Folge 02: Wenn Sicherheit wankt – kindliche Angst begleiten

Shownotes

Manchmal gerät etwas ins Wanken und dann ist die Angst da. Oft scheint es im Außen erstmal keinen Grund zu geben und doch lohnt es sich genauer hinzuschauen. Denn die Folgen im Alltag sind dann häufig Verweigerung und Ausstieg aus der Kooperation - und dann geht erstmal nichts geht mehr. Das dieses Verhalten dürfen wir als wertvollen Hinweis nehmen.

Eine Mutter schreibt mir über ihren sechsjährigen Sohn, über Schulangst nach den Ferien und über die Frage: Wie kann ich mein Kind gut begleiten und Sicherheit geben?

In dieser Folge der Familiensprechstunde spreche ich über:

• kindliche Angst – als Signal von Unsicherheit

• Übergänge und Co-Regulation

• das Nervensystem

• Eltern, die ihr Kind begleiten wollen – und mit eigenen Ängsten in Kontakt kommen

In dieser Episode geht es um kindliche Angst konkret im Schulkontext. Eltern begegnen im Alltag vielen Fragen zum Thema Schule und zur emotionalen Entwicklung der Kinder in der Phase der "Wackelzahn-Pubertät“. Auch und immer wieder zu diesem starken Gefühl Angst. Wenn du dich mit der Entwicklung deines Schulkindes beschäftigen möchtest, ist vielleicht meine Aus- und Fortbildung KBV2 - "Kinder Besser Verstehen - Das Schulkind" etwas für dich. Wir starten bald mit einer neuen Runde.

Ich wünsche dir eine gute Zeit in der „Familiensprechstunde“ und freu mich, wenn du hier erzählst, wie du es bei dir und euch erlebst.

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Transkript anzeigen

00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung, um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katja Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.

00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungsund beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Ich freue mich sehr. Ich freue mich, dass ihr wieder mit dabei seid und ich hoffe, es geht euch gut.

00:00:56: Sprecher 1 Ich hoffe, ihr seid gesund und ihr habt nicht Krankheiten bei diesem Winterwetter. Ich höre das immer wieder, gerade bei Kita Kindern. Wenn man die zu Hause hat, dann bekommt man die Viren auch als Eltern immer wieder sozusagen frisch auf den Tisch. Ich bin dieser Tage guter Dinge. Ich gehe sehr gerne im Moment in den Winterwald, der erst sehr dick verschneit war und jetzt im Tauwetter doch eher wieder matschig und vereist ist.

00:01:22: Sprecher 1 Und ich freue mich über die Sonnenstrahlen, die ab und zu mal durch die Wolken blitzen. Und ich freue mich jeden Tag auf meine Praxis und meine Klienten und lasse mich so gerne berühren und bewegen. Im Moment von dem, was mir da vertrauensvoll entgegengebracht wird, was ich erfahren darf und was wir gemeinsam erarbeiten und dabei läuft natürlich auch immer.

00:01:42: Sprecher 1 Ja, laufen immer alle Ebenen mit und überlege ich auch immer wieder, was kann ich vielleicht auch noch an Gedanken, die ich dann dort habe, auch hier mit euch teilen und mit einbringen? Und apropos einbringen Ich habe auch heute natürlich wieder eine Frage in die Familiensprechstunde mitgebracht, und zwar von Sarah. Die Frage lese ich gleich vor und wenn ihr Fragen habt, dann schreibt mir gerne auch und zwar an Podcastminus, Familiensprechstunde.

00:02:12: Sprecher 1 Katja Saalfrank. Wenn eure Frage dann hier vorgelesen wird, nur noch mal, dass ihr euch da auch sicher seid, dann natürlich anonymisiert. Ich verändere den Namen so wie auch Sarah eigentlich anders heißt. Sarah schreibt.

00:02:31: Sprecher 1 Liebe Katja, ich verfolge deine Arbeit schon lange und merke, wie sehr sie mich als Mutter geprägt hat. Vor allem dein Eisbergmodell hat mir in vielen Situationen geholfen. Dein Buch Kindheit ohne Strafen war für mich ein echter Perspektivwechsel. Ich freue mich, dass es jetzt die Familiensprechstunde gibt und du hier fragen beantwortest. Denn jetzt bin ich selbst in einer schwierigen Situation.

00:02:54: Sprecher 1 Es geht um unseren 6-jährigen Sohn Samuel. Er war von Anfang an ein sensibles Kind. Schon als Säugling war er eher ängstlich und brauchte viel Nähe. Samuel ist ein kluges, empathisches und liebevolles Kind. Er hat früh Lesen und Rechnen gelernt, spielt gerne mit Freunden und bewegt sich. Viel Sport tut ihm gut. Seit September geht Samuel jetzt in die Schule und zunächst lief es richtig gut.

00:03:18: Sprecher 1 Er ist hingegangen, hat mitgemacht und Kontakte geknüpft. Die Lehrerin hat eine positive Rückmeldung gegeben. Dann kamen die Weihnachtsferien, und jetzt im neuen Jahr ist irgendwie alles gekippt. Es wurde von Tag zu Tag schwieriger. Inzwischen hat Samuel Angst, alleine in der Schule zu bleiben. Schon morgens beim Aufstehen ist alles schwierig. Wir kommen zwar irgendwie in die Schule, aber ich sitze momentan während des Unterrichts vor der Klassentür.

00:03:42: Sprecher 1 Nur dann klappt es. Die Lehrerin ist sehr bemüht und offen. Das ist ein Glück. Aber wir brauchen eine Lösung. Was mich sehr verunsichert. Es fühlt sich an, als sei irgendetwas passiert. Alles, was vorher geklappt hat, geht nicht mehr. So, als wäre nach dieser Unterbrechung plötzlich alle Sicherheit weg. Und dazu kommt In meiner Herkunftsfamilie gibt es mehrere Fälle mit Angst und Zwangsthemen.

00:04:05: Sprecher 1 Was mich irgendwie hellhörig macht. Wie kann ich das jetzt alles angehen? Verstärke ich seine Angst? Ich frage mich, ob es richtig ist, dass ich vor der Klassentür sitze oder ob er sich dann daran gewöhnt. Ich bin im Moment wirklich sehr verzweifelt. Vielleicht hast du Impulse, Gedanken oder Hinweise, was wir noch beachten könnten. Danke für deine wertvolle Arbeit. Herzliche Grüße, Sarah.

