Folge 23: „Ich kann das sowieso nicht“ – Wenn Schule das Selbstvertrauen nimmt
Shownotes
Was passiert, wenn ein Kind neugierig und offen in die Schule startet — und dort zunehmend erlebt:
Ich bin zu langsam.
Ich bin nicht gut genug.
Ich mache es falsch.
Die Mutter berichtet, dass die Atmosphäre in der Klasse stark durch die Lehrerin geprägt wird und von Bewertung, Defizitblick und Beschämung geprägt zu sein — und das wirkt weit über den Schultag hinaus. In der Schule und auch zu Hause zeigt sich dann eine starke Belastung für das Kind. Es reagiert mit: Wut, Rückzug, Verweigerung, Verzweiflung. Und Eltern geraten in die schmerzhafte Frage, wie sie ihr Kind beim Lernen begleiten können, ohne die Verbindung zu verlieren.
Wir sprechen darüber:
• was Beschämung und ständige Bewertung mit Kindern machen können
• warum ein Kind nicht „das Problem“ ist, wenn es unter Druck aus der Kooperation fällt
• wie Eltern zu Hause Verbindung halten können, ohne Schule einfach fortzusetzen
• wie Gespräche mit Lehrkräften klar und zugleich konstruktiv geführt werden können
• wann auch ein Schulwechsel in Betracht gezogen werden darf
Es geht nicht darum, Kinder zum Funktionieren zu bringen. Sondern darum, wieder genauer hinzuschauen: Was erlebt mein Kind gerade? Welche Atmosphäre wirkt auf es ein? Und was braucht es, damit Lernen wieder mit Sicherheit, Vertrauen und Zuversicht verbunden werden kann?
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Transkript anzeigen
00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung. Um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katia Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.
00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungs- und beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zum Podcast Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank.
00:00:49: Sprecher 2 Und mit Bob Blume. Hallo lieber Bob, ich freue mich sehr, dass du wieder mit dabei bist. Hallo! Und wir freuen uns natürlich auch, dass ihr, dass du wieder mit dabei bist und zuhörst und wir hoffen, es geht euch gut. Ihr seid wohlauf in dieser Sommerzeit. Und ja, wir freuen uns über eure Kommentare. Einige von euch haben geschrieben. Ich antworte auch immer Bob ließ auch immer mit und ich finde das eine total schöne Sache, dass wir hier so in der Community miteinander verbunden sind.
00:01:20: Sprecher 2 Und habe heute Bob schon wieder einen Gedanken mitgebracht.
00:01:25: Sprecher 3 Ich bin sehr gespannt. Ich freue mich, dass.
00:01:28: Sprecher 2 Ich gerne mit dir teilen möchte. Irgendwie überlege ich immer so schon im Vorfeld. Was sagt wohl Bob dazu? Und ich fange mal anders an? Bist du eigentlich ein ein ängstlicher Mensch? Was würdest du sagen?
00:01:42: Sprecher 3 Nein.
00:01:43: Sprecher 2 Du bist mutig.
00:01:44: Sprecher 3 Nein, ich bin das Gegenteil eines. Ich weiß nicht. Ich. Ich weiß nicht, ob ich mutig bin, weil. Also, ich habe Höhenangst. Ich. Ich gebe mal ein Beispiel. Ich habe. Ich habe Höhenangst.
00:01:53: Sprecher 2 Ich bin auf gar keinen Fall ängstlicher Mensch. Aber ich habe Höhenangst.
00:01:57: Sprecher 3 Aber Höhenangst heißt ja nur Höhenangst. Das ist ja nichts Rationales. Und es ist zum Beispiel so Ich war mal mit einer Klasse vor einigen Jahren auf so einem Hochseilgarten, und da gab es eine Situation, da musste man so einen Baum hoch, 5 Meter und hat sich in so ein Seil reingehängt und musste dann rückwärts runterfallen. Und ja, ich habe einfach.
00:02:19: Sprecher 3 Also ich habe mit meinem Leben abgeschlossen, aber dann habe ich es gemacht. Ich habe sogar. Ich habe so kurz überlegt. Ich hatte ein wunderbares Leben und so und jetzt so und dann habe ich das gemacht.
00:02:28: Sprecher 2 Stresst mich ja schon beim Zuhören, wenn du das so sagst.
00:02:31: Sprecher 3 Ja und so das und noch mal also nur Höhenangst ist ja keine irgendwie, Ich weiß nicht. Vielleicht sind Ängste auch unbewusst. Ich glaube, zwischen Angst und Mut liegt so eine Form bei mir. Der pragmatischen Naivität. Ich gestatte mir das gar nicht. Ja, da sind ganz viele Menschen, vor denen ich jetzt Ich mache das einfach. Sollte ich dem eine Mail schreiben und vorschlagen, dass ich eine neue Kolumne mache?
00:02:58: Sprecher 3 Ich mache das jetzt einfach. Also schlimmer als Nein sagen gibt es gar nicht. Manchmal, wenn ich, wenn ich im Hotel rum hocke und Lust habe, mit jemandem zu reden. Guten Tag. Haben Sie Lust zu sprechen? Also, viele würden das mutig nennen, aber ich gestatte mir gar nicht den Gedanken, ob ich jetzt Angst habe oder Mut.
00:03:16: Sprecher 2 Ja, ich finde, das ist ein schöner, schöner Spannungsraum, den du da aufgemacht hast. Zwischen Angst und Mut, hast du jetzt gesagt. Liegt bei dir so ein Weg oder so ein Pragmatismus? Ja, und ich würde, glaube ich sagen, zwischen Angst und Mut liegt bei mir so ein Weg, den ich immer wieder versuche zu finden zwischen Vertrauen und Zuversicht. So, also natürlich braucht man dazu auch irgendwie die Kognition und das Abwägen.
00:03:45: Sprecher 2 Was könnte im schlimmsten Fall passieren? Aber ich finde den inneren Zustand eben auch immer mal wieder ins Vertrauen zu kommen, dass Dinge sich lösen, dass Dinge sich fügen, dass ich mich auf mich verlassen kann und dass das Leben ein gutes ist. Irgendwie ja so was wie eine Zuversicht in sich zu finden. Und ich komme deshalb drauf, weil ich jetzt immer mal wieder mit Eltern darüber spreche, was sie alles.
