Folge 01: Wenn mein Kind außer sich ist – zwischen kindlicher Not und elterlicher Hilflosigkeit

Shownotes

Eine Mutter schreibt mir über ihren vierjährigen Sohn, der in Wutmomenten sehr körperlich reagiert: Er schlägt, tritt, macht Dinge kaputt – und richtet diese Energie manchmal auch gegen sich selbst.

Sie beschreibt ihre große Verunsicherung, ihre Hilflosigkeit und den schmerzhaften Ärger darüber, dass ihr Wissen ihr in diesen Situationen kaum Halt gibt.

In der Folge spreche ich darüber:

  • warum Kleinkinder keine „Gewalt ausüben“, sondern aus innerer Not körperlich reagieren
  • was im Nervensystem passiert, wenn Wut und Angst das System überfluten
  • weshalb Alleinlassen, Maßregeln oder Kontaktabbruch ungewollte Botschaften an das Kind senden können
  • wie Autoaggression als Ausdruck von Überforderung und Selbstverunsicherung verstanden werden kann
  • und was Eltern konkret helfen kann, um Sicherheit zu geben, ohne sich selbst zu verlieren

    Diese Folge ist eine Einladung, genauer hinzuschauen: auf Sprache, auf innere Dynamiken und eigene Haltung – und auf das, was Kinder brauchen, wenn sie außer sich sind.

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Transkript anzeigen

00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung, um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katja Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.

00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungsund beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zum Podcast Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Ich melde mich im neuen Jahr und hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten, einen guten Jahreswechsel und seid gut und gesund gestartet ins neue Jahr.

00:01:00: Sprecher 1 Der Januar ist ja nun schon fast vorbei und vieles fühlt sich schon wieder ganz schön weit weg an für euch vermutlich auch. Und für mich startet dieses Jahr auch neu. Ganz überraschend im Bereich Podcast. Ihr hört jetzt meinen neuen Podcast Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Ich freue mich sehr und ich bin dankbar, dass du eingeschaltet hast. Und ich wünsche mir sehr, dass wir gemeinsam weitergehen können.

00:01:25: Sprecher 1 Es ist einiges neu hier. Ich bin erst mal alleine und habe keinen Gesprächspartner. Das ist weder gut noch schlecht, sondern einfach erst mal anders und auch für mich ungewohnt. Es ist ein Experiment, ein schönes, lebendiges Experiment. Und wie bei allem Neuen gibt es neben Freude und Neugier auch Erwartungen und innere Stimmen, die kritisch werden können. Ich bin ganz ehrlich Ich bin positiv aufgeregt, habe große Freude bei dem, was ich tue und habe große Lust auf das, was hier entsteht.

00:01:59: Sprecher 1 Und ich möchte dich bitten, diesem Neuen einen eigenen Raum zu geben. Ganz wohlwollend und ganz liebevoll. Denn es ist ein Prozess und ich freue mich, wenn du dabei bist und ihn begleitest und wir diesen Prozess gemeinsam gestalten können. Und weil dieser Podcast jetzt neu startet und wachsen darf, möchte ich euch um etwas bitten. Wenn euch diese Familiensprechstunde gut tut, wenn ihr euch angesprochen fühlt oder etwas für euch mitnehmen könnt, dann abonniert den Podcast gerne.

00:02:28: Sprecher 1 Bewertet ihn auf der Plattform, auf der ihr hört, kommentiert bei Spotify, gebt mir Rückmeldung und erzählt auch anderen davon. Das hilft dem Podcast, um sichtbar zu werden und es hilft auch anderen Eltern, diesen Ort zu finden. Und am Ende ist es dann genau das, nämlich ein gemeinsamer Raum, der nur entstehen kann, wenn wir ihn miteinander füllen. Ja, und ein bisschen bleibt natürlich auch so, wie es war, denn ich bin ja ich.

00:02:53: Sprecher 1 Und es wird weiterhin eine Frage von euch im Mittelpunkt stehen, zu denen ich Impulse, Gedanken und zu der ich Wissen teile. Wir schauen uns gemeinsam mögliche Dynamiken an und wollen so gemeinsam unsere Kinder besser verstehen. Ja, und in diesem Sinne werden wir gleich eine Frage von Anna hören, die ich gleich vorlese. Und ich möchte gerne vorher noch sagen Wenn ihr mir eure Frage auch schicken möchtet, dann könnt ihr das tun und mir schreiben an Podcastminus, Familiensprechstunde etc..

00:03:23: Sprecher 1 Katja Saalfrank Punkte. Dort könnt ihr eure Frage per Mail an mich richten. Und vielleicht, ja vielleicht kommt sie dann hier vor in der Familiensprechstunde und ich lese sie vor. So wie ich jetzt die Frage von Anna vorlese. Anna schreibt.

00:03:44: Sprecher 1 Liebe Katja, ich habe mich sehr gefreut, als ich gehört habe, dass es jetzt die Familiensprechstunde gibt und dass du mit einem Podcast weitermachst. Ich höre dir schon lange zu und merke, wie sehr mich deine Gedanken und Perspektiven begleiten und prägen. Das freut mich sehr. Und ja, das geht ja auch nur mit euch. Also danke, dass ihr weiter rein hört.

00:04:03: Sprecher 1 Ich freue mich. Anna schreibt weiter Wir stehen als Familie gerade an einem Punkt, an dem wir nicht mehr weiterwissen. Das ärgert mich richtig, weil ich glaube, dass ich als Mutter viel weiß über deine bindungs und beziehungsorientierte Pädagogik und mich jetzt trotzdem völlig hilflos fühle. Es geht um unseren Sohn Noah, der vier Jahre ist, und seine ältere Schwester Lina.

00:04:25: Sprecher 1 Sie ist sieben. Noah war schon immer ein sehr intensives Kind, extrem liebevoll, laut, wild, willensstark, sensibel, energiegeladen, aber auch schnell traurig oder wütend. In allen Gefühlen ist er sehr stark ausgeprägt. Bis vor einigen Wochen konnten wir ihn darin auch gut begleiten. Seit einiger Zeit haben sich seine Wutausbrüche jedoch deutlich zugespitzt. Im ersten Impuls schlägt oder tritt er, macht Dinge kaputt und lässt sich nur schwer beruhigen.

