Folge 21: „Ich will das nicht sehen!“ Wenn Geschichten und Filme Kindern Angst machen

Shownotes


In dieser Folge geht es um ein 7-jähriges Mädchen, das unangenehme Gefühle eher meidet — und um die Frage, was hinter dieser Vermeidung liegen könnte.

Ich spreche darüber:
• warum manche Kinder auf innere Bilder besonders stark reagieren
• was Scham, Angst und Unsicherheit mit Vermeidung zu tun haben können
• warum magisches Denken auch bei älteren Kindern noch eine Rolle spielen kann
• warum unsere eigene innere Sprache den Blick auf ein Kind verändern kann
Wie können wir Kinder dabei begleiten, mehr Sicherheit zu finden?

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In dieser Folge erwähnte Angebote und Informationen:

Der Gedanke der Woche stammt heute aus den Coaching- und Beziehungskarten für den Alltag mit Kindern von Katia Saalfrank.

Weitere Angebote:

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Transkript anzeigen

00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung. Um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katja Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.

00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungs und beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Ich freue mich sehr, dass ihr wieder mit dabei seid. Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr seid gesund und wohlauf.

00:00:57: Sprecher 1 Und heute gibt es auch wieder eine Frage und bevor wir zu der Frage kommen, möchte ich gerne wieder einen Gedanken mit dir teilen, der vielleicht auch ein Gedanke sein kann. Werde ich in Bezug auf dein Kind begleiten kann in dieser Woche. Und den du einfach mitnimmst. Und dieses Mal kommt der Gedanke aus meinen Coachingkarten für den Familienalltag. Vielleicht kennen die Coachingkarten schon einige von euch.

00:01:24: Sprecher 1 Die gibt es auch in meinem Shop und das sind ganz hilfreiche kleine Gedanken auf Coaching Karten, die ganz vielfältig einsetzbar sind. Ihr könnt die im Familienalltag nutzen als kleine Erinnerung an Beziehungs Sätze, die ganz konkret zur Entlastung in schwierigen Situationen dienen können. Und Ziel dieser Karten ist es, euch als Eltern zu bestärken und bindungs und beziehungsorientiert zu unterstützen.

00:01:52: Sprecher 1 Und es gibt auch die Möglichkeit Natürlich, immer wieder werden die auch bestellt von Fachkräften, also auch auf professioneller Ebene, die Karten zu nutzen für die pädagogische psychologische Praxis als Pädagoge, als als Erzieherin, als Erzieher, auch für Familien Hilfen oder eben auch Eltern und Familien Beraterinnen. Und man kann die Karten eben für die eigene Familie nutzen. Man kann sie als Postkarte verschicken, man kannte sie als Gesprächsgrundlage auch zwischen Eltern nutzen Impulshilfe könnten sie sein, Ermutigungen an den Kühlschrank usw und so fort.

00:02:32: Sprecher 1 Und die Themenbereiche beziehen sich auf so was wie Grundannahmen aus der Entwicklungspsychologie. Auch die Frage Wo wollen wir eigentlich hin mit unseren Kindern? Was soll die Beziehung bewirken? Also so was wie Erziehungsziele? Dann geht es auch um unsere eigenen Grenzen, um Autonomie und Beziehung, um die Autonomiephase, insbesondere aber auch Struktur und Rituale im Familienalltag. Und das Ganze eben auch noch mal auf Konflikte und Konflikte klären bezogen.

00:03:02: Sprecher 1 Und vielleicht noch wichtig zu wissen, dass der Kartensatz aus 81 Karten besteht, der in diese unterschiedlichen Bereiche unterteilt ist. So, jetzt aber zu dem Gedanken. Ich habe eine Karte rausgesucht, die sich im Bereich Autonomie und Beziehung bewegt und der Gedanke heißt Mein Kind lernt, mit seinen Gefühlen umzugehen und sich sprachlich auszudrücken. Also ich finde das einen ganz wichtigen Gedanken.

00:03:31: Sprecher 1 Der hat mir selbst in meiner Mutterschaft auch immer wieder geholfen. Und natürlich ist das etwas, was ich heute sehr schnell auch spüre in der Praxis. Wenn wie ich, wenn ich mit Eltern zusammen bin und sie erzählen, wie ihre Kinder sich verhalten, dass wir immer noch mal wieder ein Stück zurücktreten innerlich und uns noch mal klar machen. Uns verdeutlichen, dass unsere Kinder lernen und Erfahrungen machen mit ihren eigenen Gefühlen und noch gar nicht in Anführungsstrichen fertig sind, gar nicht fertig entwickelt sind und dass sie dafür auch erst Sprache benötigen.

00:04:07: Sprecher 1 Und das ist sozusagen dann auch ein Teil der Coregulation. Vielleicht hilft euch ja dieser Gedanke, auch im Alltag noch mal einen Schritt zurückzugehen, wenn ihr gerade ja eure Kinder in starken Gefühlen seht oder ein intensives Verhalten wahrnimmt. Dass ihr euch diesen Gedanken noch mal vergegenwärtigt. Dass Kinder erst lernen, damit umzugehen. Mit den schweren Gefühlen, mit den nicht nur mit den schweren, sondern auch mit den leichten.

00:04:34: Sprecher 1 Manchmal sind sie ja auch überdreht. Und dass sie dafür noch keine Sprache haben und das auch erst lernen dürfen, sich darüber zu äußern. Ich schaue ja immer ein bisschen, dass der Gedanke, der Satz, den ich zu Anfang hier rein gebe, auch zur Frage passt. Ein bisschen zumindest. Und auf der anderen Seite auch noch Raum für eigenes lässt. Also ihr dürft ihn mitnehmen, ihr müsst aber nicht, Ihr könnt ihn auch einfach hier liegen lassen.

00:05:00: Sprecher 1 Heute hat mir Helena geschrieben. Helena heißt natürlich wieder anders. Ihr wisst das schon und hat mir geschrieben an Podcast, Familiensprechstunde. Katja Saalfrank Helena schreibt.

00:05:18: Sprecher 1 Liebe Katja, mich würden deine Impulse und Gedanken zum Thema Umgang mit unangenehmen Gefühlen interessieren. Es geht um meine 7-jährige Tochter. Sobald es um unangenehme Gefühle wie Scham und oder Traurigkeit geht, geht sie in die Vermeidung. Ich versuche gerne an Beispielen die Situation etwas genauer zu erklären. Sie will keine Filme sehen, da sie darin die Emotionen nicht aushalten kann.

