Folge 12: Jugendliche begleiten – wie Co-Regulation sich wandelt
Shownotes
In dieser Folge spreche ich darüber,
– warum Co-Regulation nicht nur ein Thema der frühen Kindheit ist
– weshalb sie sich in der Pubertät nicht auflöst, sondern ihre Form verändert
– was Jugendliche in ihrer sensiblen Übergangsphase zwischen Bindung und Ablösung brauchen
– warum starke Gefühle in dieser Zeit oft besonders intensiv erlebt werden
– wieso Eltern auch in stürmischen Phasen ein emotional verlässliches Gegenüber bleiben dürfen
– und was es heißt, in Beziehung zu bleiben, ohne sich aufzudrängen
Diese Folge lädt dazu ein, Jugendliche nicht vorschnell als schwierig oder unzugänglich zu verstehen, sondern ihre innere Entwicklungsbewegung mitzudenken und -fühlen — und Co-Regulation in dieser Lebensphase feiner, mehrdimensionaler und beziehungsbasier zu betrachten.
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Transkript anzeigen
00:00:04: Sprecher 1 Herzlich willkommen bei der Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. In diesem Podcast geht es um Bindung und Beziehung, um das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern und um das, was hinter dem Verhalten von Kindern wirkt. Ich bin Katia Saalfrank, Ich bin Diplompädagogin, Familientherapeutin und körperorientierte Eltern und Familienberaterin in eigener Praxis in Berlin. Ich bin Autorin, Podcasterin und Mutter von vier Söhnen.
00:00:30: Sprecher 1 Ich arbeite bindungsund beziehungsorientiert und begleite Menschen dabei, Kinder besser zu verstehen und sich selbst gleich mit. Ich freue mich sehr, dass du eingeschaltet hast. Schön, dass du da bist. Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. Schön, dass Sie wieder eingeschaltet habt und bei meiner sprechstunde mit dabei seid. Ich freue mich sehr darüber und ich hoffe von Herzen, dass es euch gut geht, dass ihr die Sonne genießen könnt und dass ihr eine gute Zeit habt.
00:01:02: Sprecher 1 Heute möchte ich wieder eine Frage von euch aufgreifen, die mich zu einer bereits ausgestrahlten Folge erreicht hat, und zwar diesmal zu Folge zwei, wenn Sicherheit wankt, kindliche Angst begleiten. Ich habe mich in dieser Folge mit kindlicher Angst konkret im kontext beschäftigt und eine Mutter hatte dazu geschrieben und es ging um Fragen zum Thema Schule und zur emotionalen Entwicklung der Kinder in der Wackelzahn Pubertät und um Koregulation.
00:01:33: Sprecher 1 Da hatten wir einen kleinen Fokus draufgelegt, weil es natürlich um die Angst ging und die Frage wie kann man die Gut Co regulieren? Gerade auch im Alter der Wackelzahn Pubertät. Und da hatte ich auch einen Impuls für euch rein formuliert und dem würde ich gerne hier noch mal Raum geben. Bevor wir dann zu der Frage kommen, die heute von Linda kommt.
00:01:55: Sprecher 1 Also hier erstmal der Impuls zum Mitnehmen zum Thema Coregulation, Impulse zum Mitnehmen. Ganz grundsätzlich Wenn dein Kind starke Gefühle zeigt, dann ist es wichtig, dass du als Vater, Mutter oder jemand, der gerade für das Kind zuständig ist, Raum für das Gefühl gibt und diesen Raum hält. Das ist ein so wichtiger Zwischenschritt, bevor es weitergehen kann. Mach also das Gefühl nicht weg, rede es nicht klein, rede auch überhaupt nicht so viel, begleite das Gefühl, erkenne es, benenne es und zeig Verständnis.
00:02:29: Sprecher 1 Ganz dosiert. Ziel ist nicht, dass das Gefühl weggeht, sondern dass es da sein und durch fühlt werden kann. Das nennt man eben Curriculation.
00:02:43: Sprecher 1 Und jetzt hat mir Linda dazu geschrieben. Also natürlich heißt Linda nicht Linda, sondern anders. Und auch an der Stelle noch mal total schön, dass ihr wirklich diese Folgen so aufmerksam durch hört, dass ihr die Gedanken, die ihr dazu habt, auch in meine Richtung schickt. Und damit das alles hier ganz vielfältig macht. Deswegen, wenn ihr auch zu anderen Folgen Fragen habt oder Anmerkungen habt oder weiter oder tiefer denken wollt, schickt mir gerne eure Fragen an Podcastminus, Familien, Sprechstunde etc..