00:04:56: Sprecher 1 Anfangs richtete sich das Schlagen nur gegen mich als Mutter, dann zunehmend auch gegen seine Schwester Lina und gegen andere Kinder. Es fühlt sich schleichend so an, als sei es für ihn zur Normalität geworden. Im ersten Impuls, vor allen Dingen seine Schwester zu schlagen oder zu treten. Zusätzlich schlägt Noah sich in diesen Momenten selbst mit der Faust gegen den Kopf.

00:05:18: Sprecher 1 Es wirkt sehr heftig und macht mir große Angst, weil er dabei kaum Schmerz zu spüren scheint und nicht aufhört, da Gespräche und Erklärungen nicht geholfen haben. Sind wir bei seiner körperlichen Gewalt aus großer Verzweiflung konsequenter geworden. Wenn er also schlägt, wird er zum Beispiel in sein Zimmer getragen, bis er sich beruhigt hat. Oder ich verlasse den Raum. Ich bin seine wichtigste und engste Bezugsperson.

00:05:42: Sprecher 1 Sobald Noah wieder zu sich kommt, tut es ihm sehr leid. Er weint, schämt sich und sucht Nähe. Niemand ist ihm böse oder nachtragend und trotzdem sind wir alle sehr verzweifelt, was uns zusätzlich verwirrt. Diese extreme Auffälligkeit zeigt Noah ausschließlich, wenn ich als Mutter dabei bin. Wenn der Papa mit den Kindern alleine ist oder Noah ohne mich bei Freunden ist, ist er sehr lieb und unauffällig.

00:06:06: Sprecher 1 Die Situation belastet uns als Familie sehr. Wir möchten Noah helfen, seine Wut besser zu regulieren, damit die körperliche Gewalt aufhört. Vor allem zum Schutz seiner Schwester. Gleichzeitig wollen wir klare Grenzen setzen, ohne das sein Selbstwertgefühl darunter leidet. Uns ist wichtig, dass er sich weiterhin geliebt fühlt und nicht in die Rolle des Bösen Kindes gerät. Vielen Dank fürs Lesen und für deine Arbeit.

00:06:30: Sprecher 1 Herzliche Grüße, Anna.

00:06:36: Sprecher 1 Also, liebe Anna, erst vielen, vielen Dank für deine Frage und es steckt da eine ganze Menge an Themen drin und ich möchte gerne erst mal ein bisschen sortieren, um welche Themen es geht, um welche Themen es gehen könnte und dann auch in einem zweiten Schritt noch mal schauen, was hast du? Was habt ihr konkret für Handlungsalternativen? Welche Impulse, welche Gedanken kommen mir da?

00:07:06: Sprecher 1 Und mein Ziel wäre auch, dich vor allen Dingen ein Stück sicherer zu machen, weil du schreibst, dass du hilflos bist, obwohl du so viel weißt. Und hilflos heißt ja auch immer ja, dass wir ein Stück in unserer Sicherheit beeinträchtigt sind, das wir vielleicht auch Sorgen haben, dass vielleicht auch Ängste kommen und dass wir dann eben aus einer Angst heraus handeln und dass dann eben auch unser Handeln von dieser Angst motiviert, oft gar nicht das ist, was wir eigentlich wissen, dass wir da nicht drauf zugreifen können und dass wir dann eben an einer Stelle auch in ein Handeln kommen, was dem Wissen, was wir eigentlich haben, gar nicht entspricht.

00:07:51: Sprecher 1 Deswegen wäre mein Ziel jetzt, dich heute hier ein bisschen sicherer zu machen. Und dafür ist Orientierung erst mal wichtig, um vielleicht eine Klarheit auch zu bekommen. Und dann verknüpfen wir das Ganze. Also starten wir mal Dein Sohn ist vier Jahre, sagst du viereinhalb. Ich lese, dass er starke Gefühle hat. Vor allem Wut. Das heißt, wir können uns die Phase noch mal genauer anschauen, nämlich die Autonomiephase.

00:08:19: Sprecher 1 Was bedeutet das aus der Perspektive deines Kindes? Wir können auch noch mal schauen Was braucht eigentlich dein Kind in der Phase von dir? Nämlich Curriculation. Das wirst du alles wissen. Ich sage das trotzdem noch mal, weil es vielleicht wichtig ist, noch mal zur Orientierung, um ja dann auch in dieser Weise das sozusagen im Hinterkopf zu haben. Oder im Hinterherzen könnte man sagen, Dann lese ich ein bisschen raus, wie ihr im Augenblick reagiert.

00:08:48: Sprecher 1 Das können wir besprechen und es wird auch ein bisschen um den Bereich gehen, weil du beschreibst, dass das Verhalten vor allem auftritt, wenn du mit dabei bist. Was könnte das bedeuten? Dann würde ich gerne über den Bereich sprechen, das dort ja, dass du schreibst, dass es ein gewaltvolles Verhalten ist. Ja, eine körperliche Gewalt auch das ist etwas, was wir uns noch mal angucken können, weil es etwas mit uns und unserem System und unseren Bildern macht.

00:09:19: Sprecher 1 Wenn wir in dieser Weise das Ganze für uns bewerten, dann beschreibst du eine Form von Autoaggression. Dass er sich selbst haut, mit der Faust an den Kopf haut und du beschreibst, dass du das Gefühl hast, du möchtest gerne die Schwester schützen und du beschreibst auch in diesem ja fast Nebensatz am Anfang, dass du in deine Hilflosigkeit kommst und dass du dich da auch über dich selbst ärgerst.

00:09:46: Sprecher 1 Und vielleicht starte ich da erst mal, weil das Wissen, was wir haben, ist ja nicht alles. Wenn wir in der Situation sind und in Stress geraten, können wir auf unsere Kognition nicht so gut zugreifen. Ja, also insofern ist das ein ganz wichtiger Gedanke, den du da auch mit reingebracht hast. Und vielen Dank auch für deine Offenheit, dass du da so sehr auch Dich öffnest und auch dein Gefühl beschreibst, dass du dich da über dich ärgerst.