00:05:43: Sprecher 1 Sobald ein Buchcover in die Richtung geheimnisvoll oder emotionsreich hindeutet, wie zum Beispiel geheimnisvolle Insel, will sie es nicht lesen. Sie selber sagt, sie möchte nicht etwas lesen oder sehen, das unheimlich oder gruselig ist. Eine Stimme in mir sagt, dass das völlig okay ist, dass sie ihr eigenes Tempo hat im Umgang mit unangenehmen Gefühlen. Die andere Stimme in mir sagt, ich sollte sie darin ermutigen und begleiten, dass sie sich der Herausforderung stellen kann.

00:06:11: Sprecher 1 Nur wie allgemein geht sie mit unangenehmen Gefühlen in eine Vermeidungstaktik? Auch wenn ihr aus Versehen etwas kaputt gegangen ist, meidet sie es, es mir zu erzählen. Dabei ist mir ganz wichtig, dass ich wertfrei unterwegs bin und lebe auch vor, dass Fehler Helfer sind. Ich bin transparent, wenn mir ein Missgeschick passiert. Ich versuche auch stark darauf zu achten, falls ich mal wütend werde.

00:06:32: Sprecher 1 Dass ich immer benenne, dass die Sache, das Verhalten mich ärgert und nicht sie als Person. Mein Mann wiederum ist in der Streitkultur nicht ganz so wertfrei unterwegs, gibt sich aber Mühe, es zu ändern. Ich freue mich sehr auf deine Gedanken und hoffe meine Frage schafft es in den Podcast. Habe sie, falls es wichtig ist. Unsere Familie besteht aus Papa und Mama und sie hat noch einen 4-jährigen Bruder.

00:06:55: Sprecher 1 Liebe Grüße Helena.

00:07:02: Sprecher 1 Ja, also erstmal vielen Dank für die Frage und wir schauen uns das wieder an und versuchen ein bisschen zu gucken, welche Dynamiken vielleicht dahinter wirken und vor allen Dingen die Zusammenhänge erst mal wahrzunehmen und besser zu verstehen. Bevor wir dann deine Frage aufnehmen Wie kannst du das machen? Gibt es überhaupt was zu tun und worin kannst du sie unterstützen?

00:07:28: Sprecher 1 Ja, zuerst ist mir noch mal wichtig zu sagen Du hast von unangenehmen Gefühlen gesprochen. Das ist schon richtig. Also Scham oder auch Traurigkeit können sich unangenehm anfühlen. Ich finde es immer für mich persönlich angenehmer, von von schweren Gefühlen zu sprechen. Also etwas fühlt sich schwer an oder auch leichter. Ja, weil da ja auch dann oft schwere Gedanken jetzt mit einhergehen.

00:07:53: Sprecher 1 Deine Tochter ist jetzt zwar erst sieben, aber auch schon sieben, das heißt sie hat auch schon bestimmte Gedanken zu ihren Gefühlen und das könnte sich schwer anfühlen. Und du interpretierst jetzt erstmal, dass es um Scham und oder um Traurigkeit geht und hast aber dieses Beispiel von dem Buchcover genannt, von der geheimnisvollen Insel. Und da ist ja erstmal Scham, unter Umständen kein Gefühl, was man daraus jetzt assoziieren könnte.

00:08:26: Sprecher 1 Da müsste ja vielleicht schon ein Gedanke dann mit dabei sein. Oder auch eine Traurigkeit ist da ja erstmal aus diesem Cover nicht zu erwarten. Ja, das ist vielleicht eine Assoziation, die, die du hast, weil du deine Tochter besser kennst, weil du vielleicht auch noch andere Beispiele im Kopf hast, die du jetzt hier gar nicht geschrieben hast. Aber mir ist noch mal wichtig zu sagen, dass es eventuell um einfach Gefühle gehen kann, gar nicht so um sozusagen negative Gefühle.

00:08:59: Sprecher 1 Diejenigen, die mich ein bisschen länger schon kennen und verfolgen, die wissen, dass ich ja gar nicht von positiven und negativen Gefühlen spreche, sondern eben von schweren und von leichteren Gefühlen spreche. Und auch eine Traurigkeit kann sich ja erst mal, wenn ich sie alleine erlebe, ganz schwer anfühlen. Und sobald ich vielleicht meine Trauer mit jemandem teile, ist die Trauer nicht weg.

00:09:19: Sprecher 1 Aber es fühlt sich ein bisschen leichter an. Ja, und bei dem Titel Geheimnisvolle Insel. Ich finde das Beispiel sehr, sehr schön, weil es so deutlich macht, dass es vermutlich erstmal gar nicht um ein Gefühl geht, sondern dass es um den Zustand geht, wenn viele Gefühle da sind. Also geheimnisvoll kann ja alles sein, da kann ja eine Freude mit drin sein, da kann auch eine Angst mit drin sein.

00:09:44: Sprecher 1 Also irgendwie etwas, etwas Großes, Geheimnisvolles, wo ich nicht genau weiß, was auf mich zukommt. Ja, und das könnte vielleicht erst mal sein, dass wir das sozusagen noch mal ein Stück von der Interpretation, die du jetzt schon getroffen hast, dass es um Scham geht. Da können wir nachher auch noch mal dazu kommen, weil du sprichst ja auch noch mal von anderen Situationen und Traurigkeit.

00:10:09: Sprecher 1 Aber dass wir es erstmal so von diesen festgelegten Gefühlen wegnehmen und erstmal feststellen, dass etwas passiert oder dass sie etwas assoziiert, was ihr offensichtlich dann in der Assoziation, in der Erwartung innerlich zu viel werden könnte und sie deshalb als Strategie erstmal gewählt hat, da gar nicht hinzugucken. Und da geht es natürlich um das Basis Grundbedürfnis Sicherheit als es fühlt sich für Sie nicht sicher genug an, sich dem Buch zu widmen.

00:10:45: Sprecher 1 Mit dem Cover Die geheimnisvolle Insel? Ja, und das ist ja erstmal finde ich etwas, was ich jetzt gar nicht mehr so groß anfühlt und wo man vielleicht auch sofort das Gefühl hat, man müsste was tun, sondern man kann das erst mal feststellen, dass sie da ein gutes Gefühl hat für sich, dass sie für sich feststellt Da kommt etwas auf mich zu, was ich nicht abschätzen kann.

00:11:09: Sprecher 1 Und da lasse ich das Buch Cover erstmal auf mich wirken und lasse es aber zu und gehe der Geschichte erst mal gar nicht nach. Das heißt, es geht um viele Gefühle und vielleicht erst mal gar nicht nur um so schwere oder starke Gefühle, sondern es geht um Gefühle, die sie gar nicht absehen kann. Und das heißt, sie scheint jetzt nicht nur keine Lust auf irgendwelche Inhalte zu haben, sondern und das meinte ich eben, sie hat da eine Strategie entwickelt, sie schützt sich vor innerer Überflutung.