00:04:32: Sprecher 1 Ja, erst mal vielen Dank für deine Frage, Sarah und ich kann erst mal nachvollziehen, dass du da besorgt bist und dass du dich fragst Wie kann das weitergehen? Weil ihr ja jetzt in einer Situation zu sein scheint, wo es sozusagen stockt. Also ihr habt jetzt wie so eine Krücke gefunden, Ihr kommt da irgendwie hin und du bist jetzt, wenn man so will, in diesem symbolischen Bild ein bisschen die liebevolle Krücke, die sozusagen vor der Tür sitzt und da Sicherheit gibt, erst mal so, dass dein Sohn in der Schule sein und bleiben kann.

00:05:08: Sprecher 1 Und ich verstehe das gut, dass du dich fragst Wie kommst du da jetzt eigentlich wieder raus? Wie kommt da Bewegung rein? Also wir versuchen ein bisschen drüber zu fliegen. Wir versuchen uns die Bereiche anzugucken und schauen mal, was vielleicht helfen kann, um ein bisschen Bewegung reinzubringen, um ein bisschen Luft reinzubringen. Natürlich alles aus der Ferne. Ich habe jetzt nur deine Mail, ich weiß sonst gar nichts.

00:05:31: Sprecher 1 Aber ich versuch einfach mal so ein bisschen von der Ferne aus der Ferne meine Gedanken reinzugeben. Ganz von vorne erst mal Es geht um das Thema Angst. Genau. Also das hast du auch schon gesagt. Und es wird ja auch ganz deutlich. Und du hast in deiner Mail auch davon gesprochen, dass du das Eisbergmodell von mir kennst und dass es dir schon in vielen Situationen auch geholfen hat.

00:05:56: Sprecher 1 Das finde ich erst mal sehr schön zu hören und es freut mich, weil dann können wir quasi daran weiterarbeiten. Vielleicht ist es noch mal gut für euch alle. Sozusagen dieses Eisbergmodell, was ich nutze, was ich für mich entwickelt habe in meiner Arbeit, dass wir uns das noch mal gemeinsam vor Augen führen. Also stellt euch dieses Eisbergmodell vor, mit der Spitze über der Wasseroberfläche und dann mit dem großen Teil, der unten drunter liegt und auf der Eisbergoberfläche, also auf der Eisbergspitze über der Wasseroberfläche, sehen wir das Verhalten, während wir eben das, was das Verhalten motiviert, unter der Wasseroberfläche sehen.

00:06:36: Sprecher 1 Also dort liegen die Gefühle zunächst, die eben ja sehr unmittelbar, gerade bei Kindern das Verhalten motivieren. Ich sage immer gerne Kinder sind noch sehr verschmolzen mit ihren Gefühlen, weil sie eben noch nicht so viele Gedanken haben, die dazwischen kommen könnten, ist es noch nicht so komplex in der Handlungsvariation. Ja, und ist das eben oft auch was Körperliches, wie dann Kinder eben reagieren.

00:07:03: Sprecher 1 Und da liegen eben Angst, Trauer, Wut, Schmerz, Freude nicht vergessen. Ja, also diese ganzen Gefühle und davon gibt es gar nicht so viele. Das heißt, es gibt uns einen guten Hinweis, immer erst mal so ein Hauptgefühl zu ja zu isolieren oder zu rauszufinden und dann eben auch zu gucken, was könnte das für ein Gefühls Mix sein. Also bei Angst zum Beispiel könnte vielleicht auch ein Schmerz noch dahinter liegen oder eine Trauer.

00:07:33: Sprecher 1 Also jetzt in deinem Fall, Sarah, könnte es vielleicht auch ein Abschiedsschmerz sein. So weit sind wir noch nicht. Aber das könnte etwas sein, was uns ein Hinweis eben dann auch wieder gibt. Auf mögliche Bewegungen, die wir gehen können, auf das, was wir dann reagieren können, wenn wir anfangen können zu assoziieren und zu gucken, wie könnte denn alles zusammenhängen?

00:07:55: Sprecher 1 Und ganz unten, unter der Ebene der Gefühle liegt ganz tief, sozusagen auf dem Meeresgrund die Ebene der Bedürfnisse. Und da geht es um Sicherheit. Safety first, das ist das alleralleraller allerwichtigste Basisk grundbedürfnis, was wir Menschen haben und das korrespondiert mit zwei weiteren, nämlich der Verbindung. Also wir brauchen Verbindung, Wir sind auf die Welt gekommen, um uns zu binden und wir brauchen Kontakt, Wir brauchen Verbindung.

00:08:25: Sprecher 1 Wir brauchen Resonanz von anderen Menschen, um uns zu spüren und zum Beispiel in die Autonomie zu kommen, in die Selbstwirksamkeit. Das ist das dritte Bedürfnis und dann eben auch. Und da schließt sich der Kreis wieder Sicherheit zu bekommen. Ja, das ist das Eisbergmodell. Und jetzt in deinem Fall, du hast es wahrscheinlich schon auch selbst so ein bisschen rekonstruiert, ist es so, dass wir auf der Eisbergspitze eine Form von Verweigerung sehen.

00:08:55: Sprecher 1 Wir sehen vielleicht auch ein Einfrieren, wir sehen ein, verweigern und ein nicht Weiterkommen, ein Erstarren und das ist erst mal das, was wir sehen. Und unten drunter liegt die Angst und ganz unten drunter ganz einfache Kette. Im Grunde können wir da machen, liegt eben das Bedürfnis nach Sicherheit, vor allen Dingen nach Sicherheit und vielleicht auch noch nach Verbindung zu dir, weil du bist da ja jetzt so ein bisschen, die habe schon so ein bisschen liebevoll gesagt, ich hoffe, du verzeihst mir das Wort Krücke, die emotionale Krücke, die emotionale Stütze, die er braucht, weil du bist seiner Ängste Bindungsperson.

00:09:35: Sprecher 1 Und du bist diejenige, die sozusagen für die Koregulation auch deswegen am besten geeignet ist. Und das hat er auch in Anspruch genommen und sagt Du bleibst hier sitzen, und wenn du hier nicht sitzt, dann gehe ich mit dir, dann bleibe ich mit dir in Verbindung, weil ich noch nicht in meiner Autonomie in meine Selbstwirksamkeit in der Schule kommen kann.