00:10:16: Sprecher 1 Und das verstehe ich auch, weil dieser Ärger und auch diese Hilflosigkeit entstehen ja aus einer Not heraus. Ich will dir gerne sagen, dass Hilflosigkeit ja etwas ist, was wir alle kennen. Ich sage ja, diejenigen, die mich kennen, wissen Ich sage ganz oft, dass Elternsein, Muttersein, Vatersein eigentlich eine Überforderung mit Ansage ist und Überforderung bringt uns dann auch in Hilflosigkeit und Hilflosigkeit, ist etwas, was wir alle kennen und ist erst mal gar kein Zeichen von irgendeiner Inkompetenz oder von einem Ich bin eine schlechte Mutter, sondern von Betroffenheit.

00:10:54: Sprecher 1 Du bist betroffen, es ist dein Kind. Du willst es gut machen und das heißt wir können. Es ist ja erst mal ganz wichtig, dass du das wahrnimmst, denn wir können jetzt zurücktreten und erst mal sortieren. Okay, fangen wir mal an mit der Autonomiephase, also die Autonomiephase, das wirst du wissen. Ich sage es nur noch mal und deutet es so ein bisschen an, auch für die anderen Hörerinnen und Hörer, die vielleicht noch nicht so tief in der bindungsund beziehungsorientierten Pädagogik sind.

00:11:28: Sprecher 1 Die Autonomiephase ist eine Phase, wo es ganz viel natürlich um Autonomie geht. Tritt auf oder beginnt im Grunde mit mit deutlichen Kennzeichen für uns im Außen, so mit anderthalb, und geht dann auch bis 456, je nachdem, wie wir damit umgehen und ist gekennzeichnet vor allen Dingen von drei Entwicklungen. Die eine Entwicklung ist diese wahnsinnig starke Autonomie, die die Kinder empfinden und das können wir uns so vorstellen, Ich sag das immer in den Beratungen, so wie im Grunde wie eine kleine Zwangsstörung.

00:12:03: Sprecher 1 Also wir haben einen inneren Druck, die Kinder verspüren diesen inneren Druck. Ich will das selbst machen, ich will mich spüren, ich will selbst wirksam sein. Ich will spüren, Ich bin der Urheber meiner Handlung. Ich kann etwas bewirken in der Welt. Das ist eigentlich der Kern der Autonomiephase. Und jetzt kommen zwei Entwicklungen dazu, die einfach sehr schwierig sind und dieses diesen Druck verstärken.

00:12:29: Sprecher 1 Bei den Kindern nämlich einmal die starke emotionale Entwicklung. Also das heißt, die Kinder haben nicht ein bisschen Wut, die haben nicht ein bisschen Ärger, die haben nicht ein bisschen Schmerz, die haben auch nicht ein bisschen Angst und und Trauer, sondern das ist alles sehr, sehr heftig. Übrigens auch Freude. Ja, also bei Freude reißen sie die Arme hoch und bei Wut schmeißen Sie sich auf den Boden.

00:12:52: Sprecher 1 Und das ist nicht, weil die Kinder irgendwie krank sind oder pathologisch sind, sondern weil in ihrem Inneren gerade die emotionale Entwicklung sehr stark voranschreitet und die Gefühle sehr, sehr stark sind, sehr reizoffen. Und du beschreibst ja jetzt, dass dein Sohn schon sowieso alle Gefühle schon immer sehr stark gefühlt hat. Das heißt, es ist erst mal nachvollziehbar und nicht so überraschend, dass jetzt diese Phase für euch auch so prägend wird.

00:13:19: Sprecher 1 Das erschwert sozusagen den Umgang. Da hast du völlig recht. Es ist nicht so einfach, damit umzugehen. Die zweite Entwicklung, die zu der Autonomiephase und neben der emotionalen, starken emotionalen Entwicklung dazukommt, ist die kognitive Entwicklung bzw der Zustand, in dem die Kinder kognitiv in dieser Phase sind, nämlich sie sind noch sehr starr ausgerichtet auf ein Ziel. Das hat damit zu tun, dass sie eigentlich nur ein Bild im Kopf haben.

00:13:51: Sprecher 1 Also sie wollen etwas machen, sie wollen sich selbst wirksam spüren, Da ist Freude und dann kommt, dann gelingt das nicht und dann können Sie nicht umplanen. Also wir als Eltern haben die Möglichkeit, weil wir antizipieren können, assoziieren und abstrahieren, dass wir umplanen können. Wenn bei uns morgens das Auto nicht anspringt oder jetzt hier bei dem Schnee, dann überlegen wir Was machen wir?

00:14:15: Sprecher 1 Gehen wir ins Homeoffice oder fahren in den Bus oder telefonieren wir erst mal mit unserer Arbeitsstelle? Wir haben die Möglichkeit, in unseren Gedanken zu planen und neue Bilder über Assoziationen, neue Bilder aufzurufen und dann zu antizipieren. Was macht jetzt Sinn? Und das ist etwas, was Kinder noch nicht können. Und das heißt, sie sind da sehr starr in ihrer, ja in ihrer kognitiven Bildgebung sozusagen, und hängen dann sehr an dem, was sie wollen.

00:14:44: Sprecher 1 Und da diese drei Entwicklungen, dieser starke Druck der Autonomie, diese wahnsinnig starken Gefühle, nämlich Frustration, kommt ja dann dazu. Das funktioniert so nicht und ich habe keine Alternative. Und dieser Zustand führt dann dazu, dass so was wie ein Systemzusammenbruch entsteht. Und dann kommt die Wut. Das ist genau das, was dann eben schwierig wird Impulse zum Mitnehmen. An dieser Stelle möchte ich euch ein symbolisches Bild für eure Haltung mitgeben.