00:11:43: Sprecher 1 Ja, und das heißt, wenn du jetzt das als Vermeidung interpretierst, ist das erst mal keine Störung in Anführungsstrichen, die man irgendwie wegkriegen muss, sondern das ist eine ganz sinnvolle Strategie. Ich gehe weg von etwas, das ich in mir erstmal zu groß anfühlt. Ja, also sie vermeidet das ist das, was du siehst? Ja, Filme, Bücher oder Geschichten. Sobald es sich für sie emotional, geheimnisvoll, unheimlich oder gruselig anfühlt.

00:12:19: Sprecher 1 Das zweite, was du noch sagst, ist, dass sie offenbar Situationen vermeiden möchte oder oder mit Scham und Traurigkeit reagiert, in denen sie mit Schuld konfrontiert ist, also ein Missgeschick passiert oder etwas ist kaputt gegangen. Das heißt noch mal weiterführend, dass nicht nur sie etwas vermeidet oder oder sich schützt, wenn etwas zu viel werden könnte, sondern auch, wenn sie nicht weiß, wie sie mit dem Gefühl, mit dem einzelnen Gefühl umgehen soll.

00:12:52: Sprecher 1 Und dann geht sie aus dem Kontakt mit der Situation heraus erst mal und es ist, finde ich, auch etwas, was du erstmal sehr, sehr schön wahrnimmst, dass du so merkst, sie hat da eine Schutzstrategie und ich habe es jetzt erstmal nur sortiert in diese zwei Bereiche, nämlich einmal, dass es viele Gefühle sind, die sie nicht halten kann oder möchte oder die sie auf sich zukommen sieht und dann auch einzelne Gefühle, wo sie nicht weiß, wie kann ich die regulieren, wo kann ich damit hingehen?

00:13:24: Sprecher 1 Ja, das ist erst mal wirklich ganz wertvoll, dass du das so wahrnehmen kannst. Wichtig finde ich noch mal, dass wir es wirklich erst mal nur wahrnehmen und nicht sofort interpretieren, weil wir ansonsten Gefahr laufen, dass wir ja den Menschen, mit dem wir im Kontakt sind, festlegen oder zu früh festlegen auf ein bestimmtes Verhalten oder auf eine bestimmte Interpretation und dann innerlich gar nicht mehr wirklich offen sind für anderes.

00:14:00: Sprecher 1 Impulse zum Mitnehmen. Du darfst mal auf deine eigene innere Sprache achten und wie du über dein Kind denkst und auch Zusammenhänge im Außen formulierst. Denn die Worte, die wir in unserem Kopf für das Verhalten eines Kindes finden, beeinflussen oft auch, wie wir auf das Kind schauen und wie wir uns über es äußern. Schnell sind wir bei Zuschreibungen und legen den anderen dann auf das, was wir denken, fest.

00:14:24: Sprecher 1 Es macht einen Unterschied, ob wir denken Mein Kind wendet eine Vermeidungstaktik an oder ob wir innerlich formulieren. Es scheint so, als würde mein Kind bestimmten Gefühlen ausweichen. Es macht auch einen Unterschied, ob wir denken, mein Kind hält unangenehme Gefühle nicht aus. Oder es scheint, als würden bestimmte Gefühle für mein Kind gerade schnell zu groß. Diese kleinen, aber feinen sprachlichen Verschiebungen können innerlich Raum schaffen.

00:14:52: Sprecher 1 Aus einer Zuschreibung entsteht keine Festlegung. Es wird eine Möglichkeit. Aus einer bereits bewerteten und fertigen Beobachtung des Verhaltens wird eine vorsichtige Wahrnehmung. Und Sprache ist ein mächtiges Instrument. Wenn wir so in dieser Art und Weise einen Schritt zurücktreten, bleibt der eigene Blick beweglicher und offen für weitere Interpretationen. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Beobachtungen nicht ernst nehmen dürfen.

00:15:20: Sprecher 1 Es bedeutet erstmal, dass wir sie nicht so schnell zur Tatsache machen. Gerade wenn wir Kinder begleiten, kann es hilfreich sein, innerlich und auch im Außen im Konjunktiv zu bleiben. Es könnte sein, dass mein Kind sich schützt. Es scheint gerade Abstand zu brauchen. Es könnte sein, dass Scham, Angst oder Unsicherheit eine Rolle spielen. Diese Art zu denken und zu sprechen, hält uns offener.

00:15:44: Sprecher 1 Sie verhindert, dass wir ein Kind innerlich festlegen und schon alles bewertet haben. Und sie unterstützt uns dabei, nicht vorschnell zu reagieren, sondern erst einmal genauer hinzuschauen Was könnte mein Kind gerade erleben? Was braucht es jetzt, um sich wieder sicherer zu fühlen?

00:16:04: Sprecher 1 So, und jetzt könnten wir noch mal so ein bisschen gucken Was liegt eigentlich für eine Dynamik hinter einer möglichen Vermeidung? Die Vermeidung könnte ein Versuch sein, wieder mehr Selbstschutz herzustellen. Ja, das könnte sein, dass deine Tochter Gefühle wie Scham, Traurigkeit, eine innere Anspannung oder auch eine Angst nicht als vorübergehenden Zustand erlebt hat oder noch nicht erlebt hat, sondern als etwas, was sie eben komplett überflutet und sie vollkommen einnimmt.

00:16:37: Sprecher 1 Und dann ist sozusagen der Ausstieg aus der Situation oder der Rückzug die Vermeidung für sie eine Möglichkeit, wieder Kontrolle zu bekommen. Also das heißt nicht eigentlich die Vermeidung, die du hier wahrnimmst oder das dem nicht begegnen wollen ist. Das ist das eigentliche Thema oder das eigentliche Problem, wenn man so will, in Anführungsstrichen, sondern eher die fehlende innere Sicherheit im Gefühl, im inneren Gefühl und die fehlende Erfahrung und vielleicht die Größe, in der ihr das Ganze begegnet.

00:17:15: Sprecher 1 Also das könnte so das eine sein und wir könnten noch mal so gucken, die diese starke Reaktion, das ist ja wirklich auch ich näher mich dem gar nicht. Du wirst das ja wahrscheinlich probiert haben. Du hast ja bestimmt schon ein paar Strategien auch angewendet und ich will noch mal einen Gedanken reinbringen, was eben auch sein könnte, dass deine Tochter, da kennst du sie natürlich viel, viel besser und du kannst das ja mal mitnehmen und ihr könnt das ja, um diejenigen, die das kennen, von euch vielleicht auch mal bei euren Kindern so ein bisschen in Resonanz gehen.