00:09:55: Sprecher 1 Wir wissen nicht, warum. Das versuchen wir so ein bisschen zu analysieren. Impulse zum Mitnehmen. Ganz grundsätzlich Wenn dein Kind starke Gefühle zeigt, dann ist es wichtig, dass du als Vater, Mutter oder jemand, der gerade für das Kind zuständig ist, Raum für das Gefühl gibt und diesen Raum hält. Das ist ein so wichtiger Zwischenschritt. Bevor es weitergehen kann, mach also das Gefühl nicht weg, rede es nicht klein, rede auch überhaupt nicht so viel, begleite das Gefühl, erkenne es, benenne es und zeig Verständnis.

00:10:27: Sprecher 1 Ganz dosiert. Ziel ist nicht, dass das Gefühl weggeht, sondern dass es da sein und durch fühlt werden kann. Das nennt man eben Curriculation.

00:10:40: Sprecher 1 Ich will mal ganz kurz noch eine Frage von dir oder eine einen Kommentar, den du auch geschrieben hast, in einer Mail aufgreifen. Du hast nämlich gesagt, dass dich etwas hellhörig macht, und zwar, dass in deiner Herkunftsfamilie mehrere Personen sind, die eben Angst und Zwang Stimmen haben. Das hattest du geschrieben und das wäre vielleicht es für mich noch mal so ein so ein Zeichen, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, da auch noch mal hinzugucken, weil du sagst, es macht dich hellhörig.

00:11:11: Sprecher 1 Hellhörig heißt ja vielleicht auch, dass es dich aktiviert, dass es bei dir Gedanken in Gang setzt, wo du vielleicht eine Sorge entwickelst, wo du Befürchtungen hast, könnte das auch in diese Richtung gehen. Und ich möchte einfach an dieser Stelle gerne das noch mal so ein bisschen einordnen. Denn auch wenn Kinder Ängste zeigen und dabei auch vielleicht so was wie ähnliche Symptome auf der Eisbergspitze zeigen wie jetzt bei einer Angststörung, die wir von Erwachsenen kennen, also Vermeidung, Erstarrung, Unsicherheiten, vielleicht sogar Aggressionen oder auch ja so Zwangshandlungen, also dass man Dinge noch mal tun muss oder auch Tics, besteht einfach ein entscheidender Unterschied zu Erwachsenen und einer tatsächlichen Angsterkrankung.

00:12:00: Sprecher 1 Also kindliche Angst kann groß aussehen. Ja, sie kann den ganzen Alltag lahmlegen, so wie du das jetzt auch erlebst. Ja, Übergänge unmöglich machen und sich auch eben für Erwachsene sehr beunruhigend anfühlen. Aber Angst bei Kindern ist etwas anderes als diese Angststörung, von der du jetzt in deiner Herkunftsfamilie gehört hast und sprichst. Denn Kinder suchen Sicherheit, vor allen Dingen Sicherheit in Verbindung, um in ihre Autonomie zu kommen.

00:12:31: Sprecher 1 Und das haben wir ja eben im Eisbergmodell auch so ein bisschen zusammengesetzt. Und ihr gesamtes emotionales System ist noch an der Entwicklung. Ihr Nervensystem ist noch in der Entwicklung und auf dem Weg dieser Entwicklung. Ja, das ist ja eine wellenartige Entwicklung, entstehen eben auch immer mal wieder starke Gefühle, Wut und Trauer. Sie haben wir schon benannt, Schmerz und eben auch Angst.

00:12:58: Sprecher 1 Auch Freude. Aber wir sprechen heute über die Angst und das gehört mit dazu. Also und wenn bei Samuel Unsicherheiten und in Folge dann das Gefühl Angst entsteht, passiert etwas ganz Wesentliches in seinem Nervensystem. Und das Wissen darüber, was dort passiert, gibt uns dann eben auch wieder Hinweise darauf, wie wir damit umgehen können. In seinem Körper passiert etwas ganz Konkretes und er wird auch, weil er in der Autonomiephase ist und da wissen wir ja, dass da Emotionen sehr schnell kommen und auch überfluten.

00:13:32: Sprecher 1 Oft sind ja von diesem Gefühl von Angst überwältigt. Also das Gefühl kommt sehr schnell und das Nervensystem schaltet durch die Überflutung innerhalb von kürzester Zeit innerlich auf Alarm. Das heißt, er ist in einem Alarmmodus, spätestens dann, wenn es um die Trennung in der Klasse geht. Und physiologisch passiert dann folgendes Sein Herzschlag erhöht sich, seine Atmung wird flacher und schneller, die Muskeln spannen sich an, der ganze Körper ist auf Kampf und und oder Flucht vorbereitet und in seinem Fall kommt es dann zur Erstarrung.

00:14:07: Sprecher 1 Er tut das beides nicht. Also er kämpft erst mal nicht. Vielleicht dann darum, dass er nicht alleine gelassen wird. Aber er flieht nicht, sondern er geht in die Entspannung, Erstarrung und damit dann in die Verweigerung. Und das heißt, Samuel ist in diesem Moment total von dieser, ja körperlichen Reaktion überflutet und kann deshalb in diesem Moment seine Umwelt gar nicht wirklich wahrnehmen.

00:14:30: Sprecher 1 Erst gar nicht, da es gar nicht präsent. Also das heißt, er kann nicht ruhig oder irgendwie durchdacht handeln und kann auch nicht angesprochen werden. Ganz vernünftig in seiner Kognition, weil eben sein Körper im Überlebensmodus ist. Und das alles fühlt sich für ihn für seinen kleinen Körper, für seinen kleinen Geist wahnsinnig existenziell an und gerade weil eben Kinder noch keine eigenen inneren Strategien haben, brauchen sie uns Erwachsene, weil sie eben unsicher werden, wenn Sicherheit weg geht.

00:15:03: Sprecher 1 Und dann eben die Angst kommt jetzt so wie bei Samuel. Und diese Angst als ein wichtiges Signal zu nehmen, das ist dann erst mal ganz hilfreich. Also es nicht zu bewerten oder zu belegen als etwas Pathologisches, sondern wirklich es im Kontext der Entwicklung zu sehen und zu verstehen, dass sie noch keine Strategien haben, Angst alleine und selbst zu regulieren, um sich wieder sozusagen selbst Sicherheit zu verschaffen.

