Folge 13: Wenn Kinder fühlen, aber nicht darüber sprechen (wollen)
Shownotes
Wann helfen Worte – und wann sind sie zu viel?
Was liegt unter dem, was Kinder ganz konkret sagen oder wollen?
Eine Folge über emotionale Entwicklung und über den inneren Raum von Kindern.
In dieser Folge geht es um:
• die Frage, wie Kinder überhaupt lernen, mit ihren Gefühlen in Kontakt zu kommen
• Missverständnisse im Umgang mit kindlichen Gefühlen
• den Unterschied zwischen dem, was Kinder zeigen, und dem, worum es auf der Bedürfnisebene eigentlich geht
• verschiedene Perspektivwechsel, die im Familienalltag hilfreich sein können
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In dieser Folge erwähnte Angebote und Informationen:
Die emotionale Landkarte findet ihr neben den Grundlagen für die bindungs- und beziehungorientierte Pädagogik und für Impulse für deinen Familienalltag in meiner Online-Akademie Sommerakademie Kinder Besser Verstehen (von der Erziehung zur Beziehung)
Auch in meinem Buch DiE REiSE zu einer glücklichen Eltern-Kind-Beziehung - Dein Kind und dich besser verstehen findest du weitere Informationen zur emotionalen Landkarte.
Der Gedanke der Woche stammt aus den 52 Affirmations- und Verbindungskarten von Katia Saalfrank – Das stärkende Kartenset für eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung
Weitere Angebote:
Wenn du mit mir in einer persönlichen Beratung oder einem pädagogischen Coaching online oder in meiner Praxis vertraulich sprechen möchtest, kannst du dich hier informieren: Video- oder Praxisberatung von Katia
Wenn du dich von mir persönlich aus- und weiterbilden lassen möchtest, kannst du dich hier informieren:
Ergänze deine Perspektive gern mit meinen Büchern, die du hier findest:
DiE REiSE zu einer glücklichen Eltern-Kind-Beziehung - Dein Kind und dich besser verstehen
Kindheit ohne Strafen - Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen
In meinem Onlineshop findest du exklusiv Affirmations- und Verbindungskarten für einen bindungs- und beziehungsorientierten Familienalltag mit Kindern: Affirmations- und Verbindungskarten
Stöbere gern hier für weiteres pädagogisches Material für einen bindungs- und beziehungsorientierten Alltag mit Kindern: Mein Onlineshop
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Transkript anzeigen
00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung, um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katia Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.
00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungsund beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. Schön, dass ihr eingeschaltet habt und bei der Familiensprechstunde wieder mit dabei seid. Ich freue mich sehr und ich hoffe von Herzen, dass es euch gut geht.
00:00:58: Sprecher 1 Bevor wir gleich zur Frage von heute kommen, lade ich dich wieder zu einem Gedanken für diese Woche ein. Vielleicht kann er dich begleiten und vielleicht kann er hilfreich für dich sein. Wenn du dich ab und.
00:01:09: Sprecher 2 Zu.
00:01:09: Sprecher 1 Daran erinnerst. Und der Gedanke für diese Woche lautet Wir gehen diesen Weg als Familie kraftvoll gemeinsam. Es interessiert mich zu.
00:01:19: Sprecher 2 Hören, was.
00:01:20: Sprecher 1 Du denkst und.
00:01:21: Sprecher 2 Fühlst.
00:01:23: Sprecher 1 Dieser Gedanke ist daraus entstanden, dass das Familienleben ja aus Wellen besteht, die mal mehr, mal weniger nach oben schlagen, uns durch den Alltag treiben lassen und dass es mal mehr oder auch weniger Konflikte im Alltag gibt. Diese Konflikte mögen wir nicht, wir vermeiden sie gerne. Und daraus ist dieser Gedanke entstanden, dass es doch wichtig ist zu hören, was ein anderer denkt und fühlt.
00:01:53: Sprecher 1 Denn Konflikte können uns auch stärken und bringen uns zueinander, wenn wir sie in Verbindung lösen können, wenn wir sie gut reparieren können. Denn dann, ja dann verstehen wir einander besser nach dem Konflikt, wenn wir uns gegenseitig zugehört haben und verstanden haben.
00:02:11: Sprecher 2 Und.
00:02:12: Sprecher 1 Nachempfunden haben, was der andere denkt.
00:02:14: Sprecher 2 Und fühlt.
00:02:15: Sprecher 1 Also wir gehen diesen Weg als Familie, kraftvoll, gemeinsam. Und es interessiert mich zu hören, was du denkst und fühlst. So, und heute hat mir wieder ein Vater geschrieben. Das freut mich, dass einfach so viele Fragen auch von Vätern kommen. Ich beobachte das auch in meinen Beratungen, dass Elternpaare zunehmend zusammenkommen, schon eine ganze Weile. Und das ist wirklich schön, denn ich habe so dieses Bild davon, dass Familie ja auch so was wie ein kleines Familienunternehmen ist und dass es im Grunde zwei.
00:02:51: Sprecher 2 Führende.
00:02:51: Sprecher 1 Gibt, zwei Geschäftsführerinnen ja, sozusagen. Und die führen gemeinsam eine kleine Familienabteilung und sind in der führung. Und da ist es doch immer sinnvoll, wenn man sich in dieser Doppelführung gemeinsam auch verantwortlich fühlt und wenn man auch die Kommunikation untereinander beachtet und wenn man sich gemeinsam um die Fragen kümmert, die eben auch diese kleine Familienabteilung betreffen. Deswegen freue ich mich sehr.
00:03:21: Sprecher 1 Und wir kommen jetzt zur Frage von Niels, der natürlich anders heißt und mir seine Frage an Podcastminus sprechstunde etc. Katia Saalfrank Punkte gesendet hat. Und wenn du auch Fragen hast, das können auch ganz kurze Fragen sein zu deinem Alltag, zu deinen Kindern, zu deiner Familie, zu deinen eigenen Eltern. Alles, was Familie und Beziehung betrifft, ist hier willkommen. Dann kannst du mir auch eine Mail schicken an diese Adresse, die ich gerade genannt habe.
00:03:47: Sprecher 1 Und dann fliegen wir sozusagen hier gemeinsam drüber und schauen auf die Dimensionen.
00:03:53: Sprecher 2 Die.