00:17:46: Sprecher 1 Wie ist das? Könnte es sein, dass sie einfach auf Stimmungen, auf Bilder, auf Zwischentöne, auf etwas Mögliches, was sie assoziiert, einfach sehr stark reagiert? Kinder in diesem Alter aber auch. Insgesamt gibt es einfach Kinder oder auch Erwachsene, die eben Geschichten nicht mit einem Abstand erleben und das auch nicht in einen Abstand bringen können, sondern sehr unmittelbar erleben. Ja, das heißt, sie sind dann schon innerlich mehr drin, fast drin.

00:18:20: Sprecher 1 Die fühlen sich ganz doll reingezogen in diese Geschichte und haben gar nicht die Möglichkeit, sich davon innerlich zu distanzieren und zu sagen, das ist in Anführungsstrichen nur eine Geschichte, ja, dann reicht eben schon ein Buchcover oder ein Titel, um die Fantasie und diese Anspannung, diese innere Anspannung so stark zu aktivieren, dass ich da gar nicht hin möchte. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt.

00:18:45: Sprecher 1 Ich liebe ja Filme sehr und Serien und lasse mich auch immer wieder sehr gerne in Geschichten reinziehen. Und was ich aber sehr meide, muss ich jetzt mal sagen, sind Horrorfilme. Natürlich gibt es da irgendwie auch bestimmte Filme, die sind schon so überzeichnet, oder Die habe ich auch mehrfach gesehen. Da weiß ich dann, was passiert, da kann ich dann irgendwie mitgehen.

00:19:06: Sprecher 1 Aber grundsätzlich so ein Horror Thrill, der wirklich wo man, wo man sozusagen wie bei einem Verkehrsunfall dazu guckt und die Protagonisten, die man liebgewonnen hat, kommen aus der Situation nicht mehr raus. Das ist etwas, dem setze ich mich nicht aus, weil ich glaube, dafür bin ich zu. Vielleicht bin ich zu überempfindlich. Ich fühle dann so mit und es ist begleitet mich einfach in den Bildern auch so lange, dass das für mich kein Vergnügen ist.

00:19:32: Sprecher 1 Also es gibt ja Menschen, die da wirklich da sich auch anders nähern können und da auch eine Begeisterung für haben. Aber ich kenne mich da selbst an dieser Stelle und kann mir an dieser Stelle ganz schlecht sagen es ist nur ein Film, es ist nur eine Geschichte. Oder ich bin dann die ganze Zeit nur damit beschäftigt, mir das zu sagen, dass ich denke ne, also da ist so eine innere Anspannung.

00:19:53: Sprecher 1 Dann gucke ich lieber was anderes, wo ich mich wirklich reingeben kann und wo ich gerne zu gucken, wo es spannend ist. Also Thriller liebe ich schon sehr, aber Horror muss es dann nicht sein. Also so könnte es eben auch bei deiner Tochter sein, Helena, dass sie ja dass sich das für sie eben schon so unkontrolliert anfühlt, dass sie sich davon nicht distanzieren kann und dass sie da schon so starke Bilder hat.

00:20:18: Sprecher 1 Fast so ein bisschen was wie eine emotionale Sensibilität. Ich will jetzt nicht sagen Hochsensibilität, weil das bei der Begriff so belegt ist, aber das Ja ist ja etwas, was in dem Alter auch nicht unüblich ist. Und da komme ich noch mal zu einem weiteren Gedanken, nämlich dem magischen Denken. Also Kinder haben ja in einem bestimmten Alter im Vorschulalter eine magische Phase.

00:20:46: Sprecher 1 Impulse zum Mitnehmen. Magisches Denken beginnt typischerweise im Kleinkindalter etwa ab 2 bis 3 Jahren und ist besonders stark im Vorschulalter, also ungefähr zwischen vier und sechs Jahren ausgeprägt. In dieser Zeit fließen Fantasie, innere Bilder, Wünsche, Ängste und Realität noch sehr leicht ineinander. Mit etwa 6 bis 7 Jahren beginnt bei vielen Kindern eine stärkere Hinwendung zur Realität, zu logischem Denken und zu überprüfbaren Erklärungen.

00:21:14: Sprecher 1 Aber das magische Denken verschwindet nicht plötzlich. Gerade in unsicheren, angstbesetzten oder emotional aufgeladenen Situationen kann es auch bei älteren Kindern noch wirksam sein. Kinder möchten die Welt verstehen. Das zeigen uns auch ihre vielen Warum fragen? Gleichzeitig sind sie in den ersten Kindheitsjahren einer Fülle an Eindrücken, Geräuschen, Bildern, Gefühlen und Körperempfindungen ausgesetzt, die sie noch nicht rational einordnen können.

00:21:41: Sprecher 1 Was ein Kind noch nicht versteht, deutet es deshalb auf seine Weise, da ihm noch nicht ausreichend rationale Erklärung zur Verfügung stehen. Nutzt es Fantasie, um diese Eindrücke zu ordnen? So entsteht eine innere Welt, in der Fantasie und Wirklichkeit ineinander fließen. Das nennen wir magisches Denken. Erlebtes und Erdachte vermischt sich. Wissenslücken werden mit eigenen, oft phantasievollen oder magischen Erklärungen gefüllt.

00:22:08: Sprecher 1 Das ist kein falsches Denken, sondern ein entwicklungsbedingter Versuch, die Welt verstehbarer und für sich handhabbarer zu machen. In dieser magischen Phase können Kinder auch vermehrt Ängste entwickeln. Ein Vorhang kann im Halbdunkel plötzlich wie eine Gestalt wirken. Ein Knacken im Holz kann bedrohlich erscheinen, weil das Kind es noch nicht einordnen kann. Und wenn nachts vertraute Orientierungspunkte verschwinden, kann sogar das eigene Zimmer fremd wirken.

00:22:35: Sprecher 1 Wie stark ein Kind dadurch verunsichert wird, hängt auch von seinem Wesen und von den Erfahrungen des Tages ab. Gruselige Geschichten, überfordernde Bilder, spannende Filme oder aufregende Spiele können nachts größer werden, besonders dann, wenn das Kind darüber nicht sprechen konnte. Gleichzeitig können Fantasie und Geschichten jedoch auch sehr hilfreich sein, weil sie eine ähnliche Sprache sprechen wie das kindliche Erleben.