00:15:12: Sprecher 1 Sollte euer Kind ebenfalls in der Autonomiephase sein oder mit starken Gefühlen zu tun haben. Stell dir also vor, dein Kind hängt in einem Wutanfall quasi wie an einer emotionalen Steilwand fest. Es hängt nur noch an einem einzigen dünnen Sicherheitsseil und droht abzustürzen. So fühlt es sich für dein Kind an und jetzt bist du als Mutter, als Vater oder jemand, der gerade zuständig ist für das Kind, sozusagen der Ersthelfer am Absturzort.

00:15:41: Sprecher 1 Deshalb ist deine Haltung bei allem so wichtig. Du bist klar und möglichst ruhig. Du bringst Ruhe rein in alles, du orientierst dein Kind und bleibst in Verbindung. Wenn du die Entwicklungsphase der Autonomie vertiefen und dich intensiver und individuell dazu von mir begleiten lassen möchtest, kannst du nach meinem achtwöchigen urs Kinder besser verstehen. Die Autonomiephase auf der Seite Katja Saalfrank schauen.

00:16:06: Sprecher 1 Wir starten demnächst eine neue Runde und ich freue mich, wenn wir uns dort begegnen.

00:16:15: Sprecher 1 Ja, also das erklärt vielleicht erst mal, wenn du schreibst, dass es seit einiger Zeit so ist, dass seine Wutausbrüche sich deutlich zugespitzt haben. Jetzt beschreibst du, dass es nicht nur gegen dich geht, sozusagen körperlich, sondern dass auch die Schwester so ein bisschen im Fokus ist. Und die ist ja ein bisschen älter und jetzt würde man da vielleicht nicht zuerst drauf kommen, aber ich möchte einfach diesen Impuls noch mal mit reingeben, dass es sein könnte.

00:16:45: Sprecher 1 Und da könntest du noch mal hingucken, ob es nicht ein dauerhafter Konflikt ist. An dieser Stelle nämlich der Geschwisterkonflikt. Den gibt es ja auch umgekehrt. Wir reden ja ganz häufig davon, dass das ältere Kind das erstgeborene Kind, sozusagen eine einen Verlust erlebt auf emotionaler Ebene, nämlich den Verlust der exklusiven Beziehung, und dass dann die Kinder einen bitteren Cocktail haben aus Schmerz, Trauer, Angst und Wut und dann eben oft auch eine körperliche Auseinandersetzung oder auch eine Ablehnung des jüngeren Geschwister Kinds gehen.

00:17:19: Sprecher 1 Und hier hätten wir es jetzt umgekehrt, das könnt ihr mal beobachten. Das heißt für dich, dass es wichtig wäre, tatsächlich mal zu schauen, wann und wie entstehen denn diese Konflikte? Weil es wichtig wäre, noch mal zu schauen Ist es ein situativer Konflikt? Also ist die Frustration, der Ärger, die Wut dann kommt und sich so zuspitzt? Ist das etwas, was du, was sozusagen eine Dynamik hat und was du dir im Nachhinein vielleicht auch, weil es geht ja oft so schnell erklären kannst aus einer Situation heraus?

00:17:53: Sprecher 1 Also du hast vielleicht gerade Lina zuerst Wasser eingegossen oder so was und dann kommt eine Frustration, die sozusagen in dem Moment auch heißt Hey, ich, ich wollte sich vielleicht aber auch vermischt mit einem langfristigen Konflikt. Immer kommt mir die Große dazwischen. Ja, also wie gesagt, diesen Geschwisterkonflikt, den gibt es eben auch umgekehrt. Da kommt ein Kind auf die Welt und merkt Hey, da ist ja schon jemand, da ist ja schon gefühlt mein Platz besetzt.

00:18:21: Sprecher 1 Oder zumindest ist mein Raum nicht ganz nur für mich da, sondern da ist auch noch jemand anders da. Also da könntet ihr noch mal genauer hingucken. Und ich würde jetzt gerne zur zu dem Aspekt der Autoaggression kommen, weil du beschreibst, dass Noah sich in diesem Moment selbst mit der Faust gegen den Kopf haut und dass dir das große Angst macht und dass das sehr heftig ist.

00:18:47: Sprecher 1 Diese Autoaggression könnte entstehen als Folge aus dem, wie ihr im Augenblick mit den Wutanfällen umgeht, nämlich das, was ich höre, ist das ihr aus Verzweiflung verstehe ich. Und trotzdem Ich guck es mir jetzt einfach erst mal nur auf der entwicklungspsychologischen Ebene an und was bedeutet es eigentlich an Botschaften für Noah? Guckt mir aus dieser Sicht erst mal an und da ist es so was wie ein Kontaktabbruch.

00:19:13: Sprecher 1 Also er hat eine starke Wut, er bricht zusammen, innerlich. Er ist in einer Notsituation und das was passiert ist, dass ihr ihn aus dem Zimmer tragt. Du hast auch gesagt oder geschrieben, dass ihr mit Erklärungen nicht weiterkommt und dass ihr sprachlich da viel mit ihm redet und dass er das aber nicht versteht und dann ihr aus Verzweiflung ihn in sein Zimmer tragt und er sich dort beruhigen soll und du auch aus dem Raum gehst.

00:19:40: Sprecher 1 Und das könnte eben eine Folge sein, dass er eben versteht, Da ist ein Kontaktabbruch, Ich bin alleine, ich werde weggetragen, Ihr gebt Erklärungen im Affekt und das ist sozusagen etwas, was bei ihm ankommen kann, als eine implizite oder auch eine explizite Ablehnung seines Verhaltens. Und das heißt, da könnten so Botschaften entstehen wie So wie ich bin, bin ich nicht richtig.

00:20:08: Sprecher 1 Oder auch die Frage Bin ich okay so wie ich bin? Oder auch so mit diesem Gefühl, wenn ich so starke Gefühle habe? Wenn ich in dieser Situation bin, dann verliere ich Beziehung und Verbindung und so, wenn ich so bin wie ich bin, werde ich alleine gelassen Und damit ist der Gedanke da. Also natürlich nicht bewusst, aber das ist 111, ja, eine Folge.