00:04:12: Sprecher 2 Und das kenne ich von mir auch. Übrigens vielleicht kennst du das auch für Bilder im Kopf haben, wenn es um Schule geht. Also ganz häufig so dieses, dass wir an einen Nachmittag in Stress geraten mit unseren Kindern, weil es um Hausaufgaben geht. Unser Lieblingsthema, unser beider, also eines unserer Lieblingsthemen. Und dann immer wieder dieses diese Sorge. Wenn ich dann frage Was ist aber denn deine Sorge?
00:04:37: Sprecher 2 Also warum geratet ihr immer wieder in diesen Stress? Und dann gibt es eben Assoziationen, die mit Angst zu tun haben. Also die Angst, das Kind schafft die Arbeit nicht, das Kind schafft die Klasse nicht, das Kind schafft die Schule nicht, das Kind schafft die Ausbildung nicht, den Abschluss nicht und liegt dann ich überspitzt jetzt mal unter der Brücke.
00:04:57: Sprecher 2 Ja, und das ist so eine krasse Bilderkette, die wir da haben, die oft so unbewusst abläuft und die eben eher auf der Seite der Angst ist. Und da braucht es, finde ich, immer wieder diesen Gedanken, dass ich diese Angst ein Stück loslasse, dass ich wahrnehme. Da sind Gedanken, aber dass ich das loslasse und wieder mehr versuche, das sagen wir immer wieder in Verbindung zu kommen mit mir und dem Leben, aber auch mit diesem inneren Raum der Stärke und Zuversicht, dass das Ich mein Kind begleite bei diesen Dingen.
00:05:31: Sprecher 2 Und dass das nicht größer wird als sozusagen es ist ja, wobei es auch schwierige Situationen eben tatsächlich gibt. Also du erzählst das immer wieder. Und übrigens, wenn ich das noch sagen darf, Bob. Ich finde schon, weil jeder Mensch hat ja irgendwie Ängste, das ist ja klar. Angst gehört ja mit auch dazu, ob wir sie spüren oder nicht und welche Signale wir dazu empfangen.
00:05:52: Sprecher 2 Aber was ich schon immer wieder mutig finde von dir, ist, wie du dich positionierst in den Netzwerken. Das ist schon etwas, finde ich, was mit Mut zu tun hat. Sich dahin zu stellen, ganz klar Zahlen zu sagen, aber auch auch sich gegen Rechts zu positionieren usw. Das empfinde ich heute immer wieder. Ich finde jeder ist mutig. Alle sagen immer so Ja, wir müssen das machen, wir müssen aufstehen, wir müssen uns positionieren.
00:06:17: Sprecher 2 Und ja, ich bin da total dabei und gleichzeitig merke ich, dass es aber da auch immer wieder eine diffuse, diffuse Sorge gibt. Wenn ich dann auch in deine Kommentarspalten rein gucke oder auch in die von anderen Creatorinnen, anderen Influencern, wie die sich damit dann beschäftigen und wie die trotzdem stark und mutig sich positionieren. Also ich finde, da ist schon auf jeden Fall Mut mit dabei und nicht nur Pragmatismus.
00:06:43: Sprecher 3 Ich wollte mal ganz kurz zurückkommen auf das, was du gerade gesagt hast. Das ist ein total wichtiger Punkt und ich habe genau auf Grundlage dieser Ängste in meinem Elternbuch Wie kommt man Kind gut durch die Schule? Paul Watzlawick Hammer Anekdote reingeschrieben. Hier macht das mal einen ganz kurz. Da ist so ein Typ, der überlegt sich, ob der Nachbar ihm den Hammer ausleiht und dann sagt er Aber vielleicht will er mir den gar nicht geben.
00:07:06: Sprecher 3 Vielleicht sagt er sogar, dass es schlecht ist, dass ich den Hammer will und dann fühle ich mich schlecht dabei. Und dann schäme ich mich. Und jedenfalls irgendwann geht er zu dem Nachbar, klingelt der macht die Tür auf und der schreit ihn an Behalten Sie doch einen verdammten Hammer! Und da hat er noch nicht mal danach gefragt. Und damit will er die self fulfilling prophecy deutlich machen, dass nämlich es ganz viel damit zu tun hat, wie eine Situation ausgeht, wie wir in sie reingehen.
00:07:34: Sprecher 3 Und das ist ja eben das Ding, das bei aller Verständlichkeit von einem Unwohlsein, Irritation oder Panik in Bezug auf Schule die Ängste eigentlich eher verstärken, dass es so kommt, als dass das Gegenteil der Fall ist. Und das muss man sich auch klarmachen, dass das, was du gesagt hast, die Zuversicht und vielleicht auch manchmal der Mut viel besser sind, um das Kind zu unterstützen in so einer Situation, als eben die Ängste, die man hat, die dann letzten Endes vielleicht zu genau den Dingen führen, vor denen man sich fürchtet.
00:08:08: Sprecher 2 Ja, du hast völlig recht Und gleichzeitig jetzt bin ich mal nur in meiner Mutterrolle oder ausschließlich kann ich das schon auch immer wieder gut verstehen. Also ich hatte auch wahnsinnig starke Gefühle und auch einfach Ängste und es hat mir wahnsinnig leid getan, dann auch manchmal dann das Kind zu sehen und und da eben auch in der Schule ja nicht vollständig irgendwie ja Einfluss zu haben.
00:08:32: Sprecher 2 Wir haben ja nur bis zu einem gewissen Punkt Einfluss und dann müssen wir agieren und wir müssen reagieren. Und dann gibt es eben auch nicht Wege, die wir uns immer nur aussuchen können, sondern nur Optionen, die vielleicht dann vom Regen in die Traufe führen. Also man weiß es irgendwie nicht. Und trotzdem bleibe ich dabei, eine Form von von innerer Sicherheit zu finden, wieder mehr ins Vertrauen auch übrigens ins Vertrauen des Kindes zu kommen.
00:08:56: Sprecher 2 Also dass das Kind auch sozusagen Signale gibt, dass wir das gemeinsam tun, dass ich glaube da, dass das ist auf jeden Fall trotzdem der Weg, um den es geht. Und ich weiß, wir sind schon wieder, also ich. Ich bin eigentlich schon bei der Frage, die ich dir vorhin geschickt habe und die du auch gleich vorliest. Aber wie ist denn das in deiner Vaterschaft?