00:22:59: Sprecher 1 Sie greifen Ängste, Gefahren und innere Konflikte auf und können zugleich Mut, Hoffnung und auch Lösungswege aufzeigen. Wichtig ist dabei, dass Kinder mit ihren Eindrücken nicht alleine bleiben. Sie brauchen Erwachsene, die zuhören, die mit ihnen die Geschichten lesen, einordnen und Sicherheit geben. Nicht im Sinne von Das ist doch Quatsch, da ist nichts, sondern eher Ich sehe, dass dir das gerade Angst macht.

00:23:23: Sprecher 1 Ich bin da. Wir schauen zusammen und verschwindet. Magisches Denken nicht vollständig. Auch wie Erwachsenen suchen immer wieder nach Mustern, Sinn und Ordnung. Besonders dann, wenn wir wenig Kontrolle erleben. Bei Krankheiten, Prüfungen, Beziehungen oder anderen unsicheren Situationen versuchen wir innerlich das Unkontrollierbare irgendwie begreifbarer zu machen. Auch hier sind wir wieder bei dem wichtigen Grundbedürfnis Sicherheit. Safety first. Magisches Denken kann also eine innere Strategie sein, um Unsicherheit zu ordnen, Angst zu reduzieren und wieder etwas mehr Halt und Kontrolle zu finden.

00:24:04: Sprecher 1 Also. Und deine Tochter Helena ist ja jetzt gerade sieben und hier könnte so ein bisschen ja eine Schwelle sein. Ja, also das magische Denken ist ja nicht mehr in der Weise ausgeprägt, wie das, in dem in dem Vorschulalter so ist. Und gleichzeitig gibt es ja auch so was wie eine Schwelle zwischen Fantasie und Realität. Und mit den sieben Jahren ist sie noch sehr nah an der magischen Phase dran oder könnte da noch nah dran sein.

00:24:37: Sprecher 1 Auch wenn das logische Denken und die Vernunft und das sich erklären können ja auch schon stärker ist. Aber gerade geheimnisvolle, unheimliche oder auch emotional dichte Inhalte, die sie antizipiert, auch das Antizipieren ist ja jetzt schon ein bisschen da, könnte dann innerlich einfach sehr viel und sehr real wirken. Und dann geht es nicht nur darum, einfach zu vermeiden, sondern sich tatsächlich auch vor diesen Bildern zu schützen, die ihr zu groß und zu lebendig.

00:25:08: Sprecher 1 Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt. Zu lebendig oder zu schwer auch unterscheidbar werden. Da kann schon ein Buch, Cover oder ein Titel oder eine Film Stimmung schon reichen, um innere Szenen irgendwie auszulösen. Also sie muss den Film zum Beispiel gar nicht gesehen haben, sondern eine Andeutung genügt schon. Und vielleicht hier schon mal ein kleiner Hinweis, den Du aber glaube ich, gar nicht so brauchst.

00:25:34: Sprecher 1 Ich sage es trotzdem mal ja, dass es um Anerkennung geht. Also anzuerkennen und weniger zu drängen, sondern wirklich anzuerkennen, dass es ihre innere Wirklichkeit in diesem Moment ist, die sehr intensiv sein kann. Das heißt, es geht vielleicht. Ja, also ich spreche im Konjunktiv. Vielleicht geht es nicht nur um unangenehme Gefühle, also um schwere Gefühle wie Scham oder Traurigkeit und auch nicht nur um viele Gefühle, sondern vielleicht geht es auch um eine besonders starke Vorstellungskraft, um innere Bilder, die groß werden und dann eben auch um eine Unsicherheit in ihr und eine Angst eben hier, die noch nicht so ganz stabile Grenze zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu halten bzw auch halten zu können.

00:26:27: Sprecher 1 Jetzt komme ich mal zu deiner Vermutung, dass es hier um Scham geht und vielleicht auch um Traurigkeit. Also wichtig ist noch mal zu wissen, dass Scham sich tatsächlich ja auch mit dem Schuleintritt ich nehme an, dass deine Tochter auch in der Schule ist, sich ja auch noch mal anders entwickelt. Da geht es dann auch immer mal wieder um Beschämung und du schreibst, dass du gerne wertfrei agieren möchtest.

00:26:55: Sprecher 1 Und trotzdem kann es sein, dass deine Tochter innerlich sehr streng mit sich selbst ist. Und vielleicht ist da auch noch mal wichtig, dass es eben weniger so ist, dass die Kinder das, was wir an Rückmeldungen geben, auf ihr Verhalten beziehen, sondern sehr schnell als Kritik oder als Infragestellung am Ganzen selbst erlebt wird. Also mit mir stimmt etwas nicht.

00:27:23: Sprecher 1 Also auch wenn wenn du jetzt dich über etwas ärgerst bei ihr und ihr dann sagst das hast du nicht gut gemacht oder Ich ärgere mich, dass du das so gemacht hast und noch mal betonst, dass es um das Verhalten geht und nicht um sie, dann ist das ja sehr kognitiv. Ja, und das können ja viele Erwachsene auch schon nicht auseinanderhalten.

00:27:44: Sprecher 1 Wie sollen das Kinder schaffen? Also wäre noch mal die Frage, wie kannst du da dann in Anführungsstrichen Kritik üben oder dich positionieren? Und das wäre vielleicht noch mal ein anderer Podcast, aber vielleicht kannst du da noch mal so ein bisschen drauf achten Wie viel Schwerpunkt gibst du auf ein Gefühl, was du vermutest, dass sie das auslöst? Also es ist ja auch so ein bisschen, wenn du sagst, wenn du wütend bist oder dich ärgerst, dann meldest du ihr Rück, dass du also dich über ihr Verhalten ärgerst und nicht, dass du sie selbst in Frage stellst.

00:28:18: Sprecher 1 So verstehe ich dich. Und gleichzeitig ist dieser Unterschied so marginal und so schwierig, finde ich, auch für Kinder auseinanderzuhalten. Das wissen wir auch, dass sie das eben noch nicht auseinanderhalten können. Wie gesagt, viele Erwachsene können das nicht. Und ja, da wäre so ein bisschen die Frage Mit welchem Ziel meldest du rück, dass du dich gerade ärgerst? Kannst ja mal bei dir gucken.

00:28:41: Sprecher 1 Ich finde das auch gar nicht so einfach. Ist da bei dir vielleicht auch sowas zu spüren wie Weil du dich so verhältst, geht es mir jetzt gerade so, wie es mir geht. Also dass sozusagen auch Scham durchzogen ist mit ein bisschen Schuld, was sie dann auch fühlt. Ja, dann könnte man wieder das wäre vielleicht aber dann tatsächlich noch mal entweder ein anderer Podcast oder tatsächlich eine Einzelberatung.