00:20:31: Sprecher 1 Sozusagen eine innere Folge. Ich richtet das, was nach außen nicht sein darf, gegen mich. Ja, und er übernimmt quasi die Ablehnung, die er im Außen versteht, in sich hinein. Und damit ist es so was wie eine Schutzstrategie. Es ist so was wie ein Rettungsversuch. Ich versuche, die Verbindung zu retten, die Beziehung zu retten, indem ich mich selbst stoppe.

00:20:53: Sprecher 1 Und natürlich ist es so, dass am Anfang ich weiß nicht, wie lange das jetzt schon so ist, aber es ist jetzt erst mal nicht so, dass das Kind sich grundsätzlich ablehnt. Nur wenn Noah immer wieder erlebt, dass seine Gefühle Verbindung kosten und er dann alleine ist, dann kann er sozusagen auch langfristig diese Wut eben nach innen wenden. Und dann geht es eben nicht mehr darum, dass man das regulieren kann.

00:21:21: Sprecher 1 Oder es geht gar nicht mehr um das Thema Regulation, sondern dann geht es um das Thema Selbstwertgefühl. Das heißt, er schlägt sich nicht, weil er sich selbst hasst oder so, das wäre jetzt zu groß. Aber Kinder können eben anfangen. Oder es könnte ein Zeichen von Selbstabwertung sein, Wenn sie das Gefühl bekommen, mit mir stimmt hier etwas nicht. Also insofern gibt uns das einfach auch noch mal einen Hinweis darauf, einen sehr klaren Hinweis darauf, dass sozusagen dieses Ich trage dich in dein Zimmer und du kannst dich da beruhigen und ich lasse dich allein.

00:21:53: Sprecher 1 Ich verlasse den Raum. Dass das sich sozusagen aus deiner Perspektive jetzt mit der Hilflosigkeit erst mal sinnvoll anfühlt, weil du eine Schutzstrategie für dich entwickelt hast und gleichzeitig das etwas ist, was Noah nicht so hilfreich erscheint oder jetzt hier in dem Zusammenhang eben ihr deutliche Zeichen gibt, dass er das dann Missverständnis dann ist. Also das greift nicht. Ja, ja, ich würde gerne noch einen weiteren Aspekt aufgreifen, und zwar diesen Aspekt, dass du beschreibst, dass ihr das Verhalten von Noah als körperliche Gewalt beschreibt und auch einordnet für euch.

00:22:29: Sprecher 1 Das erzählt ja erst mal etwas über eure Wahrnehmung, über eure inneren Bilder. Und mir ist wichtig, dass wir da präzise sind, weil es etwas mit uns macht. Ich habe das schon eingangs gesagt Kinder üben keine Gewalt aus, sie sind in innerer Not und reagieren körperlich. Und das ist ein großer Unterschied. Und wie gesagt, es macht sprachlich etwas mit uns und es macht sprachlich etwas aus.

00:22:56: Sprecher 1 Wenn wir von Gewalt sprechen, haben wir einfach ganz andere Bilder im Kopf. Ja, das heißt noch mal Kinder geraten in körperliche Not. Reaktionen, wenn ihr inneres System überflutet ist und zusammenbricht. Ja, und mir ist noch mal wichtig, dass es kein Schönreden, sondern das ist wirklich eine präzise Unterscheidung und die verändert im Grunde alles. Ja, weil Gewalt ist ja ein moralisch und sozial aufgeladener Begriff und aktiviert sofort Assoziationen und Bilder von da ist Absicht dahinter, da ist Kontrolle dahinter, da ist Macht dahinter, da ist Schuld, da gibt es Täter Opfer Dynamik.

00:23:34: Sprecher 1 Ja, da kommt ja auch dann dein Schutzbedürfnis her. Ja, und diese Bilder stammen erstmal aus der Erwachsenenwelt. Das heißt, ein vierjähriges Kind in Überforderung, das plant nicht, das entscheidet nicht, das will auch niemandem schaden, sondern das hat sozusagen einen starken Affekt, eine starke Emotion und dazu keine Distanz. Kinder sind dann noch sehr verschmolzen mit ihrem Gefühl und das heißt, da kommt die Reaktion dann eben auf der Körperebene.

00:24:04: Sprecher 1 Ja, weil Sprache nicht noch nicht oder nicht mehr verfügbar ist und eine Selbstregulation noch nicht möglich ist und eben weil weil sozusagen auch Verbindung und Sicherheit innerlich gerade wegbricht. Und wenn wir das eben Gewalt nennen, dann verschieben wir sozusagen das, was, was eigentlich passiert. Also wir gehen weg von der inneren Not des Kindes hin eigentlich letztlich zu einer Normverletzung und ziehen das auf eine sachliche Ebene, die jetzt hier mit der emotionalen Ebene und mit dem, worum es eigentlich geht, nicht so viel zu tun hat.

00:24:41: Sprecher 1 Also was man hier auch noch mal sagen kann Diejenigen, die mich verfolgen auf Instagram oder auch in meinen Kursen, die wissen, dass ich immer mal wieder sage, dass die Kinder eben nicht gegen uns handeln, sondern immer für sich handeln. Und wenn wir als Eltern an so einer Stelle innerlich das Bild von Gewalt haben, innerlich von Gewalt ausgehen, dann gehen wir innerlich auf Abstand.

00:25:07: Sprecher 1 Also es nimmt uns Verbindung und wir werden härter und erklärender und schneller und wollen uns schützen oder wollen erziehen. Und wir wollen dann deutlich machen, dass das falsch ist. Die Kinder erleben aber dann nicht nur Ich habe etwas getan, sondern vor allen Dingen erleben sie Mit mir stimmt etwas nicht. Und genau hier kann dann eben das, was ich vorhin gesagt habe, diese selbst Verunsicherung entstehen und dann eben auch im Außen, diese Autoaggression, diese, dieser Ärger, dieser Wut, diese Wut, die eigentlich dann im Außen sich zeigt, die kann dann eben nach innen sich richten.