00:03:53: Sprecher 1 Dahinter liegen und wirken. Und jetzt zur Frage. Niels schreibt.
00:04:03: Sprecher 1 Liebe Katia, seit der Geburt unseres ersten Kindes, eigentlich schon während der Schwangerschaft, verfolgen meine Frau und ich deine Bücher und Podcasts. Danke für die vielen Perspektivwechsel und Impulse, vor allem in Hinblick auf die Erziehung, die ich selbst erfahren habe. Das freut mich wirklich sehr. Danke. Wir haben zwei Kinder, Julian ist viereinhalb und Emil fast zweieinhalb. Julian ist ein Kind mit schier unendlich vielen Hummeln im Hintern und gleichzeitig sehr sensibel und gefühlsstark sowie feinfühlig auf seine Umwelt bezogen.
00:04:35: Sprecher 1 Er nimmt Stimmungen um sich herum sehr genau wahr und alle möglichen Reize, die auf so ein kleines Kind einwirken, kommt er in eine neue Gruppe. Schaut er sich alles erst mal in Ruhe an und braucht einige Zeit, um anzukommen. Wir begleiten ihn dabei und geben ihm die Zeit, die er braucht. Wenn er sich dann sicher genug fühlt, flitzt er auch von jetzt auf gleich los.
00:04:56: Sprecher 1 Und Abschiede sind kein Problem. Vor einigen Wochen hat die Kita uns zu einem Gespräch eingeladen, in dem es darum ging, dass es Julian seit einiger Zeit schwer fällt, Grenzen und Regeln zu akzeptieren. Außerdem ist gegenseitiges Hauen usw mit anderen Kindern häufiger geworden. Es ist gerade auch viel Entwicklung in seinem Kopf los. So ändert sich beispielsweise der Kreis der Kinder, mit denen er spielt, in Konfliktsituationen im Kindergarten.
00:05:22: Sprecher 1 Wenn die Erzieherinnen dann mit ihm über diese Situation und seine Gefühle sprechen wollen, ist er eher verschlossen und schluckt seine Gefühle eher runter. Er weint zum Beispiel kaum, sondern geht dann eher dahin, wo er seine Ruhe hat und macht das Ganze mit sich aus. Wenn er damit fertig ist, spielt er auch wieder weiter. Zu Hause ist das sehr gegensätzlich dazu.
00:05:42: Sprecher 1 Auch wenn er uns und seinen kleinen Bruder auch haut bzw es versucht. Wir sagen bestimmt, dass alle heile bleiben sollen und wissen, dass dahinter ein Bedürfnis Wunsch steckt, den wir versuchen herauszufinden und zu befriedigen. Bei uns zeigt er Gefühle aller Art sehr deutlich und braucht auch viel Kuscheln usw. Das beunruhigt uns alles nicht so wirklich, da es ja nur zeigt, dass er sich bei uns sehr sicher fühlt und wir seine engsten Bezugspersonen sind, im Gegensatz zum Kindergarten.
00:06:09: Sprecher 1 Was uns auffällt ist, dass ihm schwer fällt, über seine Gefühle und Emotionen zu sprechen. Er erzählt beispielsweise auch nicht viel vom Kindergarten Spiel Treffen oder andere Aktivitäten erwähnt er nicht. Auch nicht, wenn wir nachfragen. Auf unsere Frage, wie es war, kommt oft nur gut. Wir haben ihm vor einiger Zeit Gefühlskarten geschenkt, allerdings noch nicht so viel genutzt und vor kurzem das Ritual eingeführt, nach dem Kindergarten drei Sachen zu erzählen, die er heute erlebt hat.
00:06:34: Sprecher 1 Dabei versuchen wir auch über seine Gefühle und Emotionen ins Gespräch zu kommen. Wir fragen dann zum Beispiel Wie hast du dich dabei gefühlt? Wie hat sich das für dich angefühlt, als XY passiert ist? Wie war das für dich? Manchmal läuft das Gespräch auch so, dass wir sagen Das hat sich bestimmt schön doof, toll angefühlt, oder? Für mich klingt das so, als ob du da traurig, fröhlich, ängstlich, wütend warst.
00:06:55: Sprecher 1 Was denkst du, wenn du das so liest? Welche weiteren Anregungen und Impulse kannst du mir und meiner Frau noch geben, um besser mit unserem Sohn über seine Gefühle und Emotionen zu sprechen? Und hast du Tipps, wie wir ihm helfen können, im Kindergarten mit solchen Situationen umzugehen? Es ist ja wichtig, dass er seine Gefühle erkennt und mit ihnen umzugehen und auch darüber sprechen lernt.
00:07:15: Sprecher 1 Ich weiß auch, dass das nicht von heute auf morgen passiert, möchte meine Kinder aber gut begleiten. Ich sehe bei diesem Thema übrigens viele Parallelen zu mir. Man könnte sagen, ich weiß, von wem er zum Beispiel seine Feinfühligkeit hat. Danke und viele Grüße.
00:07:30: Sprecher 2 Nils.
00:07:34: Sprecher 1 Ja, also erst mal vielen Dank für die Frage und ich freue mich besonders über die Frage, die ja relativ lose auch gestellt ist, nämlich was ich so denke. Wenn ich das lese. Und ich muss jetzt ein bisschen versuchen, meine Gedanken zu sortieren, um ein bisschen davon zu berichten, was ich dazu denke.
00:07:54: Sprecher 2 Und.
00:07:54: Sprecher 1 Was dann in mir vorgeht. Und das möchte ich gerne hier mit dir und euch teilen. Also zuerst möchte ich noch mal die Perspektive schärfen, die Du, Nils, zwar eigentlich schon so ein bisschen auch eingenommen hast und gleichzeitig ist es vielleicht noch mal wichtig, das zu hören, Denn es ist ein Irrtum, dass Kinder in diesem Alter schon über ihre Gefühle sprechen können.
00:08:17: Sprecher 1 Vielleicht auch in der Art und Weise, in der ihr das erwartet oder bereitstellt oder mit ihm jetzt ritualisiert eingerichtet habt. Denn das würde ja voraussetzen, dass Kinder ihre Gefühle schon kennen, sie wahrnehmen, benennen und beschreiben können. Also wir können ja mal vorne anfangen. Kinder sind mit ihrem Gefühl in diesem Alter. Ist jetzt ihr Jahr noch relativ eng mit ihrem Gefühl verschmolzen.