00:15:32: Sprecher 1 Dann merkt er das ist ganz interessant, dass eben sich selbst Sicherheit zu verschaffen. Da steckt ja auch dieses Wort Selbstsicherheit mit drin. Also das geht ja nicht darum, dass wir eine, dass wir immer selbstsicher sind, sondern dass wir Strategien haben, dass wir uns wieder in unserem Selbst sicher machen können. Und dafür braucht es eben Erwachsene, dafür braucht es Bindungsperson.

00:15:57: Sprecher 1 Dafür braucht es Curriculation. Und das schauen wir uns auch noch an, was das jetzt in diesem Zusammenhang bedeuten kann. Nur das ist eben alles so wichtig, weil genau deshalb zeigt sich eben Angst bei Kindern oft körperlich in der Vermeidung Erstarren, Aussteigen aus der Kooperation, Verweigerung, Weinen, festhalten oder eben auch durch Wut. Das hast du jetzt nicht beschrieben. Nur das kann ja dann auch alles kommen, wenn die Lehrerin zum Beispiel oder auch Du darauf bestehst, dass er jetzt in der Schule bleiben soll, ohne dich, dann hält er dich vielleicht fest, will in Verbindung bleiben und dann wird er vielleicht auch wütend und gerät in seine Wut.

00:16:37: Sprecher 1 Das alles wirkt dann eben manchmal dramatisch groß, ist aber eben nicht tief verankert, sondern ist eben vor allen Dingen sprachlich wenig sortiert, innerlich wenig sortiert und gehört mit zur Entwicklung dazu. Und an dieser Stelle ist noch ein weiterer Unterschied zu einer Angststörung bei Erwachsenen ganz entscheidend, nämlich das Zusammenspiel zwischen Gefühlen und Gedanken. Bei Erwachsenen gibt es so was wie ein Ping Pong zwischen Emotion und Kognition.

00:17:09: Sprecher 1 Das kann man sich so vorstellen, dass eben Angst sich verstärkt über zum Beispiel einen Gedanken über Bewertungen, über innere Bilder, über Befürchtungen, über das Vorausdenken dessen, was passieren könnte. Und das macht dann eben die Angst größer. Und umgekehrt erzeugt Angst wiederum auch neue Gedanken. Und so entsteht so was wie ein Kreislauf, so so was wie ein innerer Ping Pong zwischen Gefühl und Gedanke.

00:17:37: Sprecher 1 Und wenn wir uns jetzt Kinder angucken, weil das ist eben der große Unterschied, auch ein sehr plakativer, aber ein wirklich ein großer Unterschied ist, dass die Kinder dieses Zusammenspiel in diesem Alter noch gar nicht in dieser Form so sehr haben, weil sie eben noch nicht die drei großen As haben. Diejenigen, die mich länger verfolgen, wissen, dass Antizipation, Assoziation und Abstraktion, also die Dinge, die in der Kognition liegen, sind noch nicht fest verankert.

00:18:05: Sprecher 1 Und Samuel, der jetzt gerade sechs ist, in die Schule gekommen ist, der beginnt das jetzt gerade zu entwickeln. Also die kognitiven Vernetzungen beginnen sich jetzt da zu entwickeln und er hat aber dieses, dieses Zusammenspiel, was wir eben haben, diese Komplexität, also etwas vorwegzunehmen, assoziieren, antizipieren, das ist alles noch nicht oder eben nur sehr begrenzt ausgebildet. Ja, und deswegen ist eben kindliche Angst oft etwas, was wir einordnen können in die Entwicklung rein.

00:18:37: Sprecher 1 Was wir wahrnehmen können, vielleicht erst mal nicht bewerten. Es ist eben auch ein unmittelbares Gefühl, wirklich im Körper ohne das, was ich gerade gesagt habe, ohne dieses gedankliche Netz, dass die Angst unter Umständen zusätzlich noch vergrößert. Ja, und genau deshalb, Sarah, ist es noch mal wichtig, dir klar zu machen, dass es eben kein keine Angststörung ist. Was nicht heißt, dass wir nicht genauer hingucken können oder du genauer hingucken kannst.

00:19:06: Sprecher 1 Denn dass es sich nicht verfestigt oder jetzt an dieser Stelle stehenbleibt. Und trotzdem ist es vielleicht erst mal ein wichtiger Gedanke, der dich auch noch mal mehr in die Ruhe reinbringt und ja, dir noch mal signalisieren darf, es geht hier jetzt gerade nicht um ein pathologisches Verhalten, sondern hier geht es jetzt gerade um eine Entwicklungsphase, hier geht es um einen Übergang, hier geht es um mein Kind, was Sex ist und was gerade die Sicherheit verloren hat.

00:19:35: Sprecher 1 Impulse zum Mitnehmen. Wenn dein Kind vorübergehend Ängstlichkeit oder Unsicherheiten zeigt, kannst du dir erst mal klar machen, das so intensiv es sich auch anfühlt, es auch zu einer gängigen Entwicklung von Kindern mit dazugehört. Nicht die Intensität der Angst, sondern der Kontext, in dem sie entsteht, ist maßgeblich Und es kann und wird immer mal wieder Zeiten geben, in denen Kinder unsicherer sind als in anderen Zeiten und sich das dann auch im Außen abbildet.

00:20:03: Sprecher 1 Das gehört einfach mit dazu und muss nicht sofort pathologisch sein.

00:20:14: Sprecher 1 Und dazu kommt das eben auch aus diesen ganzen Zusammenhängen, die ich gerade erläutert habe, noch mal deutlich wird, dass es eben auch nicht ja nicht getan ist. Dadurch, dass wir den Kindern kognitiv Dinge erklären oder logisch beruhigen, sondern dass es wirklich was Emotionales ist und dass es um Verbindung geht, um emotionale Präsenz, um um Koregulation, um Klarheit, auch um unsere eigene Sicherheit.

00:20:40: Sprecher 1 Also das können wir uns gleich auch noch mal genauer angucken. Was das konkret bedeutet. Aber es ist eben wichtig, dass du dir noch mal klar machst, dass sich das erst mal nicht wie bei einem Erwachsenen mit Biografie und mit schon einem lang gelebten Leben und vielleicht auch schon mit Therapie und Versuchen, Dinge zu lösen, irgendwie verfestigt hat. Also ein großer Unterschied ist auch noch, dass im Grunde ja das, was bei Samuel gerade dazu führt, dass er nicht in der Schule sein kann, ja ist, dass es etwas gibt, was ihn offensichtlich wirklich beunruhigt.