00:25:46: Sprecher 1 Und Gewalt heißt ja immer Ich tu dir etwas an, während ja das, was wir hier sehen, von nur eine Notreaktion ist aus einem zusammenbruch heraus, aus einer inneren Not heraus. Ja, mit mir passiert etwas, das ich innerlich nicht halten kann. Also was du vielleicht schon mal so als Perspektivwechsel an dieser Stelle mitnehmen kannst, ist vielleicht nicht der Gedanke Das ist Gewalt, das geht nicht, sondern eher so dieser Gedanke.

00:26:13: Sprecher 1 Ich sehe, dass es dir gerade nicht gut geht, dass dein Körper gerade außer Kontrolle ist und ich bin hier. Ich stoppe das, damit niemand verletzt wird oder statt Oh, jetzt wird er wieder gewalttätig oder hat geht in körperliche Gewalt eher dieser Gedanke. Er verliert gerade den inneren Halt und ich möchte Halt geben. Und statt dieser Gedanke wir tolerieren hier keine Gewalt, ja, wir lassen das nicht mehr zu, sondern der Gedanke Ich lasse nicht zu, dass jemand verletzt wird und ich bleibe bei dir.

00:26:48: Sprecher 1 Und das heißt ja eher auch eine Zuwendung zu ihm. Und nicht so sehr dieser Gedanke, dass du jetzt die ältere Tochter schützen müsstest. Also das ist sozusagen ein Nebenprodukt davon. Nur wenn du dich ihm zu wendest, ihm und seiner Not zu wendest, dann gibst du an dieser Stelle ihm auch Halt, das heißt du gibst ihm Halt und schützt gleichzeitig eben auch Lina, Deine ältere Tochter.

00:27:18: Sprecher 1 Die spreche das deshalb so ausführlich auch an, weil ich deine Frage sehr ernst nehme, denn du sprichst davon, dass du gerne die Schwester schützen möchtest und gleichzeitig auch klare Grenzen setzen möchtest, ohne sein Selbstwertgefühl zu beeinträchtigen. Oder dass das darunter leidet und die es wichtig, dass er sich weiterhin geliebt fühlt und nicht in die Rolle des bösen Kindes gerät.

00:27:43: Sprecher 1 Und deswegen, das sind diese Verstrickungen, dass es eher erst mal nicht um Grenzen geht, sondern um einen Halt geht, der dann auch sozusagen begrenzend sein kann und der dann eben auch Sicherheit gibt. Impulse zum Mitnehmen. Ich möchte euch ermutigen, auf eure Sprache zu achten, denn Sprache formt unsere Wirklichkeit. Worte schaffen innere Bilder und diese Bilder wirken und beeinflussen unbewusst.

00:28:11: Sprecher 1 Sie können Nähe und Tiefe ermöglichen oder Distanz erzeugen. Es lohnt sich deshalb, genauer hinzuschauen Was will ich eigentlich wirklich sagen? Worum geht es genau? Welche Bilder entstehen durch meine Worte in mir und im anderen? Sätze wie Mein Kind ist gewalttätig oder Mein Kind macht jeden Abend Terror rufen Bilder von Krieg, Kampf, Bedrohung und Angriff hervor. Diese Bilder aktivieren unser Nervensystem, bringen uns weg von Einfühlung und Verständnis und machen uns innerlich hart.

00:28:43: Sprecher 1 Sie suggerieren, dass wir uns verteidigen und schützen müssen und bringen uns so auch physiologisch gesehen in einer Abwehrhaltung und Habachtstellung. Damit entsteht automatisch auch eine Distanz zu unseren Kindern. Nicht weil wir das wollen, sondern weil Sprache ganzheitlich auf unser System wirkt. Ganz unbewusst. Sprache ist also eine Brücke zwischen Innen und Außen und wir dürfen bewusster und feinfühlig wählen, wie wir das Verhalten unserer Kinder beschreiben.

00:29:10: Sprecher 1 Je genauer du benennen kannst, worum es geht und was du emotional empfindest, desto besser kannst du in Verbindung bleiben mit dir selbst und mit deinem Kind.

00:29:23: Sprecher 1 Das nächste, was ich gerne noch ansprechen möchte Und dann, ja, kommen wir vielleicht auch so ein bisschen schon mal zu einem Ausblick ist, dass du beschreibst, dass dieses Verhalten von Noah vor allen Dingen dann auftritt, wenn du als Mutter dabei bist. Und dass, wenn dein Mann, wenn der Papa mit den Kindern alleine ist, das ja, dass das dann nicht so sehr auftritt und dass er dann sehr lieb und unauffällig ist.

00:29:49: Sprecher 1 Und das verstehe ich, dass das Fragen bei dir aufwirft. Und gleichzeitig ist das ja auch ein Zeichen davon, dass er dir ganz doll vertraut, also dass er sich dir zeigen kann, wie er ist oder wie er sich gerade fühlt. Das heißt, es ist eigentlich auch so was wie ein Vertrauensbeweis, so was wie ein Liebesbeweis. Ich weiß, dass sich das sehr schwer anfühlen kann und auch so ein bisschen um die Ecke herum gefühlt und gedacht ist.

00:30:18: Sprecher 1 Und gleichzeitig gibt es dir natürlich auch die Möglichkeit, da deine Selbstwirksamkeit mit rein zu geben. Das heißt, es würde vielleicht erst mal auch darum gehen, dass du dich selbst noch mal anders regulierst, dass du nicht sozusagen mit ihm und seiner Wut nach oben fährst und ja, dann auch aus einer Angst heraus oder aus diesem Gefühl heraus, dass du jetzt eigentlich was schützen müsstest oder jemanden schützen möchtest.

00:30:49: Sprecher 1 Oder dass es aufhören soll. Handelst ja also nicht. Warum tut er das und warum hört er nicht auf, sondern. Okay, hier bricht gerade etwas zusammen in ihm. Er braucht gerade Halt und der zweite Aspekt ist dann vielleicht auch, dass du nicht deinen Ärger gleichzeitig damit rein misch. Da kannst du dich auch mal beobachten, Welche Gedanken hast du da?

