da wird auch werden auch Ambivalenzen sein, die eben da heißt Ich habe aber dann hier doch nicht mehr meinen Freund oder ich verliere etwas. Und auf der anderen Seite eben auch eine Freude, weil da ja etwas anderes entsteht. Und das finde ich jetzt das Besondere eigentlich an dem Umzug, den Julika jetzt beschreibt, weil ich finde, der ist beides, der hat Verlust und er hat aber irgendwie auch ganz viel Gewinn, also Verlust des vertrauten Wohn Umfelds, Verlust vielleicht von Schule, wobei wir auch nicht wissen, ob es nicht auch so gestaltbar ist, wie du es gerade beschrieben hast.

00:13:19: Sprecher 1 Ja, Wege, Freundschaften, Alltag usw und der Gewinn und den sieht Julika ja auch für sich, ist ja dieses Mehrgenerationenhaus Nähe zu Oma und Opa vertrauter Ort, der ja schon auch da ist, mehr familiäre Einbettung und beides darf irgendwie nebeneinander stehen.

00:13:40: Sprecher 2 Ich würde gerne einen ganz konkreten Tipp geben.

00:13:43: Sprecher 1 Da mach mal, da bin ich ja gespannt.

00:13:44: Sprecher 2 Und auch hier kannst du natürlich dann was dazu sagen. Katja Schulen sind als Orte, wenn man neu hinzukommt, für junge Menschen manchmal erst mal schwierige Orte. Und das wird in der Literatur auch ganz oft gezeigt. Ja, schick von Herrndorf beispielsweise im Spieltrieb von Juli Zeh. Das sind alles Bücher, wo dieser jemand Neues kommt, hinzu thematisiert wird. Und das liegt auch daran, dass so eine Klassengemeinschaft ja oft schon irgendwie eingespielt ist und man kommt irgendwie dazu.

00:14:24: Sprecher 2 Jetzt habe ich bemerkt, zum Beispiel bei einer Schülerin aus Bulgarien, damals als Lehrer, die irgendwie verloren in der Aula stand und ich gesagt habe Hör mal, kommen noch mal in die Theater AG mit. Und die ganz, ganz zurückhaltend war am Anfang und sich entwickelt hat, entwickelt hat und hinterher dabei geholfen hat, den anderen, etwas jüngeren Schülerinnen und Schülern das theatrale Spiel näher zu bringen.

00:14:48: Sprecher 2 Was ich damit sagen will ist, was ich auf jeden Fall machen würde in einer Umbruchphase. Und zwar jetzt weniger bei Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule, weil das ist sowieso schon ein starker Bruch, aber den haben alle. Natürlich sehen die sich da wieder, aber den haben alle. Das ist so eine gemeinsame Orientierungslosigkeit. Die Lehrkräfte gehen darauf ein.

00:15:06: Sprecher 2 Ja, es wird ganz oft so gemacht, dass es am Anfang so eine Kennenlernphase gibt, der Räumlichkeiten, der Menschen usw. Das ist mehr oder weniger begleitet. In einer Situation, wo man in eine ganz neue Schule kommt, ist meine Empfehlung, sich eine Arbeitsgemeinschaft zu suchen, eine AG, ob das jetzt Theater ist oder Gardening oder es gibt so starke Jungen, starke Mädchen, irgendwie sowas.

00:15:30: Sprecher 2 Das wichtigste ist nur, wo das Kind Lust drauf hat, weil und jetzt kommt dort Menschen sind, die per se durch ihre Entscheidung schon gemeinsames Interesse haben. Und dann kann man außerhalb von einer Klassengemeinschaft, die erstmal gewachsen ist, wo man erstmal gucken muss, ich weiß gar nicht, wo man ja auch gar keine Zeit hat, weil halt Unterricht ist. Ja, kann man außerhalb einer solchen Gemeinschaft schon mit Leuten zusammenkommen, die an einem Ort sind, wo sie gerne sind?

00:15:58: Sprecher 2 Und das kann wirklich game Changer sein, dass man sich da.

00:16:02: Sprecher 1 Ja, also ich finde das eine ganz gute Idee und das ist ja auch was, was sozusagen Julika theoretisch jetzt auch vorbereiten könnte. Also nicht jetzt, weil es ja erst in vier Jahren ich finde diese vier Jahre irgendwie die, die sind für mich so ein bisschen neblig trüb. Ja, so, das ist irgendwie so ein bisschen unklar. Insofern ist es ja wirklich eine Konjunktiv Frage und ich will aber noch mal fokussieren auf das, was Julika eigentlich gefragt hat.