00:29:03: Sprecher 1 Noch mal gucken. Ja, wie gehst du mit deinem Gefühl Wut um? Was signalisierst du da? Was sind das für Botschaften? Also da sind Kinder oft sehr, sehr feinfühlig und kriegen da auch kleinste Resonanzen mit. Wenn wir sozusagen die Wut nicht bei uns belassen, sondern eben sie darauf beziehen, was die Kinder gemacht haben. Weil du so bist, wie du bist, geht es mir schlecht, bin ich wütend.

00:29:27: Sprecher 1 Ja, das gebe ich jetzt einfach mal so als Gedanken mit rein. Und ich finde deine Art und Weise, wie du es beschreibst, mit mit Fehlern sozusagen umzugehen, die kann ich gut nachvollziehen. Ich kann aber auch gut nachvollziehen, dass sie erst mal Dinge, die kaputt gegangen sind oder die darauf hinweisen könnten, dass Fehler in eurer Interpretation als Eltern entstanden sind, dass sie da nicht auf euch zukommen möchte, weil auch das vielleicht für sie schnell zu groß werden kann.

00:29:58: Sprecher 1 Und da geht es jetzt vielleicht also vermutlich gar nicht um das Thema Angst vor Strafe, sondern um die Sorge, die Angst vor dem Moment des Gesehen werdens mit etwas, was nicht gelungen ist oder was einem passiert. Also jetzt sieht jemand, dass mir etwas passiert ist. Ja und Kinder, das ist so meine Erfahrung, denken ja erst mal weniger in dieser Fehlerkultur oder in dieser Kultur, wo Fehler vorkommen, sondern sie beziehen ja vieles auf sich und die Frage Bin ich anerkannt?

00:30:30: Sprecher 1 Gehöre ich dazu? Bin ich verbunden? Bin ich geliebt? Entspreche ich den Erwartungen meiner geliebten Person? Also Mama und Papa. Und da ist ja dann etwas, was kaputt gegangen ist, ja dann schon etwas, was einen beschäftigen kann. Oder auch die eigene innere Frage. Ich hätte es gerne anders gehabt. Also ich hätte es gerne anders gemacht. Ich wollte das gar nicht, dass das kaputt geht.

00:30:53: Sprecher 1 Also so was wie ein kleiner Knick in der eigenen Selbstwirksamkeit, in der eigenen Autonomie, wo etwas nicht so aufgegangen ist, wie ich das erwartet habe als 7-jährige. Auch das braucht vielleicht ein bisschen Entschleunigung. Also eben nicht so schnell jetzt den Fehler sozusagen. Fehler in Anführungsstrichen, den vermeintlichen Fehler, das Missgeschick positiv umzudeuten, sondern eben auch einen kleinen Raum zu lassen für diesen Moment der emotionalen Regulation.

00:31:26: Sprecher 1 Oh, die ist das passiert. Du hättest es gerne anders gehabt und nicht so schnell. Das weiß ich jetzt nicht, ob das bei euch der Fall ist, aber ich erlebe das meine ich mal, dass wir dann sehr schnell sagen Ist doch nicht schlimm, oder Ist doch gar nicht schlimm, Die Mama ist gar nicht böse, oder? Es ist ja nichts passiert.

00:31:42: Sprecher 1 Doch, es ist was passiert. Und klar, Fehler sind Helfer. Das so zu interpretieren kann hilfreich sein, ist aber auch kognitiv erst mal sehr. Ja, und manchmal brauchen Kinder erst mal sozusagen einen, einen kleinen Raum, einen kleinen Schutz vor dieser Scham und auch die Möglichkeit, dann mit sich selbst zu sein und sich da zu regulieren. Oder jemanden, der sie da auch reguliert, indem er ja vielleicht gar nicht so doll hinguckt oder eben es vor allen Dingen nicht schnell wieder weg macht.

00:32:14: Sprecher 1 Ja, weil dann fühlt man sich ja vielleicht auch nicht so ernst genommen, sondern erst mal wirklich ja, das ein Stück auch auszuhalten. Also ich erlebe das oft in der Praxis, dass Eltern das Gefühl haben, einen Fehler in Anführungsstrichen gemacht zu haben. Und wenn ich dann sagen würde Ist doch gar nicht schlimm oder wir machen das jetzt ganz schnell wieder weg.

00:32:35: Sprecher 1 Ja, spür mal rein, spürt mal rein, ob ihr, ob euch das helfen würde, wenn euch etwas passiert ist mit allen Gefühlen, die dann auch kommen. Und wenn dann sozusagen der andere sagt Ist doch gar nicht schlimm. Also wir sind vielleicht kurzfristig entlastet, aber das Gefühl ist irgendwie nicht so richtig weg. Und manchmal ist es ja dann auch so, dass wir uns mit einem schweren Gefühl, was da so dranhängt an dem, was passiert ist und was auch an Gedanken da ist, dass wir uns da gar nicht ernst genommen fühlen.

00:33:06: Sprecher 1 Und dieses erst mal ernst genommen zu sein, das ist vielleicht gar nicht so unwichtig. Und ich will noch eine kleine Interpretation von mir reingeben. Ich finde es unheimlich schwierig, über Fehler zu sprechen. Also natürlich gibt es bestimmte Bereiche, da kann man sachlich feststellen, dass ein Fehler passiert ist, wenn man sich in Mathematik verrechnet hat oder so, das kennen wir alle und unterm Strich steht dann eine falsche Zahl, eine verkehrte Zahl.

00:33:33: Sprecher 1 Dann haben wir uns verrechnet und das ist ein Fehler, das kann man anstreichen. Ich finde, so in Beziehungen und im Miteinander gibt es weniger wirklich in Anführungsstrichen Fehler, die wir machen, als eher Umwege, die wir gehen und Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Also ihr kennt ja dieses Bild der Reise, was ich immer habe, was sozusagen ja symbolisch für das ganze Leben gilt, aber letztlich ja auch für jeden Tag.

00:33:59: Sprecher 1 Die Reise, die wir jeden Tag machen, den Waldweg, den wir jeden Tag mit unseren Kindern gehen. Und in diesem Sinne ist das gemeint, dass wir eben auch auf diesem Weg manchmal Umwege gehen, in Klammern gehen müssen, weil wir gar nicht direkt zum Ziel kommen, warum auch immer. Das erklärt sich ja dann oft immer erst in der Rückschau, wenn wir dann noch mal gucken, was war da eigentlich?