00:08:45: Sprecher 1 Das bedeutet, dass sie eben sehr impulsgetrieben handeln und noch ganz wenig Kognition vorhanden ist, weshalb eben es auch schwierig ist, ihm Dinge zu erklären über den Kopf. Kinder dürfen also erst lernen, über ihre Gefühle zu sprechen. Und es geht eher darum, dass wir einen Raum zur Verfügung stellen, in dem das möglich ist, Überhaupt erst mal ein Gefühl für Gefühle zu bekommen.
00:09:11: Sprecher 1 Ja, vielleicht können wir noch mal schauen, was sind eigentlich Gefühle und wie entstehen sie? Da fange ich mal ganz vorne an! Also alle Menschen und insbesondere die Kleinen brauchen viel Kontakt, viel Berührung und feinfühlige Kommunikation. Das heißt, wir brauchen eine Bindungsund Bezugsperson, die sich wirklich auf uns als kleine Menschen einstimmt, einfühlt und mit dem ganzen Körper der Mimik, den Augen, der Stimmlage und mit seinem ganzen Sein kommuniziert.
00:09:40: Sprecher 1 Eine solche umfassende Kommunikation kommt beim Kind an, kann es beruhigen und auch erregen, es erfreuen, wieder runter regulieren. Und auch wenn die Kinder dann keine Säuglinge mehr sind, sondern eben Kleinkinder, so wie jetzt Julian oder auch zu Schulkindern werden, ist diese Form der achtsamen Kommunikation weiterhin wichtig. Ich habe es eben schon so ein bisschen vorweggenommen Wir wissen, dass Kinder durch die Entwicklung ihres Gehirns zunächst mehr im Gefühl als in der Kognition zu Hause sind.
00:10:13: Sprecher 1 Das ist das, was ich meine. Wenn ich sage, dass die Kinder mehr mit ihrem Gefühl verschmolzen sind, so brauchen sie weiterhin genau diese Art der feinfühlig gestimmten Kommunikation, damit sich eine ganz wesentliche emotionale Fähigkeit weiter entwickeln kann, nämlich die Empathie. Wir stören die Herausbildung von Empathie und Einfühlung und Mitgefühl, und Kinder verlieren die Sensibilität für sich selbst. Wenn wir durch Strafen und Konsequenzen die eigentlichen emotionalen Bedürfnisse unterdrücken.
00:10:42: Sprecher 1 Wenn wir aber und das ist ja genau das, was ihr auch tut, Niels und da habe ich auch das Gefühl, dass ihr da wirklich ein sehr gute Perspektive habt, dass ihr da ganz feinfühlig seid. Wenn wir anders mit Kindern umgehen und ihre emotionalen Bedürfnisse beantworten und Gefühle ernst nehmen, können wir sozusagen davon ausgehen, dass eine gute Verbindung zu den eigenen Gefühlen entstehen kann.
00:11:07: Sprecher 1 Und das ist ja enorm wichtig, denn die Bedeutung von Gefühlen und die Emotionen wirken sich ja oder die Emotionen, die wir haben, wirken sich auf das gesamte Leben aus, indem sie unser Handeln motivieren, unseren Gefühlsausdruck steuern und die soziale Kommunikation regulieren und eben auch unser Denken beeinflussen. Vielleicht ist es noch mal gut zu sagen wie setzt sich eigentlich ein Gefühl zusammen?
00:11:33: Sprecher 1 Also ein Gefühl setzt sich zusammen aus dem subjektiv empfundenen Gefühl, dem Anlass, der es auslöst, der eigenen Bewertung des Erlebten und einer körperlichen Reaktion, also einer Emotion. Zum Beispiel Ärger. Wenn wir Ärger empfinden, fühlen wir uns nicht gut. Ja, das ist ein subjektiv empfundenes Gefühl, weil etwas vielleicht nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen. Zum Beispiel Das Auto springt nicht an, das wäre dann der Anlass, was uns verärgert.
00:12:05: Sprecher 1 Ja, das ist dann die Bewertung des Erlebten. Und das zeigt sich auch in einer körperlichen Reaktion. Wir geraten innerlich in eine höhere Erregung und vielleicht, ich weiß nicht, wie ihr reagiert. Ihr könnt ja mal überlegen, wie das ist, wenn ihr euch ärgert und euch unbeobachtet fühlt. Ja, wir hauen zum Beispiel aufs Lenkrad oder der Puls schlägt schneller. Das merken wir.
00:12:26: Sprecher 1 Der Blutdruck steigt an, es kommen Gedanken. Also Gefühle haben große Bedeutung für uns. Sie wirken sich auf das gesamte Leben aus und sind der Motor unseres Denkens und Handelns. Die emotionale Entwicklung ist so also sehr eng mit der kognitiven, sozialen und sprachlichen Entwicklung des Kindes gekoppelt. Und deswegen ist es eben wichtig, von Anfang an die emotionale Entwicklung eines Kindes zu berücksichtigen.
00:12:54: Sprecher 1 Also wirklich von Geburt an, und dass in diesen wichtigen Entwicklungsschritten gerade in dem Alter, in dem jetzt eure Kinder sind, auch achtsam zu unterstützen. Und das macht ihr auch wirklich richtig, richtig gut. Ich würde gerne ein bisschen, wenn du mich fragst, Nils, was ich denke, dazu ein bisschen noch justieren da dran, weil ich das Gefühl habe, dass so was wie ein Druck entsteht, auch über Gefühle sprechen zu müssen.
00:13:20: Sprecher 1 Vielleicht mit diesem ganzen Wissen, was ihr habt, wenn ihr die Bücher, die Podcast usw gelesen habt, dass ihr jetzt so das Gefühl habt. Nils in Anführungsstrichen funktioniert jetzt an dieser Stelle nicht so richtig. Der geht in Rückzug, der will da nicht so drüber sprechen. Dieses Feld, diesen Raum, den ihr zur Verfügung stellt, der es für euch ganz ganz logisch und ergibt sich aus dem, was ihr wisst und aus dem, was ihr wollt.