00:21:17: Sprecher 1 Das wissen wir jetzt noch nicht. Aber es gibt ja etwas, was dazu führt, dass er eine Unsicherheit gekommen ist. Während eben wenn Erwachsene eine Angsterkrankung haben oder entwickelt haben, dann ist diese Angst gar nicht mehr an eine Situation gebunden, sondern bleibt eben auch dann und bildet sich im Körper ab, wenn akut gar keine Bedrohung da ist. Und das ist eben auch noch mal ein wichtiger Unterschied.

00:21:40: Sprecher 1 Und deswegen lohnt es sich eben auch hinzuschauen und zu gucken.

00:21:45: Sprecher 2 Wo.

00:21:46: Sprecher 1 Liegen denn die Unsicherheiten und was kann eben Samuel jetzt auch Sicherheit geben? Ja, und da möchte ich erst mal sagen, dass ich finde, dass du da schon eine ganze Menge auch selbst geschafft hast. Also ich finde, dass er jetzt in die Schule geht und ihr überlegt habt, unter welchen Bedingungen ist das denn möglich? Auch wenn ihr das jetzt, wenn ihr jetzt nicht weiterkommt erst mal und es so scheint, als habe sich diese Situation so verfestigt, möchte ich dir trotzdem noch mal sagen, dass ich finde, dass du das wirklich gut gemacht hast und dass du ein gutes Gefühl hast auch dafür.

00:22:21: Sprecher 1 Wie kannst du dein Kind begleiten und dass du auch bei diesem Thema Sicherheit eben geschaut hast? Was gibt ihm jetzt Sicherheit und festgestellt hast, es gibt ihm Sicherheit, wenn ich in Verbindung bin mit ihm. Ja, jetzt ist die Verbindung sehr intensiv, sehr nah, weil wir als Eltern ja nicht mit in dem Unterricht und auch nicht mit in der Schule sein sollten.

00:22:43: Sprecher 1 Jetzt nicht, weil das verboten ist, sondern weil die Kinder ja in ihrer Autonomie, in ihrer Selbstwirksamkeit kommen dürfen, weil sie dort in ihren Lebensraum kommen dürfen und und sollen und dort auch eben ihre Erfahrungen ohne die direkte Rückanbindung mit uns zu haben, auch machen dürfen. Und das macht also auch Sinn. Und gleichzeitig war mir das jetzt noch mal wichtig, dir das zu sagen, weil mein Eindruck eben auch ist, dass.

00:23:08: Sprecher 2 Du.

00:23:09: Sprecher 1 Sehr verunsichert bist, was ich auch nachvollziehen kann. Kenne das auch als Mutter, wenn man sozusagen erst mal sich umdreht und sieht, da ist doch gar nichts, was, was ich jetzt sehe, was jetzt ein Problem oder ein Hindernis oder eine Befürchtung auslösen könnte. Und dann aber das Kind, was man quasi an der Hand hat, nicht weitergehen will. Dann ist man erst mal verunsichert.

00:23:32: Sprecher 1 Und die habt ihr auch eine ganze Menge probiert. Also deine Frage ist, wie kann ich jetzt alles angehen? Das natürlich eine sehr allumfassende Frage. Ich würde das mal unter die Unterschrift setzen, neu Anlauf nehmen. Ja, und ich würde dir gerne ein paar Fragen mitgeben, die du für dich noch mal überdenken kannst. Reflektieren kannst. Also wie war denn der Übergang vorher und wie war jetzt der Übergang von Weihnachten in die.

00:24:01: Sprecher 2 Schule.

00:24:02: Sprecher 1 Und wie war Weihnachten? Wie war Silvester? Was habt ihr gemacht? War das sehr dicht? Sehr intensiv, sehr innig. Und es Könnte das vielleicht etwas sein, was ich vorhin schon mal angedeutet habe? Könnte? Ich spreche im Konjunktiv. Ja, ich lege das Bild sozusagen einfach hier in den luftleeren Raum. Erst mal ja, und du kannst es nehmen oder auch nicht.

00:24:24: Sprecher 1 Du kannst mal schauen, hat das vielleicht oder gibt es die Möglichkeit, dass es vielleicht etwas damit zu tun hat, dass Samuel eben einfach die Zeit sehr schön fand und jetzt wieder reinkommen muss? Das kennen wir ja auch manchmal vom Urlaub. Und klar, es gab die Herbstferien schon, vielleicht kannst du da auch noch mal hin gucken. Wie war es nach den Herbstferien?

00:24:43: Sprecher 1 Letztes Jahr? Weil es ist ja nicht der erste Übergang jetzt, der von Ferien wieder in die Schule stattfindet. Also das sind alles Sachen, die könntest du dich noch mal fragen und da wirklich kleinschrittisch drüberfliegen. Dann könntet ihr noch mal gucken, wenn ich sage wie war der Übergang jetzt? Wie seid ihr wieder in den Rhythmus gekommen? Wie hast du das vorbereitet?

00:25:06: Sprecher 1 Hat sich etwas geändert? Vielleicht auch in der Schule? War der Einstieg so wie immer? Ist die Lehrerin dagewesen oder war eine andere Lehrerin noch zusätzlich da? Oder. Also da geht es wirklich um Kleinigkeiten, weil Kinder ja wirklich sehr aufmerksam sind, ihr ganzes System, ihr ganzes Nervensystem ist sehr aufmerksam. Und wenn du deinen Sohn kennst, du hast den ja auch so ein bisschen beschrieben, dann scheint er ja ein sehr sensitives Kind zu sein, also was sozusagen seine Umgebung auch sehr feinfühlig wahrnimmt, also hat.

00:25:36: Sprecher 1 Gab es dort Veränderungen? Gab es in der Klasse Veränderungen? Gab es bei dem Weg bei dem Schulweg Veränderungen? Gab es in dem sozialen Kontakten Veränderungen? Du hast beschrieben, dass er eben auch soziale Kontakte geknüpft hat. Welche sind das, wo sind die? Jetzt? Will er mit denen auch nicht mehr zusammen sein und hat sich vielleicht auch zu Hause was verändert?