00:16:26: Sprecher 1 Also weil sie hat ja vor allen Dingen auch die Pubertät hinterfragt und sie hat ein Interesse daran, noch mal mehr zu verstehen. Was heißt eigentlich Pubertät und was könnte ich da, so verstehe ich die Frage noch mal mehr berücksichtigen. Jetzt nehmen wir mal das Wort Schaden raus. Und das ist natürlich tatsächlich etwas Wichtiges. Das, was du nämlich auch gerade beschreibst, ist ja, ein gemeinsames Interesse zu haben, mit Menschen etwas zu teilen und eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu haben.

00:16:56: Sprecher 1 Und das ist natürlich etwas, was in der Pubertät zunimmt, also die Zugehörigkeit zu Gruppen, und zwar im Außen, nicht so sehr zur Familie. Das kommt nämlich dann auch noch dazu, wird wichtiger. Ja, das heißt, die Peergroup wird wichtiger. Die Schule oder das, was in der Schule sozusagen sozial stattfindet, wird wichtiger. Freundschaften bekommen noch mal eine andere Bedeutung. Ja, und einen Schulwechsel in dieser Zeit also.

00:17:25: Sprecher 1 Oder sagen wir es mal anders das ist eine sensible Zeit in Bezug darauf. Und es könnte sein, dass man da dann eben den Umzug noch mal auch besonders sensitiv, sozusagen noch mal daraufhin auch begleitet, weil eben gerade Kinder sich dann stärker außerhalb der Familie verorten. Und wenn ich das Außen nicht so gut kenne, ja dann, dann sozusagen könnte eben in dieser Pubertät dieses Gefühl von Ich will zugehörig sein eben ein bisschen lost sein.

00:17:55: Sprecher 1 Und da finde ich eben dann deinen Hinweis auch sich Gruppen anzuschließen über ein gemeinsames Interesse, finde ich, finde ich einen guten Hinweis. Ja, und vielleicht gibt es das ja jetzt auch schon, weil sie sagt ja, wir kennen diesen Ort ganz gut. Ja, also ich merke immer wieder, dass ich diese vier Jahre schwierig finde, weil es so unklar ist, was in vier Jahren ist und man natürlich Übergänge in der Schule beschreiben kann, weil wir wissen ja gar nichts über die Kinder, Wir wissen nicht, wie sind die Kinder.

00:18:20: Sprecher 1 Du hast vorhin auch schon gesagt, Kinder sind ganz, ganz unterschiedlich. Und ich glaube, was eben wichtig ist, ist, dass Julika sich klar macht Ja, die Zugehörigkeit im Außen ist wichtig. Das heißt, vielleicht gibt es da Bewegungen dann auch, Vielleicht gibt es da dann auch starke Gefühle, bei den Kindern eine neue Zugehörigkeit zu finden. Und gleichzeitig kann ja auch Familie ein stabilisierende Ort sein und bleiben.

00:18:43: Sprecher 1 Ja, also da ist ja dann Oma und Opa und Nähe und Vertrautheit in diesem neuen Heim. Und es geht eben dann auch um eine Einbettung. Es soll, ja, es ist ja auch ein ein guter Raum, den sie dafür sich gestaltet, der ja auch wieder mit Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu tun hat. Ich finde noch mal wichtig, dass weil das ja manchmal auch etwas ist, was dann passiert, so dass die Kinder eine Beteiligung bekommen, aber eben nicht entscheiden müssen.

00:19:11: Sprecher 1 Also es ist nicht ihre Entscheidung.

00:19:13: Sprecher 2 Aber Beteiligung in Bezug auf was?

00:19:15: Sprecher 1 Beteiligung an der Art und Weise, wie wir das machen. Also was macht Ihnen Sorge, Was möchten Sie vielleicht auch in Ihrem Leben behalten? Welche Freundschaften sind wichtig? Was muss unbedingt möglich bleiben? Vielleicht auch ja. Also Fragen zu stellen, den einen Raum zu geben für das, was ich vorhin mit Ambivalenz beschrieben habe Wovon verabschiede ich mich? Und natürlich braucht ein Wechsel und einen Umzug auch so was wie Wie Abschied.

00:19:43: Sprecher 1 Es ist eine Verabschiedung. Ich habe neulich mit einer Mutter ganz, ganz schön so ein. Da waren die Kinder sehr viel kleiner. Aber so ein Umzug ganz detailreich vorbereitet und die sind von, also die sind von in einer relativ großen Stadt umgezogen, in anderen Stadtteil. Und es war dann eben auch so ein bisschen wie in eine andere Stadt zu ziehen und die haben sich also dann ganz süß.