00:13:43: Sprecher 1 Und jetzt geht aber Julian eher in Rückzug und eure Frage ist ja jetzt so was denke ich dazu sind die Dinge, die ihr tut, die Rituale, die ihr installiert habt. Die Fragen, die ihr stellt, sind die sozusagen für den Raum, um den es geht. Wenn wir über Gefühle und über Kinder sprechen. Ist das ein guter Raum oder solltet ihr ein bisschen justieren und noch mal den Fokus auf was anderes legen?
00:14:10: Sprecher 1 Also wenn ich deine Mail lese, habe ich das Gefühl das. Ja, ich habe es eben schon gesagt, dass ein bisschen viel Druck da ist. Also das ist so was wie ein Lernfeld ist, dem ihr euch bewusst zuwendet, auch mit dem Ritual, was ihr da installiert habt. Auch wenn Gefühlskarten natürlich ganz hilfreich sein können, ist immer noch mal die Frage wann und wie setzt man die ein?
00:14:32: Sprecher 1 Ihr habt die jetzt noch gar nicht so viel benutzt, aber wichtig ist vielleicht noch mal sich klar zu machen, worum geht es eigentlich? Und das eher in einen dynamischen Prozess, der im Alltag stattfindet, auch mit einzubinden. Um wirklichen Umgang mit Gefühlen zu lernen, sind im Grunde fünf Schritte in der emotionalen Entwicklung für uns Menschen wichtig. Nämlich Der erste Schritt ist, überhaupt ein Gefühl wahrzunehmen.
00:14:59: Sprecher 1 Dafür brauchen wir Menschen, die uns in dieser.
00:15:02: Sprecher 2 Wahrnehmung ein.
00:15:04: Sprecher 1 Bisschen helfen. Denn erst mal wissen wir ja gar nicht, was das ist. Und wir haben keine Kognition. Wir merken nur da ist irgendwas. Der zweite Schritt ist dann, ein Gefühl zu erkennen, es quasi als ein Gefühl auch.
00:15:17: Sprecher 2 Zu.
00:15:17: Sprecher 1 Markieren. Und der dritte Schritt ist dann, ein Gefühl auch benennen zu können. Ja, da merkt ihr dann auch darüber sprechen zu können. Der vierte Schritt Es kommt dann sehr, sehr viel später erst. Also die ersten drei Schritte sind wirklich als als, ja als Kleinkind, dann auch als Schulkind immer wieder auf anderen Niveaus, quasi in anderen Dimensionen wichtig. Und dann kommt der vierte Schritt, nämlich Gefühle regulieren.
00:15:45: Sprecher 1 Vorher sind wir auf Curriculation, auf ausschließlich auf Curriculation angewiesen. Und mit dem vierten Schritt beginnen wir dann. Das sind ja fließende Übergänge. Auch Gefühle selbst regulieren und kontrollieren zu können. Und im fünften Schritt, das können ja viele Erwachsene auch heute noch nicht und üben wir immer wieder, Gefühle auch selbst zu beeinflussen. Heißt ich merke, da steigt ein Ärger in mir auf, das Auto springt nicht an und dann aber für sich zu entscheiden, nehme ich den Ärger.
00:16:15: Sprecher 1 Ja, das heißt, ich muss ein Gefühl wahrnehmen, ich muss es erkennen, ich muss es benennen können. Und jetzt überlege ich Welche Form von Regulation mache ich? Lasse ich das an mich ran und reguliere das? Oder stelle ich das Gefühl vielleicht sogar zur Seite und beeinflusse das Gefühl und bewerte es ganz anders? Und sage Ist gar nicht schlimm, dann fahren wir mit dem Bus.
00:16:32: Sprecher 1 Also das sind diese fünf Schritte und das Ziel letztlich der emotionalen Entwicklung.
00:16:39: Sprecher 2 Ist.
00:16:39: Sprecher 1 Es ja, die eigene emotionale Landkarte besser kennenzulernen. Also wenn ihr die Bücher gelesen habt und die Podcasts kennt, dann wisst ihr das Zum Beispiel in der Reise über die Überhand Doppelseite, die die emotionale Landkarte gestaltet, ist wo, wo wir wirklich noch mal gucken so welches Gefühl liegt auf welcher Insel und welchen Hinweis gibt mir eigentlich das Gefühl, Welchen, welches Signal, Wie kann ich damit arbeiten?
00:17:06: Sprecher 1 Ja, wofür ist das gut? Wofür sind Gefühle auch gut? Gefühle sind ja Hinweisgeber. Signale für mich in Bezug auf das, was ich erlebe in Bezug auf das, was im Außen gerade stattfindet. Und jetzt habt ihr schon ganz nachvollziehbar für mich auch gelesen und also das Verhalten von Julian gelesen und habt eben auch gesagt ja, da ist eine starke Emotion und euch ist klar, dass da ein Bedürfnis dahinter liegt.
00:17:33: Sprecher 1 Ihr schreibt hier von Bedürfniswunsch. Ja, und du hast recht, da liegt ein Bedürfnis dahinter. Und gleichzeitig ist es auch wichtig, hier zu unterscheiden Was ist eigentlich ein Wunsch und was ist eigentlich ein Bedürfnis? Weil dann kommen wir viel eher noch mal auf eine Antwort, die sozusagen das Bedürfnis, um das es geht, auch gut beantworten kann. Impulse zum Mitnehmen.
00:18:02: Sprecher 1 Es ist für uns Eltern hilfreich, genau zu unterscheiden Was ist eigentlich das emotionale Bedürfnis eines Kindes und wodurch bringt es dieses Bedürfnis gerade zum Ausdruck? Oft werden Wunsch und Bedürfnis synonym verwendet und genau deshalb ist es wichtig, die Unterscheidung zu verstehen. Kinder weisen uns mit ihrem Verhalten, mit einem Wunsch oder einem Anliegen oft auf ein seelisches Grundbedürfnis hin.
00:18:26: Sprecher 1 Die drei wesentlichen Bereiche sind Sicherheit, Verbindung und Autonomie bzw Selbstwirksamkeit und können uns dabei gute Orientierung geben. Ein Wunsch ist das, was ein Kind ganz konkret sagt. Liest du mir ein Buch vor? Bleib bei mir. Ich will das alleine machen oder ich will noch nicht ins Bett. Dahinter liegt oft etwas Tieferes. Und genau das gilt es zu lesen und zu beantworten.