00:25:57: Sprecher 1 Manchmal vergessen wir das. Also gibt es auf einmal eine Veränderung bei dir, zum Beispiel eine plötzliche Berufstätigkeit oder irgendeine Reisetätigkeit vom Papa oder also irgendetwas, wo man denkt, das hat doch damit kann doch damit gar nichts zu tun haben Und dann in der Summe der Veränderungen, ist es dann manchmal für die Kinder so, dass dann Unsicherheiten entstehen. Also das heißt erst mal selbst noch mal sich orientieren und noch mal kleinschrittig, wie so ein Film im Kopf zurückspulen und gucken, was könnte denn da im Perspektivwechsel für Samuel schwierig gewesen sein oder eine Veränderung gewesen sein, die vielleicht für dich gar nicht so maßgeblich war, die aber vielleicht in verunsichert hat.

00:26:43: Sprecher 1 Und dann ist sozusagen wichtig alles, was Sicherheit gibt, ist gut und das können ganz kleine Sachen sein. Also das kann ein Besprechen sein. Was habt ihr denn morgen oder wann gehen wir los? Was habt ihr morgen für Fächer? Also ein Vorbereiten, dass ihr es gemeinsam antizipiert, vorwegnimmt. Ja, und was ich auch wichtig finde, ist, dass du eventuell mit Samuel auch überlegst.

00:27:14: Sprecher 1 Das Gefühl, Angst mal.

00:27:16: Sprecher 2 Zu.

00:27:17: Sprecher 1 Sprechen, in eure Mitte zu bringen. Angst ist ja eigentlich erst mal ein Gefühl, was uns vor Gefahr schützen soll und eigentlich was ganz Positives. Das heißt, wenn wir die Angst uns angucken, dann können wir sagen das ist ein Gefühl, das gibt uns ein Hinweis, das ist eigentlich unser Freund. Ja, also die Angst ist unsere Freundin, unser Freund und hilft uns eigentlich in Situationen.

00:27:40: Sprecher 1 Und dann könnte man überlegen, was könnte denn die Angst in der Situation für einen Hinweis geben? Also so ein bisschen wirklich auch. Wie soll ich sagen. Also es geht jetzt nicht darum, das groß zu besprechen und mächtig zu machen, weil das ist es ja schon, sondern es geht eigentlich darum, es nicht größer zu machen, als es ist. Aber eben auch nicht kleiner.

00:28:00: Sprecher 1 Das heißt, so ein hochemotionalen Zustand auch ein Stückchen versachlichen und so auch ein bisschen Ruhe reinbringen. Ja, Safety first heißt ja immer erst mal auch Ruhe reinbringen, Orientierung, Klarheit und dann Sicherheit. Weil sein Nervensystem fährt ja ganz schnell hoch und bringt damit innere Überflutung und Überforderung für den Körper mit sich. Deshalb ja auch die Erstarrung und die Verweigerung, eben nicht alleine in der Schule bleiben zu wollen, die wir bei Samuel sehen.

00:28:31: Sprecher 1 Und das, was jetzt unterstützend für mehr Ruhe und Sicherheit sein kann, ist eben diese unbewusst schnell ablaufenden inneren Prozesse wie dieses innere Hochfahren, was ich gerade beschrieben habe, mehr zu berücksichtigen und mehr ins Bewusstsein zu bringen. Und dadurch entsteht die Chance, dann alles auch ein Stück zu verlangsamen und bewusst zu entschleunigen. Also Sarah, dass du bewusster wahrnimmst, Jetzt zum Beispiel am Morgen oder auf dem Weg zur Schule, kommt die Unsicherheit bei ihm, sozusagen als Vorbote der Angst.

00:29:03: Sprecher 1 Wichtig ist, dass du dich dann nicht von seiner Unruhe anstecken lässt, denn du kannst jetzt sozusagen sein, ja sein Anker sein. Du kannst jetzt Samuel ins Außen orientieren und dadurch diese inneren Prozesse bei ihm verlangsamen. Bzw. Wenn das Nervensystem in hohe Erregung kommt, unmittelbar alles wieder Schritt für Schritt entschleunigen, den Atem nutzen und den Körper und damit das Nervensystem wieder mehr in Ruhe und und auch in Sicherheit zu bringen.

00:29:31: Sprecher 1 In das Außen zu orientieren, das kannst du jedenfalls experimentieren und wird nicht sofort und nicht immer gelingen. Aber Schritt für Schritt und vor allem dann, wenn du selbst in Ruhe bleibst. Impulse zum Mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich euch noch einen Impuls für eine Verbindung zwischen Gefühl und Körper mitgeben. Egal welches Gefühl Gefühle sind Körperempfindungen, das heißt, wir können sie im Körper wahrnehmen und es lohnt sich, damit zu arbeiten.

00:29:59: Sprecher 1 Also wenn dein Kind auch mit Ängsten zu tun hat, dann kannst du mit deinem Kind ein inneres Bild entwickeln. Ich habe gute Erfahrungen mit einem inneren Stresssbarometer gemacht. Eine Art Thermometer strahlen mit einer Skala von 1 bis 10. Dieses Thermometer kann man sich als inneres Bild liebevoll im Bereich des Brustkorbes bis in den Bauch runter vorstellen und ihr könnt so das Gefühl auf der Skala einordnen.

00:30:25: Sprecher 1 Fünf ist okay, acht ist. Oh, jetzt kommt die Angst, jetzt kommt der Stress und dann atmen wir gemeinsam, bis der Körper sich beruhigt und das Barometer wieder etwas sinkt. Mehr zum Stressbarometer. Wie es auch für uns Eltern hilfreich sein kann und eine Vertiefung dieser körperlichen Zusammenhänge findest du in meinem Buch Die Reise zur glücklichen Eltern Kind Beziehung. Dein Kind und dich besser verstehen.

00:30:53: Sprecher 1 Dann hast du gefragt Verstärke ich vielleicht seine Angst? Und das finde ich einen ganz, ganz spannenden Punkt, denn da könntest du auch bei dir noch mal genauer hingucken. Das kann ich von hier aus jetzt gar nicht so sagen. Ich kann nur sozusagen ein bisschen das rauslesen aus der Mail und da lese ich natürlich auch, dass du Sorgen hast.

00:31:17: Sprecher 1 Ja, das hast du auch geschrieben. Und jetzt kenne ich mich als Mutter. Ich kenne viele andere Mütter, ich kenne Eltern so und wir sind ja in dem Gefühl Angst quasi ein bisschen wie zu Hause. Wir müssen uns immer wieder in das in die Zuversicht bringen, in die Sicherheit bringen und wir also ob das emotional ist oder ob das auch tatsächlich in einem räumlichen Sinne ist.