00:31:13: Sprecher 1 Was läuft da ganz schnell und vielleicht im Augenblick noch unbewusst auch ab? Ja, so Sätze wie Ich weiß doch, wie es besser geht oder Was habe ich dazu noch mal gelesen oder Jetzt weiß ich schon wieder nicht, wie es geht, sondern zu atmen. Das zu entschleunigen, innerlich einen Schritt zurückzugehen. Ich weiß, dass ich das sehr natürlich jetzt in der Familiensprechstunde und wenn wir alle irgendwie gerade nicht in der Situation sind, hört sich das vielleicht sehr einfach an und vielleicht auch ein bisschen, ja vielleicht auch ein bisschen zu überfordernd.

00:31:48: Sprecher 1 Und gleichzeitig geht es darum, dass du deine Prozesse auch ein Stück beobachtest, versuchst zu entschleunigen und auch da ein Stopp dazwischen bekommst zwischen deine Gedanken, die dich in den Ärger bringen und die dann die Hilflosigkeit unter Umständen noch vergrößern, sondern dass du mit dir selbst angebunden bleibst und auch feststellen darfst Ich bin gerade überfordert. Das darf sein. Und Überforderung ist erst mal nichts Schwieriges, also nichts Schlimmes, sondern die Frage ist, wie geht man damit um?

00:32:21: Sprecher 1 Und das wahrzunehmen und anzuerkennen und zu sagen ich weiß jetzt gerade nicht weiter und dann gebe ich vielleicht einen körperlichen Schutz und ich lasse mein Kind nicht alleine, sondern ich bringe erst mal Ruhe rein, und zwar in dein System. Wenn in deinem System mehr Ruhe ist, kannst du auch mehr Halt geben in der Verbindung, in der Beziehung zu deinem Kind.

00:32:45: Sprecher 1 Und vielleicht noch auch ein weiterer Perspektivwechsel. Könnte auch sein dann in Folge. Er macht das nicht absichtlich bei mir. Er tut nichts gegen dich, sondern dieses Gefühl noch mal auch ja zu integrieren, oder die sind diesen Gedanken, dieses Bild bei dir darf das sein? Also er bricht da zusammen. Vielleicht leichter als in anderen Situationen. Und vielleicht, das ist jetzt noch mal ein Sidestep eins ein Gedanke, der den ich an der Seite noch mal mit reinbringen möchte.

00:33:14: Sprecher 1 Vielleicht hat es auch da an der Stelle was mit dem Geschwisterkonflikt zu tun. Das kannst du noch mal beobachten, ob da vielleicht auch so was wie ein diffuser Ärger und eine Ungeduld dir gegenüber ist. Es wäre noch mal ein anderer Aspekt, der mit dem Geschwisterkonflikt zu tun hat. Also da kannst du natürlich gar nichts für. Also du hast zwei Kinder und es ist völlig in Ordnung und gleichzeitig ist eben bist du dafür verantwortlich aus seiner Sicht.

00:33:40: Sprecher 1 Und ist da eine Ungeduld da und ein Unmut, vielleicht etwas, das mitläuft, was dann an dieser Stelle auch diffus irgendwie mit in deine Richtung schwingt. Und wenn du das weißt, kannst du auch da noch mal mehr Ruhe reinbringen und das Gefühl oder in dem Gefühl handeln. Ich halte ihn emotional. Das würde bedeuten, dass es darum geht, nicht in den Ärger zu verfallen und eben auch nicht deine Hilflosigkeit sozusagen zu bekämpfen, sondern eher wahrzunehmen als ein Signal.

00:34:11: Sprecher 1 Auch als eine, also als ein Signal dafür, dass du womöglich in einem nächsten Schritt weniger selbst angebunden bist als eine innere Grenze und vielleicht auch als eine Einladung zur Unterstützung für ihn. Und auch zu gucken Was brauchst du denn? Impulse zum Mitnehmen, wenn es euch auch so geht wie Anna mit ihrem Ärger über sich selbst. Dass in der Situation nicht immer ihrem Wissen gemäß reagieren kann.

00:34:39: Sprecher 1 Oft erlebe ich selbst Abwertung bei Müttern. Und ich möchte dich in diesem Fall zu etwas einladen. Überprüfe mal deine Gedanken, die dann in diesen Situationen kommen. Vermutlich sind es alte Stimmen, die laut werden und dich abwerten. Nimm das erst mal wahr, bewerte es nicht. Es sind vermutlich alte Stimmen aus einer anderen Zeit. Satire? Das ein bisschen für dich Und dann sei ganz besonders liebevoll und wohlwollend mit dir.

00:35:05: Sprecher 1 Werde wieder warm und weich mit dir selbst. Nimm dich quasi innerlich selbst in den Arm. So können langfristig diese Stimmen leiser werden und du kannst dich selbst besser in deiner Mitte halten. Du machst das so gut jeden Tag. Du bist auf diesem Weg und du musst nicht perfekt sein.

00:35:29: Sprecher 1 Ja, das wären erst mal so die Aspekte, die mir einfallen. Also ihr merkt das da in der Frage von dir, Anna, eine ganze Menge drin war. Und vielleicht versuche ich noch mal so ein bisschen zusammenzufassen, was du machen kannst, was ihr machen könnt, jetzt konkret, also ohne dass es jetzt alternativen sind, aber die ergeben sich vielleicht daraus. Also das erste, was du machen kannst, ich habe das auch an den Stellen schon so ein bisschen gesagt, dass ihr noch mal entschleunigt da schaut.

00:35:57: Sprecher 1 Wann tritt denn das Verhalten auf? Also dass ihr sozusagen den Auftakt mitbekommt und dass ihr vor dem geistigen Auge auch im Nachhinein noch mal zurückspulen und guckt, was war denn da? Und auch so Dinge mit einbezieht wie Was war an dem Tag, was war das ein voller Tag. War das ein Wochenende? War das ein Montag? Wo vielleicht auch noch weiß ich nicht.