00:18:50: Sprecher 1 Nicht einfach zu erfüllen. Denn erfüllen klingt schnell so, als müssten wir einen Wunsch einfach möglich machen. Aber darum geht es nicht. Entscheidend ist, dass ein Kind auf der emotionalen Ebene eine Antwort bekommt, dass es sich gesehen, gehört und verstanden fühlt. Wenn ein Kind also mit dem Wunsch kommt, ein Buch mit dir zu lesen, dann geht es nicht nur um die Geschichte und das Lesen.
00:19:12: Sprecher 1 Hier könnte es um die Sehnsucht nach Verbindung zu dir gehen oder auch Sicherheit oder beides, je nach Kontext. Vielleicht will es einfach deine Nähe spüren und drückt das über den Wunsch nach einem Buch lesen mit dir aus. Und dann ist die Frage nicht nur kann ich diesen Wunsch jetzt erfüllen, sondern vor allem Wie kann ich auf das Bedürfnis antworten, das dahinter liegt?
00:19:32: Sprecher 1 Wenn ich also gerade nicht mit meinem Kind lesen kann, kann ich trotzdem Verbindung geben. Ich kann sagen, Du möchtest jetzt gerne mit mir lesen, Ich verstehe das. Ich kann einen Platz neben mir anbieten, mein Kind berühren, seine Hand nehmen, die Hand auf den Kopf legen, ihm Nähe geben. So erlebt es Ich bin gemeint, Ich werde gesehen und ich werde in meinem Anliegen wahrgenommen und verstanden.
00:19:54: Sprecher 1 Wenn wir nur auf der Ebene des Wunsches bleiben, landen wir schnell bei Ja oder Nein. Wenn wir aber das Bedürfnis dahinter sehen, verändern wir unseren Blick. Dann fragen wir uns nicht mehr nur Muss das jetzt sein? Sondern was zeigt mir mein Kind gerade? Was braucht es gerade? Verbindung, Sicherheit, Autonomie? Und das kann es schon einen Hinweis auf einen möglichen Schritt in der Handlungsebene geben.
00:20:17: Sprecher 1 So hilft uns dieser Perspektivwechsel, Kinder eben nicht nur im Verhalten zu begegnen, sondern auf der emotionalen Ebene eine Antwort zu finden.
00:20:30: Sprecher 1 Ja, und jetzt können wir uns die emotionale Landkarte noch mal genauer anschauen und da auch nochmal gucken Welche Bedeutung haben denn die Gefühle? Ja, also sie wirken sich auf unser ganzes Leben aus. Das habe ich schon gesagt. Sie steuern soziale Kommunikation, Kommunikation und unser Denken. Und ich merke immer wieder, dass in der Gesellschaft Gefühle einen irgendwie zweifelhaften Stand haben.
00:20:55: Sprecher 1 Es werden oft auch abwertende Worte wie gefühlsduselig oder rührselig oder empfindlich verwendet, wenn jemand auf der Gefühlsebene auch reagiert oder einen guten Zugang zu seinen Gefühlen hat. Und ihr habt schon sehr schöne Worte gefunden und habe gesagt eben Feinfühligkeit. Ich finde, das ist eben etwas, was wir doch brauchen in unserer Welt, dass wir fein fühlen, worum es geht.
00:21:21: Sprecher 1 Und zusätzlich entsteht auch oft der Eindruck.
00:21:24: Sprecher 2 Es.
00:21:24: Sprecher 1 Gäbe eine Unmenge an unterschiedlichen Gefühlen. Und das ist irgendwie so ein Wust und und irgendwie ja sehr undifferenziert. Und ich finde es immer ganz gut, wenn man sich das noch mal klar macht. Diejenigen, die den Eisberg kennen, wissen, dass ich das an der Stelle auch immer mal wieder sage, wenn es um die emotionale Landkarte geht. Dass es gar nicht so viele Gefühle gibt, sondern viele Schattierungen, Färbungen, Facetten, Gefühlszustände.
00:21:50: Sprecher 1 Und es gibt aber schon vor allen Dingen eigentlich einige wenige Grundemotionen, Das heißt, es gibt gar nicht so viele Gefühle. Die Wissenschaft spricht von sieben Grundemotionen Freude, Schmerz, Trauer, Scham, Ekel, Wut, Ärger und Angst. Und ich nutze in meiner Arbeit vor allen Dingen Freude, Schmerz.
00:22:11: Sprecher 2 Trauer, Wut.
00:22:12: Sprecher 1 Ärger und Angst. Ich nehme Ekel oft raus, weil das gar nicht so entscheidend ist. Oft für die Situationen, um die es geht, das zu lesen. Aber diese anderen sieben Emotionen sind schon immer wieder maßgeblich dafür, um das Verhalten gerade in dem Alter noch mal besser auch zu lesen und zu schauen. Was liegt da eigentlich für eine Emotion, für ein Gefühl dahinter.
00:22:35: Sprecher 1 Und ich habe es eben schon gesagt Gefühle geben uns einen Hinweis auf innere Zustände, auf etwas, was im Außen entsteht. Ja, und sie sind deshalb eben auch essenziell wichtig, damit wir uns orientieren können Und auch, dass wir die Welt facettenreich wahrnehmen können. So gibt mir zum Beispiel das Gefühl Freude in all seinen Schattierungen, zum Beispiel Zufriedenheit, Begeisterung, Fröhlichkeit, Leichtigkeit, Lebendigkeit.
00:23:05: Sprecher 1 Etwas gefällt mir Genuss, Spaß, Vergnügen. Also das heißt, ich fühle mich wohl, Mir geht es gut. Das ist sozusagen das Gefühl.
00:23:15: Sprecher 2 Freude.
00:23:16: Sprecher 1 Der Schmerz in all seinen Facetten. Der wiederum führt dazu, dass ich mich bedrückt fühle, belastet bin.
00:23:23: Sprecher 2 Betrübt bin.
00:23:24: Sprecher 1 Oder mich geplagt fühle. Also das heißt, da entsteht ein Druck in mir und gibt mir einen Hinweis darauf, dass etwas schmerzt und sich nach etwas sehnt, nach einer, nach einem Druckausgleich. Ja, kennt ihr vielleicht, wenn. Wenn euch irgendetwas wehtut, das ihr den Schmerz loswerden wollte? Also man kennt ja auch körperlichen Schmerz, die Trauer ist zum Beispiel ein Zustand von Traurigkeit, Leid, Gram, Kümmernis und ein Anzeichen dafür, dass ich Trost brauche.