00:09:18: Sprecher 2 Du bist ja gleichzeitig auch Lehrer. Hast du dann da eine andere ählung oder eine andere Position oder gab es das gar nicht? Gab es gar keine Konflikte? Gibt es keine Konflikte, die du mit der Schule dann entsprechend hattest? Bist du da so dran vorbeigekommen mit einem Kind?
00:09:34: Sprecher 3 Wir haben das ganz klar ausgeteilt, aufgeteilt. Meine Frau hat das bis jetzt gemacht. Das Ding ist einfach wenn. Wenn ich als sozusagen Bildungs-Influencer mich da in die in den Elternabend setze. Das ist für die für die Lehrkräfte auch nicht so toll. Und ich überlege auch, wie war das bei der weiterführenden Schule mache, weil die kennen mich vielleicht, aber kenne mich nicht gut genug, um nicht zu wissen, dass ich, was ich natürlich niemals machen würde, irgendein Real oder irgendeine Story mache oder wo ich erzähle, wie Panne die neuen Lehrer meiner Tochter sind.
00:10:03: Sprecher 3 Würde ich nie machen. Aber dass die Ängste da wären, das würde ich verstehen.
00:10:07: Sprecher 2 Ich würde dich da gerne ermutigen. Trotzdem dazu. Also ich meine, bei mir war es ja auch so, dass ich in einer öffentlichen Rolle war und trotzdem auch in der Rolle als Mutter. Das habe ich mir nicht nehmen lassen für meine Kinder bei Elternabenden weniger, aber vor allen Dingen dann im Dialog mit den Lehrern auch War und Lehrerinnen. Und insofern würde ich da nicht jetzt aufgrund einer öffentlichen Rolle zurückgehen.
00:10:29: Sprecher 2 Aber wenn ihr das gut geregelt habt, ist das ja super. Ich meine, wenn deine Frau das sozusagen in Vertretung oder sowieso übernommen hat, dann ist das wahrscheinlich auch eine sinnvolle Aufteilung. Aber dann hast du diese Ängste vielleicht auch nicht so, weil du das vielleicht so ein bisschen abgegeben hast.
00:10:44: Sprecher 3 Wie gesagt, ich habe keine Ängste.
00:10:45: Sprecher 2 Ja, an der Stelle nicht. Hast du es gut? Hast du es gut?
00:10:50: Sprecher 4 Ja.
00:10:51: Sprecher 3 Ich spreche meiner Tochter Mut zu, wann immer es geht. Ich unterstütze sie bei allem, was sie macht. Ich war auch übrigens in der Schule bei den Feedbackgespräche. Nur bei den Elternabenden haben wir das da so entschieden. Und jetzt müssen wir mal um uns um die Frage.
00:11:07: Sprecher 2 So ist das. Und zwar hat mir heute Dina geschrieben und Edina heißt natürlich anders und hat mir geschrieben an Podcast, Familiensprechstunde, Katia Saalfrank de und ich übergebe gleich an dich, Bob. Bitte schön.
00:11:21: Sprecher 3 Liebe Katia, lieber Bob, erstmal vielen Dank, liebe Katia, für deinen Podcast und deine Bücher. Deine Gedanken haben mir schon oft in den verschiedenen Situationen geholfen und ich fühle mich oft nicht allein. Schön, dass du auch wieder da bist. Das ist großartig. Nun habe ich auch eine Frage, bei der ich nicht mehr weiterkomme, sehr verzweifelt bin und meine mütterliche notwendig spüre.
00:11:38: Sprecher 3 Und jetzt, wo Bob wieder dabei ist, passt es doch noch besser. Kurz zu unserer Familie Mein Mann und ich haben zwei Kinder, Sohn sieben und Tochter vier. Es geht um unseren Sohn. Er ist sehr fröhlich und offen und mit einer Leichtigkeit aufgewachsen. Auf der anderen Seite wissen wir schon länger, dass er wirklich sehr sensibel ist, Gefühle und Emotionen von sich und anderen sehr stark wahrnimmt und für seine Umgebung extrem aufmerksam ist.
00:12:02: Sprecher 3 Damit kamen wir bis jetzt auch gut zurecht. Wir haben in den letzten Jahren in einer großen Stadt gelebt und sind vor einem Jahr in eine kleine Ortschaft in der Nähe gezogen. Der Umzug war schwerer als wir dachten. Er tut sich auch nach einem Jahr noch sehr schwer, Freunde zu finden und anzukommen. Dazu kam im September die Schule. Hier hat am Anfang alles gut gestartet.
00:12:19: Sprecher 3 Er war schon immer ein neugieriges, aufgewecktes und offenes Kind. Er will immer alles wissen und ist an vielen Themen interessiert. Leider hat sich das Blatt in der Schule bereits nach 1 bis 2 Monaten gewendet. Die Lehrerin ist fest davon überzeugt, dass er etwas hat und möchte unbedingt eine Diagnose finden ADHS, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom etc. Grund dafür hat sie nicht wirklich und wir sind fest davon überzeugt, dass ihm nichts fehlt.
00:12:42: Sprecher 3 Leider bekommt er in der Schule sehr viel Druck direkt von ihr als Beispiel. Sie sagt ihm oft, er sei der schlechteste und der langsamste in der Klasse. Er bekommt alle gemachten Hausaufgaben ein zweites Mal zur Korrektur. Sie hat ein Notensystem, obwohl es in der ersten Klasse eigentlich keine Noten gibt und bewertet ihn immer schlechter als andere Kinder. Dies habe ich zufällig gesehen.
00:13:00: Sprecher 3 Mit der Zeit steigt bei ihm die Frustration. Zu Hause hat er Wutanfälle, schlägt um sich, spuckt uns an usw. Ich habe das Gefühl innerlich gekocht. Er Wir bekommen auch sehr viel Druck von der Schule mit ständigen Nachrichten, was noch nicht erledigt ist, dass Hausaufgaben fehlen usw. Mit der Zeit weigert er sich komplett die Hausaufgaben zu machen. Wenn ich ihn frage, ob er etwas machen oder lernen will, wendet er sich auch gegen mich.
00:13:20: Sprecher 3 Ich sehe wirklich jeden Tag wegen der Hausaufgaben ein Stück Bindung zwischen uns bricht. Früher wollte er zumindest andere Sachen lesen oder rechnen, aber mittlerweile weigert er sich komplett zu lernen und somit bekommt die Lehrerin nun recht. Es wirklich der schlechteste in der Klasse. Eine klassische selbsterfüllende Prophezeiung. Ich habe versucht ihm den gesamten Druck abzunehmen und habe gesagt, wenn er jetzt nichts machen möchte, muss er das nicht unbedingt.