00:36:16: Sprecher 1 Irgendein Sport, Anstand oder wo viel Hektik war, weil das natürlich auch mit reinspielen kann, dass da dann schneller auch ein Systemzusammenbruch stattfindet. Das heißt, ihr könntet da ein bisschen justieren und könntet Erkenntnisse noch mal mehr sammeln und dann ja darauf eingehen, anpassen, justieren und vielleicht auch die Dinge dann in Anführungsstrichen schon erwarten und dann in der Form auch kurz regulieren.

00:36:41: Sprecher 1 Also das ist etwas, was ihr machen könnt. Noch mal anders als eben diese Dieser Versuch der ulation, indem ihr ihn ins Zimmer tragt oder in dem du den Raum verlässt, weil es wichtig wäre, dass er das spürt. Er ist nicht alleine. Das heißt nicht, dass du immer an ihm kleben musst, und das heißt auch nicht, dass du dich schlagen lassen sollst, sondern das heißt, dass du das Du signalisiert.

00:37:09: Sprecher 1 Ich bin da, ich halte dich. Und es kann auch durchaus über Sprache stattfinden, dass du Vorschläge machst. Das machen wir denn jetzt nicht mit dem Ziel, dass er dir sagt Ja, vielen Dank, dass du mir einen Vorschlag machst. Wir machen das jetzt so und so, sondern mit dem Ziel, dass du das Du sozusagen durchdrings durch seine durch seine Notsituation und ein bisschen Orientierung gibst und dadurch auch Sicherheit gibst.

00:37:32: Sprecher 1 Also du ärgerst dich gerade ganz doll. Warte kurz, ich habe es noch nicht verstanden. Worum geht es gerade? Lass uns mal in dein Zimmer gehen. Also, dass du das ein bisschen experimentierstja, dass du mit ihm in Verbindung bleibst. Und du kannst auch durchaus sagen Du, ich setz mich vor die Tür. Ich. Wenn du wieder mit mir Kontakt haben möchtest.

00:37:53: Sprecher 1 Also wenn er sich bewegt, wenn er ein Rückzug möchte, ja, dann. Es geht nicht darum, dass du jetzt die ganze Zeit an ihm klebt, sondern es geht darum, eine Form von Verbindung zu finden, die er wo er spürt Ich bin nicht alleine, also das heißt Selbstbeobachtung bei dir, Selbstbeobachtung in der Situation und auch bei ihm, Selbstregulation bei dir auch noch mal um ja, dich selbst in die Position bringen.

00:38:20: Sprecher 1 Es passiert gerade nichts. Das klingt komisch und gleichzeitig Es fühlt sich eben sehr schwer an! Dein Kind hat gerade ein System, einen inneren Systemzusammenbruch und braucht dich in Verbindung. Alleine kann er sich nicht beruhigen. Das ist ein Irrtum. Das habt ihr ja jetzt probiert und da. Er wirkt zwar so, als ob es sich beruhigt, aber letztendlich haut er sich dann selbst.

00:38:44: Sprecher 1 Also experimentiert das mal ein bisschen. Ich will auch noch mal an der Stelle sagen, dass ich das durchaus verstehe. Diesen Aspekt, dass ihr dieses Gefühl, dieses starke Gefühl für euch lieber auslagern wollt und lieber sozusagen sagt Wir bringen dich in dein Zimmer. Das hat ja auch wahrscheinlich was damit zu tun, dass da eben ein anderer Raum ist als zum Beispiel im Wohnzimmer, wo dann eben auch Dinge kaputt gehen können.

00:39:06: Sprecher 1 Und das könnt ihr ja auch machen. Nur ich glaube, es geht nicht darum, dass er mehr braucht von euch, sondern dass es anders ist, also dass ihr in Kontakt bleibt, dass du auch in Kontakt bleibst. Ja, so weit erst mal meine Gedanken. Und ja, ich danke dir sehr für deine Frage, liebe Anna, und hoffe, dass du ja mit den Impulsen, mit den Hinweisen, mit dem, was ich jetzt auch an Fragen noch mal aufgeworfen habe, weitergehen kann kannst Und ja, berichte gerne, wie es weitergeht.

00:39:40: Sprecher 1 Und für heute ist es vielleicht noch mal ganz gut zu sagen, weil es so viele innere Bilder heute waren und so eine innere Haltung, über die ich gesprochen habe, dass wir uns nochmal klar machen, dass unsere innere Welt, also das, was wir denken, das was wir fühlen, doch einen großen Einfluss auf die äußere Welt hat. Deswegen ist immer hilfreich, es auch zu wissen was denke ich eigentlich, was fühle ich eigentlich?

00:40:07: Sprecher 1 Und wenn wir in unserem Inneren Gedanken und Zusammenhänge verändern, dann verändert sich auch ohne dass wir oft tatsächlich etwas ganz anders machen, dass wir andere Handlungsalternativen anwenden oder anders vorgehen, ändert sich sofort ganz viel im Außen. Das finde ich eine ganz wichtige Erkenntnis. Also wenn wir in unserem Inneren Gedanken Zusammenhänge verändern, verändert sich auch sofort ganz viel im Außen.

00:40:36: Sprecher 1 Ich bin gespannt, was Du, Anna, was ihr für Erfahrungen macht. Und für heute sage ich Auf Wiedersehen. Ich danke euch für euer Zuhören, für euer offenes Herz, für offenes Ohr, Bleibt weich und liebevoll mit euch und euren Kindern und bis nächste Woche.

00:40:57: Sprecher 1 Das war die Familiensprechstunde mit Katja Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich. Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt, eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spür gerne nach und entschleunige noch mal Wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest, schreib mir gerne an Podcastminus, Familiensprechstunde etc..

00:41:31: Sprecher 1 Katja Saalfrank, .de. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert. Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehungserfahrungen und Verbindungsmomente. Und nicht vergessen es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen.

00:42:00: Sprecher 1 Bleibt nicht damit. Alleine schon ein Gespräch kann Veränderung bringen. Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katja.

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