00:23:52: Sprecher 1 Die Scham gibt mir einen Hinweis darauf, dass ich eine Grenze verletzt und oder übertreten habe. Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich in einer der letzten Folgen davon gesprochen habe, was eigentlich Scham wirklich für ein Gefühl ist, ein soziales Gefühl und dass es da eben auch die toxische Scham gibt. Aber jetzt, hier geht es jetzt erst mal wirklich um die Grundemotionen und da gehört Scham eben auch dazu als Ja, ich habe eine Grenze verletzt oder übertreten.
00:24:20: Sprecher 1 Und dadurch, dass ich das spüren kann, kann ich wieder reparieren. Dann gibt es den Ekel, auch wenn der weniger vorkommt. Bei mir auf dem Eisberg will ich trotzdem etwas dazu sagen. Also da ist Abscheu mit drin. Abneigung zeigt mir, dass mir etwas zu schnell so viel zu nahe kommt. Ja, Ekel ist ja oft auch verbunden, zum Beispiel mit Essen.
00:24:42: Sprecher 1 Das heißt, da wird eine Körpergrenze auch übertreten. Und Wut und Ärger gibt mir einen Hinweis auf eine Grenzüberschreitung. Stopp! Bis hierhin und nicht weiter. Und die Angst ist dann eben ja eigentlich auch was ganz Wichtiges, nämlich die gibt mir einen wesentlichen Hinweis auf Gefahr. Also ihr könnt euch, wenn ihr wollt, die emotionale Landkarte noch mal genauer anschauen. Wie gesagt, in der Sommerakademie ist sie mit dabei oder auch in der in der Reise, in dem Buch.
00:25:15: Sprecher 1 Und da ist es auch noch mal ausführlicher beschrieben. Ich finde das in diesem Kontext immer ganz hilfreich, noch mal sich klar zu machen wofür sind eigentlich Gefühle da, Welche Hinweise geben sie uns? Weil wenn ich zum Beispiel ein Kind habe, was wütend ist und sozusagen aggressiv nach vorne geht, sagt ja dann eben auch Stopp, bis hierhin und nicht weiter.
00:25:36: Sprecher 1 Ja und ihr beschreibt ja auch, dass euer Sohn das Julian sozusagen, sobald ihr in diese Gefühlswelt von ihm rein wollt, in der Art und Weise, wie ihr das jetzt im Augenblick tut. Nicht immer, aber vielleicht ab und zu, dass er dann in Rückzug geht. Ja, und das ist vielleicht eben auch eine Reaktion auf Stopp bis hierhin und nicht weiter.
00:26:03: Sprecher 1 Impulse zum Mitnehmen. Gefühle sind höchstpersönlich. Sie gehören zu unserem intimen Raum. Und sie sind immer auf etwas gerichtet. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Erwachsene damit achtsam umgehen. Kleine Kinder sind mit ihren Gefühlen noch sehr verschmolzen. Mit vier oder fünf Jahren haben Sie schon einige Erfahrungen damit gemacht, wie es ist, starke Gefühle zu haben und wie ihre Umwelt darauf reagiert.
00:26:27: Sprecher 1 Und Kinder, die sich mit ihren Gefühlen zeigen, machen nicht immer die Erfahrung, dass sie darin wirklich gesehen werden. Manchmal werden sie schnell beruhigt bewertet oder ihre Gefühle werden erklärt und sehr direkt benannt. Manchmal werden Gefühle auch gewissermaßen ausgelagert. Wenn Kinder zum Beispiel in ihrer Wut geraten wird, auf ein Kissen zu hauen, dann fühlen sie sich darin oft nicht wirklich gesehen.
00:26:50: Sprecher 1 Denn Gefühle sind nicht einfach nur Energie, die irgendwohin muss. Sie sind immer auf etwas gerichtet. Und dann kann es passieren, dass ein Kind sich eher zurückzieht, dass es spürt. Es ist vielleicht gar nicht so sicher oder hilfreich, sich mit einem Gefühl zu zeigen. Und das ist deshalb auch nicht mehr wirklich. Darüber sprechen möchte. Gerade deshalb braucht es ein behutsam Umgang.
00:27:09: Sprecher 1 Gefühle wollen nicht freigelegt oder abgefragt werden. Sie brauchen Resonanz. Das bedeutet auch Wir müssen nicht immer Kindern direkt Gefühle zuschreiben. Ein Satz wie Du ärgerst dich gerade kann für ein kleines Kind hilfreich sein. Manchmal aber auch schon sehr nah und sehr direkt sein. Manchmal ist es hilfreicher, etwas Abstand zu lassen. Also zum Beispiel Oh nein, wie ärgerlich, dass das gerade passiert ist.
00:27:34: Sprecher 1 Der Unterschied ist klein, aber wesentlich. Im zweiten Satz wird das Gefühl nicht fest an das Kind gebunden, es wird eher in den Raum gestellt. Das Kind kann sich darin wiederfinden, muss es aber nicht. Und genau dadurch entsteht oft mehr Sicherheit. So erlebt ein Kind Da ist jemand, der mich wahrnimmt, der etwas von meinem inneren Zustand versteht, ohne mich darauf festzulegen, ohne in mich hinein zu sprechen.
00:27:58: Sprecher 1 Und das ist auch Koregulation. Ein Erwachsener, der einem Gefühl Ausdruck gibt, Worte verleiht und Halt gibt ohne den inneren Raum des Kindes zu vereinnahmen.
00:28:12: Sprecher 1 Ja, also was bedeutet das jetzt ganz konkret für euch als Eltern? Also zunächst einmal alles das, was ich jetzt hier entwickelt, das ist für euch sozusagen Experimentiermaterial. Das dürft ihr einfach mal ausprobieren. Ihr dürft mal gucken, Wie fühlt sich das an? Ja, mein erster Gedanke ist, ich würde vielleicht noch mal schauen, Druck rauszunehmen, dass es nicht so sehr darum geht, dass Julian jetzt ganz schnell ich überspitze lernen muss, über Gefühle zu sprechen und dass ihr eben schon über die Gefühle sprecht, sondern dass ihr noch mal so einen Schritt zurückgeht, innerlich und noch mal euch klar macht, dass das keine Fähigkeit ist, die man jetzt sozusagen trainieren kann, indem ihr das in dieser Weise macht.