00:13:42: Sprecher 3 Da er aber dadurch nicht mehr lernt, wird er immer schlechter, hängt mittlerweile sehr weit hinten und leidet stark darunter. Küchenkakao Gespräche funktionieren nicht. Wenn ich mit ihm reden will und ihn nach seinen Gefühlen frage, verlässt er den Raum. Er fühlt sich allein und verlassen und findet nicht einmal bei uns halt. Alle Aufgaben klein portionieren und es bei den Hausaufgaben schön machen.
00:14:03: Sprecher 3 Selbst die Themen oder Orte aussuchen. Alle Versuche sind gescheitert. Durch den Druck steigt er auch völlig aus der Kooperation im Familienleben aus. Ich würde gerne deine Gedanken dazu hören. Wie kann ich ihn unterstützen, dass er wieder Selbstvertrauen bekommt? Wie kann er wieder Freude am Lernen und an der Welt um ihn herum finden? Wie können wir mit der Lehrerin ins Gespräch kommen?
00:14:22: Sprecher 3 Sie scheint sehr defizitorientiert zu sein. Und wie schaffe ich es, dass mein Sohn irgendwas und irgendwie lernt, ohne dass die Bindung zwischen uns verschwindet? Wieso kann er nicht einfach wie andere Kinder seine Lernaufgaben erledigen? Beste Grüße, Dinah.
00:14:36: Sprecher 4 Puuu Puh. So.
00:14:39: Sprecher 2 Jetzt hast du natürlich vorhin, oder haben wir vorhin über Sachen gesprochen und über Vertrauen und Zuversicht. Und ich kann erst mal verstehen, dass es hier für Dina gar nicht so einfach ist, in dieses Vertrauen zu kommen. Wollen wir versuchen erstmal ein bisschen pragmatisch tatsächlich im Sinne von sortieren welche Themen sind das hier an die Frage ranzugehen. Und es geht ja vor allen Dingen um Gedanken.
00:15:04: Sprecher 2 Also Dina fragt ja nach unseren Gedanken. Also ich sehe im Grunde erst mal drei verschiedene Bereiche. Das eine ist der klare Bereich Schule. Der zweite ist dann der Bereich zu Hause. Was können Sie zu Hause tun? Und dann eben auch sozusagen noch mal die Eltern im Gesamtsystem. Also welche Rolle haben die Eltern in Bezug auf ihren Sohn? Welche Rolle könnten sie in Bezug auf die Lehrerin einnehmen?
00:15:29: Sprecher 2 Das sind so ich weiß es nicht. Ob du was mit der Sortierung anfangen kannst. Sind so die Bereiche, in die man vielleicht unterteilen könnte?
00:15:36: Sprecher 3 Ja, ja, auf jeden Fall.
00:15:39: Sprecher 2 Ja, also ich muss sagen, dass ich das jetzt schon sehr überspitzt hier wahrnehme. Also ich habe das oft in meiner Praxis, dass Eltern kommen, weil sie verzweifelt sind, weil sie sagen Mein Kind ist eigentlich voller Freude in die Schule gegangen, ist losgegangen. Und dann entsteht auf einmal eine Situation, wo das Kind das Gefühl hat, es kommt nicht mehr mit.
00:16:03: Sprecher 2 Es ist abgehängt und es kommt Frustration auf die Art und Weise, wie jetzt hier die Frustration entstanden zu sein scheint, empfinde ich schon als extrem ungünstig, muss ich sagen. Also es ist auch eine insgesamt ungünstige Situation. Das, was Dina beschreibt, ist ja eben auch, dass sie umgezogen sind, dass er in einer ganz neuen Situation sich befindet. Da ist ja auch immer viel Unsicherheit erst mal da.
00:16:29: Sprecher 2 Da braucht es viel Orientierung. Und ich verstehe total, dass dieser kleine Junge, wenn es um Küchen, Kakao Gespräche geht, also die Frage Wie geht es dir? Die sind dann können wir auch noch mal drüber sprechen. Dina mit welchem Ziel führst du das Gespräch? Was genau möchtest du? Weil nur die Gefühle jetzt sozusagen auf den Tisch zu packen, das erscheint mir in der Situation vielleicht etwas zu vage und zu viel.
00:16:56: Sprecher 2 Also weil er erlebt ja ganz viele starke, schwere Gefühle, die ja auch ausgelöst werden durch bestimmte Gedanken und durch wirkliche Frustrationen im Außen. Und die einfach auf den Tisch zu packen, da weiß ich auch nicht, würde ich, glaube ich, auch den Raum erst mal verlassen. Das finde ich irgendwie erst mal nachvollziehbar. Ja, also ich. Ich muss sagen, dass ich tatsächlich betroffen bin, wenn ich das so höre und ich halte das aber.
00:17:22: Sprecher 3 Beschreib noch mal deine Betroffenheit gemacht.
00:17:24: Sprecher 2 Ja, die Betroffenheit ist insofern da, als dass ich das Erleben dieses kleinen Jungen wahrnehme. Mit schweren Gefühlen, mit Angst, mit Trauer, mit Scham, mit Wut natürlich auch. Also es ist ein ziemlich bitterer Cocktail, empfinde ich so und so, diese Gefühle, wenn man die so in Gedanken packt. Ja, also ich genüge nicht, Ich bin zu langsam. Ich bekomme es nicht hin.
00:17:56: Sprecher 2 Und dann auch dieses hilflose Gefühl. Egal, was ich mache, es reicht nie. Es reicht nicht. Ja, ich habe keine Chance. Und das Gefühl finde ich im Perspektivwechsel so und in so mitfühlen jetzt gerade schon schwer aushaltbar, muss ich sagen. Und da kann ich Dina auch in ihrer in ihrer Verzweiflung auch verstehen.
00:18:18: Sprecher 3 Ja, ich auch. Ich wäre wieder ganz anders. Ich kann das ja mal einfügen und du kannst dann gerne sagen, was was du davon hältst, wenn das okay ist. Also ich meine, gut, klar. Ich bin seit 15 Jahren Lehrer. Ich gucke natürlich sofort auf was, was was die Lehrperson betrifft. Wenn diese Lehrerin tatsächlich sagt, dass der der Schlechteste und Langsamste in der Klasse ist, dann ist das ein absolutes NoGo.