00:03:16: Sprecher 1 Katia Saalfrank p.de und natürlich auch für alle anderen Fragen. Wenn ihr Themen habt zu eurer Familie oder zu der Situation, in der er euch befindet, gerne auch dorthin. Jetzt aber zu Linda. Linda schreibt.
00:03:33: Sprecher 1 Liebe Katia, danke fürs Weitermachen. Mich würde sehr interessieren, inwieweit sich deine Ratschläge zu Korrigulation auf Pubertierende übertragen lassen. Ich denke in vielen Situationen eins zu eins, aber deine Meinung dazu fänd ich sehr wertvoll. Herzliche Grüße, Linda.
00:03:53: Sprecher 1 Ja, vielen Dank Linda, für die Frage und ich will vielleicht zwei Sachen vorwegschicken. Das eine ist, dass ich einfach nur noch mal das so ein bisschen klar sagen möchte, dass ich eigentlich gar keine Ratschläge geben möchte und ich auch bitte, dass ihr das nicht so aufnimmt, dass ich hier Ratschläge gebe. Alleine schon in dem Wort steckt ja drin, dass ich einen Schlag gebe.
00:04:16: Sprecher 1 Und ja, ich kann gar keine Ratschläge geben, sondern das was. Was ich versuche, ist sozusagen, die Situation ein bisschen besser zu verstehen. Und zwar anhand dessen, was ich weiß über Zusammenhänge und auch aus den unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen Weiß und Koregulation ist ja etwas. Das ist ja auch wissenschaftlich erforscht, sozusagen wie unser Nervensystem funktioniert. Und daraus versuche ich ein bisschen abzuleiten, wie wir umgehen können, mit Situationen oder umgehen könnten oder welche Dinge wir berücksichtigen könnten.
00:04:49: Sprecher 1 Also es ist immer ein Angebot. Das ist mir irgendwie noch mal wichtig, das an der Stelle zu sagen. Und in diesem Sinne gehen wir vielleicht jetzt mal in diese Frage rein. Wenn wir über Curriculation sprechen, denken wir wahrscheinlich zuerst an jüngere Kinder. Das Kind, was klein ist, was irgendwie zwischen zwei und fünf ist, das weint wütend, es überflutet es von Gefühlen und einen Erwachsenen braucht, der da es beruhigt, hält, einordnet.
00:05:16: Sprecher 1 Und das ist ja auch genau der Beginn von Curriculation. Das heißt, es gibt in diesem frühen Alter die Möglichkeit, dass wir unsere Kinder orientieren in einer Situation, in der sie keine Orientierung haben und dann Sicherheit verlieren und dadurch in einen inneren Notzustand kommen, in einen Ausnahmezustand kommen. Das heißt, wir erzählen davon, dass das, was sie gerade erleben, ein Gefühl ist, dass sie traurig sind, dass sie vielleicht auch Ängste haben, dass sie ein Schreck bekommen haben, dass sie wütend sind.
00:05:48: Sprecher 1 Wir versuchen, die Dinge zu verknüpfen. Du ärgerst dich über. Also da kriegen die Kinder ja ganz viele wertvolle Orientierungspunkte mit, was gerade in ihnen vorgeht. Eben mit dem Ziel, das, wenn sie komplexer in ihrer Entwicklung sind, wenn Antizipation dazukommt, Assoziation und Abstraktion in der entwicklung, dass sie dann eben die Möglichkeit haben, das, was wir vorher sehr rudimentär übernommen haben, als wir sozusagen ihnen unsere Kognition geliehen haben, unsere Worte gegeben haben zur Orientierung, dass sie das für sich mehr selbst übernehmen können.
00:06:25: Sprecher 1 Und gleichzeitig ist es so, dass damit eben auch nicht alles abgehakt ist. Und Co Regulation endet eben nicht in der frühen Kindheit, sondern Curriculation verändert ihre Form. Und wenn wir jetzt mal auf die Wackelzahn Pubertät kommen, also wenn Kinder fünf sechs sind und dann in die Schule kommen, dann haben sie eben diese drei großen As schon viel mehr.