00:28:54: Sprecher 1 Also so funktioniert Entwicklung nicht. Das ist ja ein Prozess, sondern dass ihr mehr in der Beziehung bleibt, die auch zwischen euch ja stattfindet. Also ihr gestaltet die natürlich und gleichzeitig habt ihr ja. Also es ist ja keine Einbahnstraße, sondern könnt ihr über die Resonanz, die ihr von Julian auch empfangt, sozusagen etwas gestalten und über die Erfahrung, die er dann macht.
00:29:20: Sprecher 1 Da ist jemand, der mich wahrnimmt, ohne mich festzulegen, der mir, ohne der mir konkret erzählt, was ich gerade fühle, einen Raum zur Verfügung stellt. Da ist jemand, der mit dem, was in mir ist, achtsam umgeht. Das wäre die Erfahrung, die euer Sohn dann erst mal macht. Das heißt für euch ganz konkret vielleicht weniger direkt nach Gefühlen fragen. Ja, also weniger Wie hast du dich gefühlt?
00:29:46: Sprecher 1 Oder warst du traurig oder wütend? Denn letztlich setzen solche Fragen ja schon voraus, dass Julian differenziert sein inneres Erleben wahrnimmt und einordnen und benennen kann. Ja, das heißt nicht, dass die Frage falsch ist. Nur dass ihr das so ein bisschen mit einbezieht, dass es sein könnte, dass er vielleicht keine Worte dafür hat.
00:30:07: Sprecher 2 Und.
00:30:07: Sprecher 1 Oder dass es ihm zu nah ist. Ja, dass er sozusagen in seinen Gefühlen gerade höchstpersönlich unterwegs ist und sich das so ein bisschen nach aufdecken irgendwie anfühlt. Das heißt, wir könnten noch mal gucken, wie sich das anfühlt, wenn ihr in Resonanz geht und weniger abfragt. Also eher so Oh, das war wohl heute ganz schön viel, oder? Wie ärgerlich, dass das passiert ist.
00:30:31: Sprecher 1 Oder auch einfach zu sagen.
00:30:33: Sprecher 2 In.
00:30:34: Sprecher 1 Dieser Haltung Ich bin da. Ja, damit ist es so weniger so eine Aufgabe und weniger so ein ja investigatives Abfragen. Und er muss auch nicht Rede und Antwort stehen, sondern ihr stellt ihm etwas zur Verfügung. Also Sprache, Resonanz, Begleitung, einen Raum und einen Halt. Ja, dann vielleicht noch mal zu der Frage mit dem, wie ihr es so schön nennt Bedürfniswunsch.
00:31:01: Sprecher 1 Wenn ihr an so einer Stelle seid, dass ihr nicht auf der Ebene des Wunsches bleibt, sondern wirklich das darunterliegende Bedürfnis sozusagen noch mal erspürt und euch klar macht. Es gibt nur drei Bereiche Sicherheit, Verbindung, Autonomie. Und wenn er einen Wunsch an euch heranträgt, dass ihr schaut, wofür könnte dieser Wunsch gerade stehen? Geht es vielleicht um Verbindung? Geht es um Sicherheit?
00:31:26: Sprecher 1 Vielleicht geht es um Nähe. Und dann könnte sozusagen auch weniger Druck entstehen, jetzt da irgendwie zu suchen, weil es gibt ja nur diese Bereiche und es geht dann auch nicht mehr nur um die Frage ja, kann oder will ich jetzt den Wunsch von Julian erfüllen? Sondern ihr könnt euch fragen was zeigt uns unser Kind gerade? Was braucht es dahinter?
00:31:47: Sprecher 1 Welcher? Welche Antwort könnten wir finden für das Bedürfnis dahinter? Und manchmal sind es eben ganz kleine Gesten, die dann eben auch helfen können, weil Verbindung oder auch Sicherheit geben oder auch eine Autonomie Autonomie Raum zur Verfügung zu stellen. Da sind ja die Variablen ein hunderttausendfach möglich. Also könnt ihr immer wieder ein bisschen schauen, was ist gerade im Kontext der Situation, um die es gerade geht, auch möglich?
00:32:15: Sprecher 1 Ja, und was ich auch noch mal sagen möchte ist, dass der Rückzug von Julian jetzt nicht automatisch schwierig ist oder ein Problem ist. Ja, ihr beschreibt, dass euer Sohn im Kindergarten Gefühle eher mit sich selbst ausmacht und zu Hause sehr viel deutlicher zeigt. Das ist erst mal, wie ihr das auch interpretiert habt, ganz verständlich. Zuhause ist da offenbar mehr Sicherheit, mehr Bindung, mehr Raum da.
00:32:39: Sprecher 1 Dort zeigt er sich und das ist, finde ich auch genau so, wie er es beschreibt, erst mal ganz, ganz nachvollziehbar. Vielleicht wäre es gut, auch noch mal, wenn ihr mit der Kita in einem guten Kontakt seid, auch mit der Kita noch mal darüber zu sprechen, dass sie ihn auch in der Kita nicht bedrängen, sondern das wichtig ist, dass Julian mit seinen starken Gefühlen das Gefühl hat, nicht alleine sein zu müssen.
00:33:05: Sprecher 1 Er kann sich ja zurückziehen und trotzdem kann eine Brücke da sein, dass jemand das könnte ja zu Hause auch machen, wenn er da einen Rückzug geht. Und das kann man eben auch in der Kita machen, dass man sagt Du, ich sehe, du willst gerade für dich sein, ich bin da. Und dass man aber dann auch noch mal guckt nach ihm und nicht einfach sozusagen er wieder von sich aus kommt und alle so tun, als ob nichts passiert wäre.
00:33:26: Sprecher 1 Was in der Kita ja oft noch dazu kommt, ist, dass der Konflikt geklärt werden soll. Und da kommt es sehr darauf an, wie die Kita Konflikte klärt. Also wird da dann sozusagen so eine Richter oder eine Polizistenrolle eingenommen. Wer hat angefangen, wer hat wem was weggenommen? Auf so einer beschreibenden Ebene, Weil dann entsteht unter Umständen auch noch mal mehr, gerade auch in der Feinfühligkeit von Julian das Gefühl, er hat was falsch gemacht und und er muss sich dem so stellen.