00:18:49: Sprecher 3 Erstmal ganz grundsätzlich Wenn das genauso läuft, dann geht das nicht. Ich schreibe in meinem Buch Für Eltern und Lehrer immer vom sogenannten Growth Mindset, also von der Vorstellung, dass man etwas noch nicht kann, dass man es aber mit Strategie und Anstrengung erlernen kann, damit Kinder nicht in ein fixed mindset kommen, nämlich in den Gedanken Ich kann es sowieso nicht, dann brauche ich auch gar nichts mehr machen.
00:19:15: Sprecher 3 Genau wie diese self fulfilling prophecy, die die Idee da sagt. Also erstmal, das ist so ein krasses No go, dass ich fast versucht wäre zu sagen, also das würde ich nicht mitmachen und im ganz gerösteten Notfall die Schule wechseln. Jetzt ist natürlich die große Frage also wie lange bleibt er bei der? Kann man da auch was besprechen und zu besprechen können wir auch noch mal kommen?
00:19:40: Sprecher 3 Wie genau sieht das aus? Aber ich möchte einfach nur sagen eine Lehrkraft, die das so formulieren würde, das geht nicht. Dennoch möchte ich etwas festhalten, Wenn die Lehrerin davon überzeugt ist, dass das Kind im Spektrum ADHS ist oder Aufmerksamkeitsdefizit, dann wäre es total sinnvoll nachzufragen, wie sie darauf kommt und offen zu sein erstmal für die Expertise der Lehrkraft.
00:20:12: Sprecher 3 Denn was ich schwierig finde und ich kann Edina da auch nachvollziehen, ist zu sagen, ihm fehlt nichts. Kindern und Jugendlichen, die ADHS wirklich haben, denen fehlt auch nichts. Deren Gehirne sind nur so ein bisschen anders geschaltet, wenn man das mal so lapidar sagt. Und eine Diagnose kann einem da eine gewisse Gewissheit geben. Also dass ich auch nicht von dieser Lehrkraft, von dieser Lehrerin, die mein Kind so behandelt, das irgendwie so an den Kopf geknallt kriegen möchte.
00:20:42: Sprecher 3 Das ist mir auch total klar. Aber trotzdem würde ich in Bezug darauf sagen nachfragen. Und jetzt letzter Punkt hat ja, dann komme ich von der Lehrkraft weg. Das große Problem ist, dass man nachvollziehbarer Weise. Und jetzt blende ich ihr Dinas Reaktionen gegenüber dem Kind erstmal total aus und und ihre Versuche mit den Hausaufgaben und so, dass man nachvollziehbarerweise einen totalen ich sage es jetzt mal lapidar Hals auf diese Lehrkraft kriegt, auf diese Person und aus dieser Haltung heraus, aus dieser vielleicht sogar wütenden Haltung spricht man dann entweder nicht oder spricht auf eine Art und Weise, die nicht weiterführt.
00:21:23: Sprecher 3 Und was ich der Idee wirklich nur empfehlen kann, ist, anstatt Karate Tai-Chi anzuwenden, also diese Kampfkunst, die eigentlich daraus besteht, die Energie aufzunehmen und zurückzuschicken und der Lehrkraft nicht zu sagen wie können sie es nur und was soll denn das und mein Kind usw. sondern wenn es irgendwie möglich ist nachzufragen aus ihrer Perspektive. Wie glauben Sie, könnten wir unser Kind unterstützen?
00:21:52: Sprecher 3 Was glauben Sie, was wir tun könnten usw. Also das heißt, dass man aus dieser gegensätzlichen Haltung rauskommt und die Lehrkraft im Grunde genommen anspricht, wie Dinah dich gerade angesprochen hat. Und wenn dann natürlich weiterhin so ein Gegensatz kommt, dann muss man sich halt überlegen, ob man eine andere Konsequenz zieht.
00:22:15: Sprecher 2 Also ich habe jetzt Edina gar nicht so verstanden, dass sie da mit Kamikaze und Karate irgendwie vorgehen. Man ist ja auch erst mal in einer ziemlich schwachen Position. So fühlt es sich zumindest an und es ist ja auch nicht alles das, was was jetzt Edina beschrieben hat. Was die Lehrerin, die sagt ja nicht nur das Kind ist das langsamste und das schlechteste Kind, sondern fallen ja noch andere Dinge vor, dass Noten vergeben werden, das hat ja ganz viel mit Bewertungen zu tun, ganz viel mit Abwertung zu tun, ganz viel mit Beschämung zu tun.
00:22:44: Sprecher 2 Also bei mir schwingt da irgendwie etwas Persönliches mit. Ganz klar, Auch das, was du gesagt hast, verstehe ich. Alles ist pragmatisch, ist auf der erwachsenen Ebene. Und gleichzeitig weiß ich halt nicht mit mit wem. Also hat man es hier mit einer Lehrkraft zu tun, die in ihrer professionellen Haltung ist? Weil es klingt für mich erstmal nicht nur so, oder ist das hier gerade eine persönliche Sache, die hier ausgetragen wird?
00:23:10: Sprecher 2 Das das ist so ein bisschen das was, was mich nachdenklich stimmt und vielleicht auch unter diesem Aspekt ist diese Frage ja, das Kind hat irgendwie eine Diagnose verdient oder muss doch irgendetwas haben. Ob das so ein persönlicher Machtkampf zwischen den Eltern ist Und das Kind ist da irgendwie dazwischen geraten? Ich Ich weiß es nicht. Wir können jetzt auch nur das hier aufnehmen, was wir haben.
00:23:32: Sprecher 2 Aber natürlich würde ich auch sagen das Gespräch mit der Lehrerin suchen und nicht anklagend und trotzdem klar. Und dann auch eher die Frage Also weg von diesen Defiziten. Also eher hin zu der Frage Was bräuchte es denn jetzt? Was bräuchte denn überhaupt das Kind, um wieder in in eine Voraussetzung für eine Aufnahme für ein Lernen zu kommen? Ja und dann auch natürlich benennen, wie massiv das Kind leidet unter diesem momentanen Umgang und konkret nach Entlastung auch fragen.