00:31:39: Sprecher 1 Was ist gefährlich für die Kinder? Oder geht es meinem Kind gerade gut? Ja, das sind ja alles Dinge, mit denen wir immer wieder zu tun haben, mit denen wir leben. Also insofern lohnt es sich da auch bei dir noch mal hinzugucken, verstärkst du seine Angst und du könntest dir da noch mal konkreter die Frage stellen Wie ist es mit deiner eigenen Angst?

00:32:04: Sprecher 1 Also hast du ein Selbst, ein Thema Angst? Du hast jetzt gesagt, in der Herkunftsfamilie gibt es das Wie? Welches Verhältnis hast du zu zu dem Gefühl Angst? Wie gehst du mit Unsicherheiten um? Wie machst du dich sicher? Und vielleicht auch noch mal die Frage Wie hast du es erlebt in deiner Herkunftsfamilie? Und wenn ich sage, Wie gehst du damit um, Wie regulierst du dich selbst?

00:32:29: Sprecher 1 Und vielleicht, das könnte sein, gibt es so was wie ein Ping Pong auch zwischen dir und der Situation mit Samuel? Also vielleicht ist es so, dass er da merkt, dass du unsicher bist, dass du Angst hast, dass du dir Sorgen machst. Und vielleicht macht er sich dann Sorgen um dich, dass er irgendwie merkt, du bist irgendwie unsicher und ja, da könntest du auch noch mal hinschauen.

00:32:55: Sprecher 1 Gibt es Gründe? Könnte. Gäbe es Gründe dafür, dass er sich um dich Sorgen macht, Dass er sozusagen auch sagt Bleibst du bitte bei mir hier sitzen und gehst nicht nach Hause? Ja, wobei er ja sagt, er will gar nicht in die Schule gehen und am liebsten zu Hause wäre. Aber auch das. Also es lohnt sich da noch mal hinzugucken.

00:33:13: Sprecher 1 Was ist mit deiner Angst? Und ist da vielleicht ein Ping Pong und das heißt ja auch. Also ich sag mal so selbst wenn das jetzt alles, also wenn du sagst nö, ich habe eigentlich ein also ich kann gut mit meinen eigenen Ängsten umgehen usw könnte schon so eine kleine äh kleine Schwingungen. Also so dein Blick, dein besorgter Blick, Gesten oder auch nur Unruhe, die du vielleicht dann am Morgen entwickelst, weil du merkst, es stockt wieder und es geht nicht weiter.

00:33:41: Sprecher 1 Könnte sozusagen in Resonanz mit Samuel schon wieder dazu führen, dass er irgendwie stockt. Das heißt, es wäre schon wichtig, dass du an der Stelle in deine eigene Sicherheit wieder kommst, in eine eigene Sicherheit, in eine eigene Klarheit und dass du, ja, dass du wirklich eine Ruhe in dir hast, Ruhe und Zuversicht und dass du das nicht zu deiner eigenen Sache machst.

00:34:05: Sprecher 1 Also nicht du nicht. Es ist nicht deine Angst, es ist nicht deine Schule, es ist nicht dein Schulweg. Es ist nicht dein Schultag, sondern du begleitest ihn. Und dass du dich da nicht sozusagen in diesen diese Angst reinbringst. Verantwortlich. Es gibt eine Schulpflicht. Er muss da hingehen. Wie soll das werden? Also diese ganzen Gedanken, die dann da kommen, dass du die für dich noch mal überprüfst und noch mal schaust, wie kannst du dich in die Sicherheit reinbringen?

00:34:31: Sprecher 1 Eine weitere Frage, die du gestellt hast Ist es richtig, dass ich vor der Klassentür sitze oder gewöhnt er sich daran, wenn ich dann da sitze? Also ist es Gewohnheit oder ist es dann Sicherheit? Und ich habe ja vorhin gesagt emotionale Krücke, emotionale Stütze. Wenn wir uns jetzt vorstellen da ist, weiß ich nicht verstaucht der Fuß oder so, und wir brauchen jetzt Gehhilfen links und rechts, dann sagt uns ja der Arzt auch nicht Machen Sie das bitte bis zu Ihrem Lebensende, sondern der sagt uns ja auch letztlich Probieren Sie immer mal wieder aufzutreten und mobilisieren Sie den Fuß zwischendrin.

00:35:10: Sprecher 1 Also vermutlich. Nein, ich bin jetzt kein Arzt, aber so stelle ich mir vor und so habe ich es auch noch mal erlebt, so dass wir irgendwann eben diese Krücke nicht mehr brauchen. Weil es natürlich sein kann, dass wenn wir jetzt sagen okay, ich habe jetzt die Krücke, es vielleicht tatsächlich auch von alleine nicht mehr besser wird oder wir uns das nicht mehr zutrauen und dann eben die Krücke immer dabei haben.

00:35:29: Sprecher 1 Insofern, wenn wir dieses Bild haben, wäre es vielleicht eine Mischung. Also es wäre gut, wenn da Bewegung reinkommt. Und wenn du noch mal schaust, wofür steht es eigentlich, dass ich jetzt in dieser ja, dass ich jetzt hier in dieser Situation bin, dass ich vor der Tür sitze? Und gibt es eine Möglichkeit, mich zu entfernen? Also ich glaube, was wichtig ist, ist, dass es wirklich, dass ihr es besprecht, dass es kleinschrittig ist und das es vielleicht auch um diesen Übergang geht und ihr gemeinsam mit der Lehrerin auch noch mal überlegt.

00:36:05: Sprecher 1 Vielleicht erst mal Du auch. Gibt es eine Möglichkeit für einen guten, sicheren, vorhersehbaren Übergang in der Schule? Also den Schulweg kriegt er ja irgendwie hin und vielleicht helfen da die Impulse, die ich schon gesagt habe, dass ihr da noch mal guckt, ein Ritual zu kommen und und irgendwie erst mal in die Schule zu kommen und dann bleibt geht es ja darum, wirklich auch zu schauen, wie kommt er von dort in die Klasse und bekommt Sicherheit, Impulse zum Mitnehmen.