00:33:55: Sprecher 1 Und im Grunde sind ja die Kinder in der Kita, um genau so was auch zu lernen. Was habe ich gefühlt, was habe ich gedacht? Mensch, du hast dich geärgert und dann hat Julian sich auch geärgert Wie doof Und was machen wir denn jetzt? Also das wäre jetzt noch mal ein Podcast für sich, aber das könnt ihr ja mal so ein bisschen erspüren.
00:34:11: Sprecher 1 Wie löst eigentlich die Kita Konflikte? Und gibt es deswegen auch noch einen Grund, dass sich Julian zurückzieht, weil ihm das zu viel ist? Zu nah ist er sich da er das nicht als konstruktiv empfindet und er sich da nicht gesehen fühlt, sondern das so auf der Oberfläche geklärt wird. Ja, auch deshalb würde ich ihn einfach nicht drängen, über Gefühle zu sprechen, sondern dass ihr noch mal schaut, unter welchen Bedingungen.
00:34:37: Sprecher 1 Jetzt zu Hause kann das denn entstehen, ohne dass ihr jetzt akribisch guckt, sondern ihr könnt ja mal beobachten, wann öffnet er sich eigentlich euch von selbst? Ja, und oft passiert das eben nicht im direkten Gespräch eins zu eins Wir holen jetzt die Karten raus und reden darüber, sondern eher in Situationen, die so mitlaufen, so in Lebenssituationen, so die über einen an etwas Drittes stattfinden, Also Verbindung über etwas Drittes.
00:35:04: Sprecher 1 Also beim Spielen, beim Bauen, beim Kuscheln, im Auto, beim Einschlafen, also beim gemeinsamen Miteinander Sein im Tun. Ja, und gerade da entstehen dann oft diese kleinen Momente, bei denen dann irgendwie so was aufblitzt, auftaucht, ohne dass man es jetzt hervorholen wollte oder hervorgeholt hat. Ganz bewusst. Also das finde ich eigentlich auch aus meiner Erfahrung als Mutter immer wieder sehr erstaunlich, dass wenn wir da eben nicht so sehr einen bewussten Raum zur Verfügung stellen, sondern eben auch merken, Gefühle sind höchstpersönlich, da hängen auch andere Gefühle noch mit dran.
00:35:41: Sprecher 1 Also Mama und Papa haben mit der Kita gesprochen und jetzt soll ich da Auskunft geben? Da entsteht ein Druck. Ja, also dass ihr da diesen Druck ein bisschen rausnimmt. Ihr macht das wirklich alles richtig.
00:35:52: Sprecher 2 Gut.
00:35:53: Sprecher 1 Und ich danke euch sehr für die Frage, denn es wird deutlich, wie gut ihr das macht und dass hier vielleicht an einigen Stellen zu sehr den Fokus auf dieses Thema. Wir reden über Gefühle gestaltet gesetzt habt.
00:36:07: Sprecher 2 Ja.
00:36:07: Sprecher 1 Denn es geht erstmal ja nicht darum, dass euer Sohn möglichst schnell lernt, Gefühle richtig zu benennen, sondern dass er erst mal in Beziehung erlebt, dass seine innere Welt einen Platz haben darf, also ganz bewusst das erlebt und dass das, was in ihm auftaucht, nicht zu viel ist und nicht falsch ist und nicht weggemacht werden muss und nicht erfragt werden muss und er sich dem nicht stellen muss, sondern sozusagen in einem Raum gehalten wird, behutsam, klar, zugewandt.
00:36:36: Sprecher 1 Genau. Das heißt also, er muss jetzt vielleicht in dieser Weise, in der ihr das erwartet, noch nicht.
00:36:42: Sprecher 2 Über.
00:36:43: Sprecher 1 Gefühle sprechen, sondern er darf das lernen. Und wir Erwachsene sind erst mal eingeladen, einen Raum zu schaffen, in dem Gefühle überhaupt zur Sprache kommen können. Sich sicher anfühlen. Und aus dieser Sicherheit heraus entwickelt sich dann Schritt für Schritt auch Sprache. Immer mal wieder. Ihr werdet merken, dass Julian ja an anderen Stellen eben auch schon Gefühle benennen kann. Beobachtet das doch mal, wann das von selbst kommt.
00:37:11: Sprecher 1 Ja, vielen Dank noch mal für die Frage, Niels, Das ist. Ich könnte ganz viel noch dazu sagen. Ich hoffe, ihr konntet einige Impulse mit rausnehmen. Wenn ihr mögt. Schreibt mir doch mal auch ihr anderen, wie ihr mit starken Gefühlen umgeht. Es ist ja immer die Frage dann wie verhalte ich mich? Weil es geht dann auch oft um Konflikte.
00:37:29: Sprecher 1 Aber wie können wir einen Raum für Gefühle zur Verfügung stellen und diesen Raum auch halten, ohne das Ja, dass da sozusagen eine Bewertung stattfindet? Das ist gar nicht so einfach. Also vielen Dank, ihr Lieben, das war für heute die Familiensprechstunde. Ich freue mich, wenn ihr ja, wenn ihr erzählt, wie es mit euren Kindern geht. Vielleicht auch mal, was ihr denkt und fühlt.
00:37:54: Sprecher 1 Erinnert euch noch mal an den Satz vom Anfang Wir gehen diesen Weg als Familie kraftvoll gemeinsam. Es interessiert mich zu hören, was du denkst und fühlst. In dieser Haltung können wir unseren Alltag mit den Kindern gestalten. Für heute sage ich Auf Wiedersehen. Ich danke euch für euer Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst und euren Kindern und bis zur nächsten Woche eure Katia.
00:38:27: Sprecher 1 Das war die Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich. Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt, eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spür gerne nach und entschleunigen.
00:38:52: Sprecher 1 Noch mal Wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest, schreib mir gerne an Podcastminus, Familiensprechstunde etc.. Katia Saalfrank. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert. Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehungserfahrungen und Verbindungsmomente.
00:39:24: Sprecher 1 Und nicht vergessen es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen. Bleibt nicht damit alleine schon ein Gespräch kann Veränderung bringen. Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katia.
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