00:06:51: Sprecher 1 Also sie entwickeln Vernetzungen im Gehirn, die die Struktur dann erweitern und die Dimension möglich machen, mehr zu planen, mehr sich zu abstrahieren, um eben auch so was wie Systeme wie Rechnen, Schreiben, Lesen, anders aufnehmen zu können. Also das heißt, es wird sozusagen das Denken wird mehrdimensional und hebt sich aus dem direkten Moment ab in eine abstrakte Form. Und Sie können dadurch antizipieren, Sie haben auch mehr Bilder im Kopf.
00:07:18: Sprecher 1 Und das ist also passiert, nicht von heute auf morgen, sondern das ist ein Prozess, auf den Sie eben auch gerade in dieser Phase noch nicht sicher wieder zugreifen können, wenn Sie im Stress sind. Das heißt, es kann durchaus sein, es auch in der Wackelzahn Pubertät, also in dieser Zeit zwischen fünf, 6 bis 10, elf, zwölf auch noch mal Situationen auftreten, wo starke Überflutung stattfindet und wir das Gefühl haben, Wir, die Kinder, brauchen uns.
00:07:44: Sprecher 1 Sie brauchen jemanden, der den den Raum hält, der das Gefühl hält. Und gleichzeitig haben sie da schon auch ja Worte für Gefühle. Sie brauchen nicht mehr die Information unbedingt wie ein dreijähriges Kind. Du ärgerst dich gerade, Ich sehe, dass du dich ärgerst. Ich verstehe, dass du dich ärgerst. Das ist sozusagen das Rudimentäre, was wir am Anfang als Orientierung geben.
00:08:05: Sprecher 1 Während wir dann mehr in den Dialog gehen mit den Schulkindern, weil sie ja auch schon mehr Sprache zur Verfügung haben, weil sie schon komplexere Denkstrukturen entwickelt haben und weil sie schon mehr Erfahrung auch über Gefühle haben und auch schon Worte haben für das, was unter Umständen in ihnen vorgeht, wenn's gut läuft. Also wenn sie die Möglichkeit haben, auch in ihrer früheren Kindheit Koregulation erlebt zu haben.
00:08:31: Sprecher 1 So, und wie sieht das jetzt bei den Jugendlichen aus? Also auch Jugendliche brauchen Curriculation. Natürlich sind sie mit 1314161820 anders aus, als wenn ein Kind drei, vier Jahre alt ist oder auch in der Wackelzahn Pubertät ist. Auch weil die Themen ganz andere sind. Wer Interesse hat, sich diese Zusammenhänge noch mal genauer anzugucken. KBV zwei und auch KBV drei sind Kurse.
00:08:57: Sprecher 1 Kinder besser verstehen die sich mit diesen Entwicklungsschritten und auch mit der Frage Wie können wir bindungs und beziehungsorientiert damit umgehen? Auch mit den Themen, die dann auf die Kinder zukommen? Wie können wir regulieren? Was passiert im Gehirn? Sich noch mal beschäftigt und ihr könnt da gerne auf meiner Seite Katia Saalfrank Punkte noch mal schauen, wenn ihr euch dafür interessiert.
00:09:18: Sprecher 1 Also deswegen, wenn wir heute oder jetzt hier in der Situation auf die Entwicklung in der Pubertät schauen, dann können wir feststellen, dass die Zusammenhängen noch komplexer werden. Also die Kinder wissen, die Jugendlichen wissen schon etwas über ihre Gefühle. Sie haben auch schon viel Erfahrung gemacht, noch mehr Erfahrung als eben vorher in der Grundschulzeit. Sie haben Worte für ihre Gefühle gefunden und es kommen auch Gedanken mit dazu, die dann eben auch wieder Gefühle auslösen können.
00:09:50: Sprecher 1 Das kann dann wie so ein Ping Pong sein. Also es kommen viel mehr Lebensfragen dazu und es kommen ja auch Themen noch mal mit dazu, die mit Ablösungen zu tun haben. Und wir können sagen, dass aus bildungs und beziehungsorientierter Sicht die Jugendlichen in so einer ganz sensiblen Übergangsphase sind. Also sie sind nicht mehr Kind, aber auch noch nicht erwachsen.