00:36:36: Sprecher 1 An dieser Stelle möchte ich euch daran erinnern, dass Übergänge für Kinder immer eine Form von Unsicherheit bereithalten können. Unser Leben besteht aus so vielen großen und kleinen Übergängen und Übergänge, bringt Verunsicherung mit sich und dann eben manchmal auch Ängste, gerade wenn man Folgen nicht so absehen kann. So wie das eben bei unseren Kindern ist. Wichtig ist, dass wir als Eltern dann besonnen bleiben, Ruhe reinbringen, Orientierung geben, in Verbindung bleiben und nicht selbst in eine hohe Erregung geraten.

00:37:11: Sprecher 1 Also das könnte auch noch eine Möglichkeit sein, dass ihr euch da zu zweit als Erwachsene abspricht und dann du eben auch mit Samuel sprichst. Wenn du jetzt vor der Tür gesessen hast, dass du dann vielleicht unten in die Eingangshalle gehst, dass du dann vielleicht irgendwie jetzt bei der Kälte es natürlich doof im Schulhof auf dem Schulhof wartest, aber dass sozusagen du dich dann sozusagen Schritt für Schritt ich immer wieder und du kannst mal gucken, wenn er wieder mehr in die Sicherheit kommt, dann wird es dann vielleicht auch crossschrittiger möglich sein, dass du dich dann auch entfernst.

00:37:48: Sprecher 1 Immer erst, wenn er wieder sicher ist. Ja, das wäre ganz wichtig. Und du kannst wirklich ganz konkret auch irgendwie mit ihm noch mal dir angucken, wo sich die Angst zeigt. Nämlich meistens zeigt die sich vor allen Dingen darin, dass man nicht mehr richtig atmen kann und das, was du wirklich machen kannst, ist, wenn er sich an dich klammert oder wenn er wirklich.

00:38:11: Sprecher 1 Wenn du merkst, dass er gerade in der Angst ist, dass du ihn wirklich beruhigst, nicht aktiv, sondern an seiner Seite bist und ihn mit ihm gemeinsam atmest und ihn orientierst und ihm noch mal sagst Schau, da ist die Lehrerin, da ist vielleicht die Lisa, da ist die Lena, da ist der Max. Und dass du ja sozusagen ihn in den Raum rein orientierst und er und sein System damit merken, es passiert gerade gar nichts.

00:38:38: Sprecher 1 Gerade passiert nichts Schlimmes. Ich sitze hier mit Mama und da sind die Kinder und da sie Lehrerin und da ist die Klasse. Und über diese Reorientierung immer wieder auch diese Angst, diese dieses starke Gefühl zu regulieren und dann mal zu gucken, ob du mit dieser Art der Begleitung ein Stück weiter kommst. Wenn das nicht gelingt und sich ein bisschen verfestigt oder wenn du an verschiedenen Stellen irgendwie merkst, du bist selber festgefahren, bist selbst zu unsicher, dann wäre es vielleicht gut, wenn du noch mal deine Eltern und Familienberatung suchst.

00:39:14: Sprecher 1 Und da braucht es vielleicht auch gar nicht so wahnsinnig viele Stunden oder so, sondern da braucht es vielleicht dann wirklich ein bisschen mehr Information, ein bisschen konkretes Vorgehen bzw eine Begleitung und auch eine Sicherheit für dich, noch mal mehr. Und ganz wichtig ist mir noch mal zu sagen, dass ich jetzt hier nicht mit psychiatrischen Diagnosen hantiere oder über Angststörungen spreche, schon gar nicht aus der Ferne, sondern es hier jetzt vor allem darum ging, Ängste und Unsicherheiten von Kindern aus der entwicklungspsychologischen Perspektive erst mal zu betrachten.

00:39:45: Sprecher 1 Wenn also weiterhin Unsicherheiten bestehen und Ängste bei Kindern sich verfestigen, kann es immer sinnvoll sein, den Weg erstens über eine Eltern und Familienberatung zu suchen und dann auch zweitens parallel beim Kinderarzt nachzufragen und dann auch eventuell eine kinder und jugendpsychiatrische Diagnostik zu überlegen. Immer natürlich in der Abwägung, ob es einem selbst und dem Kind mehr Sicherheit und damit dann auch Nutzen bringt.

00:40:11: Sprecher 1 Ja, also das ist das, was mir jetzt von hier aus einfällt Du machst ganz viel gut, du bist da, du nimmst ihn ernst, du hast Verständnis. Ja, Wichtig ist noch mal, dass du nicht in deiner eigenen Ängste, Sorgen und Befürchtungen kippst, sondern dich selbst beruhigst, indem du dich genauso ierst, wie ich gerade gesagt habe. Wie du es mit Samuel machen kannst.

00:40:35: Sprecher 1 Dass du vielleicht auch außerhalb dieser Situation dich mit den Fragen noch mal beschäftigst, die dir auch selber noch mal stellst und vielleicht auch beantwortest und mal guckst was tut sich dann bei dir? Ja, und indem du dich an die Seite deines Kindes stellst und wie wir es vorhin gesagt haben, ich fasse es noch mal zusammen Die Angst als Gefühl mit deinem Kind besprichst, kleinschrittige Orientierung und Vorhersehbarkeit einbaust und eben auch mit der Lehrerin dich noch mal absprichst und versuchst einen oder ihr gemeinsam versucht, einen guten, sicheren und vorhersehbaren Übergang zu schaffen.

00:41:13: Sprecher 1 Ja, das war für heute die Familiensprechstunde. Vielen Dank an Sarah. Danke für dein Vertrauen. Danke, dass du die ganzen Fragen gestellt hast. Erzähl gerne, wie es weitergeht. Ich hoffe, du kannst das mit den Impulsen anfangen und schreibt mir gerne eure Fragen an Podcastminus, Familiensprechstunde etc.. Katja Saalfrank p.de. Ich freue mich sehr, wenn das klappt Und wenn wir uns dann hier wieder sprechen für heute sage ich Auf Wiedersehen.

00:41:38: Sprecher 1 Ich danke euch sehr fürs Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst und euren Kindern und bis nächste Woche. Das war die Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich.

00:42:04: Sprecher 1 Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt, eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spür gerne nach und entschleunige noch mal, wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest. Schreib mir gerne an Podcastminus, Familiensprechstunde etc.. Katja Saalfrank, p. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert.

00:42:31: Sprecher 1 Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehungserfahrungen und Verbindungsmomente. Und nicht vergessen es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen. Bleibt nicht damit. Alleine schon ein Gespräch kann Veränderung bringen.

00:42:59: Sprecher 1 Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katja.

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