00:20:03: Sprecher 1 Wir haben dann so erarbeitet, dass sie noch mal eine Pizza bestellen am Abend in den leeren Räumen und dass sie dann nur noch die Matratzen da haben, dass sie so ein Familienbett dann da machen und dass sie sich von allem verabschieden. Also dass sie nochmal durch die Räume gehen, dass sie noch mal Gedanken teilen. Die Kinder waren irgendwie so um die vier und sechs oder so und ich glaube Abschied gestalten und dafür sich Raum zu geben und als Eltern das auch ein Stück auszuhalten, dass die Kinder eben auch mit Abschied dann beschäftigt sind und auch mit den Gefühlen, die damit einhergehen.

00:20:31: Sprecher 1 Also mit Trauer, vielleicht auch ein bisschen mit mit Schmerz oder auch Angst vor dem Neuen. Ich glaube, dass das ist auf jeden Fall etwas, das liegt noch ein weiter Ferne. Aber was Julika ein bisschen berücksichtigen kann.

00:20:47: Sprecher 2 Ihr habt ja in dieser Folge bemerkt, wie sehr ich hinterher bin, Arbeitsgemeinschaften als ganz wichtig hinzustellen, weil dort Selbstwirksamkeit geleistet wird. Und das ist sogar dann wichtig, wenn in einem bestimmten Fach später mal die Noten vielleicht nicht so gut sind und man denkt, da muss unbedingt Nachhilfe dran. Nicht zwangsläufig. Manchmal ist es sogar wichtiger, dass die Kinder mitbekommen.

00:21:09: Sprecher 2 Lernen kann total Spaß machen und da sind Arbeitsgemeinschaften eben total wichtig für. Um solche Perspektiven geht es unter anderem in dem Buch Wie kommt man Kind gut durch die Schule? Notendruck, Hausaufgaben, Stress und Lernfrust gemeinsam bewältigen. Ein Wegweiser für Eltern. Und was den Wegweiser betrifft Dort geht es auch darum Wie kommt man denn mit einem Schulwechsel klar? Wie kann man das Kind am besten darauf vorbereiten, wenn es in die weiterführende Schule geht?

00:21:34: Sprecher 2 Usw. Also wirklich eine große Nachschlagbibel für alles, was mit Schule, mit Haltung zum Lernen, mit Hausaufgaben, mit KI und mit Medienkompetenz zu tun habt. Das Buch findet ihr wie immer in den Shownotes, könnt es direkt da bestellen oder natürlich im Buchhandel eures Vertrauens. Wenn ihr auch ein Angebot habt, was Eltern interessieren könnte, dann schreibt gerne an Podcast Familiensprechstunde, Katja Saalfrank de.

00:21:59: Sprecher 2 Und wir schauen uns dann gemeinsam an, ob das was für diesen Podcast ist. Ich freue mich sehr, wenn ihr das Buch jedenfalls gerne liest und wenn es euch Perspektiven bietet. Und jetzt sage ich erst mal, geht es mit der Folge weiter.

00:22:16: Sprecher 2 Ja, da habe ich noch eine Frage zu von wegen weiter Ferne, wenn was nicht in weiter Ferne ist. Da hatten wir es auch schon mal in einer der zurückliegenden Folgen. Wahrscheinlich immer mal wieder. Also nicht in weiter Ferne. Damit meine ich. Man ist im Schwimmbad. Ja, und dann möchte man weiß, man will jetzt bald gehen. Aber anstatt dass man genau an dem Punkt, an dem man geht, sagt So übrigens wir gehen jetzt sagt man Kind, nachdem wie alt das Kind ist.

00:22:38: Sprecher 2 Kind 20 Minuten ja oder zehn Minuten noch, dann gehen wir so und selbst wenn das Kind nicht genau weiß, was zehn oder 20 Minuten sind, ja, könnte man vielleicht ein zweites Mal noch sagen Du, wir machen uns gleich auf, damit eben dieser, dieser Abschiedsschmerz nicht so krass ist. Also Abschiedsschmerz vom Schwimmbad. Aber damit es nicht so ein Überfall halt ist bei so einer langen Zeit.

00:23:00: Sprecher 2 Was würdest du sagen, sollte man da auch schon mal so hinterher oder sagen wir mal weiß ich nicht, wenn es sich dann abzeichnet drei Monate vorher oder so.