00:10:11: Sprecher 1 Und ich will gerne zwei Entwicklungen ansprechen, wenn es um Curriculation geht, nämlich einmal die Ja dieser Aspekte. Dass die Heranwachsenden ihr Areal, also eigentlich das Angstzentrum, die Amygdala für die Zuordnung von Entscheidungen nutzen. Das heißt, da wird eher emotional und kurz entschlossen gehandelt. Ja, bei Älteren fand sozusagen dieser Prozess eher schon im frontalen Cortex statt, das heißt, in der Zeit der Pubertät verlagert sich der Bereich, wo Entscheidungen getroffen werden, von emotional, kurz, entschlossen hin zu übergeordnet und und eher durchdacht.
00:10:57: Sprecher 1 Noch mal und das ist ein wichtiger Punkt. Denn die Wissenschaft schließt daraus, dass Jugendliche in einer bestimmten Phase eben schlichtweg noch nicht sicher in der Lage sind, Emotionen gut einzuordnen und deswegen oft impulsiv und auch unreguliert reagieren. Und das ist etwas, was wir erst mal wissen können und deswegen vielleicht auch unsere Curriculation daran anpassen können. Bzw ja uns nicht erschrecken müssen, wenn wir das Gefühl haben, die Jugendlichen konnten doch schon mal auf etwas zurückgreifen, was so was wie Antizipation, Assoziation, Abschätzen von Folgen von Konsequenzen usw eigentlich sicher gemacht hat.
00:11:41: Sprecher 1 Und dann gibt es so eine Phase. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, wo man dann so das Gefühl hat, es gibt so was wie ein Risikoverhalten, was rückschrittlich ist irgendwie, dass ja Jugendliche da sehr ins Ausprobieren gehen, sehr auch über Grenzen gehen, wo wir dann manchmal so diesen Gedanken im Kopf haben was habt, was habt ihr euch dabei gedacht, was hast du dir dabei gedacht?
00:12:02: Sprecher 1 Also das ist so das eine. Das andere ist, dass es eine für mich noch mal die größte Veränderung auf der Bindungsebene gibt. Das heißt, wenn wir uns die Bindungsebene angucken, können wir feststellen, dass die emotionale Abhängigkeit von uns Eltern entfällt. Und das ist ein sehr spannender Punkt. Denn wenn Kinder auf die Welt kommen, das kennt ihr ja, sprechen wir hier immer wieder.
00:12:28: Sprecher 1 Dann kommen sie auf die Welt, um sich zu binden und sie binden sich an ihre erste Bindungsperson. Diejenigen, die eben da sind, weil sie von einer Verbindung zu einem Menschen oder zu den Menschen, die um sie herum sind, abhängig sind. Ja, das ist also evolutionsbiologisch und bindungstheoretisch eine enorme Voraussetzung, also die Voraussetzung dafür, überhaupt zu überleben. Und deswegen ist da auch eine Abhängigkeit dran geknüpft und wir binden uns sozusagen automatisch.
00:12:56: Sprecher 1 Und Jugendliche beginnen sich nun aus genau dieser frühen, kindlichen, emotionalen Abhängigkeit zu lösen. Ich sage mal so Wenn's gut läuft, wird die brauchen das die Bindung wird schwächer und verschwindet dann ganz. Also nicht die Verbindung an sich, sondern die Abhängigkeit in dieser Verbindung, die verschwindet. Das heißt, die Jugendlichen suchen mehr Eigenständigkeit, noch mehr Selbstbestimmung, mehr Zugehörigkeit auch außerhalb der Familie.
00:13:27: Sprecher 1 Und das heißt, sie suchen eben nicht mehr die Verbindung in der Form, wie sie sie vorher zu uns hatten, zu uns, sondern sie sind auf der Suche nach Verbindung zu Beziehungen im Außen, zu Freunden oder auch zu ersten Liebespartnern Liebespartnerin und sind da auf der Suche nach Verbindung mit der gleichen Beziehungsqualität, wie sie sie bei uns in den ersten Bindungen erlebt haben.
00:13:52: Sprecher 1 Und jetzt? Ja, weiß ich nicht. Ist das eine gute Nachricht, Das eine schlechte Nachricht? Das hört sich erst mal sehr bindungslos an zu uns. Was ich sagen kann ist, dass die Verbindung zu uns Eltern weiterhin von Bedeutung ist. Also das heißt, die Entwicklung geht zwar oft mit mehr Abstand einher, weil sie natürlich einen größeren Raum brauchen, um sich auszuprobieren und auch in andere Räume zu gehen.