00:34:21: Sprecher 1 Und gleichzeitig ist ein Umweg eben auch eine Chance. Insofern, und da bin ich ganz bei dir, Helena. Also ein Helfer, weil es erhöht die Ortskenntnis. Ja, und ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen als Mutter Was meint ihr, an wie viel Stellen ich in meiner Mutterschaft vorbeigekommen bin? Auf der Reise, auf dem Waldweg, die gar nicht vorgesehen waren, auf meinem Kompass und wo ich gar nicht wusste, dass ich da hinkomme.

00:34:48: Sprecher 1 Und doch waren die Umwege dafür da, um die Ortskenntnis auszubauen und auch eben oft hilfreich. Und das finde ich gar nicht so unwichtig, Um das eigentliche Ziel noch mal zu justieren. Also wenn wir jetzt noch mal so auf diesen Konflikt gucken, dass es Konflikte gibt bei euch, also die unterschiedliche Streitkultur, kann man das so sagen zwischen euch beiden, zwischen dir und deinem Mann?

00:35:15: Sprecher 1 Du als jemand, der sich bemüht, wertfrei zu bleiben zu sein? Ja, und dann beschreibst du, dass dein Mann das in den Konflikten offenbar nicht immer so reguliert hinbekommt und da in seinem Erwachsenenanteil bleiben kann. Und für euer sensibles Kind kann eben schon eine wiederkehrende Schärfe im Ton ausreichen, um sozusagen dann im Konflikt das Ganze als riskant zu erleben.

00:35:43: Sprecher 1 Ja, und dabei geht es jetzt dann nicht um eine Schuldzuweisung an deinen Mann, sondern eher um die Frage welche Atmosphäre entsteht in Momenten von Ärger bei euch oder auch bei Konflikten? Welche Atmosphäre ist da? Welche Spannungen entstehen da, wenn Missgeschicke passieren? Also vielleicht könnt ihr das noch mal mehr wahrnehmen und erst mal wirklich nur wahrnehmen, um da mehr darüber zu erfahren, wie sich die Atmosphäre für eure Tochter anfühlen könnte.

00:36:17: Sprecher 1 Was ich sehr schön finde, ist, dass du wirklich beide Stimmen, also zwei Stimmen in dir wahrnimmst. Helena, du schreibst da ist ein eine Stimme, die sagt Ich lasse ihr das Tempo und die andere Stimme sagt Ich möchte sie ermutigen. Und genau das ist im Grunde auch ein ein gutes Spannungsfeld, ohne dass es ja zu viel Spannung sein sollte.

00:36:41: Sprecher 1 Aber es ist eben ein Feld, wo du dich drauf bewegen kannst und wo du ein bisschen, ja vielleicht auch experimentieren kannst. Und ich will die Ermutigung noch mal in einen anderen Begriff nehmen, lieber in einer Einladung formulieren. Also zu viel Ermutigung kann dann eben auch Druck machen. Und Ermutigung hat ja auch schon. Also weißt du, das ist, wie wenn sie auf 1 Meter Brett steht und du sagst Komm, springen und ich stehe hier unten und so und so ist es ja nicht gedacht.

00:37:11: Sprecher 1 Also ist sie. Sie muss vielleicht gar nicht ermutigt werden, sondern ein An. Sie braucht vielleicht eine Einladung. Das ist ein bisschen weniger Energie. Ich weiß nicht, ob du. Ob ihr den den Unterschied spüren könnt, um vielleicht auch Lust zu bekommen, sich kleinschrittig zum Beispiel eben der geheimnisvollen Insel einmal zu nähern. Ja, und das heißt, wahrscheinlich liegt der Weg eher in kleinen Schritten und vor allen Dingen freiwilligen Annäherungen und auch immer wieder der Möglichkeit auszusteigen, komplett auszusteigen.

00:37:48: Sprecher 1 Also nicht so dieses Ich fange damit jetzt an und jetzt müssen wir weitermachen. Ich über Spitze, ja, sondern wirklich eine offene Einladung. Also was könntest du konkret tun? Wir haben schon uns einiges ja jetzt angeschaut, was dahinter liegen könnte und vielleicht kannst du mit den Gedanken ja auch schon was anfangen und daraus auch schon für dich Impulse mitnehmen.

00:38:09: Sprecher 1 Und jetzt könnten wir noch mal schauen, was kannst du kleinschrittig, wie wir es eben auch gesagt haben, konkret tun? Es geht eben nicht darum, dass sie irgendwas aushalten lernen muss jetzt und ermutigt werden muss, sich irgendwie unangenehm Gefühlen auszusetzen, sondern dass ihr für euch auch noch mal guckt. Was könnte daran so unangenehm sein? Was könnt ihr auch noch justieren an zu viel, zu schwer auch in der Atmosphäre.

00:38:37: Sprecher 1 Und dann eher die Haltung Ich sehe, dass dir das gerade zu viel wird. Wir können stoppen, wir können zusammen schauen, wie weit wir noch gehen wollen und da machen wir eine Pause. Also ich glaube, dein Kind braucht die Erfahrung. Ich werde nicht gedrängt und gleichzeitig Ich bleibe nicht alleine mit meiner Sorge, mit meiner Angst, mit den vielen Gefühlen oder auch mit der Scham oder der Traurigkeit, die du angesprochen hast.

00:39:07: Sprecher 1 Das heißt, bei Filmen und Büchern zum Beispiel könntest du versuchen das ist ja auch kein Muss, sie muss sich dem ja nicht nähern, aber es wird ja an vielen Ecken auch auftauchen. Wahrscheinlich. Sonst wäre es für dich nicht so groß, dass du kleinschrittig und mit wirklich ganz kleinen Dosen arbeitest. Dosierungen arbeitest ja, also ein Cover einfach mal anzuschauen, länger anzuschauen, zu überlegen, was kommen da für Gedanken, Titel besprechen, auch, vielleicht auch nur mal aufzuklappen und mal zu gucken.

00:39:41: Sprecher 1 Gibt es da noch einen Untertitel? Ja, immer mit der Prämisse, jederzeit auch das Buch wieder zuklappen zu können und weglegen zu können. Das ist ja auch das Gute. Und wichtig wäre wahrscheinlich auch vorher noch mal den Ausgang, die Sicherheit zu besprechen und herzustellen. Also wir hören auf, sobald du merkst, dass es zu viel wird. Und da könntest du auch noch mal gucken, woran merkt sie denn, dass es zu viel wird?

00:40:06: Sprecher 1 Das könntest du sie noch mal fragen, oder? Das könntet ihr in dem Zusammenhang noch mal besprechen, dass sie noch mal mehr in sich rein spürt, Weil vergiss nicht den Satz von Anfang. Sie lernt gerade, mit ihren starken Gefühlen umzugehen und die auch sprachlich auszudrücken oder sich auch sprachlich auszudrücken. Und solche Fragen können eben ein kleiner Spiegel sozusagen ins Herz sein, wenn man solche Fragen gestellt bekommt.