00:23:10: Sprecher 1 Ja, also drei Monate vorher ist ja was ganz anderes als jetzt. Diese vier Jahre, die so neblig trüb vor uns liegen, weil sie hat ja auch gesagt, sie muss noch bauen oder sie bauen noch Und wir wissen alle, also jeder, der mal gebaut hat, ich habe noch nie gebaut, aber ich höre das immer wieder, dass das da immer wieder Sachen verzögern, dass dann Sachen schiefgehen oder dass Pausen sind oder sein müssen.

00:23:30: Sprecher 1 Also insofern ist das tatsächlich, finde ich, ein Aspekt, der eine gute Frage ist wann redet man eigentlich mit den Kindern darüber? Und ich, Das müsste Julika für sich entscheiden. Das kann man aus meiner Sicht nicht sagen, was man da grundsätzlich macht. Also was ich grundsätzlich sagen könnte, wäre, dass es für die Kinder greifbarer sein müsste. Also weil das hat was mit Abstraktionen zu tun und auch mit Assoziationen.

00:23:56: Sprecher 1 Wenn ich noch nicht die Möglichkeit habe, mich zu abstrahieren und zeitliche Abläufe zu sehen, also viermal Weihnachten, viermal Geburtstag haben. Das sind sehr große Zeiträume, die sozusagen nicht wirklich was bringen. Also da kommt nicht wirklich was so auf mich zu. Drei Monate zum Beispiel wäre schon anders. Und jetzt sind die Kinder ja in einem Alter, wo sie aber vielleicht auch mitbekommen, dass die Mutter baut, ja also die Eltern bauen oder die die Familie baut ja um diese Pläne haben.

00:24:26: Sprecher 1 Also ich glaube, das ist man kann das manchmal nicht verhindern und die Frage ist immer, wie konkret macht man das? Und ich glaube, auch da ist Sicherheit wichtig, Dass Julika an dieser Stelle eben das nicht verbirgt, sondern transparent macht, was gerade ist und auf der anderen Seite sagt Wir können es gerade noch nicht sagen, wenn es soweit ist, sprechen wir darüber.

00:24:47: Sprecher 1 Ja, das wäre, glaube ich, wirklich wichtig. Und vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, ein Referenzpunkt, einen einen Zeitpunkt zu nennen, eben zu sagen Weißt du, wenn du irgendwann auf die weitere weiterführende Schule kommst, dann könnten wir vor dieser Entscheidung stehen. Das gucken wir dann. Ja, und das ist ja jetzt, wenn ich jetzt in die Schule gerade gekommen bin, ist das ja noch weithin.

00:25:10: Sprecher 1 Ja, das sind so meine Gedanken dazu. Ich finde übrigens den Zeitpunkt gar nicht so unentscheidend. Also das möchte ich auch noch mal Julika sagen, dass das gut finde, dass sie da auch so guckt. Wann sind die Kinder da? An welchen Übergängen? Weil, wie du auch schon gesagt hast, gerade in der weiterführenden Schule mischt sich das ja wieder neu, weil es ist wirklich ein Unterschied, in eine bestehende Gruppe reinzukommen oder eine Gruppe, die sich gerade neu findet, mitzugestalten und da seinen Platz zu finden.

00:25:35: Sprecher 1 Ja.

00:25:36: Sprecher 2 Ja, genau. Mich würde auch interessieren. Noch mal, ihr wisst es. Ich bin derjenige, der da immer darauf hinweist. Wie ist das denn bei euch? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, als ihr umgezogen seid? Vielleicht sogar mit pubertierenden Kindern? Schreibt es doch gerne in die Spotify Kommentare. Und wie war das vielleicht auch bei euch? Also habt ihr gehört? Manchmal ist man ja selber auch stark geprägt von solchen Momenten.

00:25:57: Sprecher 2 Er teilt es uns doch gerne mit.

00:25:59: Sprecher 1 Ja. Ja. Und das war es auch heute mit der Familiensprechstunde, Ihr Lieben, Für heute sagen wir wieder Auf Wiedersehen. Wir danken euch fürs Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst in dieser Sommerzeit und mit euren Kindern. Und bis nächste Woche, ihr Lieben. Tschüss. Tschüss, Bob.

00:26:24: Sprecher 1 Das war die Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich. Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt. Eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spüre gerne nach und entschleunigen noch mal, Wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest, schreib mir gerne an!

00:26:55: Sprecher 1 Podcast Familiensprechstunde Katja Saalfrank de. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert. Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Erfahrungen und Verbindungsmomente. Und nicht vergessen Es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen.

00:27:27: Sprecher 1 Bleibt nicht damit alleine Schon ein Gespräch kann Veränderung bringen. Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katja.

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