00:14:15: Sprecher 1 Und trotzdem brauchen Jugendliche Beziehungen und sind Eltern weiterhin wichtig für die Jugendlichen, auch wenn wir das oft nicht so interpretieren. Und genau darin liegt auch oft ein, ja eigentlich eine große Spannung in dieser Lebensphase. Ja, sie brauchen eben nicht mehr die Bindung in der alten kindlichen Form, in, sondern mehr in einer, ja in einer fast erwachseneren Form. Also nicht mehr die kindliche Form von Nähe, Schutz und Führung rund um die uhr.
00:14:47: Sprecher 1 Und trotzdem brauchen Sie nach wie vor ein emotionales, verlässliches Gegenüber, also nicht als dauernde Steuerung oder Führung von außen, sondern vielmehr als raumgebende Beziehung, an der sie sich innerlich noch weiterhin orientieren können. Und das bedeutet eben Koregulation verändert sich über die Jahre und in der Pubertät wird sie dann vor allem dialogischer. Aber sie hört nicht auf. Ja, sie wird vielleicht auch weniger körperlich, weniger direkte, regulierende weniger.
00:15:22: Sprecher 1 So im beruhigen jetzt beruhigt dich, sondern vielmehr so in dieser klareren Haltung, die da heißt Ich bleibe da, ich halte dein Gefühl aus, ohne dich zu entwerten. Ich dränge mich nicht rein oder ich erhebe mich nicht über dich. Erzähl dir nicht, was in dir vorgeht, und ich lasse dich nicht alleine damit. Und Jugendliche erleben Gefühle eben oft sehr intensiv.
00:15:48: Sprecher 1 Das hat mit dieser Gehirnentwicklung zu tun, die ich vorhin schon mal als Aspekt mit reingebracht habe. Also diese Bereiche, die stark mit Emotionen, Belohnung, sozialer Resonanz, unmittelbarer Reaktion verbunden sind, sind in dieser Phase einfach sehr aktiv. Und da liegt dann eben auch dieser schnelle Handlungsimpuls drin, während eben die Hirnregionen für die Impulskontrolle, Vorausschau, Einordnung, Abwägung, Selbststeuerung usw zuständig sind, die reifen eben noch weiter aus.
00:16:18: Sprecher 1 Und da können die Jugendlichen oft in dieser Phase gar nicht so sehr darauf zugreifen. Das heißt nicht, dass Jugendliche immer und überall völlig irrational sind, aber es heißt, dass sie ja alles oder diese Gefühle viel intensiver, viel unmittelbarer, körpernäher und auch ja oft viel, viel tiefer erleben und dadurch eben auch, ja sich oft viel verletzlicher zeigen und auch viel verletzlicher sind, als es oft von außen auch wirkt.
00:16:49: Sprecher 1 Was in dieser Phase der Pubertät der Jugendlichen noch mit dazukommt und vielleicht auch mit in diesen Kontakt, in diese Kurregulation reinspielt, ist der Aspekt der sozialen Zugehörigkeit. Also der bekommt eine enorme Bedeutung. Ja, das ist ein Grundbedürfnis, was noch mal ganz groß wird. Wie werde ich gesehen? Gehöre ich dazu? Werde ich ausgeschlossen? Bin ich verstanden? Ja. Also das Gefühl der Zugehörigkeit, also das kommt alles mit dazu und hat eben auch dann emotional großes Gewicht.
00:17:22: Sprecher 1 Und deswegen wirken eben auch Konflikte noch mal viel intensiver, weil natürlich da auch Beschämung mit dabei ist, dann Kritik oder Zurückweisung reguliert werden muss. Also das sind alles Themen, mit denen Jugendliche dann konfrontiert werden. Für Eltern bzw für die Curriculation heißt das eben, wenn Jugendliche starke Gefühle zeigen, dass sie dann eben erst mal nicht eine Beruhigung brauchen oder weniger diese Basics von Koregulation.
00:17:52: Sprecher 1 Oft wollen sie gar nicht mehr in den Arm genommen werden oder runter reguliert werden, sondern sie reagieren ja häufig sehr empfindlich auf alles, was sich übergriffig, belehrend maßregeln oder auch so beruhigend anfühlt. Und das heißt, sie brauchen im Grunde Curriculation, die sich verändert und die etwas mehr gliedriger, mehrdimensionaler, etwas feiner werden darf. Ja, und manchmal besteht Curriculation vor allen Dingen darin, nicht sofort zu reden, ja manchmal darin, Spannung auszuhalten, ohne nachzusetzen, ohne Fragen zu stellen, manchmal darin, nur mit wenigen Worten da zu sein.