00:24:07: Sprecher 2 Ja, also es kommt mir schon fast komisch vor, wenn ich das so sage. Aber weniger Korrektur, Druck, weniger Beschämung. Klare Prioritäten zu setzen, realistischere Erwartungen zu machen. Eher ermutigen, einladen und bestärken als dieses Du schaffst das nicht. Und ich weiß gar nicht, ob das noch zu reparieren ist. Ja, weil da natürlich eine Menge Druck entsteht. Und das wäre natürlich auch wichtig, deutlich zu machen Da ist eine ganze Menge Druck im Kessel, gerade bei dem Kind, und zwar viel mehr als bei den Erwachsenen.
00:24:37: Sprecher 2 Ja, weil das Kind kann ja mit diesem Druck gar nicht umgehen und es kann nicht um noch mehr Druck gehen. Ja, sondern es muss irgendwie Druck raus. Und das ist so ein bisschen die Frage, wie kann das gehen? Weil natürlich auch zu Hause Dinah beschreibt, dass sie den Druck da wahnsinnig wahrnimmt und irgendwie gerade gar nicht mehr weiß, Wie kann sie denn zu Hause mit dem Druck auch umgehen?
00:24:59: Sprecher 4 Ja.
00:25:00: Sprecher 3 Eine eine Ergänzung noch Wie kann das Kind Freude am Lernen und an der Welt um sich herum finden? Wie kann ich ihn unterstützen, dass er wieder Selbstvertrauen bekommt? Das spielt er ja auch noch. Katia Bei der Frage nach Selbstvertrauen bitte wieder sprich mir. Aber ich bin hier der Auffassung, das lässt sich ja nicht einimpfen. Selbstvertrauen bekommt man ja durch Kompetenz erleben.
00:25:28: Sprecher 3 Ich kann etwas. Und das Kind von Edina scheint ja gerade in der Situation zu sein Wort dauernd gespiegelt kriegt. Du kannst nicht, du kannst nicht, du kannst nicht. Da wäre mein spontaner Impuls zu sagen Was gibt es denn außerhalb der Schule? Wir hatten es gerade von Kampfsport. Ich nehme das jetzt mal einfach nur als Beispiel. Das kann aber auch Tischtennis, Hockey oder irgendwas sein.
00:25:48: Sprecher 3 Das sind die Orte, wo man in Gemeinschaft ist, wo man Selbstvertrauen bekommt, weil man erstens vielleicht etwas kann oder wenn man es noch nicht kann, in einem Kontext ist, wo die Menschen sagen Ja, Mensch, komm, wir probieren es noch mal, wie übt es noch mal? Ja, also sozusagen das Selbstvertrauen entsteht im Tun. Wie gesagt, da kannst du gerne was zu sagen.
00:26:07: Sprecher 3 Das zweite, was ich noch anmerken wollte, ist Beim Lernen ist es oft so, dass Erwachsene schon das Problem haben, dass sie lernen verkürzen auf Hausaufgaben und Test. Ich bin mir sicher, dass das Kind ganz viel lernt, wenn es mal eine Folge Checker Tobi hört, wenn es mal beim Einkaufen mit rechnet. Wenn es fragt Was ist das eigentlich für ein Baum, wenn man in die Natur geht und so?
00:26:29: Sprecher 3 Wir lernen ständig, wir können gar nicht nicht lernen und darauf aufmerksam zu machen. Bewusstsein und positiv verstärken. Mensch, das ist ja toll, dass du das jetzt weißt. Dass du das gelernt hast, ist auch noch mal eine Möglichkeit, diesen starren, sehr schulischen Lernbegriff wegzugehen und sagen Hey, das ist doch gerade auch was, was du gelernt hast, Das ist doch wundervoll.
00:26:53: Sprecher 2 Ja, du hast völlig recht. Ich finde das auch einen ganz wichtigen Punkt diesen Aspekt, dass wir nicht nicht Erfahrungen machen können, ja nicht nicht lernen können. Und gleichzeitig muss man ja dann auch sagen, die andere Seite der Medaille ist, dass eben auch dieser Junge gerade etwas erfährt, etwas lernt in der Schule, was gar nicht vorgesehen war, nämlich diese ganzen anderen Aspekte.
00:27:15: Sprecher 2 Dass er der Langsamste ist, dass er die Dinge nicht kann, dass er eben nicht diesen Wert hat. Das ist ja das Problem. Und ich. Ich finde aber wichtig, was du gesagt hast und gleichzeitig weiß ich nicht so genau, ist das überhaupt umsetzbar? Also es wäre das was du sagst, ist ja ein Feld zu suchen, wo er sich selbst wirksam noch mal lebendig und positiv erleben kann.
00:27:37: Sprecher 2 Und da wäre natürlich die Frage, weil, weil die Schule ja einen langen und großen Zeitraum einnimmt im Leben von Kindern. Wie kann man das vielleicht gestalten in der Weise, in der es gerade beschrieben hast? Und auf der anderen Seite trotzdem auch zu Entlastung führen in Bezug auf die Schule, weil die Hausaufgaben gehören ja trotzdem dazu, die das Erleben am Vormittag in der Klasse im Kontakt mit der Lehrerin ist ja da.
00:28:03: Sprecher 2 Und ich fände gleichzeitig zu dem, was du gesagt hast, auch noch wichtig, dass es trotzdem die Möglichkeit gibt, auch den Schmerz und die Erschöpfung, die er hat, eben auch ausdrücklich zu sehen und nicht von ihm da jetzt noch was hören zu wollen und vielleicht sogar noch Druck zu Hause zusätzlich zu machen, weil das wäre ja dann eine Fortsetzung von dem, was er schon in der Schule erlebt, sondern irgendwie zu versuchen innerlich dieses Bild von dem schlechten Schüler eben.
00:28:32: Sprecher 2 Das geht ja auch so in die Richtung, die du gerade gesagt hast zu lösen. Ja, mehr würdigen, was er kann, was, was er interessiert, verfolgt, was er denkt und dann ihm auch Sprache für das, was er eben erlebt in der einen Welt oder auch in der anderen Welt auch zu geben, Also zu signalisieren Ich glaube, Schule fühlt sich gerade eher wie Druck an und nicht so gut oder auch das Erleben ernst zu nehmen.
00:29:02: Sprecher 2 Also zu sagen ich nehme wahr, dass ich die Schule gerade richtig schlimm anfühlt für dich, das ist nachvollziehbar, das kann ich mitfühlen. Und wenn er dann so sagt ich bin der Langsamste, das ist ja auch eine Bewertung. Langsam ist ja immer im Verhältnis zu ja, dass man da dann auch das orientiert und nicht sagt ja, du bist halt langsam, du brauchst halt deine Zeit.