00:40:33: Sprecher 1 Ja, woran merke ich das eigentlich? Ja, Habe ich ein mulmiges Gefühl im Bauch oder habe ich ein Bild im Kopf? Woran merke ich das, dass es mir gerade zu viel wird und ich eben nicht erst aussteigen muss, wenn ich völlig überflutet bin? Ja, so entsteht sozusagen so was wie eine ganz behutsame Selbstwirksamkeit, weil sie lernt oder erfährt in diesen Fragen und mit dir gemeinsam sich steuern zu können.

00:41:01: Sprecher 1 Also wichtig, dass sie nicht nur sich steuern zu können, sondern sich selbst steuern zu können, indem sie eben auf ihren Körper hört guckt, was habe ich da für Gedanken, was habe ich für Gefühle? Ja, jetzt noch mal zu der Frage mit den Missgeschicken Also wie könntest du, unabhängig davon, dass sie die Atmosphäre noch mal ein bisschen wahrnehmen könnt, begleiten?

00:41:28: Sprecher 1 Also vielleicht auch da noch mal zu schauen, dass es nicht sofort um die Sache geht, ja, sondern dass wenn etwas kaputt geht und sie dir das zeigt, dann könnte vielleicht die erste Botschaft lauten Gut, dass du es mir zeigst. Wir kümmern uns darum. Ja, da hast du noch gar nichts dazu gesagt, dass du dich ärgerst, dass es irgendwie schade ist oder dass es gar nicht so schlimm ist, sondern erst mal gut, dass du es mir zeigst.

00:41:56: Sprecher 1 Damit bist du erstmal in der Verbindung und wir kümmern uns darum. Damit gibst du so was wie ein Sicherheitsboden. Erst mal, sie ist damit nicht alleine. Ja, und erst dann über das, was eigentlich kaputt gegangen ist oder über das Geschehene sprechen. Also auch da ein Stück sozusagen entschleunigen. Und gerade in so einer sensiblen Phase, wo die Kinder eben schnell auch in was schamhaftes, Schuldhaftes reinrutschen oder reinkommen, ist eben genau diese Reihenfolge entscheidend.

00:42:27: Sprecher 1 Erst Beziehung sichern, Verbindung herstellen und dann sortieren und dann Verantwortung übernehmen. Und das Ziel insgesamt ist ja eben, dass unsere Kinder nicht erfahren und lernen sollen, sich zusammenzureißen. Genau deswegen sprechen wir ja auch hier wöchentlich miteinander oder sich an etwas zu gewöhnen, sondern dass unsere Kinder erleben dürfen, dass Gefühle vielfältig sind, dass sie wichtige Signale sind, dass sie im Körper auch wichtige Signale geben, die wir auch besprechen können.

00:43:01: Sprecher 1 Woran merke ich, dass etwas zu viel ist? Woran merke ich, dass ich was schwer anfühlt und dass Gefühle eben kommen und gehen? Und dass die Kinder sich in diesen Gefühlen gesehen, gehört, verstanden und vor allen Dingen nicht alleine fühlen. Und dass Verbindung und Beziehung eben dabei auch bestehen bleibt. Also das ist eigentlich das Ziel. Ja, Helena, ich möchte dich noch mal bestärken.

00:43:26: Sprecher 1 Du hast so viele Gedanken für dich schon sortiert und bist so gut auf dem Weg. Auch mit deinem Gedanken, dass du wertfrei sein möchtest und gleichzeitig dich ja positionieren und für dein Kind auch da sein möchtest. Und vielleicht können dir diese Impulse noch mal hilfreich sein. Und diese Gedanken und dieser Satz eben. Mein Kind lernt mit seinen Gefühlen umzugehen und sich sprachlich auszudrücken.

00:43:52: Sprecher 1 Also den ersten Teil, den trägst du ja schon in dir, in der Stimme, die du auch benannt hast, dass sie das in ihrem Tempo macht und dass du gleichzeitig auch in der Selbstwirksamkeit als Mutter, in der Verbindung, als Mutter und als sicherer Hafen sie auch begleiten kannst. Dafür, hoffe ich, sind die Impulse ein bisschen hilfreich zum Justieren. Ihr Lieben, das war für heute die Familiensprechstunde.

00:44:20: Sprecher 1 Schreibt gerne wieder in den Kommentaren bei Spotify. Ich lese euch so gerne. Vielleicht heute mal Wie geht es euch eigentlich? Das fand ich jetzt noch mal spannend mit dem magischen Denken im Alltag. Kennt ihr das Gefühl, dass ihr gerade etwas erlebt oder innerlich damit beschäftigt seid und dann im Außen etwas passiert und ihr denkt, das steht doch in Verbindung?

00:44:39: Sprecher 1 Das kann doch kein Zufall sein. Also wie geht es euch damit? Welche Erfahrungen habt ihr? Ich freue mich sehr auf den Austausch und gerne könnt ihr eure Fragen weiter an Podcast Familiensprechstunde Katja Saalfrank an mich senden. Ihr dürft gerne auch ein bisschen sortieren. Wenn ihr Schul fragen habt, dann beantworten Bob und ich die zusammen. Da bin ich immer sehr froh.

00:45:01: Sprecher 1 Und manche fragen, die suche ich so raus und da tauche ich sozusagen alleine rein. Aber schickt auch gerne ganz konkret Fragen mit Schulthemen, auch zu Bob und mir. Aber wir werden uns auch an Fragen wagen, wo vielleicht Bob erst mal als Lehrer gar nicht so gefragt ist, sondern als Vater. Also es geht einfach hier weiter. Es ist schön, dass ihr mit dabei seid und ich freue mich, wenn es euch gefällt, ihr weitererzählt, dass es das hier gibt und vier Sterne da lasst und abonniert.

00:45:30: Sprecher 1 Für heute sage ich Auf Wiedersehen. Ich danke euch für euer Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst und euren Kindern. Und bis nächste Woche. Eure Katja.

00:45:47: Sprecher 1 Das war die Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich. Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt. Eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spüre gerne nach und entschleunigen noch mal!

00:46:13: Sprecher 1 Wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest, schreib mir gerne an! Podcast Familiensprechstunde Katja Saalfrank de. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert. Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehung serfahrungen und Verbindungsmomente.

00:46:43: Sprecher 1 Und nicht vergessen Es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen. Bleibt nicht damit alleine schon ein Gespräch kann Veränderung bringen. Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katja.

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