00:18:31: Sprecher 1 Zum Beispiel Wie geht's dir damit gerade? Oder auch Ich sehe, dass dich das gerade sehr trifft. Oder Das muss sich schwer anfühlen. Wir müssen das jetzt nicht lösen. Oder auch ein Angebot. Ich bin da, wenn du reden willst. Und manchmal besteht Curriculation beim Jugendlichen gerade darin, den richtigen Moment abzuwarten, nicht im Höhepunkt der Emotionen ein Gespräch erzwingen zu wollen, sondern eben präsent zu bleiben, später wieder anzuknüpfen.
00:18:59: Sprecher 1 Ja, und der Dialog wird wichtiger, aber eben nicht als sofortige Verarbeitung auf Knopfdruck oder auch mit langen Gesprächen. Ja, sondern Dialog kann auch aus kurzen Sätzen bestehen. Ja keine Erklärungen, sondern auch mehr kurze Fragen aufzubringen und und reinzubringen. Also ihr merkt, dass Curriculation mit erwachseneren Kindern, also mit mit Jugendlichen und dann auch mit jungen Erwachsenen noch mal eine ganz andere Qualität vielleicht auch hat, eine ganz andere Haltung hat, eine ganz andere Dimension hat und viel darin besteht, dass wir auch uns selbst regulieren können, dass wir nicht sofort was tun müssen, sondern dass es vielleicht erst mal wichtig ist, da zu sein.
00:19:44: Sprecher 1 Also noch mal Ein wesentlicher Unterschied der Korrelation zu jüngeren Kindern ist, dass wir dort direkter helfen beim Sortieren, beim Benennen und beim Regulieren. Bei Jugendlichen geht es viel stärker darum, Beziehung so anzubieten, dass sie Raum haben, dass sie ihr Gesicht wahren, dass sie ihre Würde wahren, ihre Selbstständigkeit und dass ihr Gefühl auch gewahrt bleibt. Ja, also wir dürfen das Gefühl haben, weniger was zu verändern.
00:20:14: Sprecher 1 Ja, wir sind nicht mehr so der Notfallhelfer, der sozusagen ankommt und orientiert, sondern mehr so in dem Gefühl Ich bin da und schaue, was du brauchst. Auch weniger ungefragt selbst reden, sondern mehr zuhören und eher Fragen reingeben und verlässlich da bleiben. Da dableiben im Sinne von Beziehungspräsenz. Jugendliche brauchen viel stärker unsere Beziehungs präsenz und schon dadurch entsteht eine Form von Koregulation.
00:20:44: Sprecher 1 Ja, sie brauchen Erwachsene, die Halt geben, ohne festzuhalten. Erwachsene, die in Kontakt bleiben, ohne sich aufzudrängen. Sie verstehen hinter Rückzug, hinter Gereiztheit, Abwehr oder Lautstärke liegt nicht eine, ja eine Unfähigkeit oder eine Beziehungs, ein Beziehungsabbruch, sondern eine Entwicklungsphase voller innerer Umbrüche. Ja, und mir ist noch mal wichtig, auch an der Stelle zu sagen, dass auch wir erwachsene Koregulation untereinander brauchen.
00:21:14: Sprecher 1 Und wir dürfen darauf zurückgreifen. Ja, wir haben ja auch Freundinnen und Freunde, die das tun, oder Partner und Partnerinnen. Und wenn wir uns da verstanden, wichtig und wertvoll gesehen und gehört in unseren Anliegen und so auch geborgen und aufgehoben fühlen und jemand präsent an unserer Seite bleibt, dann ist das ja auch regulation. Ja, also dieses manchmal fragen Eltern Wie lange dauert das denn, bis mein Kind sich selbst regulieren kann?