00:29:23: Sprecher 2 Sondern dass man eher noch mal sagt, du stehst gerade unter Druck. Das ist einfach viel und da kann man nicht mehr wirklich lernen Und wir müssen erstmal gucken, wie wir wieder eine Situation herstellen können, dass du wieder lernen kannst, weil das sagt nichts darüber aus, wie gut du bist oder was du für ein Schüler bist, weil die Situation insgesamt gerade schwer ist.
00:29:45: Sprecher 2 Und ich glaube, das wäre eher im Küchen Kakao Gespräch etwas, was noch mal sinnvoll wäre. Nicht ihn nach seinen Gefühlen zu fragen, weil die spüren wir alle gerade ja sondern noch mal eher das zu justieren und und es auszusprechen, weil es ist so schwer, dass es eigentlich unsagbar schwer ist. So kommt es mir vor. Ja.
00:30:06: Sprecher 4 Ja.
00:30:07: Sprecher 2 Also hilfreich könnte eben sein, emotionale Entlastung bei den Hausaufgaben zu geben, kleinere Einheiten auch zu machen. Das weiß ich nicht. Wie deine Erfahrungen da sind. Überhaupt sich bei den Hausaufgaben.
00:30:19: Sprecher 3 Die Portionierung hat sie ja schon angesprochen. Ja, es gibt noch, es gibt noch mehr. Ich will da jetzt nicht ewig. Habe ein ganzes Kapitel über Hausaufgaben geschrieben. Sie macht auch schon einiges.
00:30:28: Sprecher 2 Richtig, richtig gut. Ja.
00:30:30: Sprecher 3 Ja, ja, ja, genau.
00:30:36: Sprecher 3 In dieser Folge kommt ja immer wieder raus, wie herausfordernd Hausaufgaben sein können. Ich spreche in meinem Buch Wie kommt mein Kind gut durch die Schule? Auch von Hausaufgaben als Hausfriedensbruch. Zumindest dann, wenn man nicht genau weiß, wie man Kinder dabei begleiten kann. Aber wie gesagt, in dem Buch mit dem Untertitel übrigens Notendruck, Hausaufgaben, Stress und Lernfrust gemeinsam bewältigen einen Wegweiser für die Eltern gibt es ganz viele Strategien, wie man seine Kinder bei den Hausaufgaben gut begleiten kann und wie man dafür sorgen kann, dass eben wieder Freude am Lernen gefunden wird.
00:31:08: Sprecher 3 Viele, die das Buch gelesen haben, haben gesagt Na, das ist ja wie so ein Nachschlagewerk für alle möglichen Fragen rund um Schule. Es geht sowohl um die Grundschule als auch um die weiterführende Schule zu Fragen wie Schulwahl oder die Frage nach Noten Wie kann ich da unterstützen und vieles mehr. Wenn euch das interessiert, dann schaut doch in den Shownotes und über den Link.
00:31:28: Sprecher 3 Dort könnt ihr direkt auf das Buch zugreifen und es bestellen. Wenn ihr nachgelesen habt und der Meinung seid, dass euch das weiterhilft. Übrigens wenn ihr selber Angebote habt, die Eltern interessieren könnte und die ein Mehrwert für das Publikum von der Familiensprechstunde haben, dann schreibt doch gerne auch unter Podcast Familiensprechstunde. Katia Saalfrank de Und wir machen mit euch etwas aus.
00:31:54: Sprecher 3 Wir würden uns freuen. Und jetzt geht es weiter mit der Folge.
00:32:01: Sprecher 3 Also Portionierung ist auch gut. Ortswechsel ist auch gut. Mal mit Musik versuchen. Ich weiß, Multitasking wird oft gesagt. Das ist schlecht. Aber manche schaffen das bei einfachen Aufgaben dann, sich besser zu konzentrieren. Pausen drin haben. Aber ich glaube, hier geht es nicht nicht in erster Linie um das nur Technische, sondern um die Perspektive und die Haltung dieses Kindes in Bezug auf auf Schule.
00:32:27: Sprecher 3 Und das wird ja mit den Hausaufgaben ganz viel zu tun haben. Keine Lust zu haben, wenn man jedes Mal gespiegelt kriegt. Du kannst das nicht, aber du hast recht. Also auch das spielt eine Rolle. Darüber haben wir gesprochen.
00:32:38: Sprecher 2 Absolut. Und ich. Also ich finde wichtig, dass es wirklich darum geht, diesen Ort wieder sicherer zu machen. Wir haben in einer der letzten Podcasts auch schon mal darüber gesprochen, dass Schule ein sicherer Ort sein sollte. Und dieser Ort hört sich eher nach Beschämung, Ohnmacht, Selbstzweifel an und dann gehe ich in Rückzug und es ist kein guter Ort, kein sicherer Ort.
00:32:57: Sprecher 2 Ja, und da wäre jetzt wirklich vielleicht noch mal die Frage Ab wann denkt man denn über einen Schulwechsel nach? Also wenn all das, was du jetzt gerade beschrieben hast, was wir beschrieben haben, in Dialog zu gehen, den Druck zu benennen, den Ort wieder sicherer zu machen, wieder etwas Gemeinsames, wieder in etwas Gemeinsames zu kommen. Wenn das alles schwierig ist.
00:33:18: Sprecher 2 Also ich will noch mal einen einen Hinweis geben, weil wir vorhin auch über die Rollen gesprochen haben. Einmal ist es für Eltern nicht so einfach, in ihrer Elternrolle mit Lehrern und Lehrerinnen ins Gespräch zu kommen. Jetzt haben wir beide gesagt Auch die öffentliche Rolle führt manchmal dazu, dass es noch mal verquer sich anfühlt, dass da vielleicht schon Ängste oder Bilder entstehen bei den Lehrkräften auf der anderen Seite.
00:33:44: Sprecher 2 Und das, was auch noch mal helfen könnte, Diener ist desto tatsächlich noch mal ganz gezielt dir eine Eltern und Familienberatung suchst. Dort gibt es auch immer wieder die Möglichkeit, eine fachliche Vernetzung zu machen. Das heißt dann, dass der Eltern und Familienberater, die Beraterin mit dir erstmal spricht und dann unter Umständen schaut. Kann ich vermitteln, Kann ich ein so was wie eine Mediation machen zwischen der Lehrerin und und den Eltern und im Sinne des Kindes eben das herzustellen, was du gerade auch gesagt hast, eben noch mal zu gucken, wie können wir gemeinsam wieder in etwas kommen und vielleicht die Fragen dann auch zu stellen auf einer fachlichen Ebene?
00:34:24: Sprecher 2 Was? Was denken Sie, warum ist das so? Weil es für Eltern manchmal auch, also zum einen nicht einfach ist, da ins Gespräch zu kommen. Das sage ich jetzt mal als Mutter habe ich manchmal das Gefühl gehabt, dass ich da nicht so ernst genommen werde. Ja, ich habe auch sehr viele gute Lehrer Gespräche geführt, aber es gab auch immer mal wieder andere.
00:34:42: Sprecher 2 Und das wäre noch mal so eine neutrale Stelle, wenn alle Stricke reißen und man das Gefühl hat, ich kann und will die Schule noch nicht wechseln, wir geben noch nicht auf. Ja, aber im Grunde geht es darum, dass wenn trotz dieser ganzen Bemühungen ihr das Gefühl habt, euer Sohn hat keine Möglichkeit wirklich zu lernen, das, was er eigentlich könnte, wenn er entspannt wäre und es ist kein sicherer Ort, dann wäre das sozusagen etwas, wo man über einen Schulwechsel nachdenkt.
00:35:11: Sprecher 2 Oder auch wenn die Beziehung, wenn man das Gefühl hat, die Beziehung ist so beschädigt, dass keine tragfähige Lern Voraussetzung mehr wechselseitig da ist. Ja, und wenn die Schule das Thema nicht erkennt, das Problem nicht erkennt und nicht handelt? Ja und wenn eben Das wäre für mich auch ein wichtiger Punkt, wenn eben dein Sohn weiterhin in Angst, in Rückzug oder auch in Verzweiflung rutscht und du das spürst, dann dann müssen noch mal unter Umständen tatsächlich andere Wege gesucht werden.
00:35:41: Sprecher 2 Das ist so das, was für mich unterm Strich übrig bleibt.
00:35:45: Sprecher 3 Ja und trotzdem Dina, hoffen wir das, dass du es damit schaffst, zusammen mit deinem Kind in die richtige Richtung zu gehen. Es ist ja nur wichtig, dass wir hier irgendwie keine keine Utopie nur zeichnen, sondern auch sagen. An manchen Stellen gibt es dann auch irgendwann eine Grenze.
00:36:01: Sprecher 2 Ja, und es ist eine schwere Situation und ich finde jetzt gerade im Hinblick auf das, was wir am Anfang besprochen haben, bevor wir in die Frage gegangen sind, möchte ich trotzdem noch mal dir Kraft senden, dir noch mal die Zuversicht senden, auch Vertrauen, dass die Beziehung zu deinem Sohn und auch die Verbindung, die bricht, nicht die bricht, nicht die ist.
00:36:24: Sprecher 2 Vielleicht fühlt die sich gerade hier belastet an und wenn du noch mal deine Ängste sortierst und noch mal deinen Raum der Zuversicht suchst, ja und und vielleicht auch findest, weil die Ansteckungsgefahr, das.
00:36:39: Sprecher 1 Also die Ansteckung.
00:36:40: Sprecher 2 Die emotionale Ansteckungsgefahr von Ohnmacht, von Hilflosigkeit, die dein Sohn spürt, zu dir also der er spürt es in der Schule und du spürst es in Bezug auf dein Kind. Du kannst nichts tun. Du bist ohnmächtig. Du bist hilflos. Und das stimmt nicht. Das ist nicht realistisch. Es ist dein Kind. Und ihr könnt miteinander in Kontakt kommen. Und die Frage ist, Kannst du den Druck rausnehmen?
00:37:04: Sprecher 2 Kann er spüren, dass er gesehen ist? Auch hier wieder, wie wichtig es ist, dass er sich gesehen fühlt mit seinen ganzen Themen, mit seinem Druck, den er hat. Und er hat es gerade nicht leicht. Und das schon mal nicht Nur nicht leicht, er hat es schwer und das schon mal festzustellen. Da seid ihr schon mal in einer gemeinsamen Perspektive.
00:37:24: Sprecher 2 Ja, und das stärkt eure Verbindung.
00:37:29: Sprecher 4 Ja.
00:37:30: Sprecher 2 Das war heute gar nicht so einfach, finde ich. Eine ja wirklich schwierige Situation, Bob. Vielen Dank. Es ist sehr schön gewesen, fand ich jetzt auch, Dich gerade hierbei auch mit dabei gehabt zu haben, weil es mir wirklich auch darum geht, beide Seiten zu sehen und auch die Perspektive von der Schule und auch von dir als als Lehrer immer noch mal zu hören.
00:37:53: Sprecher 2 Vielen, vielen Dank und schreibt doch gerne mal in die Kommentare wieder. Wie geht es euch mit dem Thema Schule, mit dem Thema Lehrer Gespräche? Das würde mich mal interessieren. Lehrer und Lehrerinnen Gespräche. Und ich habe ja auch Lehrer und Lehrerinnen bei mir in der super Vision, die auch immer wieder sagen wie können wir in gute Gespräche kommen mit den Eltern.
00:38:13: Sprecher 2 Und da ist immer dieser Einstieg, Bob, den du auch sagst, so erstmal zuzuhören und den jeweiligen in seiner Expertise als Eltern oder auch als Lehrkraft erstmal ernst zu nehmen und zuzuhören. Ein ganz wichtiger Punkt. Also vielen Dank ihr Lieben, Das war die Familiensprechstunde für heute. Ich danke euch fürs Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst und euren Kindern Und in der Zuversicht und im Vertrauen.
00:38:44: Sprecher 2 Und bis nächste Woche ins Liebe. Tschüss. Ciao. Ciao.
00:38:52: Sprecher 2 Das war die Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich. Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt. Eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spüre gerne nach und entschleunigen noch mal, Wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest, schreib mir gerne an Podcast, Familiensprechstunde etc. hat ja Saalfrank de.
00:39:28: Sprecher 2 Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert. Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehungs-Erfahrungen und Verbindungsmomente. Und nicht vergessen es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen.
00:39:55: Sprecher 2 Bleib nicht damit alleine. Schon ein Gespräch kann Veränderungen bringen. Ein Austausch entlasten, um Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katia.
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