00:21:40: Sprecher 1 Und natürlich ist eine gute Selbstregulation entscheidend dafür, dass ich das Leben bunt wahrnehmen kann, dass ich meine Gefühle gut regulieren kann, dass ich auch entsprechend handeln kann, mein Handeln daran anpassen kann und in Verbindung gehen kann und gute, konstruktive Strukturen und Strategien habe, um das Leben zu bewältigen und auch in meiner Lebendigkeit zu sein. Und gleichzeitig besteht das Leben aus Wellenbewegungen und gibt es Dinge, die uns bewegen und wo wir eben auch auf andere Menschen zurückgreifen dürfen und uns auch regulieren dürfen?
00:22:14: Sprecher 1 Wir sind nicht alleine auf dieser Welt und wir müssen nicht alleine bleiben, sondern wir dürfen auch gegenseitig Verbindung spüren und in dieser Verbindung uns auch gegenseitig ko regulieren. Und vielleicht kennt ihr das. Wen ruft ihr an, wenn ihr euch besonders freut? Wenn es eine freudige Nachricht gibt? Und mit wem teilt ihr Freude? Das ist ja auch eine Form von Coregulation.
00:22:35: Sprecher 1 Einen eine Freude teilen, damit sie sich verdoppelt, verdreifacht oder auch einen starken Schmerz. Den rufen wir an, wenn was Schlimmes passiert ist. Wenn eine Katastrophe passiert ist, wenn wir out of order sind. Und wer kann uns dann halten? Und wer macht das sozusagen so, dass wir auch das Gefühl haben, dass wir einen Raum haben? Und wer geht vielleicht so rein, dass er gleich sagt Ach ja, das kenne ich auch Und dann seine eigene Geschichte erzählt.
00:23:02: Sprecher 1 Also Kontakt an sich ist es nicht und Verbindung, sondern die Art und Weise, wie wir in Verbindung Beziehung halten und präsent sind. Ja, in diesem Sinne. Vielen Dank, liebe Linda, für diese Frage und ich wünsche uns allen neben der Fähigkeit zur Selbstregulation auch Menschen an unserer Seite, die uns KO regulieren können und wir uns so alle gut und sicher verbunden fühlen können oder Strategien haben, uns das immer wieder zu erfüllen.
00:23:31: Sprecher 1 Wir lieben das, was wir heute in der Familiensprechstunde schreibt, auch gerne mal in den Kommentaren bei Spotify. Wie geht es euch mit Selbstregulation und Curriculation? Ich finde das wirklich ein sehr spannendes Thema, weil es ja Verbindung zu sich selbst, Selbstregulation und eben auch zu der Welt, zu dem anderen, ja zu anderen Menschen ist. Kokulation. Wie geht es euch damit?
00:23:54: Sprecher 1 Ich freue mich auf den Austausch und wenn ihr weiter rezensiert und viele Sterne vergibt und weiter fragt und mir eure Fragen dann auch schickt an Podcastminus Familiensprechstunde Katia Saalfrank Für heute sage ich Auf Wiedersehen. Ich danke euch sehr für euer Zuhören, für euer offenes Herz, für euer offenes Ohr. Bleibt weich und liebevoll mit euch selbst und euren Kindern und bis nächste Woche eure Katia.
00:24:23: Sprecher 1 Das war die Familiensprechstunde mit Katia Saalfrank. Eine neue Folge gibt es jeden Montag überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn du magst, nimm dir jetzt noch einen Moment Zeit für dich. Zeit, das Gehörte nachwirken zu lassen. In Kopf, Herz und in deinem Körper. Vielleicht hat sich etwas gezeigt, eine neue Perspektive oder eine leise Bewegung nach innen. Spür gerne nach und entschleunige noch mal wenn du selbst eine Frage hast, die du hier in der Familiensprechstunde teilen möchtest, schreib mir gerne an Podcastminus, Familiensprechstunde etc..
00:24:57: Sprecher 1 Katia Saalfrank, p. Alle Zuschriften werden natürlich anonymisiert. Hinweise zur aktuellen Folge sowie Informationen zu meinen Kursen und Ausbildungen und allen Angeboten findest du in den Shownotes. Schau dich dort gerne um. Ich danke dir von Herzen, dass du dir Zeit genommen hast und ich wünsche dir viele gute Beziehungserfahrungen und Verbindungsmomente. Und nicht vergessen es gibt keine schwierigen Kinder, sondern nur schwierige Situationen.
00:25:26: Sprecher 1 Bleibt nicht damit. Alleine schon ein Gespräch kann Veränderung bringen. Ein Austausch entlasten und Fragen zu stellen, kann neue Wege öffnen. Deine Katia.
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